Gedichte rund um´s "Reisen"
Zug der Zeit
Im Zug der
Zeit
fährt jeder mit;
gar mancher
hält
sich dabei fit.
Das Tempo mach
die Spitze vorn
Streckenweise
ganz enorm.
Die
Landschaft
scheint nicht zu verweilen,
man sieht sie
durch das Fenster eilen;
in Wirklichkeit
steht sie ganz fest
es täuscht
der Zug hier unterdes.
Vom ersten
bis
zum letzten Wagen
jeder muß
die Reise wagen.
So bewegt die
Menschenmasse
sich nicht nur
in einer Klasse.
Jeder hat ein
andres
Ziel
des Zuges Ziel
erreichen nicht viel,
denn bei den
Unterwegsstationen
wechseln oft die
Fahrpersonen.
Auch steht
von
vornherein schon fest,
daß alle
Wagen nicht zuletzt
verbunden
bleiben
bis zum Schluß
der Kurswagen
irgendwann ab muß.
Dann folgt
das
Ende dieser Reise,
die teils auf
schlecht´, teils gutem Gleise
gar manch
Erlebnis,
Lebensweise
mit sich nimmt
auf´s Abstellgleise.
H.J.
Geilenkirchen
der Kantonale Lehrmittelverlag St.
Gallen (Schweiz)
hat dieses Gedicht in die
Arbeitshefte für den Schulunterricht aufgenommen
siehe hier:
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Einmal täglich
Tag beginnt
Wecker klingt
Hektik jetzt
alles ächzt
Kaffee trinken
Brötchen,
Schinken
eilig essen
Zeit bemessen
Bahnhof hier
Leute wirr
S-Bahn voll
Menschen toll
Gehen, stehen
Zeitung sehen
Rasen, hetzen
laufen wetzen
Arbeit
täglich
oftmals
kläglich
Feierabend
endlich labend
Nichts zu tun
Nerven ruhn -
keine Sorgen
vielleicht
morgen?
H.J.
Geilenkirchen
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Verkehr
Wenn der
Verkehr
verkehrt verkehrt,
dann ist was am
Verkehr verkehrt.
Vielleicht ist
es auch umgekehrt
und gerade
deshalb
so verkehrt.
Nur eines
wär
hier ganz verkehrt,
wenn selbst man
hierdurch wird verkehrt.
Drum merke dir,
doch nicht verkehrt,
Solange der
Verkehr
verkehrt
und dabei nicht
verkehrt verkehrt,
läuft alles
richtig und verkehrt
wie vorgesehen
nicht verkehrt.
H.J.
Geilenkirchen
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Speisewagen
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Liegewagen
Schon als wir in der Wiege
lagen,
träumten wir vom Liegewagen.
Jetzt kann man Nachts im Wagen
liegen
und sich in allen Lagen wiegen.
unbekannter Verfasser
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Auf dem
Bahnhof
Höchste Zeit, noch drei Minuten!
Max, jetzt müssen wir uns sputen!
Welch ein Trubel, welch ein Treiben!
Dass wir nur nicht sitzenbleiben.
Mäxchen, fass mich an, mein Sohn.
Mutter, horch! Da pfeift er schon.
Auf der
Treppe welche Menge.
An den Schaltern welch Gedränge.
Wie sie stürzen, wie sie laufen,
schieben, stoßen Karten kaufen.
Mit zwei Koffern, groß und schwer,
hetzt der Vater hinterher.
Dampfend auf
der blanken Schiene
faucht schon zornig die Maschine.
Plätzesuchen, rufen, fragen
Kofferwerfen, Türenschlagen.
Endlich drinnen klein und groß
Fertig! Abfahrt! - Jetzt geht´s los!
Adolf Holst
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Joachim Ringelnatz - Arm
Kräutchen
Ein Sauerampfer auf dem Damm
stand zwischen Bahngeleisen,
machte vor jedem D-Zug stramm,
sah viele Menschen reisen.
Und stand verstaubt und schluckte Qualm,
schwindsüchtig und verloren,
ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
mit Augen, Herz und Ohren.
Sah Züge schwinden, Züge nahen.
Der arme Sauerampfer
sah Eisenbahn um Eisenbahn,
sah niemals einen Dampfer.
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Das Stelldichein
Am
Marktplatz
im Abenddämmerschein
da steht ein
Jüngling so ganz allein
und wendet voll
Sehnsucht seinen Blick
von dort zum
Jakobstor zurück.
"Wo bleibt sie
denn heute so lange"
so seufzt der
Jüngling von Herzen bange
"Vorüber
ist schon die bestimmte Zeit
und nichts ist
zu sehen weit und breit!
Hat sie mal
wieder
die Zeit versäumt?
Steht sie beim
Wenzelstor und träumt?
So komme doch
endlich! Ich stehe hier
mit bangem
Herzen
am Marktplatz und frier!
Und wenn sie
mich treulos lässt im Stich
erreich' ich
den Anschluß im Leben nicht!
Doch sieh! Im
rosigen Dämmerschein
biegt sie zum
Jakobstor herein!
Jetzt kommt
sie,
ich seh' sie nah'n
die
heißersehnte
Straßenbahn!
unbekannter Verfasser
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Sehnsucht!
In einer Straßenlaterne
Schein
da stand ein Jüngling ganz
allein,
sehnsüchtig in die Ferne er
späht,
der Wind ganz eisig um ihn weht.
Wo ist Sie, wo bleibt Sie heute
so
lang,
so seufzt der Arme wehmütig
und bang,
schon lang verstrich die bestimmte
Zeit,
Sie ist nicht zu sehen weit und
breit.
Doch plötzlich, ja richtig
ein
freundlicher Schein,
das wird Sie, das ist Sie, das
muß
Sie doch sein.
Wo bliebst Du heute gar so lang?
Geliebte, ersehnte – Straßenbahn –
unbekannter Verfasser
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Eins, zwei,
drei
im Sauseschritt,
Läuft die
Zeit, wir laufen mit,
Schaffen,
schuften,
werden älter,
Träger,
müder
und auch kälter,
Bis auf einmal
man erkennt,
Daß das
Leben geht zu End!
Viel zu
spät
begreifen viele
Die
versäumten
Lebensziele:
Freude,
Schönheit
der Natur.
Gesundheit,
Reisen
und Kultur,
Darum, Mensch,
sei zeitig weise!
Höchste
Zeit
ist´s! Reise, reise!
Wilhelm Busch
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Aneinander vorbei
Vom
Speisewagen
durch´s
Land getragen,
siehst du
Dörfer,
Felder, Katz´und Küh´
angenommen,
daß
dir das Menü
nichts kann
sagen.
Irgendwo:
Zwei
Barfußmädchen winken.
wissen selber
nicht, warum sie´s tun,
lassen ihre
arbeitsharten
Hände
für Momente
ruhn.
Wissen nicht,
daß
deine Hände sinken,
winken,
grüßen,
in den ganzen
langen Zug hinein,
ahnen nicht,
daß du die
Scholle sein möchtest
unter ihren
schmutzgen
Füßen.
Joachim
Ringelnatz
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Ich höre
nachts
die Lokomotiven peifen,
sehnsüchtig
schreit die Ferne,
und ich
drehe mich im
Bett herum
und denke
"Reisen...!
Kurt
Tucholsky,
"Die fünf Sinne"
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Jede Reise
hat
zwei Höhepunkte:
den einen, wenn
man hinausfährt,
erlebnishungrig
und voller Erwartung -
und den anderen,
wenn man heimkehrt,
gesättigt
von den Eindrücken
und in Vorfreude
auf das eigene Zuhause.
Heinrich
Spoerl,
"Die Hochzeitsreise"
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