Heiliger
Geist
(Geistesgaben)
Eines der Themen, die gerne gemieden werden, weil sie sehr umfassend sind und
es zumal sehr persönlich wird, sind die Geistesgaben oder auch Gnadengaben
genannt.
Wir
entdecken uns als Originale Gottes
Jeder
ist eine individuelle Persönlichkeit, mit natürlichen Begabungen,
Stärken aber auch Grenzen und Schwächen.
Den
anderen mit seinen Gaben entdecken und gelten lassen, erst das lässt auch
meine Gaben reifen und verhilft zur gegenseitigen Originalität.
Gott
gibt jedem Christen einen Grundstock (man nennt ihn auch Universalrolle) mit,
der jeder geistlichen Gabe zugrundeliegt, denn jeder kann beten, den 10.
geben, singen, anderen helfen, ermutigen,...
Aber darüber hinaus gibt Gott jedem mindestens eine geistliche Gabe. Sie wird
ihm anvertraut, was ein besonderer Gnadenerweis seines Heiligen
Geistes ist, gibt aber damit gleichzeitig eine Aufgabe, denn er möchte, dass
wie sie ihm zur Ehre und zum Bau seines Reiches einsetzen.
Wenn
ich jedoch meine Gaben auch beim anderen voraussetze, überfordere ich ihn und
der andere gerät in Gefahr zu ersticken. Aber auch falsche Demut ist
hinderlich. Nur wer zu seiner Gabe „Ja“ sagt und sie im Dank gegen Gott,
den Geber aller Gaben praktiziert, wer aus dankbarem Staunen für den Dienst
anderer lebt, kommt nicht in Gefahr hochmütig zu werden und auch
Minderwertigkeitsgefühle sind ein Ausdruck vom falschen Umgang mit den Gaben
anderer.
2.
Geistliche Gaben was ist das, wozu sind sie da?
Wenn
jemand sein Leben Jesus gegeben hat, Vergebung seiner Sünden erfahren hat,
bekommt er sozusagen als Geburtstagsgeschenk (zur Wiedergeburt) von Gott
mindestens eine geistliche Gabe, die auf ihn zugeschnitten ist. Es handelt
sich dabei nicht um eine wählbare Luxusausrüstung, sondern um Gottes
Zuteilung zum Dienst, der weiß, was er wem anvertraut und der damit auch eine
Aufgabe verknüpft.
Gott
selbst hat es sich vorbehalten sowohl Gaben zu verteilen, als auch die
Begabten zueinander zu bringen. Er selbst bestimmt die Mischung von Starken
und Schwachen, von Hilfsbedürftigen und zur Hilfe Berufenen.
Wir tun gut daran die Augen offen zu halten, wo unsere Gaben gebraucht werden,
Gott um Wegweisung zu bitten, denn bei ihm ist nichts zufällig.
Paradoxerweise
geht es beim Reich Gottes genau umgekehrt wie in unserer Gesellschaft, wo man
das Schwache, Minderwertige am liebsten als störenden Klotz am Bein
aussondert. Gott wendet sich dem verachteten, geringen, mangelhaften zu und
erweist an ihm seine Kraft.
Im
Reiche Gottes ist der groß, der ein Diener der Schwachen ist und nicht der,
der sich als Herrscher aufspielt, er muss dazu kein Studium oder einen
Aufstieg auf der Karriereleiter nachweisen, denn Gott legt das Maßband nicht
um den Kopf, sondern um das Herz.
Wenn
Menschen dagegen selbst in das Gaben- und Aufgabengleichgewicht eingreifen
wollen, eine Gruppierung sich absetzt, meint besser zu sein als andere,
unersetzlich zu sein, entsteht ein Ungleichgewicht. Es gerät genau wie an
Beispielen der Natur, wo der Mensch ins ökologische Gleichgewicht eingriff,
außer Kontrolle.
Wahres
Christsein, ist nur möglich wenn der Heiligen Geist seine Wirksamkeit
entfalten darf, Jesus das Haupt sein darf. Genauso wie ein Gemeindeleben nur
dann wirklich lebendig ist, wenn der Heilige Geist Raum zum Wirken erhält
und nicht durch menschliche Ränke in Form gepresst wird.
Die Gaben knüpfen entweder
an eine natürliche Gabe an, aber Gott kann auch einen Menschen verwandeln und
dazu ganz neue Gaben schenken. Man kann sich für bestimmte Aufgaben Gaben von
Gott erbitten, wobei er sich aber nicht zwingen lässt und man sich nichts
ertrotzen kann.
Dabei
ist es Gottes Wille uns zu beschenken und Lebensfreude zu wecken, er will uns
zur Entfaltung bringen, unsere Augen für die Schönheit wecken, mit der er
uns gestaltet hat. Er
will, dass wir ihn mit dem Gebrauch der geschenkten Gaben ehren. Denn sein
Leib braucht zum Gemeindeaufbau und Wachstum alle verfügbaren Fähigkeiten
der zugehörigen Glieder.
Ursprünglich war die christliche Gemeinde und mit ihr jede evangelikale Bewegung eine Laienbewegung – also nicht eingeteilt in Akteure und Zuschauer (Konsumenten). Sie bildete eine organische Einheit, in der jeder entsprechend seiner von Gott gegebenen Ausstattung, seine spezielle Aufgabe hatte und wahrnahm.
Dann kam eine Zeit, in der
die Angst vor Auswüchsen groß wurde, es könne etwas außer Kontrolle
geraten. Man begann zu blockieren, statt sich intensiv mit dem biblischen
Inhalten zu beschäftigen.
Was könnten wir als Gemeinde erreichen, wenn jeder seinen individuellen Beitrag leistet? - denn Vielfalt ist von Gott als Bereicherung gegeben.
Was könnte Gott durch
uns und unsere Gemeinden erreichen, wenn wir den kreativen Kräften seines
Geistes mehr Raum geben würden?
Leider geschieht es immer
wieder dass man einander als Bedrohung empfindet, dass man alle Kräfte
mobilisiert um einander unter Kontrolle zu halten, Machtrangeleien entstehen
und Energien werden sinnlos verbraten, um sich im Kreis zu drehen, statt den
Auftrag Gottes auszuführen, Menschen für ihn zu gewinnen.
Im NT wird uns gezeigt, dass Gott sehr individuell vorgeht, dass er nach seiner Weisheit Gnadengaben zuteilt und sich das Leben durch den Heiligen Geist entfaltet. In einer Gemeinde muss zu einem lebendigen Miteinander gefunden werden, in dem man einander ergänzt. Wir sind nie aus Spannungen herausgenommen und müssen wach und beweglich bleiben, wobei immer die Gefahr besteht gesetzlich zu werden (Einzug von menschlichen Richtlinien) .
Eine Einmannkirche, wo nur
ein menschlicher Leiter den Kurs bestimmt, wo man sich nur von einem
Hauptamtlichen bedienen lässt, ist extrem anfällig für Seitenwindangriffe
des Feindes.
Christen,
die in der Gemeinde nicht mitdienen, ihre Gaben nicht einsetzen, verkümmern,
verdorren, ja sterben ab. Mitunter kommt es aber auch vor, dass Leute nicht
herangezogen werden, weil ein miteinander arbeiten, Zeit bräuchte, man sich
aufeinander einstellen müsste.
Lieber
pflegt man einen Elitekreis, der bereits gut miteinander kann, lässt sich
bewundern für den aufopfernden Dienst, statt andere anzuleiten und dann
Verantwortung miteinander zu teilen.
Viel
träges, abgestorbenes Christsein kommt aus dem fehlenden einander dienen.
Wo aber die Durchblutung im
Leibe Jesu stockt, besteht die Gefahr, dass durch Selbstgerechtigkeit,
Abgrenzung und Bitterkeit ein Zustand des Unfriedens und des Streites
entsteht, der Verwundungen mit sich bringt, die Todesgefahr für die Gemeinde
bedeuten.
Spurgeon ergänzt dazu indem er eine Beobachtung beifügt.
Nehmt einem Christen die Möglichkeit mit seinen Gaben zu dienen, und er wird eine der folgenden Reaktionen zeigen:
Er wird in ständige kränkelnde Selbstprüfung verfallen, Nabelschau halten
Er wird streitsüchtig werden und mit allen offen zanken, deren Meinungen, entgegen der seinen sind
Oder aber er wird dem Namen Christi Unehre antun.
3.
Gaben wie sieht das Praktisch aus?
Zum Beispiel hat Gott
einige so ausgestattet, dass sie pädagogisches Geschick mitbringen, das für
Jugend- und Kinderarbeit, Kindergottesdienst, Seniorenarbeit, Frauenkreise und
Hauskreismitarbeit von Nöten ist. Ein Chor oder auch Liedbegleitung während
der Gottesdienste ohne Musikalität, würde Menschen abschrecken. Gemeindehäuser
würden chaotisch aussehen, wenn Leute mit handwerklichen Fähigkeiten fehlen
würden. Nichts ginge voran, wenn nicht Menschen da sind, die intensiv beten.
Organisationstalent, künstlerische Begabung, mitfühlendes Eingehen auf
andere, logisches Denken und
Analysieren, Beredsamkeit, Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, die Menschen
frohen Herzens im Schatten anderer stehen läßt – all das ist wichtig für
eine Gemeinde, wirkt bereichernd und macht erst den Organismus lebendig.
Gaben des Wortes:
Aposteldienst
Hirtendienst
Lehre
Prophetie
Erkenntnis
Weisheit
Seelsorge
Künstlerische Kreativität
Leitungsgaben:
Aposteldienst
Hirtendienst
Organisation
Gemeindeleitung
Unterscheidung der Geister
Dienstgaben oder praktische Gaben:
Barmherzigkeit
Dienen
Helfen
Gastfreundschaft
Geben
Freiwillige Armut
Musik
Handwerk
Sieggaben:
Glaube
Heilung
Wundertaten
Dämonenaustreibung
Gebet
Gemeindeaufbaugaben:
Weisheit
Lehre
Missionar
Evangelisation
Prophetie
Seelsorge
Unterscheidung der Geister
Ehelosigkeit
Künstlerische Kreativität
Lobgaben:
Gebet
Leidensbereitschaft
Künstlerische Kreativität
Zungenrede
Auslegung der Zungenrede
Vielfach
ist die Fülle der Geistesgaben aus dem Blick geraten. Man gibt sich mit wenigem
zufrieden und so kann Gott die Fülle, Frucht und den Segen, den er wirken möchte
nicht entfalten. Wen wundert es da dass viele Gemeinden im eigenen Saft
schmoren!
Es
gibt eine selbstgemanchte, gefährliche „geistliche Armut“, die nicht unter
Jesu Verheißung steht.
Um
sich ein Bild von den einzelnen Gaben zu machen, versuche ich nun diese kurz zu
definieren und füge jeweils Gestalten der Bibel oder Kirchengeschichte an:
Aposteldienst
geistliche Autorität, die mit viel Freude weitgefächert einer Vielzahl von
Gemeinden dient. Diese Menschen zeichnen sich durch große geistliche Weitsicht
aus und werden oft auch eingesetzt neue Gemeinden zu gründen.
Petrus, Johannes, Paulus, Martin Luther
Auslegung
von Zungenrede
Befähigung die
Botschaft, die andere in Zungen (unbekannten Sprachen) reden, in allgemein verständlicher
Sprache wieder zu geben etwa 85%
haben ebenfalls die Gabe der Auslegung der Prophetie.
Barmherzigkeit
Befähigung Menschen, die in körperlichen,
seelischen oder geistlichen Problemen stecken echtes Mitgefühl zu zeigen, ihnen
praktisch zu helfen und dabei Christi Liebe zu den Leidenden widerzuspiegeln.
Diese Menschen wenden sich am Rande stehenden zu, gehen ihnen intensiv nach und
tun konkrete Taten der Liebe.
Barnabas, Tabea, Friedrich von Bodelschwingh
Dämonenaustreibung
Befähigung durch gebietende Worte
Menschen von dämonischen Bindungen zu befreien, um sie verantwortlich ausüben
zu können ist auch die Gabe der Geisterunterscheidung nötig. Es kann auch nötig
sein in hartem Ringen und in schweren Kampfsituationen stand- und auszuhalten.
Philippus; Johann Christoph Blumhard (Erweckungsprediger aus Schwaben)
Dienen
Befähigung zu erkennen, wo in den vielfältigsten praktischen Bereichen
angepackt werden muss und große Tatkraft im Umsetzten. Solche Menschen haben
ein Ziel im Auge und setzten die vorhandenen Mittel ausdauern ein um andere zu fördern
und aufzuerbauen. Über 81 % haben
gleichzeitig die Gabe des Helfens.
Die ersten 7 Diakone (Apg.6, 1-7), Albert Schweizer
Ehelosigkeit
Befähigung alleinstehend zu bleiben und dabei glücklich zu sein, ohne übermäßig
sexuelle Versuchung zu empfinden. Wer diese Gabe hat kann andere Gaben
effektiver ausüben, hat mehr Zeit und Kraft für diese.
Paulus, John Stott, Diakonnissen
Erkenntnis
Befähigung Informationen und Ideen, die für das Wohl und
Wachstum der Gemeinde wichtig sind zu entdecken, zu sammeln, zu
analysieren und zu formulieren, wozu ein übernatürlicher Einblick in bestimmte
Situationen nötig ist. Diese Menschen haben neue Ideen, die die Gemeinde
weiterbringen, die oftmals als Gabenkombination mit Prophetie und Lehren
auftreten. Die Gabe zeigt sich etwa in der Fähigkeit die Gemeindesituation zu
analysieren, Langzeitplanung zu betreiben oder aber auch schriftstellerisch tätig
zu sein.
Paulus; Martin Luther
Evangelisation
Befähigung Nichtchristen das Evangelium so nahe zu bringen, dass sie zum
Glauben kommen und verantwortliche Glieder am Leib Christi werden. Das gilt
sowohl für das persönliche Gespräch, als auch in
der Öffentlichkeit, wo in größeren Veranstaltungen für das Evangelium
eingetreten wird.
Philippus, Paulus,
Barnabas; John Wesley, Corrie ten Boom
Freiwillige Armut
Befähigung auf materiellen Wohlstand zu verzichten, um einen Lebensstil
anzunehmen, der den Armen der jeweiligen Gesellschaft entspricht.
Mutter Theresa
Gastfreundschaft Befähigung ein offenes Haus für andere zu
haben, ihnen Verpflegung und Unterkunft zu geben, auch wenn das die eigene
Bequemlichkeit einschränkt und Trubel verursacht. Andere werden herzlich
aufgenommen und ihnen das Gefühl vermittelt dazuzugehören.
&