Dies ist ein 450SEL 6.9 Baujahr 1978

Abb. 1: Der Wagen beim Kauf im Herbst 2002

1. Die Historie:

Dieser 450 SEL 6.9 wird 1978 in Stuttgart mit der Fahrgestell-Nr.1200461x gebaut. Er wird regelmäßig gewartet (letztmals bei 225.000KM) und legt bis 1993 237.507 KM zurück. 1993 dann beschließt sein Besitzer, dem Wagen einen neuen Lack zu spendieren. Nötig macht dies ein bisschen Rost an den Radläufen und ein verbeulter Kotflügel vorne rechts. Außerdem haben div. Lackierungen aufgrund kleinerer Rempeleien ihre Spuren hinterlassen. So wird der Wagen also zerlegt, und die Lackiererei spachtelt und grundiert den Wagen. Aufgrund nicht geklärter Umstände wandert der Wagen 1993 in eine Tiefgarage im Pfälzer Wald, in der er die nächsten fast 10 Jahre verbringen sollte.

2. Der Kauf

Gut wenn man einen kennt, der einen kennt... Also im September 2002 muß die Garage geräumt werden, und da bieten wir uns gerne an, den Wagen "zu entsorgen". Gut auch, daß die Federung noch funktioniert. Also ab auf den Hänger und nach Hause in die heimische Halle. Das der Motor nicht läuft, spielt an dieser Stelle noch keine Rolle....

3a. Folgekosten die Erste:

Kurzfristig läuft der Motor, sehr schön ohne mechanisch störende Geräusche, wenn man etwas Benzin in den Mengenteiler schüttet. Auspuff und Bremsen funktionieren soweit. Leider ist vermutlich die Spritversorgung defekt: Die Benzinpumpe ist fest, Spritleitungen defekt, Filter verstopft. Also ist noch ein bisschen Arbeit angesagt, bevor man genaueres sagen kann. Außerdem fehlen sämtliche Anbauteile an dem Wagen, keine Lampen, Stoßstangen, Zierleisten, Teppiche, Sitze! Am vernünftigsten/wirtschaftlichsten wäre, den Wagen an dieser Stelle zu schlachten.

Abb. 2: Der Innenraum und der Motor

3b. Folgekosten die Zweite (Fortsetzungsstory - neu 30.11.03)

Aber nein, so eine "Halbleiche" in der Garage ist uns irgendwie zu unbefriedigend. Also wird der Weihnachtsurlaub geopfert, um den Wagen in der Werkstatt selbst etwas frisch zu machen. Dazu wird ein 73'er 280SE geschlachtet, der ein paar seiner Anbauteile wie Lampen spenden darf und einen Fahrersitz! Dann beginnt das Schrauben. Bremsen gangbar machen, kein Problem. Dann Spritpumpe tauschen. Motor läuft nicht. Dafür hängt der Anlasser und dreht immer. Also Anlasser ausbauen, zerlegen und gangbar machen. Spritfilter ersetzen und den undichten Druckspeicher überbrücken, und Spritleitungen am Tank erneuern. Kein Erfolg. Einspritzdüsen ausbauen und abdrücken. Sind soweit ok. Aber immernoch kein Erfolg. Es kommt kein Sprit an den Einspritzdüsen an. Also Mengenteiler ausbauen und zerlegen - der Steuerkolben hängt. Er ist auch gangbar zu machen, hängt aber wieder nach kurzer Standzeit. Also wieder ausbauen, Gummis im Mengenteiler ersetzen, Kolben erneut gangbar machen. Erfolg wieder keiner, Kolben hängt erneut und Motor läuft nicht. Also gebrauchten Mengenteiler organisieren und einbauen. Und? Kein Erfolg, der Motor will nicht. Also Warmlaufregler überprüfen, saubermachen, und wieder montieren. Dabei noch eine weitere Spritleitung zum Warmlaufregler ersetzen (selbstgebogen aus LKW Bremsleitung). Kein Erfolg - oder doch.... Der Motor läuft dann, wenn er Sprit oder Bremsenreiniger direkt in die Stauscheibe bekommt. Kleine Anekdote am Rande: Bei einer der Bastelaktionen am Motor lief Sprit aus. Bei einem der folgenden Startversuche gab es eine Fehlzündung mit Stichflamme, und der ausgelaufene Sprit geriet in Brand. Also brannte der ganze Motor!! Sehr interessant die Reaktion der herumstehenden Personen und des Werkstattbesitzers.... aber mit ein paar Lappen und Preßluft konnte das Feuer ohne Schaden gelöscht werden. Aber der Motor lief auch davon immer noch nicht! Also organisierten wir eine Messuhr, um die Drücke der K-Jetronic zu messen. Zuerst wurden abends beim Bierchen Unterlagen gewälzt, um die Funktion der Anlage zu verstehen und was Steuerdruck und Systemdruck sind. Die Uhr zeigte dann einen Steuerdruck von 9 bar an! (3-5 bar sind ok). Dadurch wurden die Einspritzdüsen dauernd geöffnet, und die Zylinder geflutet. Die Spritleitung waren neu, die halbe Einspritzanlage auch - was kann das noch sein? Die letzte Lösung war der Tank - der Tankrücklauf war zu. Keine Chance mit Preßluft oder Draht da durch zu kommen.

Das ist der aufgeschnittene Tank mit der verstopften Rücklaufleitung. Wie versteinert und knochenhart die Rostbrösel am Ende im Rohr. Das braune außenrum am Tank ist übrigens Rost. Nur unten im hellen Bereich stand wohl jahrelang der Sprit.
Abb.3: Der ausgebaute Schrotttank

Also einen anderen Tank rein (den aus dem 280) - und siehe da, der Motor läuft!! Jubelschreie nach 4 Wochen Hardcoresuchen... Dann Ölwechsel, Getriebeöl nachfüllen, und raus auf die Straße. Als erstes fiel das Gasgestänge auseinander. Aber dank Kabelbindern und div. Unterlegscheiben konnte man wenigstens Halbgas geben. Wie wir dann merkten, als der Motor Temperatur bekam (auf einer einsamen Landstr.), hat er noch kein Standgas und geht ständig aus. Dann springt er erst nach ca 5 Minuten Wartezeit wieder an. Sehr nett, mit Warnblinker in dem halbzerlegten Zustand nachts irgendwo liegenzubleiben... aber mit viel Geduld und Ruhe geht auch das. Dann erwarben wir für 25 Euro einen 79'er 350SE, der seine schwarze Velours Innenausstattung, Stoßstangen, Tempomat, Scheinwerferwischwasch, Hauben und Türen spendierte.

Abb. 4: Der 79'er Schlacht 350SE

So wird dieser 6.9 erstmal als rollendes Ersatzfahrzeug eingesetzt, um weitere Standschäden zu vermeiden.

Abb.5: Das FunCar nimmt ja wieder Züge eines Mercedes an!

Ja aber... es geht weiter. Denn die gebrauchten Spritpumpen rosteten auch alle nach und nach fest. Also mit der vierten Spritpumpe dann lief der Wagen nur vollgetankt, aber er lief. Wieder ein zugegammelter Tank ist das Problem. Also wurde erneut ein technisch hervorragender - aber blechmäßig total fertiger 79'er 350SE erworben, der Tank und Benzinpumpe spenden muß. Im Bild unten bei einer Abschleppaktion, vorne der 350, hinten der 6.9 der wieder einemal wegen Dreck im Tank und/oder festgegangener Benzinpumpe liegengeblieben ist.

Abb.6: Inzwischen untenrum lackiert, aber trotzdem liegen geblieben!

Im Herbst verpaßten wir dem Wagen noch eine mattschwarze Sprühdosenlackierung, natürlich nur um weiteren Rostbefall zu erhindern.... Die neue Lackierung erforderte natürlich eine Probefahrt. Dabei scheuerte leider die Hauptdruckleitung der Spritpumpe an der Antriebswelle durch. So verloren wir rund 20 Liter Sprit und dieser verteilte sich auf dem heißen Differential und dem heißen Auspuff. Aber Gott sei Dank brannte der Wagen nicht ab....:-))

4. Die Ausstattung:

Der Wagen hat eine recht gute Ausstattungen, mit Klimaautomatik, Leder, Becker Mexico, Leseleuchten hinten und Sitzheizung links. Die Lackierung ist (war) 876 zypressengrünmet.

Die Datenkarte hat folgenden Inhalt:

40/6 Einzelsitz mit orthopädischer Fahrerlehne, links und rechts 50/2 Aussenspiegel rechts
51/1 Radio Becker Mexico Electronic Stereo LMU 53/1elektrische Antenne hinten links
63/1 Verbandskasten 64/0 Leichtmetall-Scheibenräder
877 Leseleuchten hinten 58/1Klima Automatik
870 Sitzheizung links 811 Lautsprecher im Heck

5. Fazit:

Das Fahrzeug hat prinzipiell eine sehr solide Karosserie. Eigentlich müssen nur ein paar Stellen entrostet werden, die Karosse nochmal gespachtelt und grundiert werden, neuer Lack aufgetragen werden, alle Anbauteile wieder montiert werden (wobei gerade die 'langen' Teile schwer oder nur für teuer Geld zu bekommen sind), und fertig ist ein Alltagsauto. Da uns das jedoch zu teuer ist, wollen wir den Wagen im jetzigen Zustand aufheben, ihn gelegentlich fahren, um ihn als rollendes Ersatzteilfahrzeug zu betrachten. Zum Schlachten ist er deutlich zu schade, zum Aufbauen jedoch ist es uns zuviel Arbeit. Aber gerade bei den heutigen M-100 Ersatzteilpreisen ist es immer von Vorteil, noch einen guten Motor/Getriebe/Hydropneumatik etc. zu haben.
Es ist daher unverkäuflich!

Erfahrungsaustausch / Kommentare gerne per mail an 450SEL6.9@web.de

Letztes Update dieser Seite: 30.11.2003
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