Weissagung und Prophetie

Weissagung ist das mündliche Weitergeben einer vom Heiligen Geist geschenkten Offenbarung.
Sie ist eine Äußerung der Gabe der Prophetie, die sich sowohl auf die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft beziehen kann.


Im Unterschied dazu ist Prophetie eine ausdrückliche Geistesgabe, nicht etwa, durch menschliche Weisheit oder Einsicht, bzw. erkennen der Zusammenhänge also durch Erfahrung gewachsene Begabung Gewachsenes. Das ist ein wesentlicher Unterschied, wenn es um das Motiv geht, es anderen zu übermitteln zu wollen. Prophetie ist in jedem Fall von Gott gegeben und bedarf auch der Gabe, dieselbe erklären und auslegen zu können, was nicht immer in ein und derselben Person vereinigt sein muss.

Der Auftrag der Prophetie besteht heute auch darin, die durch Gottes Wort vermittelten Wahrheiten, den Gläubigen als konkrete Weisungen für ihr Handeln und Entscheidungen zu geben, was heute meist mit der Gabe der Lehre verbunden geschieht.

Petrus sagt dazu selbst:

"Eines dürft ihr nie vergessen - kein Mensch kann jemals die prophetischen Worte der Heiligen Schrift aus eigenem Wissen deuten.
Denn niemals haben sich die Propheten selbst ausgedacht, was sie verkündigten. Immer war es der Heilige Geist, der sie beauftragte und dazu trieb das aus zu sprechen, was Gott ihnen eingab." (2. Petrus 1, 20)

Prophetische Rede kann:

  1. eine direkte "Wort-Offenbarung" sein

  2. aber es gibt auch Traumgesichte (in Träumen offenbarte Prophetie, wie sie im AT und NT vorkommen),

  3. in nächtlichem Erwachen offenbartes (Visionen - wie sie z. B. Sachaja hatte),

  4. aber auch mit erklärender Weissagung, verbundene Gesichte (wie bei versch. Propheten des AT und auch z. B. in der Offenbarung. des Johannes) 

  5. mitunter gibt Gott sogar Befehl eine bestimmte Botschaft auf zu schreiben und anderen aus zu händigen, obwohl es dann wutentbrannt zerrissen oder verbrannt wird

In der Offenbarung wird Johannes anderer Aspekt offenbart:

"Immer wenn Jesus Christus zu uns spricht, schenkt uns sein Geist prophetische Worte (Luther übersetzt, das Zeugnis der Weissagung)"      (Offenb. 19, 10)

Paulus widmete der Weissagung ein ganzes Kapitel:

"Lasst die Liebe euer höchstes Ziel sein! Bemüht euch um die Gaben, die der Heilige Geist schenkt, vor allem darum Gottes Weissagung weiter zu geben. Denn wer in unbekannten Sprachen betet, spricht nicht zu den Menschen, den niemand versteht ihn. Er spricht zu Gott, und was er durch den Heiligen Geist redet, ist ein Geheimnis.
Wer aber Gottes Weissagung empfängt, kann sie anderen Menschen weitergeben. Er hilft ihnen, im Glauben zu wachsen, er tröstet und ermutigt und ermahnt sie (wirkt, dass sie sich bessern, belehrt sie).
Wer in unbekannten Sprachen betet stärkt seinen eigenen Glauben. Wer aber Gottes Weissagung weitergibt, stärkt die ganze Gemeinde." (1. Kor. 14, 1 - 4)

In den weiteren Ausführungen erklärt Paulus auch wie wichtig es ist, dass Weissagung klar und verständlich ausgesprochen wird. Denn Fremde die in den Gottesdienst kommen haben nichts von Zungenrede, die sie nicht verstehen und als "Verrücktheit" empfinden müssen. Aber Weissagung, wird sie ins Gewissen treffen, von Schuld überführen und ihnen klar machen, was Jesus für sie tat. Nur so können sie auf die Knie fallen und Gott bekennen und anbeten.
Paulus mahnt darum Zungenrede nur dann zu zu lassen, wenn auch jemand da ist, der das Gebet deuten und erklären kann, sonst sollten diejenigen schweigen - für sich alleine in Sprachen beten.
Auch Worte der Weissagung sollten nur zwei oder drei Geschwister aussprechen, wobei stets andere das Gesagte deuten und beurteilen sollten, so dass alles geordnet zuginge.

Ein kleiner Widerspruch ist bei Paulus aber sichtbar - er gebietet den Korinthern "das Weib schweige in der Gemeinde - sie sollen in den Gottesdiensten nicht das Wort ergreifen. Sie sollen sich unterordnen und zu Hause ihren Mann fragen, wenn sie etwas nicht verstehen. Es gehöre sich nicht (Luther bestärkt das noch / es steht ihr Übel an), dass Frauen in der Gemeinde das Wort öffentlich führen" wie es früher bei den Juden schon so war, dass Frauen lediglich auf einer Besucherempore saßen und mithören durften. Sie waren nicht einmal zugelassen, wenn es darum ging ob 10 Männer zusammen kamen, damit überhaupt ein Gottesdienst abgehalten werden konnte.  
Das Kapitel 14 wird dann abgeschlossen mit der "Druckausübung des Apostels", dass jeder, der vom Heiligen Geist erfüllt sei auch erkennen müsse, dass seine Anordnungen dem Willen des Herrn entsprächen, wer diese Anweisungen ablehne, der werde auch von Gott abgelehnt.

Da ich jedoch jegliche Weissagung und Lehre immer an der Heiligen Schrift als Ganzes über prüfe, kam mir mit den Worten über die Frauen ein mir berechtigt scheinender Zweifel auf, ob es wirklich immer so zu handhaben ist.

In der Bibel wird nämlich eines deutlich - dass Gott immer Schritt für Schritt vorgeht.
Weil Prophetie ja immer von Gott an Zeiten gebunden ist, kann auch nach Erfüllung der Prophetie diese abgelöst werden, wird dann durch eine andere (wie hier im nächsten Beispiel deutlich wird, sogar durch eine auf die durch die daraus hervorgehende Revolution, sogar schon an früherer Stelle für die Zukunft hingewiesen wurde) ersetzt, wodurch eine bestimmte oder Aspekte einer Prophetie außer Kraft gesetzt werden.

Da auch immer die Gefahr besteht, dass falsche Propheten mit Redeweisen der echten auftreten, gilt es immer gleichzeitig die Geister zu prüfen (1. Joh. 4, 1 - 6) 

und die Worte an der Heiligen Schrift zu prüfen, ob sie mit dieser übereinstimmt oder im Widerspruch steht.

Mir scheint in dieser Angelegenheit, die Frauen betrifft ein Widerspruch zu bestehen, wenn in der Schrift an anderen Stellen ausdrücklich steht, dass  in den letzten Tagen auch Frauen, Töchter und Sklavinnen mit eingeschlossen sind, mit seinem Heiligen Geist erfüllt werden, Gaben von ihm geschenkt bekommen, was wiederum zu speziellen Aufträge von Gott weiter führt, dass sie weissagen, in Gottes Auftrag reden sollen.

Gott wäre ja schön dumm, wenn er Gaben schenken würde, denen er dann selbst einen Riegel vorschiebt, dass sie nicht gebraucht werden dürften.

Denn es steht sowohl im Alten Testament, als auch im neuen Testament das Wort Gottes /
Joel 3, 1 + 2 und Apg. 2, 17 + 18::

"In den letzten Tagen spricht Gott, will ich auf alle Menschen meinem Geist ausgießen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden (Luther übersetzt dabei weissagen).
Eure jungen Männer werden Visionen
( Luther übersetzt Gesichte) haben und die alten Männer bedeutungsvolle Träume.
Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich meinen Geist geben und sie werden in meinem Auftrag reden (Luther übersetzt weissagen)." (Apg. 2, 17 + 18)

Joel setzt sogar noch einen drauf - ja sogar Sklaven und Sklavinnen gebe ich in jenen Tagen meinen Geist.
 In beiden biblischen Büchern endet der Abschnitt, dass jeder, der Gottes Namen anruft, gerettet werden soll gerettet. .


Im alten Testament gibt es ganz unterschiedliche Weissagungen:

  1. Dabei kommen z. B. Gleichnisreden vor, wie sie Hesekiel benutzt in Hesekiel 17
    (wie auch Jesus immer wieder in Gleichnissen redete - Beispiele aus dem Alltag benutzte, dass das Volk Gottes Willen erkennt)
     

  2. Verheißungen werden in fast allen AT Büchern ausgesprochen werden, für deren Erfüllung sich Gott verbürgt
     

  3. manche Propheten mussten in Bildern reden (z. B. wie Jesaja vom Töpfer redet, wie er mit seinem Ton umgeht, bzw. dass der Ton nicht den Töpfer zur Rechenschaft ziehen kann, was er mit ihm macht)  oder gar zeugnishaft Dinge vorleben (z. B wie Hosea, der z. B. eine Hure heiraten musste, um dem Volk drastisch vor Augen zu führen, dass sie Gott Hurerei antaten, mit dem was sie taten, dass er aber beabsichtige barmherzig mit ihnen zu sein)
     

  4. darunter sind auch Lobgesänge, wie sie Jesaja an verschiedenen Stellen anstimmt z. B. 42, 10 - 17 oder auch 40, 28 - 31 / wo Gott als Schöpfer, ewiger und allmächtiger Herr angebetet wird und gleichzeitig Mut gemacht wird allein ihm zu vertrauen, der Erschöpften neue Kraft gibt, Schwache stark macht, ...
     

  5. Wallfahrtslieder, wo Jesaja beispielsweise zum Ende der Zeit, Menschen aller Nationen herbei strömen sieht, die am Tempel Gottes auf seinem Berg anbeten und von ihm gelehrt werden, so zu leben, wie er es will
     

  6. auch Klagelieder, wie sie Jeremia aussprach gehören zur Weissagung
     

  7. und Totenklagen, die sowohl Jesaja, als auch Amos (Amos 5, 1 ff.) anstimmten um Israel die Dringlichkeit vor Augen zu führen und die Gefahren, in denen sie sich befinden
     

  8. manche Weissagungen klingen wie Spottlieder (z. B. Jesaja 23, 1 ff.), die man auch als Drohworte auffassen kann, da dort Gottes Botschaft, was er an anderen Völkern (oder sein eigenen ungehorsamen Volk) vollstrecken wird erklingt, was so lange von diesen verspottet werden wird, bis es eintrifft. 
     

  9. Weissagung kann also auch stark anklagenden Charakter haben, wie vor allem Jesaja und Jeremia immer wieder Worte an das Volk richten mussten, um ihnen ihre Abwege zu zeigen.
     

Wobei im Neuen Testament vieles davon wieder auftritt.

  1. Bilder und Gleichnisse von Jesus und den Aposteln gebraucht werden, um Menschen Dinge klar zu machen, auf die Wichtigkeit von Glaubensinhalten hin zu weisen
     

  2. Verheißungen ebenfalls in allen NT Büchern
     

  3. Der Hebräerbrief beispielsweise unterstreicht an geschichtlichen Ereignissen und Vätern des Glaubens prophetisch das, was Gott wichtig ist, was wir daraus lernen sollen
     

  4. prophetische Worte, die in Lehre gepackt, zur Besserung des Lebenswandels, Ermutigung, Trost, anhalten zum liebevollen Miteinander, mahnen vor falschen Wegen, zum Ruf in den Glauben und zum Glaubenswachstum, also zur Auferbauung der Gemeinde dienen
     

  5. Briefe der Apostel enthalten Passagen, die darauf hinweisen, dass Gott prophetisches Licht auf bestimmte Zustände in der Gemeinde wirft, darin um ihr Wohlergehen und Seelenheil ringt. Sie enthalten sowohl Tadel, Drohung, Mahnung, als auch Lob und Ermutigung an andere diesem Beispiel zu folgen.
     

  6. Die Offenbarung des Johannes ist eine einzige Prophetische Verlautbarung Gottes an die Menschen, um ihnen zu zeigen, was sich wie zutragen wird.

Nur wer diese Linien Gottes in seinem Wort gut kennt wird unterscheiden können, was wirklich Prophetie, Weissagung ist.
Darum ist es auch so wichtig, die Bibel immer wieder im Gebet zu lesen, Gott zu bitten, dass er es uns aufschließt. Nur so wird man wirklich Zusammenhänge erkennen können, erfährt Gottes Führung. 

Für mich erkannte ich es beim kennen lernen der Bibel als hilfreich, die Bücher derselben stichwortartig mit Angabe von Kapitel und Verszahlen auf zu listen und daneben noch zusammen zu schreiben, wo im NT Heilungen standen, listete Gleichnisse auf, schrieb zusammen wo Grundsatzlehren, Wunderberichte, aber auch Streitgespräche mit Pharisäern standen, wo von Einzelbekehrungen berichtet wurde, Zeichen von Irrlehre aufgeführt wurden, was von Gott trennt, was man für den Dienst für Gott braucht, wie Christen leben sollen, was über die Endzeit berichtet wird .u. v. mehr.
So finde ich schneller als mit jeder Konkordanz betreffende Stellen, wenn ich etwas für eine Bibelarbeit suche.

Denn dieses sich Ausstrecken und Gründen in Gottes Wort kann die Grundlage sein, dass Gott mit der Gabe der Prophetie, Erkenntnis, Weisheit, Lehre, Geistunterscheidung beschenkt und beauftragt dieselbe in der Gemeinde auszuüben.
Nicht allein eine Ausbildung in einem Missionswerk oder Jüngerschaftsschulen der verschiedensten Glaubensrichtungen der christlichen Lehre, können also dazu ermächtigen.

Jesus selbst suchte sich dazu einfache Männer von der Straße, Fischer, Zolleinnehmer, er hatte Huren im Gefolge, Leute, von denen er böse Geister ausgetrieben hatte, wählte er als Zeugen (z. B. erschien er als Auferstandener zuerst drei Frauen, die er mit einer Botschaft losschickte, ...), Leute, die schmählich versagt hatten, wie Petrus, der ihn gar drei mal verleugnete, wurden seine Handlungsbeauftragte.
 

(Heike Stetter, 25.05.2007)

unter Zuhilfenahme der verschiedenen Bibelübersetzungen und des Bibellexikons von Fritz Rienecker