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Kapitel 7

PLATTEN- UND VERSANDFIRMEN

Für die deutschen Skinbands war es besonders in den 80er Jahren schwierig, eigene LPs zu veröffentlichen. Aufgrund des rechtsradikalen und gewaltbehafteten Images der Skinheads lehnten es fast alle Plattenfirmen (auch „Labels“ genannt) schon damals ab, mit ihnen Verträge zu schließen. Ein Ausnahme bildete nur die Brühler Firma Rock-O-Rama, die aber schon damals eindeutig rechtsradikal ausgerichtet war.

Um das Quasimonopol von Rock-O-Rama zu umgehen, ließen seit 1985 vor allem Skinheadbands aus Frankreich und England ihre Platten von der Firma Rebelles Européens im südfranzösischen Brest vertreiben. Inhaber Gael Bodilis gilt als Neonazi und zensierte die Bands weder textlich, noch was die Aufmachung ihrer LPs betraf. Neben Platten und CDs bot seine Firma auch T-Shirts, Aufnäher, Bücher und Nazi-Marschmusik an. Per Post wurden die Produkte in viele Länder verschickt.

Einige deutsche Bands wie zum Beispiel Noie Werte, Die Sturmtruppen sowie Nahkampf arbeiteten ebenfalls mit diesem Label zusammen. Dies lag wohl vor allem daran, dass sie aufgrund zu extremer Textaussagen in Deutschland keine Chance gehabt hätten, ihre LPs zu veröffentlichen.

Wirkliche Konkurrenz erhielt Rock-O-Rama jedoch erst Anfang der 90er Jahre in Gestalt einiger deutscher Plattenfirmen. Zu nennen wären hier vor allem Dim Records, Walzwerk Records oder Endsieg Records. Auch das ehemalige Heavy-Metal-Label Skull Records bot nun einigen Skinbands die Chance, unabhängig von Rock-O-Rama Platten zu produzieren. In den folgenden Jahren kamen weitere Firmen hinzu, zum Beispiel Funny Sounds sowie der Dieter Koch Verlag. Viele von ihnen produzieren nicht nur Skinhead-CDs, sondern sind auch im Versandgeschäft aktiv.

In den Jahren 1998 und 1999 gab es in der Bundesrepublik laut Verfassungsschutz rund 50 Vertriebsfirmen, die in größerem Umfang Tonträger und Skinhead-Utensilien anboten. Ein Teil von ihnen wurde sogar von Neonazis geführt. Diese nutzen den CD-Handel, um vom boomenden Rechtsrockmarkt zu profitieren und ihre Klientel ideologisch zu beeinflussen. Eindeutig neonazistisch orientierte und offen zur Gewalt auffordernde Skinmusik stammt jedoch weniger von deutschen Firmen, sondern hauptsächlich von Versandfirmen aus dem Ausland. Diese liefern gegen Vorauszahlung ihren deutschen Kunden auch indizierte CDs sowie anderes neonazistisches Material zu. Häufig werden die Lieferungen jedoch vom deutschen Zoll geöffnet und dann eingezogen.

Skinheads, die den Fehler begingen, bei den dänischen Firmen V2-Merchandise und NS 88/NS Records sowie bei der Stockholmer Wiking Productions zu bestellen, konnten sich über die ihnen zugesandten Produkten nicht lange freuen: Sie erhielten Vorladungen oder waren sogar von Hausdurchsuchungen betroffen. Die von dem deutschen Neonazi Marcel Schilf geführten Firmen NS 88 und NS Records waren aufgrund des behördlichen Druckes gezwungen, im März 1999 ihren Geschäftsbetrieb einzustellen. Die sich noch in ihrem Besitz befindlichen CDs und sonstigen Materialien wurden von der neonazistischen Skinheadorganisation „Blood & Honour Scandinavia“ übernommen.

In Deutschland führten die lukrativen Verdienstmöglichkeiten dazu, dass immer neue Kleinanbieter auf den Markt drängten. Etliche Vertriebe konnten jedoch der härter werdenden Konkurrenz nicht standhalten und verschwanden schon nach kurzer Zeit wieder. Zu dieser Entwicklung trugen auch staatliche Maßnahmen wie Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmeaktionen sowie Geld- und Freiheitsstrafen bei. In jüngster Zeit erhielten die Versandfirmen verstärkte Konkurrenz durch Internetseiten, die Skinhead-Songs in Form von MP3-Dateien anbieten. Nicht wenige Original-CDs werden auch schwarz kopiert und zu erheblich günstigeren Preisen weiterverkauft.

Mittlerweile lassen sich ganze Skinhead-CDs kostenlos aus dem Internet herunterladen. Als Anbieter fungieren in den meisten Fällen Fascho-Skins oder Neonazis, welche ihre Homepages anonym über Server aus dem Ausland (vor allem USA) ins Netz stellen. Da bestehenden Rechtsrock-Bands nicht geschadet werden soll, werden fast ausschließlich solche Tonträger angeboten, die nicht mehr im Versandhandel erhältlich sind. Dazu zählen vor allem indizierte CDs und LPs, aber auch Demotapes.

Aufgrund der Tatsache, dass die einzelnen Musikstücke unkomprimiert viel zu groß sind, um sie mit Hilfe des Internets zu verbreiten, müssen sie vorher in ein anderes Format umgewandelt werden. In aller Regel wird dazu das MP3-Format gewählt, da es eine sehr hohe Komprimierung fast ohne Qualitätsverlust ermöglicht. Sind die Songs erst einmal auf dem heimischen Rechner gelandet, können sie ohne großen Aufwand mit kostenlosen MP3-Abspielprogrammen (z.B. Winamp) angehört oder ins Ausgangsformat zurückverwandelt werden. Mit Hilfe von CD-Brennern, die inzwischen zu erschwinglichen Preisen fast überall erhältlich sind, werden die Musikstücke dann anschließend häufig auf CD gebrannt und auf der heimischen Stereoanlage abgespielt.

Bis Juni 2001 hatte sich insbesondere die Internet-Musikbörse  zu einer zentralen Plattform zum Austausch rechtsextremer Musik entwickelt. „Napster“ bot seinen Nutzern kostenlosen Zugang zu Tausenden MP3-Dateien, die auf den Rechnern anderer Nutzer gespeichert waren. Nach Erkenntnissen des niedersächsischen Verfassungsschutzes wurden bei „Napster“ alle indizierten Titel getauscht. Neonazis hatten durch diesen Dienst die Möglichkeit, selbst zu Mordtaten aufrufende Musik ungestört verbreiten zu können.

Das Internet ist jedoch kein rechtsfreier Raum. Gewalt verherrlichende oder zu Fremdenfeindlichkeit aufrufende Musik darf auch über das Internet insbesondere Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden. Anfang April 2001 führte das Bundeskriminalamt im gesamten Bundesgebiet eine Großrazzia gegen die Anbieter neonazistischer Skinheadmusik durch. Bei Recherchen hatten die Fahnder entdeckt, dass die Musiktauschbörse Napster vermehrt zur Weitergabe rechtsextremer Musikdateien genutzt wurde. Die Staatsanwaltschaft Bonn leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren gegen die Anbieter dieser Dateien ein. Insgesamt wurden bei der Aktion 103 Wohnungen durchsucht sowie zahlreiche Computer, Disketten und andere Datenträger beschlagnahmt. (...)

Der obige Text ist ein Auszug aus dem Buch Skinheads - Gefahr von rechts?.

Weitere Themen von Kapitel 7:

  • Rechte Firmen
  • Unpolitische Firmen
  • Staatliche Maßnahmen

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Letzte Aktualisierung am 21 Januar, 2012


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