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Goldsteig,
Nordvariante
Bayerisch Eisenstein – Falkenstein, Falkenstein – Rachel, Rachel - Lusen Bayerischer Wald..... damit verbinde ich seit meiner frühesten Jugend Begriffe wie: abgeschieden, langweilig, Rentnerferien.... schlicht, ein Albtraum. Und
nun? Wandern in Deutschland ist wieder in, sogar „Top-Trails“ haben wir und
der Goldsteig gehört dazu. Trotzdem musste ich erst mal meine Vorurteile
aufarbeiten, schließlich ist auch die Anfahrt länger als in die Alpen. Oder
vielleicht liegt es auch daran, dass ich selber älter werde.... Egal, die Planungen sind vorbei, unsere Tour startet im Grenzort Bayerisch Eisenstein. So grenznah, dass ich versehentlich zuerst in Tschechien parke; nun gut, fahren wir halt ein paar Meter zurück in diesem recht verlassenen Ort. Natürlich hat es auf der Fahrt hierher erst mal furchtbar geregnet, hier ist es aber nur noch leichter Niesel. Es lohnt sich nicht mal, ne Jacke anzuziehen. Gleich hinter dem Bahnhof (vorbei am Lokalbahnmuseum) geht’s auf die heutige Etappe, bis zum Falkenstein-Schutzhaus. Etwas eintönig steigt der eigentlich gut markierte Weg an, man muß nur erst mal kapieren, dass das grüne Dreieck des Bayerischen-Wald-Vereins (die Markierung für den Europaweg) ja identisch mit dem Goldsteig ist... dann kann man auch über die manchmal unglücklich angebrachten Goldsteig-Hinweise hinwegsehen. Bei dem wunderschön am See gelegenen Wirtshaus Schwellhäusl führt der Weg dann entlang des Triftbachs nach Zwieslerwaldhaus, der einzige Streckenabschnitt, wo uns andere Wanderer und Ausflügler begegnen.
Danach geht’s wieder nach oben, über den Ruckowitzschachten und Wäldern mit ausgedehnten Kyrill-Folgeschäden erreichen wir schließlich das Falkenstein-Schutzhaus. Außer uns hat sich nur noch eine 5-köpfige Wandergruppe angesagt und wir verbummeln den Abend bei einfachem Essen (Leberkäs mit Ei) und gutem Bier (Prinz Luitpold Dunkel). Und während wir auf unserer Etappe schön trocken geblieben sind, gießt es draußen nun in Strömen. Der freundliche Hüttenwirt hat für uns was spezielles vorbereitet: Übernachtet wird in der Hochzeitssuite, einer Kammer mit Panoramablick auf Zwiesel und fließend Warm- und Kaltwasser. Nach einem kargen Frühstück (Leberkäs mit Brot) geht es um 8,30 Uhr auf zur heutigen Monsteretappe. Sie ist (von Hütte zu Hütte) mit 29km und 10 Stunden angegeben, und das ohne Versorgungsmöglichkeit. Also Trinkflasche und Trinksystem gut füllen. Es ist der Tag der Schachten und Filze. Das eine sind ehemalige Waldweiden und das andere so etwas wie Hochmoore. Jedenfalls ist dadurch die Strecke sehr abwechslungsreich, ja fast als spannend zu bezeichnen. Man geht ständig entlang der Grenze zu Tschechien (oft kein Handyempfang), teils durchs kniehoch nasse Gras sowie teils über Holzstege auf den Hochmooren.
Heute erwischt uns dann auch 2 mal kurz der Regen, natürlich an der dafür ungeeignetsten Stelle, nämlich besagten Holzstegen, diese werden bei Nässe unglaublich rutschig, das ist dann kein Spaß mehr. Andererseits kommen so die Ponchos mal zum Einsatz und bewähren sich hervorragend, wir sparen uns so Regenhose und Rucksackschutz. Auffallend am Wandern im Nationalpark ist, dass hier nahezu keine vorgefertigten Pausenplätze (Bänke, Tische o.ä.) vorhanden sind, vielmehr wurden ehemals vorhandene Bänke sogar entfernt. Ob das der Natur unbedingt hilft? Man kann’s auch übertreiben. Nach all den Schachten und Filzen steht uns letztendlich noch die Krönung des Tages bevor, die gut 400 Höhenmeter hoch zum Rachel bzw. dem dortigen Schutzhaus, dem Waldschmidthaus. Der Aufstieg ist nicht ohne, teils arg zugewachsen und extrem schmal. Die Landschaft hat etwas von Endzeitstimmung, graue, halbhohe Baumstümpfe soweit das Auge reicht. Der Borkenkäfer durfte hier Ende der 80iger ungehindert arbeiten, es wird interessant sein, was hier nachwächst und wie das in einigen Jahren aussieht. Letztendlich erreichen wir 10 Minuten vor 17 Uhr bei Sonnenschein das Waldschmidthaus.
Auch
hier haben wir vorgebucht (und angezahlt) und werden schon erwartet. Es gibt nur
2-Bett-Zimmer inkl. obligatorischer Halbpension (42,- p.P.). Doch zuerst mal
unter die Dusche und dann ein Bier. Das ganze Ambiente ist ganz anders als in
der eher einfachen Falkensteinhütte, der Wirt gibt sich redselig und lobt schon
selbst mal sein kommendes 3-Gänge-Menu... es wirkt etwas aufgesetzt. Das Essen
beeindruckt uns dann auch mehr durch Optik als durch kulinarische Genüsse ...
na ja, trinkt man halt ein Bier mehr (2,90 €, ganz schön happig für den
Bayerwald!) . Die Ohropax retten mir die Nacht, vermutlich sind Zeltwände
dichter als die hiesigen Holzwände, zumindest würden sie nicht so extrem
knarzen. Am nächsten Morgen erwartet uns dann strahlender Sonnenschein und ein wirklich reichhaltiges Frühstücksbuffet. Um 9 Uhr kommen wir erst los, es geht in großen Stufen hinauf zum Gipfel des Rachel auf 1452 m. Auf dem Weg nach unten, auf der anderen Seite haben wir etwas später dann einen schönen Blick zum Rachelsee. Wer will, kann Abstecher zum See und der Kapelle machen.
Die Pfade sind heute sehr abwechslungsreich, wenn auch nicht immer einfach zu gehen. Die Felsenkanzel bietet noch mal einen hervorragenden Ausblick. Es ist Samstag und Feiertag, und die Zahl der Wanderer nimmt zu, je näher wir Richtung Lusen kommen. Am Teufelsloch, kurz bevor es hoch zum Lusen geht, entscheiden wir uns dann, diesen heute auszulassen. Nicht dass es uns zuviel wäre, es hat eher praktische Gründe: so schaffen wir es zeitlich ohne Probleme, hinunter nach Waldhäuser zu gehen, dort noch gemütlich eine verspätete Mittagspause einzulegen und können danach mit Igelbus und Waldbahn (Bayerwaldticket zu 7,- pro Nase) problemlos innerhalb gut 2,5 Stunden nach Bayerisch-Eisenstein zurück fahren. So endet unser erster Bayerwald-Ausflug, aber der Nächste ist schon in Planung, in Kürze gehen wir die 12 Eintausender Tour.
Wie immer ein kurzes Fazit: Unsere Bemühungen, möglichst leicht unterwegs zu sein, haben Früchte getragen: Mein Rucksack wog ca. 4,5 kg, der von Birgit knapp unter 4 kg.
Hinzu kamen 2-3 Liter Wasser auf den langen Etappen und etwas Marschverpflegung. Interessant war das Wandern im Poncho, ich empfand es bei Regen als optimal (gut belüftet, umfassender Schutz, schnell an- und auszuziehen, leicht).... wir hatten zu dem Zeitpunkt aber auch keine extrem hoch zugewachsenen Pfade, am 2ten Tag hinauf zum Rachel oder am 3ten Tag Richtung Teufelsloch wären wir vermutlich immer mal damit irgendwo hängengeblieben. Auch an die Trekkingstöcke (exped Alpine, das Paar ca. 430 g) kann man sich gewöhnen, wobei ich zugeben muss, dass ich oft die Hände lieber frei hätte (Karte gucken, Foto machen). Im Moment fällt mir nicht mehr viel ein, was man sonst noch sinnvoll optimieren kann. Ist ja auch was Positives.
Die Zwölf-Eintausender-Tour: Bad Kötzting – Eck, Eck – Großer Arber
Angespornt durch unsere gerade gewanderte Tour im Nationalpark des Bayerischen Waldes haben wir uns die 12 - Eintausender – Tour vorgenommen. 12
Eintausender klingt verdammt harmlos, wenn man die Alpen gewohnt ist.... es
klingt gigantisch, wenn man aus dem platten Land stammt. Letztendlich ist es
wirklich genau mittendrin.... und großteils wunderschön. Nun gut, wir fahren also nach Bad Kötzting, einem (hübschen) kleinen, verpennten Kaff so kurz vor Tschechien. Parken ist vollkommen problemlos, da wir am Ende per Bahn zurückkommen werden, nehmen wir den kostenlosen P+R am Bahnhof. Das hat den Vorteil, dass man auf dem Weg nach Reitenberg hoch zum Kaitersberg eh gleich noch durch den Ort läuft und eventuell letzte Besorgungen erledigen kann. Bei uns sind das zwei Nussecken aus dem Stadtcafe. Ein Fehlkauf par excellence, schlechtere und älter schmeckende Nussecken hatte ich noch nie. Es kann also nur noch besser werden. Der Weg ist mitten im Ort schon ausgeschildert, man kommt am Schwimmbad vorbei, wo (neben vielen Parkmöglichkeiten) auch noch mal die Wanderwege an einer Infotafel angezeigt sind.
Zu Beginn geht es zwar etwas langweilig und in der späten Vormittagssonne recht heiß nach Reitenberg hinauf (wir folgen immer der Markierung K3), doch das ändert sich eine Stunde nach Start, als wir auf den E6 bzw. Goldsteig stoßen, nun sind es richtige Wanderwege. Kurz nach der Räuber Heigl Höhle erreichen wir mit dem Kreuzfelsen (mit 999m noch kein Tausender) einen absolut fantastischen Aussichtspunkt. Weiter geht’s zum Mittagstein mit seiner Kapelle und dann zur Kötztinger Hütte. Der Weg geht hier echt fast mittendurch. Und da ein gutes Bier nie schaden kann, lohnt sich durchaus ein kleines Päuschen.
Im weiteren Wegverlauf merkt man ja die gesammelten Tausender manchmal fast gar nicht und so ist der nächste markante Punkt das Erreichen der Rauchröhren, ein lokaler Kletter-Spot. Den höchsten Punkt des ersten Tages erreichen wir dann am Großen Riedelstein (1132 m), hier lohnt nochmals die Aussicht. Der nun folgende Abstieg ist ein Paradebeispiel über die Hässlichkeit von Skipisten im Sommer, das passt so gar nicht zu den wunderschönen Wegen des ganzen Tages. Wir erreichen unser Tagesziel, den Berggasthof Eck (25,- Euro pro Nase), wo außer uns auch einige andere Goldsteigwanderer unterkommen.
Nun, was wir gestern runter gelaufen sind, müssen wir heute logischerweise wieder nach oben. Vollgepackt mit über 3 Litern Wasser (der Tag ist wieder wolkenlos und vor dem Kleinen Arber gibt es keine Einkehrmöglichkeit) folgt der langgezogene Aufstieg zum Mühlriegel, aber die Mühen werden wieder mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Es sind zwar immer wieder einige andere Wanderer unterwegs, aber insgesamt ist es recht einsam. Über Ödriegel, Waldwiesmarterl und Schwarzeck geht es kurzweilig meist über kleinste Pfade bergauf und bergab immer weiter. Insgesamt sind die Wege hier wesentlich abwechslungsreicher als im Nationalpark auf der vorherigen Tour. Nach dem Reischfleck erreichen wir den Heugstatt, wo eine große Wander-Gruppe andächtig den Beschreibungen eines Wanderführers lauscht. Schnell weg.
Am Gipfel des Kleinen Arber mehren sich dann auch die Ausflügler. An der alten Chamer Hütte (ehemals eine Jugendherberge, jetzt Schutzhaus am Kleinen Arber genannt, mit Übernachtungsmöglichkeit) darf’s dann im Schatten gemütlich auf der Terrasse nochmals ein Bierchen sein, bevor der letzte Aufstieg des Tages in Angriff genommen wird.... hinauf auf den Großen Arber.
Ganz ehrlich, wäre es nicht der höchste Berg des Bayerischen Waldes und irgendwie ja auch ein Ziel des Tages, man könnte sich den Weg sparen. Da läuft man 2 wunderschöne Tage über herrlichste Pfade und steht dann mitten im Trubel von hochgekarrten Ausflüglern. Naja, und besonders schön ist die nähere Aussicht wegen der Skipisten ja auch nicht unbedingt. Egal,
wir müssen noch den Berg runter, da das Arber-Schutzhaus nach der Renovierung
erst eine Woche später wieder Zimmer vermietet, habe ich ein Zimmer in Brennes
reserviert. An der Arber-Alm erwartet uns nach 20 km Tagesetappe dann eine
komplette Ferienwohnung (nicht besonders sauber, aber groß) und bis 17.30 Uhr
gibt’s auch noch was zu Essen und Trinken (nicht besonders gut, macht aber
satt). Und weil ich ja immer am Nörgeln bin (nein, ich versuche nur ehrlich zu sein) lobe ich auch mal explizit das Frühstück des nächsten Tages (Ü mit Frühstück 22,- pro Person). Die heutige Etappe führt uns zurück nach Lam, nichts spektakuläres mehr, einfach gemütlich auswandern auf kleinen Wanderwegen (großteils identisch mit der Streckenführung des Gläsernen Steigs) in feucht-frischer Luft nach den Gewittern der vergangenen Nacht. Um halb Eins erreichen wir den Bahnhof in Lam, setzen uns in den bereitstehenden Zug und sind fasziniert, dass das Wetter bislang an diesem Tag gehalten hat.... wir hatten maximal Niesel.
Noch bevor der Zug den Bahnhof verlässt, fängt es an zu Schütten. In Kötzting ist es schon wieder trocken und wir haben eine absolut lohnenswerte und erlebnisreiche Tour hinter uns. Leute, der Bayerische Wald ist gar nicht so übel und diese Zwölf-Eintausender-Tour ist eine der schönsten, die ich bis dato in Deutschland gelaufen bin. |