Chaos:
Eher zufällig und nicht ganz ernst gemeint wurde das Wort zuerst
in der Mathematik eingeführt. J. Yorke veröffentlichte 1975 einen
Artikel:
"Periode Three implies Chaos". Dort untersuchte er Eigenschaften
von Abbildungen eines Intervalls auf sich selbst, wobei nichtperiodisches
Verhalten entstand (bei ganz bestimmten Anfangswerten). Eben diese
starke Abhängigkeit mathematischer (und später auch physikalischer)
Systeme von ihren Anfangswerten wurde ab dieser Zeit als "chaotisch"
bezeichnet.
Ein Charakteristikum chaotischer Systeme ist also ihre Empfindlichkeit
gegen Veränderung der Anfangs- oder Randbedingungen; oft schlägt
regelmäßiges Verhalten plötzlich in unregelmäßiges
um. Bereits 1963 hatte E. Lorenz dieses Verhalten am Beispiel mathematischer
Klimamodelle gefunden:
Der Flügelschlag eines Schmetterlings im Golf von Mexiko könnte
das Wetter in Europa beeinflussen, meinte er, um diese Abhängigkeit
einprägsam darzustellen ("Schmetterlings-Effekt"). Wir fragen
uns heute: Könnten die Glockenmänner auf dem Leipziger Kroch-Hochhaus dann nicht auch
einen Tornado in den Südstaaten der USA verursachen? Hat dies noch etwas mit dem Ur-Chaos
als Abgrund, Leere zu tun? Ja, dieses entstand und entseht in den Köpfen
der Wissenschaftler, denn lange als sicher geltende Phänomene wurden
plötzlich unsicher, nicht mehr vorhersagbar!
H. Poincare hatte 1889 die langfristige Stabilität der Planetenbahnen
untersucht.
Er fand heraus, dass sich winzige gegenseitige Bahnstörungen aufschaukeln
und zu drastischen Veränderungen führen könnten. Obwohl
er diese Angelegenheit dann nicht weiterverfolgte, da er vor den Konsequenzen
zurückschreckte, spricht man heute von Poincare-Szenarien: Die Entwicklung
eines Systems vom geordneten zum chaotischen Verhalten.
Die Chaostheorie untersucht komplexe nichtlineare dynamische Systeme. Dabei treten grundsätzlich zwei Arten von Prozessen auf:
Aus Ordnung entsteht Chaos: Wie gehen Prozesse,
die (oft) einfachen Gesetzen gehorchen,
von geordnetem zu (völlig)ungeordnetem Verhalten über?
Vom Chaos zur Ordnung: Wie entstehen in diesen
Übergängen wieder neue Ordnungsstrukturen (Antichaos)?
Angemerkt werden muss, dass bisher kein einheitlicher Ablauf gefunden
wurde, es gibt Ähnlichkeiten, aber jedes System entwickelt sich anders
zwischen Chaos und Ordnung. Zusammen mit der großen Anwendungsbreite
der Chaostheorie bewirkt dies (zurecht?) Verständnisschwierigkeiten.
Chaostheorie bewirkt Chaos - Durcheinander, Wirrwarr - aber hoffentlich
kein Gähnen!
Fraktale:
Dabei handelt es sich um geometrische Objekte, die nicht in die klassische (Euklidsche) Geometrie passen, in der es um Objekte wie Punkte, Geraden, Ebenen, usw. geht.
Beispiel: Küstenlinien. B. Mandelbrot stellte die Frage: Wie lang
ist die Küste Englands?
Seine Antwort: Es kommt darauf an, mit welchem Maßstab man mißt!
Denn:
Je genauer man hinschaut, desto länger
wird die Küste.
Immer wieder treten ähnliche Formen auf.
Mathematisch wurde solchen Linien Dimensionen zwischen 1 (Gerade) und
2 (Ebene) zugeschrieben, also "gebrochene" (fraktale) Dimensionen, z.B.
1,26 (entspricht etwa der Küste Englands). B. Mandelbrot war der Schöpfer
dieses Begriffs und fand selbst das berühmteste aller Fraktale: Die
nach ihm benannte Menge (auch: "Apfel-Männchen"). Es entsteht aus
einer einfachen Formel, wobei das Ergebnis jeder Rechnung wieder in die
Formel eingesetzt wird. Dies macht man so oft, bis eine gewisse Grenze
überschritten wird und zählt die Anzahl der Schritte. Dieser
Anzahl wird dann ein Farbwert zugewiesen.
Das Fraktal ist ein "unendliches" Universum, man kann beliebig oft
vergrößern, hinein-zoomen, immer wieder findet man ähnliche
Formen. Weiters interessant: Viele Formen in der Natur ähneln Fraktalen
bzw. sind damit beschreibbar: Blätter, Bäume, Blutgefäße,
Wolken, Schneeflocken, ...
Hier geht es zu einer kleinen selbst erstellten Fraktalgalerie.
Dazu wurde die Anwendung Flarium 24, Version 8.9 von Stephen C. Ferguson verwendet.