Dies ist ein 300SEL 6.3 Baujahr 1970

Abb. 1: Der Wagen im Sommer 2001

1. Die Historie:

Dieser 300 SEL 6.3 wird am 22. Juni 1970 in Stuttgart mit der Fahrgestell- Nr 1200458x gebaut. Der Wagen wird von der Firma Fütterer in Baden Baden bestellt, gefahren und natürlich vorschriftsmäßig regelmäßig gewartet. Nach gut einem Jahr hat der Wagen bereits 45.000 KM gelaufen. Am 04.09.1974 wechselt er mit KM-Stand 167.675 erstmals den Besitzer: Die Firma Schell in Rastatt erwirbt den Wagen offiziell, gekauft und gefahren wird er jedoch von Heinz Mayer (geb. 1930). Herr Mayer ist zu dieser Zeit viel unterwegs (macht ja auch Spaß und die Firma zahlts!) Herr Meyer macht sich bald selbständig. So wird der Wagen am 19.02.1976 mit KM-Stand 201.169 auf seine eigene Firma in Baden Baden umgemeldet mit dem Kennzeichen BAD-AA 20 (intern nur "de AA zwaanzisch" genannt). Am 19.10.78 wird der Wagen dann offiziell als Firmenwagen ausgemustert (auf dem Tacho stehen 251.014 KM) und auf Herrn Mayer privat umgemeldet. Bis 1984 legt das Fahrzeug aber immernoch jährlich 25.000 KM zurück, bevor es zum reinen Sonntagsauto wird und nur noch zu besonderen Anlässen auf die Straße darf. Am 16.03.1984 stehen stolze 415.067 KM auf dem Tacho! Zu dieser Zeit nehmen auch die Reparaturen überproportional zu, alle Instandsetzungen werden aber bei Mercedes durchgeführt. Erneuert werden neben allen Verschleißteilen erstmals 1985 auch Blechteile: Z.B. 1985 Kotflügel und Tür rechts vo für 2.500 DM. 1988 folgen Radlauf vo li, Kotflügel, Tür li vo, Einstieg links - zusammen fast 5.000.- DM. Im Frühjahr 1992 rammt Herr M. beim Rückwärtsfahren eine Laterne. Daraufhin wird der Schaden für 4.000 DM durch ausbeulen repariert. Doch die Reparaturstelle ist noch deutlich zu sehen: Also wird im Winter 1992 das komplette (!) Heck des Wagens erneuert.

Außerdem werden erneuert Radhaus vorne rechts, Tür hinten rechts und hinten links, Schiebedach, Teile des Auspuffs sowie der Tank kunsstoffbeschichtet. All diese Arbeiten kosten insgesamt weitere 23.000 DM! Im Oktober 1997 erfolgt die letzte Wartung: Erneuert werden beide Scheinwerfer und Teile der Vorderachse bei KM 460.952.
Im Frühjahr 1998 nun nimmt das Schicksal seinen Lauf: Herr M. verleiht den 6.3 an den Nachbarssohn, der damit eine Hochzeit fahren will. Natürlich bleibt es nicht bei der Hochzeit, sondern der 6.3 darf auf der Autobahn nochmal
zeigen, was er kann.... das Ende: Eine riesen Rauchwolke - Motorschaden! So wird der 6.3 abgeschleppt, der Abschlepper kauft den Wagen, bevor er von einem jungen Mann erworben wird, der "mal eben den Motor umbauen" wollte. Ein neuer Motor kostet aber 80.000 DM, und ein gebrauchter immerhin ca. 5.000 DM. Da das Projekt etwas groß ist, wird das Fahrzeug im Sommer 2001 zum Verkauf angeboten.

 

2. Der Kauf

Die Anzeige klingt interessant, zwar Motorschaden, aber die Ausstattung ist gut, optisch steht der Wagen prima da, und an dem Wagen ist ja quasi alles schon erneuert worden (inkl. Dokumentation). Aber der Preis ist zu hoch. Das ist der Stand im August 2001. Erst als im Dezember der Wagen immernoch zu haben ist, und der Preis deutlich gesunken ist, nehmen wir den Wagen. Also ab per Hänger nach Hause in die Scheune. Inzwischen ist er doch optisch etwas mitgenommen mit mattem Lack und Moosansatz von der Zeit, die er draußen stehen mußte.

Abb. 3: Der Wagen nach dem Kauf in der Scheune im Winter 2002

3. Die Folgekosten:

Die Folgekosten sind bis jetzt ausnahmsweise minimal! Zuerst gehen wir dem Motorschaden auf den Grund. Der Motor dreht sich nicht mehr, ist fest. Was war passiert? Ein Endoskop bringt die Wahrheit ans Licht. In Zylinder 6 ist kein Kolben mehr! Nur noch Reste. Scheinbar ist das Gemisch (z.B. durch eine defekte Einspritzdüse) so stark abgemagert, daß der Kolben verglüht bzw. geschmolzen ist und sich seine Aluspäne im kompletten Motor verteilt haben. Selbst der Luftfilter ist voll mit Spänen! Außerdem steht Wasser im Brennraum. Irreparabel! Also Motor ausbauen. Den Motor in einer Werkstatt (nach unten mit Achse) auszubauen dauert immerhin knapp 2 Tage!

Abb. 4: Der kaputte Motor und das Auto auf der Bühne

Das Blech wird nun auf Herz und Nieren abgeklopft. Obenrum ist der Wagen wirklich rostfrei, Türen/Hauben/Kotglügel wurden ja alles bereits ersetzt. Bekannt war nur eine kleine Durchrostung am Boden/Innenschweller des Beifahrerfußraums. Aber soweit war alles schwarz am Boden und fest. Ein gutes Zeichen?
NEIN! Denn jetzt kam zum Vorschein, wie einige Jahre vorher blechmäßig gearbeitet wurde: Es wurde billigst gepfuscht, man kann fast sagen betrogen. Wenn etwas zu schweißen war, wurden immer neue Bleche über das alte gebraten. Damit es keiner sieht, wurden die Kanten mit einem harten, Gummiähnlichen Kit zugeschmiert (das hellbraune auf dem Foto) und dann mit Unterbodenschutz unkenntlich gemacht. Stochern mit dem Schraubenzieher bringt also zu Tage, was keiner vermutet hat: Innenschweller und Boden müßten aufwändig saniert werden.
Abb. 5: Das marode Radhaus vorne rechts

4. Die Ausstattung:

 

Jetzt zu etwas Positivem: Die schöne Ausstattung. Der Wagen ist ausgestattet mit eSSD, ZV, Color, 4 eFh, Leder, sowie Alufelgen. Die Farbe ist 173, anthrazitgrau. Zum Leder gehörte serienmäßig Wurzelholz - ein Traum!

Die Datenkarte hat folgenden Inhalt:

 

Abb. 6: Der schöne Innenraum mit Leder Bambus


40/1 Einzelsitze 41/0 Schiebedach elektrisch
53/4 Antenne mechanisch, ohne Radio 56/1 Fahrersitz links verstärkt
59/7 Wärmedämmendes Glas, rundum 249 Leder Bambus
220 Türkontakte Fondtüren 260 Wegfall Typenkennzeichen auf Heckdeckel 300SEL
261 Wegfall Typenkennzeichen auf Heckdeckel 6.3
835 Kokosmatten

5. Fazit:

Das Fahrzeug hat leider nicht die Erwartungen erfüllt, die wir in es gesetzt hatten. Leider ist es einem unsoliden Pfusch einer Karosseriewerkstatt zum Opfer gefallen. Wenn man bedenkt, mit welchem finanziellen Einsatz der langjährige Besitzer den Wagen gepflegt hat ein Jammer. Allein in die Karosserie sind fast 35.000 DM geflossen - und das vor rund 10-15 Jahren, als der Stundensatz etwa 60% des heutigen betrug. Wäre nur der Motor defekt oder wäre nur der Boden zu schweißen - dann wäre es ein schwieriges aber machbares Unterfangen. Aber beide Arbeiten auf einmal durchzuführen - das ist uns zu viel. Auf den Bildern sieht man nochmal das Problem von innen und von außen.

Abb. 7: Der Beifahrerfußraum - die schlimmste Stelle am Auto

Abb. 8: Der Boden von unten

Heute wird der Wagen also nicht mehr bewegt, er steht trocken in einer Halle. Entweder er wird aufgrund all seiner guten Blechteile nach und nach geschlachtet, oder ein Liebhaber findet sich, der genug Energie hat, den Wagen wieder aufzubauen. Einen guten Motor haben wir inzwischen selbst erworben.

Aktuelle Info: Dieser 6.3 ist zwischenzeitlich verkauft. Der Wagen wird restauriert.

Erfahrungsaustausch / Kommentare gerne per mail an 300SEL6.3@web.de

Letztes Update dieser Seite: 12.01.2005
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