Heiliger Geist
(Geistesgaben)


Eines der Themen, die gerne gemieden werden, weil sie sehr umfassend sind und es zumal sehr persönlich wird, sind die Geistesgaben oder auch Gnadengaben genannt.

Wir entdecken uns als Originale Gottes

  1.Gott hat jeden einzelnen von uns als Original geschaffen.  

Jeder ist eine individuelle Persönlichkeit, mit natürlichen Begabungen,  Stärken aber auch Grenzen und Schwächen.

Den anderen mit seinen Gaben entdecken und gelten lassen, erst das lässt auch meine Gaben reifen und verhilft zur gegenseitigen Originalität.

Gott gibt jedem Christen einen Grundstock (man nennt ihn auch Universalrolle) mit, der jeder geistlichen Gabe zugrundeliegt, denn jeder kann beten, den 10. geben, singen, anderen helfen, ermutigen,... 

Aber darüber hinaus gibt Gott jedem mindestens eine geistliche Gabe. Sie wird ihm anvertraut, was ein besonderer Gnadenerweis seines Heiligen Geistes ist, gibt aber damit gleichzeitig eine Aufgabe, denn er möchte, dass wie sie ihm zur Ehre und zum Bau seines Reiches einsetzen.  

Wenn ich jedoch meine Gaben auch beim anderen voraussetze, überfordere ich ihn und der andere gerät in Gefahr zu ersticken. Aber auch falsche Demut ist hinderlich. Nur wer zu seiner Gabe „Ja“ sagt und sie im Dank gegen Gott, den Geber aller Gaben praktiziert, wer aus dankbarem Staunen für den Dienst anderer lebt, kommt nicht in Gefahr hochmütig zu werden und auch Minderwertigkeitsgefühle sind ein Ausdruck vom falschen Umgang mit den Gaben anderer.

Gemeinsames Lied: „Vergiß es nie, dass du lebst, ist keine eigene Idee, ...“

 

2. Geistliche Gaben was ist das, wozu sind sie da?  

Wenn jemand sein Leben Jesus gegeben hat, Vergebung seiner Sünden erfahren hat, bekommt er sozusagen als Geburtstagsgeschenk (zur Wiedergeburt) von Gott mindestens eine geistliche Gabe, die auf ihn zugeschnitten ist. Es handelt sich dabei nicht um eine wählbare Luxusausrüstung, sondern um Gottes Zuteilung zum Dienst, der weiß, was er wem anvertraut und der damit auch eine Aufgabe verknüpft.

Gott selbst hat es sich vorbehalten sowohl Gaben zu verteilen, als auch die Begabten zueinander zu bringen. Er selbst bestimmt die Mischung von Starken und Schwachen, von Hilfsbedürftigen und zur Hilfe Berufenen. Wir tun gut daran die Augen offen zu halten, wo unsere Gaben gebraucht werden, Gott um Wegweisung zu bitten, denn bei ihm ist nichts zufällig.

Paradoxerweise geht es beim Reich Gottes genau umgekehrt wie in unserer Gesellschaft, wo man  das Schwache, Minderwertige am liebsten als störenden Klotz am Bein aussondert. Gott wendet sich dem verachteten, geringen, mangelhaften zu und erweist an ihm seine Kraft.

Im Reiche Gottes ist der groß, der ein Diener der Schwachen ist und nicht der, der sich als Herrscher aufspielt, er muss dazu kein Studium oder einen Aufstieg auf der Karriereleiter nachweisen, denn Gott legt das Maßband nicht um den Kopf, sondern um das Herz.   

Wenn Menschen dagegen selbst in das Gaben- und Aufgabengleichgewicht eingreifen wollen, eine Gruppierung sich absetzt, meint besser zu sein als andere, unersetzlich zu sein, entsteht ein Ungleichgewicht. Es gerät genau wie an Beispielen der Natur, wo der Mensch ins ökologische Gleichgewicht eingriff, außer Kontrolle.

Wahres Christsein, ist nur möglich wenn der Heiligen Geist seine Wirksamkeit entfalten darf, Jesus das Haupt sein darf. Genauso wie ein Gemeindeleben nur dann wirklich  lebendig ist, wenn der Heilige Geist Raum zum Wirken erhält und nicht durch menschliche Ränke in Form gepresst wird.  

Die Gaben knüpfen entweder an eine natürliche Gabe an, aber Gott kann auch einen Menschen verwandeln und dazu ganz neue Gaben schenken. Man kann sich für bestimmte Aufgaben Gaben von Gott erbitten, wobei er sich aber nicht zwingen lässt und man sich nichts ertrotzen kann. 

Dabei ist es Gottes Wille uns zu beschenken und Lebensfreude zu wecken, er will uns zur Entfaltung bringen, unsere Augen für die Schönheit wecken, mit der er uns gestaltet hat. Er will, dass wir ihn mit dem Gebrauch der geschenkten Gaben ehren. Denn sein Leib braucht zum Gemeindeaufbau und Wachstum alle verfügbaren Fähigkeiten der zugehörigen Glieder.  

Ursprünglich war die christliche Gemeinde und mit ihr jede evangelikale Bewegung eine Laienbewegung – also nicht eingeteilt in Akteure und Zuschauer (Konsumenten). Sie bildete eine organische Einheit, in der jeder entsprechend seiner von Gott gegebenen Ausstattung, seine spezielle Aufgabe hatte und wahrnahm.

Dann kam eine Zeit, in der die Angst vor Auswüchsen groß wurde, es könne etwas außer Kontrolle geraten. Man begann zu blockieren, statt sich intensiv mit dem biblischen Inhalten zu beschäftigen. 

Was könnten wir als Gemeinde erreichen, wenn jeder seinen individuellen Beitrag leistet? - denn Vielfalt ist von Gott als Bereicherung gegeben.

Was könnte Gott durch uns und unsere Gemeinden erreichen, wenn wir den kreativen Kräften seines Geistes mehr Raum geben würden?  

Leider geschieht es immer wieder dass man einander als Bedrohung empfindet, dass man alle Kräfte mobilisiert um einander unter Kontrolle zu halten, Machtrangeleien entstehen und Energien werden sinnlos verbraten, um sich im Kreis zu drehen, statt den Auftrag Gottes auszuführen, Menschen für ihn zu gewinnen.  

Im NT wird uns gezeigt, dass Gott sehr individuell vorgeht, dass er nach seiner Weisheit Gnadengaben zuteilt und sich das Leben durch den Heiligen Geist entfaltet. In einer Gemeinde muss zu einem lebendigen Miteinander gefunden werden, in dem man einander ergänzt. Wir sind nie aus Spannungen herausgenommen und müssen wach und beweglich bleiben, wobei immer die Gefahr besteht gesetzlich zu werden (Einzug von menschlichen Richtlinien) . 

Eine Einmannkirche, wo nur ein menschlicher Leiter den Kurs bestimmt, wo man sich nur von einem Hauptamtlichen bedienen lässt, ist extrem anfällig für Seitenwindangriffe des Feindes. 

Christen, die in der Gemeinde nicht mitdienen, ihre Gaben nicht einsetzen, verkümmern, verdorren, ja sterben ab. Mitunter kommt es aber auch vor, dass Leute nicht herangezogen werden, weil ein miteinander arbeiten, Zeit bräuchte, man sich aufeinander einstellen müsste.

Lieber pflegt man einen Elitekreis, der bereits gut miteinander kann, lässt sich bewundern für den aufopfernden Dienst, statt andere anzuleiten und dann Verantwortung miteinander zu teilen.

Viel träges, abgestorbenes Christsein kommt aus dem fehlenden einander dienen.

Wo aber die Durchblutung im Leibe Jesu stockt, besteht die Gefahr, dass durch Selbstgerechtigkeit, Abgrenzung und Bitterkeit ein Zustand des Unfriedens und des Streites entsteht, der Verwundungen mit sich bringt, die Todesgefahr für die Gemeinde bedeuten. 

Spurgeon ergänzt dazu indem er eine Beobachtung beifügt.

Nehmt einem Christen die Möglichkeit mit seinen Gaben zu dienen, und er wird eine der folgenden Reaktionen zeigen:

3. Gaben wie sieht das Praktisch aus? 

Zum Beispiel hat Gott einige so ausgestattet, dass sie pädagogisches Geschick mitbringen, das für Jugend- und Kinderarbeit, Kindergottesdienst, Seniorenarbeit, Frauenkreise und Hauskreismitarbeit von Nöten ist. Ein Chor oder auch Liedbegleitung während der Gottesdienste ohne Musikalität, würde Menschen abschrecken. Gemeindehäuser würden chaotisch aussehen, wenn Leute mit handwerklichen Fähigkeiten fehlen würden. Nichts ginge voran, wenn nicht Menschen da sind, die intensiv beten. Organisationstalent, künstlerische Begabung, mitfühlendes Eingehen auf andere,  logisches Denken und Analysieren, Beredsamkeit, Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, die Menschen frohen Herzens im Schatten anderer stehen läßt – all das ist wichtig für eine Gemeinde, wirkt bereichernd und macht erst den Organismus lebendig. 

Dabei gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten Gaben zu Gruppen zusammenzufassen

Gaben des Wortes:                                                                        

 

Leitungsgaben: 


Dienstgaben oder praktische Gaben:
 

Sieggaben: 

Gemeindeaufbaugaben: 

Lobgaben: 

Vielfach ist die Fülle der Geistesgaben aus dem Blick geraten. Man gibt sich mit wenigem zufrieden und so kann Gott die Fülle, Frucht und den Segen, den er wirken möchte nicht entfalten. Wen wundert es da dass viele Gemeinden im eigenen Saft schmoren! 

Es gibt eine selbstgemanchte, gefährliche „geistliche Armut“, die nicht unter Jesu Verheißung steht. 

Um sich ein Bild von den einzelnen Gaben zu machen, versuche ich nun diese kurz zu definieren und füge jeweils Gestalten der Bibel oder Kirchengeschichte an: 

Aposteldienst     
geistliche Autorität, die mit viel Freude weitgefächert einer Vielzahl von Gemeinden dient. Diese Menschen zeichnen sich durch große geistliche Weitsicht aus und werden oft auch eingesetzt neue Gemeinden zu gründen.

                         Petrus, Johannes, Paulus, Martin Luther

Auslegung von Zungenrede

Befähigung die Botschaft, die andere in Zungen (unbekannten Sprachen) reden, in allgemein verständlicher Sprache  wieder zu geben etwa 85% haben ebenfalls die Gabe der Auslegung der Prophetie. 

Barmherzigkeit  
Befähigung Menschen, die in körperlichen, seelischen oder geistlichen Problemen stecken echtes Mitgefühl zu zeigen, ihnen praktisch zu helfen und dabei Christi Liebe zu den Leidenden widerzuspiegeln. Diese Menschen wenden sich am Rande stehenden zu, gehen ihnen intensiv nach und tun konkrete Taten der Liebe.

                              Barnabas,  Tabea, Friedrich von Bodelschwingh 

Dämonenaustreibung
Befähigung durch gebietende Worte Menschen von dämonischen Bindungen zu befreien, um sie verantwortlich ausüben zu können ist auch die Gabe der Geisterunterscheidung nötig. Es kann auch nötig sein in hartem Ringen und in schweren Kampfsituationen stand- und auszuhalten.                               

                              Philippus; Johann Christoph Blumhard (Erweckungsprediger aus Schwaben) 

Dienen                   
Befähigung zu erkennen, wo in den vielfältigsten praktischen Bereichen angepackt werden muss und große Tatkraft im Umsetzten. Solche Menschen haben ein Ziel im Auge und setzten die vorhandenen Mittel ausdauern ein um andere zu fördern und aufzuerbauen. Über 81 %  haben gleichzeitig die Gabe des Helfens.

                              Die ersten 7 Diakone (Apg.6, 1-7), Albert Schweizer    

Ehelosigkeit          
Befähigung alleinstehend zu bleiben und dabei glücklich zu sein, ohne übermäßig sexuelle Versuchung zu empfinden. Wer diese Gabe hat kann andere Gaben effektiver ausüben, hat mehr Zeit und Kraft für diese.

                              Paulus, John Stott, Diakonnissen 

Erkenntnis             
Befähigung Informationen und Ideen, die für das Wohl und  Wachstum der Gemeinde wichtig sind zu entdecken, zu sammeln, zu analysieren und zu formulieren, wozu ein übernatürlicher Einblick in bestimmte Situationen nötig ist. Diese Menschen haben neue Ideen, die die Gemeinde weiterbringen, die oftmals als Gabenkombination mit Prophetie und Lehren auftreten. Die Gabe zeigt sich etwa in der Fähigkeit die Gemeindesituation zu analysieren, Langzeitplanung zu betreiben oder aber auch schriftstellerisch tätig zu sein.

                              Paulus; Martin Luther  

Evangelisation       
Befähigung Nichtchristen das Evangelium so nahe zu bringen, dass sie zum Glauben kommen und verantwortliche Glieder am Leib Christi werden. Das gilt sowohl für das persönliche Gespräch, als auch in  der Öffentlichkeit, wo in größeren Veranstaltungen für das Evangelium eingetreten wird.
 

                              Philippus, Paulus, Barnabas; John Wesley, Corrie ten Boom 

Freiwillige Armut    
Befähigung auf materiellen Wohlstand zu verzichten, um einen Lebensstil anzunehmen, der den Armen der jeweiligen Gesellschaft entspricht.


                             
Mutter Theresa  

Gastfreundschaft     Befähigung ein offenes Haus für andere zu haben, ihnen Verpflegung und Unterkunft zu geben, auch wenn das die eigene Bequemlichkeit einschränkt und Trubel verursacht. Andere werden herzlich aufgenommen und ihnen das Gefühl vermittelt dazuzugehören. 

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