
Tag 1, 25.5.
So, nun ist es passiert.
Da baut man ewig und 3 Tage am Auto, und dann ist es zum
Urlaub nicht fertig. Es ist Samstag, der 25. Mai, 5 Uhr früh. Um 6 Uhr wollen
wir uns mit Stefan und Reinald treffen, doch der HZJ ist noch ne Baustelle.
Keine Elektrik im Wohnbereich, nicht eingeräumt. Obwohl ich die ganze Nacht
durchgearbeitet habe. Also telefonieren, sagen, dass wir später nachkommen. Um
7 Uhr ist alles verdrahtet, aber die Kühlbox läuft nicht. Gegen 9 Uhr und nach
dem umcrimpen einiger Kabel funktionierts. Jetzt noch packen,
einräumen......kurz vor Mittag kommen wir los.
Wir wechseln uns beim Fahren ab und abends um 22 Uhr treffen
wir die anderen auf einem Campingplatz bei Serrières südlich von Vienne in
Frankreich. Jetzt kann der Urlaub beginnen!
Tag 2, 26.5.
Wir fahren weiter an die Costa Brava, treffen Alfred und
Gerti mit dem neuen 78er bei Malgrat de Mar. Wieder eine Nacht auf nem
Campingplatz.
Tag 3, 27.5.
Nach
verregneter Nacht gehts zügig Richtung Tarragona, wo wir Richtung Flix ins
Landesinnere abzweigen. Wir wollen heute noch die erste Tour beginnen. Hierfür
habe ich die Roadbooks aus dem mittlerweile nicht mehr lieferbaren Buch "
Guia Toyota 4x4: 101 rutas por la Espana rural" besorgt.
Leider ist das Teil von 1997, d.h. es mangelt etwas an Aktualität. Nun gut,
Tour 79 "Montes de Ascó" wird der Erstversuch. Der Einstieg am
Kraftwerk von Riba Roja muß erst mal gefunden werden, dann gehts los. Eine
schöne Strecke, von der wir uns bei Bild 34 aus dem Roadbook verabschieden, wir
finden den richtigen Weg nicht mehr und es wird schon spät. Etwa eine Stunde
später ist ein schöner Übernachtungsplatz gefunden, zwischen Batea und
Nonaspe (UTM 31T 0271883, 4556927). UTM-Angaben sind in Spanien übrigens
üblich.
Tag 4, 28.5.
Wir
fahren eine Teilstrecke von RB 19 "El Desierto de Calandra" bis
Mazaleon (Bild 28). Eine wirklich schöne Tour durchs ländliche Spanien. Einen
genialen Übernachtungsplatz finden wir bei N40°44.488´, W000°18.321´,
südlich von Castellote. Direkt am Fluss, mit Badestellen und richtig
romantisch.
Tag 5, 29.5.

Auf
kleinen Pisten, von denen es hier jede Menge gibt, fahren wir Richtung Teruel.
Einige Kilometer vorher suchen wir einen schönen Übernachtungsplatz, auf 1.230
m Höhe, idyllisch mitten im Wald (N40°22.985´, W000°59.235´).
Tag 6, 30.5.
Über
Pisten erreichen wir Teruel. Von hier aus südöstlich auf der 234 bis Sarrion.
Hier befindet sich der Einstieg zu RB 18 "Sierra de Javalambre".
Natürlich ist wieder mal der Beginn alles andere als leicht zu finden, doch die
Mühe lohnt: 70 Kilometer Piste, teils auf 2000 m Höhe in eindrucksvoller
Landschaft. Die Kilometrierung im Roadbook ist alles, nur nicht genau, aber für
jeden, der es gewohnt ist nach Roadbook zu fahren, machbar. Fazit: Eine
Traumtour! Hier waren wir bestimmt nicht das letzte Mal. Weiter gehts grob
Richtung Cuenca, wir übernachten kurz vor Canete (RN 420) bei N40°05.678´ ,
W001°33.058´.
Tag 7, 31.5.
Nun, es würde sich fahrtechnisch lohnen in der Gegend zu
bleiben, aber wir wollen ja weiter und so machen einige aus der Gruppe Druck.
Also fahren wir Verbindungsetappe Richtung Toledo. Bei der RB-Tour 46
"Montes de Toledo" finden wir trotz ausgiebiger Sucherei den Einstieg
in Los Yébenes nicht, also gehts auf eigene Faust weiter. Bald wird deutlich,
dass diese Gegend
zwar
schön ist, beim Fahren aber schnell für Frust sorgt: Es ist fast alles
eingezäunt. Allein am Stausee "Embalse de Torre de Abraham" vergurken
wir 2,5 Stunden, ohne einen vernünftigen Zugang, geschweige einen geeigneten
Übernachtungsplatz zu finden. So fahren wir weiter südliche Richtung, in die
Berge der Sierra del Pocito, es ist richtig Arbeit, eine Piste zu finden, wo
nicht alles eingezäunt ist. Wir übernachten auf einem huppeligen Acker auf 952
m Höhe bei N39°18.768´, W004°08.426´.
Tag 8, 1.6.
Weiter Richtung Süden: über Piedrabuena durch die Sierra de
los Canalizos nach Almadén. Über
Santa
Eufemia - Alcaracejos - Penarroya-Pueblonuevo - Fuente-Obejuna -
Alanis
erreichen wir Guadalcanal, den Ausgangspunkt zu RB 14 "Sierra Norte
II". Endlich mal ein Roadbook, wo der Einstieg einfach zu finden ist. Über
sehr staubige Pisten geht es durch recht abwechslungsreiche Landschaft, direkt
neben der Piste finden wir bei Bild 10 des Roadbooks unseren
Übernachtungsplatz, ein sauberer Bach ist nur 20 Meter entfernt.
(N38°09.535´, W005°57.919´)
Tag 9, 2.6.
Wir
fahren das Roadbook weiter, leider enden wir irgendwann an einer verschlossenen
Schranke. Aufgrund der vielen, neuangelegten Wege wäre es allerdings kein
Wunder, wenn wir irgendwo falsch abgebogen wären, die
Zeichnungen
und Kilometerangaben des Toyota-Führers sind teilweise, nun ja,
gewöhnungsbedürftig. Schade, die Gegend hätte noch einiges hergegeben. Über
Guadalcanal fahren wir nach Cazella, wo wir inmitten einer gerade beendeten
Prozession in Dorfmitte eine Kneipe ansteuern und köstliche Tortillas essen.
Weiter nach El Pedroso, wo wir südlich bei einer Brücke einen wunderschönen
Bade- und Picknickplatz entdecken. Direkt am Fluß richten wir unser heutiges
Camp ein und lassen den Tag mit Baden und Lagerfeuer ausklingen (N37°42.340´,
W005°52.717´).
Tag 10, 3.6.
Wir kommen nur ca. 2 Kilometer weit. Stefan hat an seinem
Disco ein kaputtes Vorderachsdifferential. Ein Landrover halt. Schon seit Tagen
hatte er über undefinierbare Geräusche geklagt. OK, vordere Kardanwelle
ausgebaut, aber die Geräusche bleiben, der Anruf beim ADAC sorgt dafür, dass
nach ca. 2 Stunden ein Abschleppwagen auftaucht. In der Zwischenzeit war
sogar
die Guardia Civil hier, hat die Strasse abgesichert und unsere Lösung des
Problems erst nach langem hin- und her verstanden. In Sevilla erfährt Stefan,
dass die Reparatur frühestens in 4 Tagen erledigt sein wird, er tritt deshalb
seinen Heimflug an, dem ADAC sei Dank. Der Rest fährt weiter zum Atlantik.
Zwischen Donana-Nationalpark und Huelva übernachten wir bei Mazagon
unromantisch in Ortsnähe am Strand. (N37°07.873´, W006°49.519´). Es ist
kalt und windig.
Tag 11, 4.6.
Dicke
Regenwolken ziehen vom Atlantik ins Land. Da der Wetterbericht keine Besserung
in Aussicht stellt, fahren wir über Sevilla wieder südöstlich, nach Paterna
de Rivera, dem Ausgangspunkt der als leicht eingestuften Tour
Nr.
3 "Ruta del Toro". Doch bereits nach wenigen Kilometern folgt die
Überraschung: Bei Bild 5 steht "Zona dificil", und genau das sind die
nächsten 1,5 Kilometer auch....denn wenn man außer der Untersetzung auch schon
mal die Achssperren braucht..... . Wir lotsen alle Autos durch die teils engen,
stufigen und ausgewaschenen Pistenreste, ganz ohne Beulen und Kratzer geht es
jedoch bei keinem ab. Es empfiehlt sich unbedingt,
den
Großteil dieser Strecke vorher abzulaufen und die Fahrzeuge an den
Schlüsselstellen einzuweisen. Vermutlich ändert sich der fahrbare Verlauf je
nach Regenfällen und Erosion. Übernachtet haben wir bei Bild 17
(N36°23.504´, W005°53.126´). Es ist windig bei ca. 22 Grad.
Tag 12, 5.6.
In
der Nacht hat Regen eingesetzt, was den weiteren Verlauf der Tour zu einer
leicht rutschigen Angelegenheit werden lässt. Nicht zuletzt aufgrund Alfreds
geringer 4x4-Erfahrung kehren wir bei einem extrem rutschigen Teilstück (Bild
21) um. Wir fahren zügig zum Mittelmeer, ab Marbella wird das Wetter wieder
richtig gut und wir lassen den Tag hinter Nerja an einer einsamen Surfer-Bucht
mit Meeresrauschen ausklingen (N36°45.074´, W003°48.913´).
Tag 13, 6.6.

Heute gehts ab in die Sierra Nevada. Über Jete fahren wir
nach Jayena, von dort nehmen wir die herrliche Piste nach Albunuelas. Überall
laden ausgetrocknete Bachbetten zu kleinen Abstechern ein. An einer besonders
schönen Stelle mit
Brunnen machen wir auf 830 m Höhe Mittagsrast (N36°55.114´, W003°39.352´).
Wir fahren weiter zur Roadbook-Tour Nr. 6 "Las Alpujarras", deren
Einstieg wir an der Abfahrt "Lecrin" von der 323 nach Granada finden.
Am südlichen Ortsende befindet sich die Brücke von Bild 1. Die ersten Meter
der Tour sind frisch geteert.
Langsam schrauben wir uns immer höher. Kurz vor
Bild 23 des Roadbooks befindet sich auf 1.690 m
ein schönes Plateau mit
genialer Aussicht. Unsere Absicht, hier zu übernachten, wird durch einen sich
entwickelnden Sturm vereitelt. Wir sammeln unsere umherfliegenden Habseligkeiten
und fahren etwas weiter. Bei Bild 26 befindet sich ein einsamer, unbelegter
Waldcampingplatz, der wesentlich mehr Schutz verspricht. Hier, auf 1.780 m Höhe
(N36°57.992´, W003°24.745´) haben wir eine recht unruhige Nacht und sind am
nächsten Morgen froh, dass sie heil überstanden ist.
Tag 14, 7.6.
Wir fahren die Tour, die auf teils neu geschobener Piste
immer staubiger wird, zu Ende. Etwas Erholung täte jetzt gut. So entschließen
wir uns, zum Capo de Gata weiterzufahren. Über San José führt eine Piste zu
den Stränden Genoveses und Monsul. Noch 1 km weiter, am Ende der Sackgasse,
befindet sich ein recht einsamer Strand, wo wir übernachten (N36°43.834´,
W002°09.408´). Die Nacht ist wieder sehr windig.
Tag 15, 8.6.

Na klasse, gerade heute, an unserem geplanten Strand- und
Badetag, ist Sturm und bewölkter Himmel. Also tuckern wir weiter, wir wollen
uns noch die anderen Strände des Capo de Gata ansehen. Kurz hinter Rodalquilar
beim Castillo San Ramon ist ein Traumstrand. Da sich das Wetter gebessert hat,
entscheiden wir uns, hier zu nächtigen (N36°51.695´, W002°00.383´).
Tag 16, 9.6.
Den Sonntag verbringen wir bis zum frühen Nachmittag am
Strand, bevor wir doch noch weiter fahren. Zügig soll es grob Richtung
Barcelona gehen. Hinter Alicante machen wir Nachtlager an einem Strand bei
Villajoyosa. Mit Strandbar!
Tag 17, 10.6.
Alfred tankt Benzin statt Diesel. Während der
Tankbereinigung besprechen wir die weitere
Fahrtroute. Aber es ist schon genial,
was man alles schafft, wenn man sich nicht ans Abgesprochene hält: unsere
Gruppe teilt sich unfreiwillig, d.h. wir verlieren uns kurz darauf an einem
Kreisverkehr, trotz CB-Funk. Nun gut, uns machts nichts, wir geniesen einen
angenehmen, unterhaltsamen und weinseligen Abend mit anderen Wildcampern direkt
am Strand bei La Pobla (N41°09.520´, E1°26.818´).
Tag 18, 11.6.
Wir treffen uns wieder bei Sabadell, einem Ort nördlich von
Barcelona. Nach Karte werden Pisten
gefahren, die vorhandenen Roadbooks sind
anscheinend zu langweilig. Über Castellar - St. Lorenc - Gallifa - Sant Feliu
de Codines - Castelltercol - Centelles - Aiguafreda fahren wir zum Berg
Tagamanent im Parque Natural de Montseny. Besonders diese letzte Auffahrt ist
malerisch und ausgesetzt. Auf 1.128 m Höhe übernachten wir auf einer Lichtung
(N41°45.570´, E2°13.782´).
Tag 19, 12.6.
Auf dem Wanderweg GR 5 erreichen wir über El Pla de la Calma
den Paß "Collformic". Die Fahrt erstreckt sich über ein
aussichtsreiches Hochplateau, im Norden erscheinen die schneebedeckten Gipfel
der Pyrenäen zum Greifen nah. Die Strecke nach Sant Marcal ist eine Augenweide,
was man von der stupiden Weiterfahrt über Waldpiste nach Arbúcies nicht
behaupten kann. Dafür passiert hier der größte Gag: mitten im Nirgendwo wird
der Weg durch eine Schranke versperrt, für die Weiterfahrt kassiert eine aus
dem danebenliegenden Bauernhaus kommende Oma pro Fahrzeug 2 €. Mit
Abreissticket!
Am Nachmittag diesen Tages trennen sich unsere Wege: während
Oliver, Reinald, Alfred und Gerti noch 2 Tage "offroad" fahren wollen,
machen Birgit und ich einen gemütlichen Ausklang unserer Tour: wir fahren
zuerst an die Costa Brava zum Camping Laguna weiter und lassen es uns die
letzten 3 Tage mit gemütlicher Heimfahrt über den Gard und die Ardèche in
Südfrankreich richtig gutgehen. Endlich mal ungestört urlaubsmäßig
ausschlafen. Und, man glaubt es kaum......selbst die Rückfahrt durch die
Schweiz geht diesmal mit Sonne ab, kein Dauerregen, wie wir es sonst immer
gewohnt waren.
Fazit:
Insgesamt über 6.000 km. Größtenteils eine sehr schöne
Tour. Besonders das Gebiet um Teruel und Cuenca verdient Aufmerksamkeit.
Ansonsten: schöne Gebiete gibt’s überall, tlw. ist man ohne Roadbook jedoch
aufgeschmissen, da die Großgrundbesitzer im spanischen Süden ihr Gelände
gnadenlos eingezäunt haben.
Der HZJ hat sich voll bewährt, angefangen vom Hubdach über
den Zusatztank bis hin zu meinem Innenausbau. Natürlich gibt es einiges zu
verfeinern, der Praxistest hat gezeigt, wo noch Feinschliff und Änderungen
notwendig sind (insbesondere Wasserversorgung und Kocher).
Die nächste Tour kann kommen!