Alstadener Bildseiten
Natur pur, wo früher die
Halde brannte
aufgenommen von der ehemligen Alstadener Zechenhalde
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Besuch des Biotop in Alstaden Fast wie auf Bestellung schwirrt ein Eisvogel, den viele höchstens noch aus der Bierwerbung kennen, durch die Luft und ist blitzschnell wieder irgendwo im dichten, satten Grün verschwunden. Den hätte man hier vor gut zehn Jahren ganz bestimmt nicht gesichtet - vorausgesetzt, man hätte überhaupt irgendetwas sehen können. So dicht war der Qualm, der Tag und Nacht über der Halde Alstaden waberte: "Im Sommer war die Rauch- und Staubentwicklung manchmal so groß, dass die Feuerwehr ausrücken musste. Für die Anwohner war der Qualm unzumutbar", erinnert sich Heinz Hermann Verholte vom Naturschutzbund. Der rote Staub lag bis in den Dachrinnen der Daimlerstraße. Wohl kaum jemand, der damals einen Blick auf die Kraterlandschaft geworfen hat, hätte sich vorstellen können, hier zehn Jahre später eine blühende Landschaft vorzufinden. Ist aber so! Bis Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Aue noch landwirtschaftlich als Grünland genutzt. Doch mit der Entwicklung der Zeche Alstaden - im Juni 1855 wurde der Schacht 1 eingerichtet, bis 1933 waren es drei Schächte - ging die Anlage der Halde einher. Erste Schüttungen in der Aue sind auf einer Karte von 1927 zu erkennen. Bis in die 60er Jahre vergrößerte sich der Haldenstandort zusehends, seit etwa Mitte der 70er Jahre brannte die Halde, entzündete sich die Kohle unter Druck immer wieder selbst. Der Birkenbestand starb durch die Schwelbrände völlig ab. "Ich war da mal drauf, mitten im Winter, ringsum war alles gefroren und voller Schnee. Aber da - kein Krümel. Das war wie auf einem Vulkan", erinnert sich Klaus Bausen von der WBO, zu Zeiten der Umgestaltung der Landschaft mit der Oberbauleitung betraut. Nach massiven Anwohnerprotesten begann die Stadt in den 80er Jahren damit, systematisch Material abzutragen. Anfang der 90er dann ging's ans Eingemachte. Tonne für Tonne wurde das ehemalige Haldenmaterial ausgehoben und über die Ruhr nach Holland verschifft: "Bis einen halben Meter unter Grundwasserstand wurde das Gelände modelliert, Steil- und Flachzonen angelegt", erzählt Klaus Bausen. "Das war nicht ganz einfach, es musste ja im Wasser gearbeitet werden", erzählt er von einer riesigen Schlammschlacht. Das auf dem Gelände ein Biotop entstehen sollte, war übrigens nicht von Anfang an klar. Ein Planungsbüro war beauftragt worden, verschiedene Varianten zu erarbeiten. "Unter anderem war ein See im Gespräch, auf dem Ruderboote fahren sollten. Wir sind heilfroh, dass das nicht umgesetzt wurde", meint Michael Tomec vom Naturschutzbund. Als Artenschutzbeauftragter der Vogelschutzwarte NRW ist er glücklich über das entstandene Naturschutzgebiet, in dem schon über 70 Volgelarten gesehen worden sind, darunter viele seltene Exemplare wie Eisvogel, Teichrohrsänger, Haubentaucher und diverse Entenarten. In den Uferzonen, zwischen Schilf und Rohrkolben tummeln sich alle möglichen Frosch- und Krötenarten. Auch eine ausgesetzte oder ausgebüxte Gelbwangenschildkröte, die hier an sich nichts zu suchen hat, fand ein neues Domizil. Auf dem Wasser lässt eine wilde Teichrose kleine gelbe Blüten hervorblitzen: "Als echte Wildform gibt's die in Oberhausen sonst nirgendwo mehr", erzält Tomec, während ein Kormoran über dem Gewässer seine Runden dreht. Dicht über der Wasseroberfläche schwirrt eine Libelle, in den Gräsern und Wildkräutern am Ufer finden Honigbienen Nahrung: "Wenn man am Abend hier ist, kann man Fledermäuse beobachten, die zur Nahrungssuche herkommen", weiß Tomex, der schon manche frühe Morgen- und späte Abendstunde hier verbracht hat, um Vögel und Fledermäuse zu zählen: "Abendsegler, Wasser- und Zwergfledermaus - alles geschützte Arten. Hier kommen sie noch vor", schwärmt er. Natur pur: "In einer so gewässerarmen Stadt wie Oberhausen ist ein solches Fleckchen von unschätzbarem Wert". Ganz sich selbst überlassen kann man das Biotop auf Dauer aber
nicht: Alle sieben bis acht Jahre braucht's eine Landschaftspflegemaßnahme,
sonst drängen Bäume nach und nach das Schilf zurück. "Dann
haben wir hier irgendwann einen Wald und kein Feuchtgebiet mehr". Und das
wäre doch wirklich jammerschade.
Text: Martina Nattermann Quelle: "Der Bürgerring", 3. Quartal 2001. Abschrift mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers "Bürgerring Oberhausen-Alstaden 1950 e.V." |
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