Borreliosesymptome

Da Borreliose eine Multisystemerkrankung ist, nicht alle Patienten alle Symptome haben und auch das Anfangs-Stadium übersprungen werden kann, ist eine anamnestische Diagnose sehr wichtig:

dazu hier eine Checkliste nach den Burrascano Richtlinien für Lyme-Borreliose 
 

Die Symptome sind nicht immer gleich - darum empfielt es sich ein Symptomtagebuch zu führen:

Stadium I

30 - 50 % der Infizierten bekommen nach ca. 3 - 10 Tagen einen roten Hof um die Einstichstelle, der als Erythema migrans (= wandernde Rötung) bezeichnet wird, die von leichtem Juckreiz begleitet ist:

In diesem frühen Stadium treten meist zusätzlich Allgemeinsymptome wie leichtes Fieber, Kopf- , Gelenk- und Gliederschmerzen auf.

Aber bei manchen Menschen wird auch dieses Stadium übersprungen, oder sie bemerken es wegen der Unzugänglichkeit der Hautstelle nicht, verkennen es als grippalen Infekt, dass erst weitere Symptome dann zum Arzt führen, der dann ein recht diffuses Krankheitsbild vorfinden kann.


Stadium II

Etwa 15 % der Erkrankten entwickeln weitere Krankheitsverläufe, bei dem die verschiedensten Organe befallen sind:

Einige Wochen bis Monate nach dem Zeckenbiss, kann der Erreger an verschiedenen Orten wieder aktiv werden. Denn er kann sich abkapseln und ist so gegen Antibiotika unangreifbar.
Er breitet sich über den Blut- oder Lympfweg aus und wird daher wird die Borreliose, da sie ein umfassendes Spektrum an Organen befällt auch "der große Immitator genannt", da man oft ganz andere Erkrankungen behandelt, für die sich die Ursache nicht finden lässt :

  1. An Ohrläppchen, Brustwarzen, Hoden, Ellenbogen, ... können sich Knötchen bilden, sogenannte Lymphozytome bilden oder an Lympfknoten tastbare Verdickungen - Mandelentzündungen
     

  2. Betroffen können auch die Muskulatur, Gelenke und Bindegewebe sein, was dann

    Muskulatur
    a) plötzlich einschießende Muskelschmerzen ohne erkennbare Ursache
    b) Fascialisparesen, wo einzelne Augenlieder hängen, bzw. die ganze Gesichtsmimik betroffen ist
    c) Lähmungen der  Schlundmuskulatur, mit Schluckbeschwerden
    d) Lähmungen der Stimmlippen, mit Schluck- und Sprachbeschwerden und Heiserkeit ohne Anwesenheit eines grippalen Infektes

    Knochen und Gelenken
    am Häufigsten betroffen sind Knie, Schulter, Ellenbogen, aber auch Finger-, Zehen-, Kiefer- und Hüftgelenke, des weiteren gibt es
    a) Fersenbeinschmerzen v. a. nachts im Liegen
    b) symetrische Schienbeinschmerzen ohne Ursache
    c)  "Wundgefühl" an Rippen oder des gesamten Brustkorbes
    d) HWS-Syndrom ohne unfallbedingte Ursache
    e) Gelenkergüsse / z. T. auch ohne Schmerzerscheinungen
    f) "springende" stark ausgeprägte Gelenkschmerzen mit nächtl. Schmerzmaximum
    g) Schleimbeutelergüsse

    Sehnen, Bänder, Fasern

    a) Sehnen und Sehnenansatzschmerzen / rezidivierende Sehnenscheidenentzündung ohne mech. Ursache
    b) oft als psychosomatisch abgetane Fybromyalgien wandernde Muskel, Bänder, Faserschmerzen)


    Haut und Schleimhäute

    a) Mundschleimhautentzündungen
    b) Ekzeme
    c) Hautentzündungen
    d) Haarausfall
    e) Knötchenbildungen
    f) Brennen und Taubheitsgefühle an der Haut
    g) unelastische Runzelhaut (papierartig dünne Bratapfelhaut)
    h) Wundrose
    i) starker Juckreiz mit weißen kleinen flächigen Narben am ganzen Körper, aber auch an äußeren Geschlechtsorganen
    j) knötchenartige Entzündungen des Fettgewebes

     

  3. aber auch das Nervesystem ist vielfach infiltriert (Neuroborreliose)

    Bannwarth-Syndrom (große Nervenschmerzen, z. B. des Ischias, Plexus brachialis), wo man verschiedene Formen unterscheidet
    a) meningiale mit Kopfschmerz und Nackensteife, Fascialisparesen, Schluckbeschwerden - milde Enzephalitis

    b) kraniocaudale mit Extremitäten und Hirnnervbeteiligung z. B Bauchwandparesen

    c) reine Extremitätentyp mit Wirbelsäulenschmerzen, der z. B. einen Bandscheibenvorfall immitiert,  unvollständige Paresen, die gewissermaßen zu Schwächung der Gliedmaßen führt, was meist durch Missempfindungen und Schmerzen beginnt sind zu finden.

    Aber auch kognitive Defizite wie
    a) Merkschwäche / Gedächtnisstörungen (bis hin zur Missdeutung von Alzheimer)
    b) Konzentrationsstörung
    c) Denkblockaden
    d) Sprach und Wortfindungsstörungen,
    e) Schreibstörungen, z. B. neu auftretende Buchstabendreher, weggelassene Buchstaben
     
    Weitere Auffälligkeiten können sein
    a) Desorientierung
    b) starke Erschöpfung oder Müdigkeit, was häufig mit Depressionen verwechselt wird.
    c) Persönlichkeitsveränderungen wie Aphatie, Aggressivität,  Gereiztheit
    d) Parkinson-Symptome
    e) Symptome von multiple Sklerose
    f)  Neuralgien
    g) Schlaganfall.

     

  4. Betroffen können auch Sinnesorgane sein:

    bei Augen treten Doppelbilder auf, Lichtüberempfindlichkeit, Regenbogenhautentzündungen, oder Entzündungen an anderen Augenteilen, Sehstörungen bis hin zur Blindheit.

    Bei Ohren kommen Tinitus, Ohrgeräusche mit Hörminderung vor, Gleichgewichtsstörungen, Drehschwindelattacken

    Beim Geruchssinn
    kann es zu Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinnes führen
     

  5. das Herz ist auch vielfach betroffen:

    a) Pulsfrequenzerhöhung
    b) Herzbeutelerguss
    c) Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern, Herzjagen)
    d) Herzentzündungen
    e) Herzinfarkt (wobei hohe IgG im Blut nachweisbar sind)
    f) Herz AV-Block / Erregungsleitungsstörungen mit Kammer und Vorhofflimmern, wobei es bis hoch ins Stadium III mit Herzstillstand führen kann, wodurch ein Herzschrittmacher nötig wird

     

  6. weitere Symptome können nächtliches Frösteln und übermäßiges Schwitzen sein, Gesichtsrötungen,
    plötzlich auftretende Alkoholunverträglichkeit, 
     

  7. Störungen der harnableitenden Organe:

    a) Blasenfunkionsstörungen bis hin zur Inkontinenz
    b) Blasenschmerzen, Brennen beim Wasserlassen
    c) Hodenschmerzen ohne organischen Befund
    d) Prostataschmerzen ohne organischen Befund
    e) Leistenschmerzen ohne organischen Befund

     

  8. Störungen betreffen auch endokrine Funktionen:

    a) Schilddrüsenfunktionsstörungen (Unter- oder Überfunktion)
    b) Serotoninstoffwechselstörung
         (Stimmungsschwankung, Aggressivität, Schlafstörungen, verstärkte Erschöpfung)
    c) Insulinresistenz, wodurch Menschen zu Diabetikern mit kaum einstellbaren Werten werden
        geht meist einher mit Gewichtszunahme, bzw. Abnahme
    d) Hypercholerterinämie
    e) Menstruationsunregelmäßigkeiten
    f)  sexuelle Funktionsstörungen, Libidoverlust, Potenzstörungen
     

  9. auch andere innere Organe wie Lunge,Leber, Milz und Niere können betroffen sein, was durch Lungenentzündungen durch Borreliose durchaus tödlich im Verlauf sein kann.
    Bei der Niere können Kreatinin Erhöhungen und Proteinurie auftreten

Stadium III (chronische Borreliose)

ist wie Stadium II in verschiedensten Lokalisationen zu finden.

Außerdem sind in diesem Stadium typisch:

Eine Therapie ist in jedem Stadium sinnvoll. Je früher therapiert wird, um so größer sind die Chancen auf vollständige Heilung.

In den meisten Fällen von schnell therapierter Borreliose bleiben keine dauerhaften Schäden zurück.
Aber je länger die Borreliose vorliegt, um so  weniger ist der Körper in der Lage, sämtliche Defekte zu reparieren.

Aber selbst nach jahrzehntelangem Leiden besteht die Möglichkeit die Krankheit zu stoppen.

Lediglich 10 bis 20 % der chronischen Borreliosepatienten sprechen nicht auf die Antibiotikatherapie an.

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