Von der Einfachen Volksschule zur Grundschule in Nauheim

Autor: Franz Skala, Raunheim


Inhalt

1. Historische Einführung
2. Die Nauheimer Pfarrschule (1593)
3. Die Besoldung der Nauheimer Schulmeister
4. Das Schulhaus Schulstraße 4 (1839)
5. Das Schulhaus Schulstraße 6 (1878)
6. Das Schulhaus Schulstraße 8 (1909)
7. Die Schulepoche 1912 - 1961
8. Das Schulhaus Schulstraße 10
9. Die Volksschule wird zur Grundschule
    und der Schulentwicklungsplan 1973 (SEP 73)
      Über das Nauheimer Wappen erhalten Sie Informationen zur Gemeinde Nauheim





1   Meilensteine der Nauheimer Geschichte

Das wenige Kilometer nordwestlich der Kreisstadt gelegene Nauheim zahlt zu den besonders beliebten Wohngemeinden des Kreises. Das ursprüngliche Bauerndorf hat es großartig fertiggebracht, Altes und Neues durch den Weitblick einer aufgeschlossenen Bürgerschaft miteinander zu verbinden. Die Einwohnerzahl verdreifacht sich in den letzten dreißig Jahren bis auf über 10.000.

Die ehemalige fränkische Siedlung, erstmals im Lorscher Codex Laureshamnensis (830 - 850), dem Reichsgüterverzeichnis des 763 errichteten Klosters Lorsch, genannt, wird durch häufigen Herrschaftswechsel geprägt: 1211 gehört Nauheim zur Reichsvogtei Dreieich, dann den Herren von Heusenstamm, 1317 zu Falkenstein, 1433 dem Haus Sayn, 1446 zu Teilen Frank von Kronberg, den Isenburgern und den Grafen von Hanau, von 1486 bis 1600 den Grafen von Isenburg-Büdingen. Im Jahre 1600 wird Nauheim mit dem Amt Kelsterbach an die Landgrafen von Hessen Darmstadt verkauft und ist seitdem hessisch. Seit 1539 gibt es in Nauheim evangelische Pfarrer. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildet sich wieder eine katholische Kirchengemeinde durch den Zustrom der Vertriebenen aus dem Sudetenland.

Die im Dreißigjährigen Krieg stark dezimierte Bevölkerung erholt sich relativ schnell. Wegen des geringen Umfangs der Nauheimer Gemarkung wenden sich die Dorfbewohner neben der land? und forstwirtschaftlichen Arbeit verhältnismäßig früh anderen Erwerbszweigen, z.B. dem Handel mit Landesprodukten und der Leinenweberei zu. Die besonderen wirtschaftlichen Schwierigkeiten im 19. Jahrhundert treiben 1853 etwa 70 Nauheimer zur Auswanderung in die Vereinigten Staaten. Mit dem Bau der Hessischen Ludwigsbahn (1858) und der fortschreitenden Industrialisierung - Opel in Rüsselsheim, M.A.N. in Gustavsburg und Verschiebebahnhof Bischofsheim - wird die Gemeinde zur Arbeiterwohngemeinde. In der Zeit nach dein Zweiten Weltkrieg siedeln sich sudetendeutsche Musikinstrumenten-Hersteller aus Schönbach und Graslitz hier an und bringen damit einen neuen, gut florierenden Wirtschaftszweig ein, der den Namen Nauheims in alle Welt hinausträgt.

Dieser aufgezeigten Entwicklung trägt eine gut durchdachte Infrastrukturpolitik Rechnung, Nauheim verfügt über ein eng geknüpftes Netz kommunaler Einrichtungen für die meisten Bereiche gemeindlicher Daseinsvorsorge.
Nauheim gehört während der Reformationszeit zur Herrschaft Dreieich. In der Zeit von 1535 bis 1543 wird Nauheim reformiert. Es wird berichtet, daß 1532 Doktor Karl Drach die Pastorei Nauheim von Isenburg zu Leiten bekommt und ein Jahr später beantragt, daß das Lehen seinem Theologie studierenden Bruder überlassen wird. Die Isenburger lehnen ab und versehen die zu St. Viktor in Mainz zahlende Pastorei mit "einer geschickten Person", wie man damals die lutherischen Pfarrer nennt. Dabei handelt es sich sehr wahrscheinlich um den ersten lutherischen Pfarrer Nauheims mit Namen Petrus Fabri, der von 1539 bis 1556 daselbst Pfarrer ist. Natürlich ist Nauheim schon vor der Reformation Pfarrort. Zur Pfarrei gehört kein Filial, weder damals noch später. Die Kollatur der Pfarrei besitzen bis 1604 die Isenburger Grafen, von 1604 in die Landgrafen von Hessen.


2    Die erste Nauheimer Pfarrschule

Die Gemeinde Nauheim hat bis zum Jahre 1593 keine Schule. Am 01.10.1593 beginnt der Nauheimer Pfarrer Johannes Beull mit Schulhalten im Pfarrhaus und bringt es auch dahin, daß eine große Menge von Kindern seinen Unterricht besucht. Sein Plan, einen besonderen Schulmeister zu bestellen, stößt bei den Gemeindeoberen auf großen Unwillen, Es kommt darüber sogar zum Krawall. Am 30.11.1593 berichtet Beull, daß die "Rädelsführer, besessen vom Münsterischen wiedertäuferischen Geiste", alles daran setzen, um die Aufnahme eines besonderen Schulmeisters zu vereiteln. Wer seine Kinder lernen lassen wolle, der solle einen Schulmeister, halten und bestellen, ihn auch entlohnen. Die Obrigkeit geht alsdann gegen die Gemeinde wegen ihrer ablehnenden Stellung scharf vor. Es wird, wie es in den Akten heißt",... der Gemeinde ein guter Filsch (Schelte) gelesen!' Helfen aber soll es nicht (vgl. Chronik von Nauheim, S. 88 ff.). So kommt es Ende September 1594 sogar zur Revolte. Als die Gemeinsmänner im Rathaus über die Lehrerbesoldung beraten, erschallt vom Rathaus ein zyklopisches Geschrei, daß man keinen Schulmeister will. Also kommt es zu keiner Anstellung. Noch im Dreißigjährigen Kriege sind die Nauheimer Pfarrer zugleich Schulmeister; man betreibt also eine Pfarrschule (vgl. W. Diehl 1917, S. 215 ff.). Dafür empfangen sie jährlich 5 fl. aus der Gemeindekasse. Dieser Zustand ist um so merkwürdiger, als das Schulwesen damals im Katzenelnbogischen Land, zu dem Nauheim von 1600 an gehört, als vorzüglich bezeichnet werden muß.

Erst im Jahre 1623 kommt es zur Trennung des Schulamtes von dem Pfarramt. Dies geht aus dem Manuale des Darmstädter Superintendenten Johannes Vietor hervor, in dem es heißt: "1623, den 22. Dezember, ist denen zu Nauheim bewilligt worden, ihren Glöckner auch zum Schulmeister zu gebrauchen. Dafür sie ihm aus der Gemeinde geben wollen jährlich 5 fl., item von jedem Knaben einen guten Gulden. Bleiben dem Pfarrer die anderen 5 fl., so er von alters her wegen der Schule gehabt, doch daß er uff die Schule mitinspectionem hat" (Chronik von Nauheim, S. 89). Die Inhaber der Lehrerstelle sind allesamt Illiteraten, und noch dazu, was mit der geringen Besoldung zusammenhängt, bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts -schlechte Virtuosen".

Im Jahre 1626 beginnen wieder Verhandlungen wegen Aufrichtung einer ordentlichen Schule. Die Gemeinsleute schlagen dabei vor, "... man möge einen Glöckner die Schule bei dem Glockenambt halten lassen und die 5 Gulden, welche etwan die Gemeinde gegeben hatte, auf der Leut Kinder, die in die Schule gingen, schlagen.

Altes Rathaus
Im Alten Rathaus wurde ab Mitte des 17. Jahrh. über hundert Jahre lang unterrichtet (Bild von 1925)

So recht klappen will das mit der Gemeindeschule aber immer noch nicht. Nach der Generalvisitation von 1628 bitten deshalb Gericht und Gemeinde von Nauheim erneut um Errichtung einer Schule für ihre Kinder. Sie schlagen vor, man solle den Glöckner die Schule neben dem Glockenamt halten lassen. Die Visitatoren antworten indessen:"... daß sie ihre Kinder in Schulen gern etwas lernen lassen wollen sei recht, und dazu haben sie aber das Mittel der nahen Schule zu Gerau, in welche auch Knaben aus Büttelborn gingen, die doch weiter als sie nach Gerau hätten. Wann sie eine eigene Schule hätten, wäre es ihnen und ihren Kindern bequemlicher, aber es würde sich nicht eben wohl schicken, daß man die Ämter zusammenschlüge, das wäre in diesem Lande nicht gebräuchlich: Der Glöckner bekäme eben für einen Mann Besoldung und sollte zweier Mann Arbeit tun, da würde er sich beschweren. Die Gemeinde wolle fünf Gulden aus dem Casten ihm zuweisen, aber von sich aus wolle sie nichts tun. Sie wolle vielmehr, die Schüler sollten das Geld bezahlen, aber wir sehen, wann dies geschehe, daß die Kinder aus der Schule bleiben und die Armen gar nichts lernen. ... Der Schluß war, sie solltens noch mit Gerau oder bei ihrem Pfarrer oder Glöckner bis andere Zeiten kommen versuchen".

Schließlich muß sich die Gemeinde dann doch dazu entschließen, um die Bestellung eines Schulmeisters zu bitten, der mit dem Glöckneramt nicht belastet ist. So treffen wir dann 1630 einen Schulmeister in Nauheim an, dessen Name nicht bekannt ist. Dieser Schulmeister und seine Nachfolger sind verpflichtet, bei den Gottesdiensten als Vorsänger oder Kantor die Gesänge zu führen. Im Jahre 1692 wird nach dem Tode des Glöckners Hans Ackermann aus finanziellen Gründen und im Gegensatz zu dem von Superintendenten Plaustratius bei der Generalvisitation vertretenen Standpunkt der Glöcknerdienst der Schulstelle zugeordnet. Damit ist Nauheim der einzige Ort des Amtes Kelsterbach, in dem der Schulmeister gleichzeitig Glöckner ist. Als im Jahre 1767 in der Nauheimer Kirche erstmalig eine Orgel aufgestellt wird, verbindet man den Orgeldienst ebenfalls mit der Schulstelle. Bei der Teilung der Schule im Jahre 1837 wird das Amt des Glöckners, des Kantors und des Organisten der ersten Schulstelle zugewiesen.


3     Besoldung der Nauheimer Schulmeister

Aus der aufgezeigten Entwicklung wird deutlich, daß nicht die Kirche die Verknüpfung der kirchlichen Ämter (Glöckner, Kantor, Organist) mit dem Schuldienst erzwungen hat, sondern - im Gegensatz zu klaren kirchlichen Anordnungen - diese Ämterverbindung von der Gemeinde aus Ersparnisgründen betrieben wurde.

Alte Schule
Anfang der 50er Jahre: Das Schulhaus von 1839 (abgerissen 1987), dahinter das von 1878 (heute Heimatmuseum).

Der Nauheimer Schulmeister bezieht Ende des 18. Jahrhunderts ein jährliches Gehalt von 142 fl. 45 Kr. Zur selben Zeit besuchen 80 Kinder die Schule. Im Generale vom 05.02.1807 an sämtliche Inspektoren und Pfarrer des Fürstentums Starkenburg wird darauf verwiesen, daß es in Nauheim eine von der Pfarrei unterhaltene Schulbibliothek gibt, für welche die Konfirmanden am Tag der Konfirmation zum Ankauf eines Buches eine kleine Summe zusammenschießen. Von nun an wird die Einrichtung solcher Schulbibliotheken jeder Pfarrei in Starkenburg zur Pflicht gemacht. Die anzuschaffenden Bücher sind aus der Kirchen- und Gemeindekasse zu bezahlen.

Wie es um die Nauheimer Schulmeister im 19. Jahrhundert steht, dies geht aus den nachstehenden Auszügen aus den Gemeindeakten, hervor:

"Geschehen Nauheim am 18. 06.1832
Das Schul- und Holzgeld und die Schulfrucht in Nauheim betr.
Der Schullehrer in Nauheim erhält folgende Besoldungsbeiträge von den Einzelnen:
1.) Von jedem Geineindsmann für jedes Kind 1 fl.10,
2.) Von jedem Gemeindsmann ffir jedes die Schule besuchende Kind so viel Korn jährlich, daß die Beiträge an Korn von sämtlichen Kindern der Gemeindsleuten die Summe 5 Malter, 1 Sni. ausmachen.
3. ) Von jedem Ortsbürger, der nicht Gemeindsmann ist, für jedes Schulkind 1 fl. 40 Kr.
Mit der Schullehrers-Stelle ist die Glöckners-Stelle verbunden. Als Glöckner erhält er.
1.) Von jedem der 55 Gemeindsleuten jährlich 9 Kr.. 8 15 Kr.
Um die Gemeindsleuten und Ortsbürger von diesen sehr oft drückenden Beiträgen zur Schullehrer-Besoldung zu befreien und dadurch zu verhindern, daß von Armen die Schulanstalt nicht verhaßt werde, hat man heute dem Bürgermeisfer und Gemeinderath vorgeschlagen, diese Beiträge auf die Gemeindekasse zu übernehmen" welche im Durchschnitt ungefähr 200 fl. ausmachen."

Bürgermeister und Gemeinderat erklären: "Wir finden diesen Vorschlag sachgemäß und sind es zufrieden, daß die genannten Beiträge jährlich in einer runden zu ermittelnden Summe von der Gemeinde übernommen, und aus der Gemeindekasse bezahlt oder auch, daß die jährlich en trichtete Frucht von der Gemeindekasse erkauft und in Natura abgeliefert werde."
Mit verdienten Schulmeistern geht man recht generös um, so z. B. mit dem Lehrer Diehl:"Geschehen, Nauheim am 20.01.1833
Wurde dem hiesigen Schullehrer, Herrn Diehl, der Acker neben dein Viehweg, "Das lange Garten" genannt, auf die Zeit seines Hierseins, von, der Gemeinde, Namens derselben, Bürgermeister Hill, Peter Diehl, Johs. Kullmann, Peter Dammel sen., Peter Dammel jun., Philipp Dammel, Adam Kaul" zum Pflanzen übergeben, woffir Herr Schullehrer nichts abzugeben hat. Dieser Acker aber, kann und darf nicht als Schul?Besoldungs-Fonds angesehen werden, sondern wird nur dem Schullehrer Diehl als Begünstigung, dieweil er hier ist, abgegeben. Dieses unterzeichnen durch ihre Namensunterschrift.
Unterschrift: Diehl Unterschriften Bürgermeister
usw.
Wird mit Vergnügen genehmigt.
Dornberg, den 02. 02.1833 Der Großh. Kreisrath
gez. Heim."

Man würdigt verdienstvolle Schullehrer über den aktiven Dienst hinaus:
"Groß-Gerau, am 05.03.1861
Betreffend: Die Pensionierung des Schullehrers Joh. Adam Diehl zu Nauheim
Das Großherzogliche Kreisamt Groß-Gerau an
Großherzogliche Bürgermeisterei Nauheim.
Großh. Oberstudiendirektion hat sich geeignet erklärt, die Pensionierung des Lehrers Diehl mit einem Ruhegehalt von 210 fl. zu befürworten, falls die Gemeinde sich bereiterklärt, die fehlenden Mittel für genügenden Gehalt eines Vikars beizuschießen.
gez. Unterschrift."

Daraufhin schreibt der Ortsschulvorstand zu Nauheim folgendes an den Ortsvorstand daselbst:
"Nauheim, den 12.06.1861
Indem wir Ihnen die Anlage ergebenst überschicken, können wir nicht umhin, dieselbe Ihrem geneigten Wohlwollen bestens zu empfohlen. Auch der Unterzeichnete ist der Ansicht, daß die Pension des Lehrers Diehl mit 210 fl. etwas zu gering gegriffen sei, indem derselbe von seiner in günstigen Jahren 480 fl. betragenden Schulbesoldung 270 fl., also weit über die Hälfte verloren hat, während andere Angestellte, wenn sie nach vielen Dienstjahren in Ruhe treten, kaum ein Zehntheil ihres Gehaltes zu lassen brauchen. Dazu kommt, daß, wenn an den Lehrer Diehl 210 fl. jährliche Pension, an den Vikar... aber 215 fl. jährlicher Gehalt, zusammen 425 fl. jährlich bezahlt werden, in günstigen Jahren der Gemeindekasse noch ein etwaiger Mehrerlös aus der Schulbesoldung erwachsen konnte. Der verehrliche Ortsvorstand ist gewiß mit mir der Ansicht, daß ein derartiger Gewinn ein unrechtmäßiger sein würde, daß vielmehr die gesamte Schulbesoldung und lieber noch etwas darüber hinaus aus der Gemeindekasse müsse verausgabt werden und dies um so mehr, als gegenwärtig zwei Lehrer, ein pensionierter und ein Vikar von der Besohlung zu leben haben.

Das geistliche Mitglied der Kreisschulkommission Groß-Gerau, Herr Pfarrer Fink zu Bauschheim, hat mir mitgeteilt, daß er beantragt habe, die Pension des Lehrers Diehl im niedrigsten Falle auf 250 fl. jährlich zu bestimmen und der verehrliche Ortsvorstand wird gewiß dem Herrn Pfarrer Fink und dem Unterzeichneten beistimmen, daß bei den jetzigen Preisen der Lebensmittel, Kleider, Schuhe, Wohnung, Holz usw. ein bejahrter Mann und eine hochbetagte Frau sich gehörig einschränken müssen, wenn sie mit 250 fl. jährlich ausreichen wollen, Ich richte deshalb an den verehrlichen Ortsvorstand das ergebenste Ersuchen: die Pension des Lehrers Diehl von 210 fl. auf 250 fl. jährlich
geneigtenst erhöhen zu wollen.
Für den Orts-Schulvorstand:
gez, Lauer, Pfarrvikar."

Im weiteren Zeitablauf zahlen die Nauheimer 1863 für die 1. und 2. Schulstelle, die Naturalien in Geld eingerechnet, 410 fl. und 320 fl. sowie zusätzlich 40 fl. für den Glockendienst an den 2. Lehrer im Jahr aus. Im Jahre 1873 erhält der 1. Lehrer insgesamt 500 fl. und der zweite 450 fl. jährlich. Für die 1. Lehrerstelle verausgabt die Gemeindekasse im Jahre 1879 1.100 Mark (M), für die zweite 900 M und für die dritte 700 M. 1912 verdienen die Nauheimer Lehrer zwischen 1.500 und 1.000 M im Jahr.

Im Jahre 1784 verrneldet die Kirchenchronik, S. 32, über eine Überschwemmung des Ortes in der Zeit vom 27.02. bis 04.03.: "Nur Kirche und Schule waren vorn Wasser frei". Daraus ist ersichtlich, daß die damalige Schule im späteren Rathaus untergebracht ist, und zwar derart, daß die Zimmer nach Osten im ersten und zweiten Stock zur Lehrerwohnung gehören, das untere große Zimmer im Westen Schulsaal ist und über dem Schulsaal sich das Beratungszimmer für die Gemeinde befindet.


4     Das Schulhaus in der Schulstraße 4

Mit Schreiben vom 04.04.1829 ersuchen die Nauheimer Schullehrer J.P. Leuchtweiß und Jüngling die Bürgermeisterei um notwendige Reparaturen der hiesigen Schule, im Stall und neuen Garten. Als der spätere Kreisrat Heim, damals noch Regierungsrat, den Nauheimer Bürgermeister auffordert, dafür einen Kostenvoranschlag vorzulegen, wird alsbald abgeholfen. Überhaupt bewegt Kreisrat Heim in seiner Amtszeit allerhand an den Gemeindeschulen. So weist er die Nauheimer Bürgermeisterei am 25.12.1837 an, für den der Schule zugewiesenen Schulkandidaten Göbel für das nächste Jahr eine Schulstube auf dem Rathaus herzurichten, denn Ausgaben für ein neues Schulhaus können wegen der schlechten Finanzlage der Gemeinde erst für das Jahr 1839 vorgesehen werden. Und daß die Gemeinde schulfreundlicher geworden ist, dies geht aus der Inbetriebnahme einer neuen Schule, auf dem Grünen Weg, heute Schulstraße 4, für 4.200 Gulden erbaut, hervor. Darin wird die zweite Schulklasse untergebracht. Das Haus wird im Jahre 1987 abgebrochen. Bürgermeister Mischlich indessen bleibt weiterhin für die Schule tätig. Schon am 13.07.1837 kommt es zu einem von ihm initiierten Geländetausch mit dem Gastwirt Bernhardt Vogel II. wegen Erbauung eines weiteren Schulhauses. Ein zweiter Geländetausch zwischen den Parteien schließlich am 15.09.1840 an. Und dann sollen 1856 Reparaturen in der Wohnung des Lehrers Diehl durchgeführt werden, wie im Voranschlag für das Jahr 1855 ausgebracht. Diehl allerdings weigert sich, Stallungen und Vorratskammer zu räumen. Erst als der Bürgermeister dem Lehrer die Räumung der Wohnung auf dessen Kosten androht, kann mit den Arbeiten begonnen werden. Trotz knapper Gemeindefinanzen billigt der Gemeinderat 1861 einen Zuschuß von 40 fl. für die Erbauung eines zweiten Schulhauses in der Gemeinde Walldorf. Lehrer L. Pohl hat 1868 für seinen Klassensaal Weißbinderarbeiten vorfinanziert. Nun will er das Geld er stattet haben. Auch geht er den Bürgermeister um Fenstervorhänge und Subsellien für seinen Schulsaal an.


5     Das Schulhaus Schulstraße 6

Unter besonderen Schwierigkeiten soll der Bau der dritten Schulklasse an der Schulstraße 6, heute Heimatmuseum, stehen. Bevor sie am 12.05.1878 eingeweiht wird, muß sich die Gemeinde mit einem Grundstückseigentümer gerichtlich auseinandersetzen. Am 18.11.1879 endlich wird das Gelände, es handelt sich um 56 Klafter, im Wege des Enteignungsverfahrens vom Großh. Kreisgericht Groß-Gerau der Gemeinde zugewiesen. Damals unterhält die Gemeinde eine "Einfache Volksschule" mit 2 Klassen, von denen jede zwei Abteilungen führt. Den Unterricht erteilen zwei seminaristisch ausgebildete Lehrkräfte. Ab 1878 wird die Schule dreiklassig geführt. 1883 unterrichten drei seminaristisch ausgebildete Lehrer 232 Schüler in 3 Klassen. Damals besuchen 31 Heranwachsende die Fortbildungsschule. Für den Unterricht nutzt man insgesamt 3 Schulsäle, die in zwei Schulgebäuden untergebracht sind. Dies berichtet Bgm. Mischlich als Vorsitzender des Schulvorstandes am 14.07.1883.

Und wieder werden von den Lehrern Bauunterhaltungsarbeiten erbeten. So schreiben am 22.06.1881 die beiden Schulvikare Karl Henkel und Jakob Braunewell an den Gemeinderat und bitten um Ausbesserung der beiden Schulhöfe an der neuen Schule, "Die Höfe sind mit Sand gefüllt, wodurch es bei Wind, aber auch wenn sich die 150 Kinder während der Pause tummeln, unerträglichen Flugsand gibt... eine solche stauberfüllte Luft kann aber für die Gesundheit nur höchst nachteilig sein. ... Auch als Turnplatz verlieren die Höfe ihre Bedeutung, denn nur mühsam können sich die Schüler beim Turnunterricht fortschleppen, anstatt sich zu gewöhnen, die Kommandos exakt auszuführen ... ".

Ein Jahr später, und zwar am 21.10.1882 wird Lehrer Sch. wegen Unterschlagung einer Gans zum Nachteil des Fruchthändlers Moses Marx angezeigt. Aus dem Schreiben des Bürgermeister Mischlich an die Kreis-Schulkommission ist zu entnehmen, daß Lehrer Sch. ... ein Ärgernis erregendes Beispiel in der Eigenschaft als Lehrer in der Gemeinde..." ist. Bgm. Mischlich wird in diesem Schreiben als Vorsitzender des Orts-Schulvorstandes tätig.


6     Das Schulhaus in der Schulstraße 10

Wiederum drückt die Gemeindeväter der "Schulraum-Schuh". Deshalb beraten sie am 19.061896 die Herstellung eines 4. Schulsaales. Bevor man der Sache näher tritt, fuhren die ortsansässigen Handwerker Heinrich Reitz Tapeziererarbeiten in Höhe von 80 M und Peter Dicht XII. Weißbinderarbeiten für 98 M in der Lehrerwohnung im alten Schulhaus 1903 durch. Alsdann beschließt der Gemeinderat. Am 13.01.1904 wird er deshalb von der Kreisschulkommission dazu animiert, schon am 28.01. 1904 einem Schulhausneubau näher zu treten. Deshalb soll eine Kommission Besichtigungen neu erstellter Schulhäuser vornehmen. Noch einmal wird die Angelegenheit zurückgestellt. Doch, der Bürgermeister bleibt am Ball. Zunächst glaubt man einen finanziellen Ausweg gefunden zu haben, wenn man die 4. Klasse in der seitherigen Lehrerwohnung im 1. Stockwerk des Schulhauses einrichtet. Für die ersten Jahre soll ein lediger Schulmeister herhalten, für den man keine zusätzliche Lehrerwohnung haben muß. Wenig später (1905) legt der Bürgermeister eine Zusammenstellung der Baukosten für das neue Schulhaus in Höhe von 26.000 M vor. Das Abortgebäude soll 2.000 M und die Einfriedigung 1.800 M beanspruchen. Irgendwie gerät wiederum Sand ins Getriebe. Die Fundstelle dafür wird durch eine Beschwerde der Ortsbürger Jakob Jüngling III., Philipp Bohlbach I., Peter Dammel VIII. und Wilhelm Kuhlmann I. transparent, die vom Darmstädter Rechtsanwalt, Dr. Osann, vertreten werden. Und diese Beschwerde richtet sich gegen den Gemeinderatsbeschluß vom 30.04.1907. Man beschloß damals den Verkauf eines Bauplatzes, der zu dem Gelände gehört, das die Beschwerdeführer als Bauplatz für die neue Schule wünschen. Es soll noch dicker kommen: Mit Schreiben vom 11.11.1907 ersuchen acht Gemeinderatsmitglieder Bgm. Ackermann, innerhalb von drei Tagen eine Dringlichkeitssitzung des Gemeinderats einzuberufen, in der alle den Schulneubau betreffenden Fragen auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen. Man tritt am 16.11.1907 zusammen und beschließt mehrheitlich, daß das neue Schulhaus auf dem längst beschlossenen Platz in der Schulstraße erbaut werden soll, die Bauplätze in der Kirchstraße indessen verkauft werden. Bgm. Ackermann und Gemeinderat Hummel sprechen sich dagegen aus. Sie legen Beschwerde ein. Am 04.12.1907 untersagt das Kreisamt die für den 06.12.1907 vorgesehene Versteigerung der Bauplätze. Immer wieder beantragen unzufriedene Gemeinderäte Dringlichkeitssitzungen. Schließlich macht der KA-GG dem "Schulstreit" am 30.06.1908 ein Ende: Die Beschwerde wird als unzulässig abgewiesen. Die Beschwerdeführer tragen die Kosten des Verfahrens. Dr. Osann verzichtet auf den Rekurs beim Provinzialausschuß einvernehmlich mit Bgm. Ackermann. Das neue Schulhaus kann 1909 bezogen werden.

Nachzutragen ist noch, daß die Kreisschulkommission Groß-Gerau im 02.03.1907 die Errichtung der 5. Lehrerstelle mitteilt. Neuanschaffungen werden dadurch nicht notwendig, weil der Rathaussaal während der Osterferien als Schulsaal eingerichtet werden kann.

Schulhaus von 1909
Schulhaus aus dem Jahre 1909

Die Lehrerstellen werden regelmäßig zur Besetzung ausgeschrieben. Die Gemeinde erhält von der Kreisschulkommission ein Verzeichnis aller Bewerber und recherchiert ihrerseits über deren Qualifikation.
(Dokument der Großherzoglichen Bürgermeisterei Nauheim)


7     Die Schulepoche 1912 - 1961

Als im Jahre 1912 die definitive Besetzung von drei Stellen der Nauheimer Schule ansteht, stellt die Kreisschulkommission dem Ortsvorstand eine Liste mit 33 Bewerbern zur Auswahl vor. Die Gemeinde kann Bedenken oder Wünsche zu den einzelnen Bewerbern vorbringen.

Wenn wir schon bei den Lehrern sind, soll eine Episode um den Lehrer Konrad Wetzel nicht weggelassen werden. Wetzel wird im Januar 1919 wegen Beleidigung eines französischen Offiziers zu 250 M Geldstrafe und 4 Wochen Haft verurteilt und muß die Strafe absitzen. Nachteile für seine Schulmeister-Karriere sind ihm damit allerdings nicht entstanden. Schon 1920 amtiert er als Rektor der Schule. An der Nauheimer Schule verdient 1922 ein Lehrer 27.000 M im Jahr. Der Schulverwalter verfügt 1920 über ein Jahreseinkommen von 7.260, die Schulverwalterin erhält zur gleichen Zeit 8.190 M.

Nach diesem Exkurs über die Nauheimer Lehrer gehen wir zurück zum Schulbau-Anliegen, das zurückgestellt worden war: In einer Sitzung des Schulvorstandes begründet am 26.08.1911 Lehrer Mader eingehend die 6. Lehrerstelle. Die Gemeindeverwaltung indessen weist nachdrücklich darauf hin, daß in Nauheim - wie andernorts auch - die Geburtenziffern erheblich zurückgegangen sind. Deshalb will man sich zunächst mit der Bezahlung von besonderen Stunden behelfen und von der Errichtung einer weiteren Lehrerstelle absehen. Nur kann man dies nicht durchhalten. In der Sitzung des Schulvorstandes unter dem Vorsitz von Bürgermeister Berz am 06.11.1911 entschließen sich alle Mitglieder für die 6. Lehrerstelle. Immer noch lehnt man den Neubau eines 6. Klassensaales damit im Zusammenhang ab.

Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik sind uns Ereignisse der Schule nicht überliefert. Nachrichten gibt es erst wieder aus dem Jahre 1934. In den Sommerferien werden der Schulsaal im kleinen Schulhaus und der Saal im Obergeschoß der neuen Schule gestrichen. Der Saal im kleinen Schulhaus wird zuletzt nur noch behelfsmäßig, und zwar für den Handarbeitsunterricht bis 1943 benutzt. Er soll dann nach dem Kriege der Graslitz-Schönbacher Musikindustrie für deren Neubeginn zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus nutzt dieser von Heimatvertriebenen aus dem Sudetenland betriebene Wirtschaftszweig auch bis in das Jahr 1949 hinein Kellerräume der neuen Schule.

Sozusagen die erste amtliche Berichterstattung über die Lage der Nauheimer Volksschule gibt der Bericht vom 16.03.1947, den Lehrer und komm. Schulleiter Johannes Merle an das Kreisschulamt absetzt. Danach wird "... die hiesige Volksschule von 411 Kindern besucht. Die Schülerzahl hat sich durch Aufnahme von Neubürgerkindern um rund ein Siebentel vermehrt. Die Kinder erscheinen regelmäßig zum Unterricht. Die Zahl der Schulversäumnisse (Beurlaubungen) ist allerdings höher als in normalen Zeiten, da die Eltern für ihre Kinder öfter um Urlaub (Beschaffung von Kleidern, Betreuung jüngerer Geschwister) nachsuchen. ... Für den Unterricht der 411 Kinder stehen z. Z. 1 hauptamtlicher Lehrer und 4 Schulhelfer zur Verfügung, so daß die Klassenstärke - gemessen an der Meßzahl - noch wesentlich übersetzt ist. An Schulräumen stehen 6 Säle (bereit), von denen 5 benutzt werden und einer von der Gemeinde vorübergehend für andere Zwecke beschlagnahmt wurde. Die Schulräume befinden sich in befriedigendem Zustand. ... Die Säle haben Einzelofenheizung, geheizt wird mit Holz, das von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wird. Unterrichtsausfall wegen fehlenden Heizmaterials fand bis jetzt nicht statt. Lehrmittel sind noch genügend vorhanden, wenn auch einzelne Gegenstände, wie Filmapparat, Lichtbildapparat und Mikroskop bei dem Zusammenbruch abhanden gekommen sind und andere physikalische Gegenstände beschädigt wurden, die z. Z. nicht repariert werden können. Bei den Lernmitteln fehlt es hauptsächlich an Lesebüchern, so daß die Lesefertigkeit namentlich in den unteren Klassen sehr zu wünschen übrig läßt."

An der Nauheimer Schule gibt es am 01.081948 7 Normalstellen und die Stelle einer technischen Lehrerin. 1949 sind es bereits 9 Normalstellen. Nach den Schulakten beginnt die eigentliche Schulentwicklung nach 1945 mit einem handfesten Krach. Die Gemeinde, in der es drei nahe beieinanderliegende, in den Jahren 1837, 1877 und 1909 in der Schulstraße erbaute Schulhäuser gibt, vermietet in der damaligen Notsituation, wie bereits erzählt, einen der sechs Schulsäle und den Keller des Schulhauses, in dem früher die Küche der Berufsschule untergebracht war, sowie einen Kellerraum im Nebengebäude an Flüchtlingsunternehmer der Musikindustrie. Damit im Zusammenhang verursacht eine Kreissäge eine gehörige Portion Lärm, der den Schulbetrieb keineswegs fördert, auch wenn man eine erträgliche Lösung findet, nach der nur zu bestimmten Zeiten am Tage gesägt werden soll. Mit solch einem Kompromiß hat schließlich auch der HKM ein Einsehen und genehmigt ausnahmsweise und widerruflich am 15.12.1947 die Fortdauer der schulfremden Nutzung, die von Schülern und Lehrern immerhin bis zur endgültigen Räumung im Herbst 1949 ertragen werden muß. Vor allem wegen des anhaltenden Zuzugs von Heimatvertriebenen aus dem Osten wächst Nauheims Einwohnerzahl von 2.300 im Jahre 1945 auf 3.800 im Jahre 1950 und dementsprechend die Schülerzahl von 310 auf 472. Man behilft sich mit Schichtunterricht, weil für die gebildeten 11 Klassen nur 6 Schulsäle verfügbar sind. Angesichts dieser Situation beschließt die Gemeindevertretung am 24.03.1950 die bauliche Erweiterung des Schulhauses. Es sollen 4 Schulsäle, verschiedene Lehrmittelräume und ein Schulbad im Keller errichtet werden. Der korrigierte Kostenvoranschlag nennt 143.000 DM, die mit 21.637 DM von der Gemeinde, 10.909 DM vom Kreis (4 x 2.727,27 DM laut KA-GG-Beschluß vom 08.12.1954), 5.454 DM als Staatsbeihilfe, das ist die Hälfte des KA?Zuschusses, und 40.000 DM aus einem Darlehen der Zusatzversorgungskasse in Darmstadt sowie 65.000 DM Darlehen der Kreissparkasse finanziert werden sollen. Am 27.10.1951 ist es dann soweit: Die Schule wird feierlich eingeweiht. Landrat Jean Hardt und Schulrat Hans Schwedes halten Festansprachen. Für Bürgermeister' Schad und die Gemeindevertreter, aber noch mehr für die Kinder, ist dies ein besonders schöner Tag. Bgm. Schad überreicht den Schlüssel an die Schulleiterin, Frau Korndörfer. Nunmehr bemüht sich Bgm. Schad sofort um neue Mittel vom Land damit der Ausbau des Bades und die Hofeinfriedigung betrieben werden können. Bedauerlicherweise wird zunächst nichts daraus. Indessen schon am 17.09.1952 zeigt Rektor Fritz Machenheimer dem Kreisschulamt an, daß nahezu die Hälfte der Schulkinder vom Schulbad einmal in der Woche Gebrauch macht. Im Sommer nimmt diese Anzahl begreiflicherweise wegen des Besuchs der Freibäder ab. Es dauert nicht allzu lange, bis die Betonkonstruktion des Anbaus Risse zeigt. Eine Untersuchung ergibt, daß die Ständsicherheit des Gebäudes nicht gefährdet ist.

Die Gemeinde läßt 1953 das alte Schulklosett abreißen und eine Trennmauer im Schulhof aufführen. Schließlich versieht sie den Schulhof mit einer Einfriedigungsmauer. Dafür werden nahezu 4.000 DM verausgabt, einschließlich der Pflasterarbeiten. 1954 bildet man den Gemeindeschulvorstand, dessen Vorsitzender Bgm. Schad wird. Rektor Machenheimer ist sein Schriftführer. Für den Neubau der Klosettanlage werden etwa 14.000 DM ausgegeben. Die endgültige Sanierung des Schulhofes beläuft sich 1958 auf 6.200 DM.

Im Schuljahr 1955/56 besuchen 433 Kinder die Nauheimer Volksschule, in der sie von 9 Lehrkräften unterrichtet werden. 47 Schülergehen in auswärtige Mittelschulzüge. Schon im Schuljahr 1958/59 steigt die Schülerzahl auf 460 Kinder in 13 Klassen, von ebenso vielen Lehrern unterrichtet an, für deren Unterricht nicht mehr als 9 Klassen räume vorhanden sind. Und dies bedeutet immer noch Schichtunterricht. Deshalb hält es Schulrat Hans Schwedes in seiner Stellungnahme für den KA-GG vom 31.10.1958 "... für dringend geboten, den Ausbau des vorhandenen Schulraumes zur 16klassigen Schule mit Turnhalle, zusätzlich der benötigten Sonderräume, schnellstmöglich in Angriff zu nehmen, um die bestehenden Notstände in absehbarer Zeit zu überwinden." Daraufhin plant die Gemeinde den Neubau eines Volksschulgebäudes in unmittelbarer Nähe des derzeitig bestehenden mit einem am 23.05.1959 vom HKM genehmigten Raumprogramm: "2 Großklassen ca. 75 qm, 8 Normalklassen ca. 60 qm, 1 Mehrzweckraum ca. 40 qm, 1 Schulküche mit Garderobe und Vorratsraum ca. 60 qm, 1 Werkraum mit Abstellraum ca. 60 qm, 1 Naturkundesaal mit Sammlungs? und Vorbereitungsraum ca. 75 qm, 1 Schulleiterzimmer ca. 20 qm, 1 Geschäftszimmer ca. 15 qm, 1 Lehrerzimmer ca. 40 qm, 1 Lehrmittelzimmer ca. 20 qm, 1 Büchereiraum zgl. Elternsprechzimmer ca. 40 qm, 1 Zimmer für freie Lehrmittel ca. 15 qm, Hausmeisterzimmer, Putzraum und Pausenhalle, 1 Turnhalle 12/24 m mit erforderlichen Nebenräumen, 1 Kleinsportanlage und 1 Hausmeisterwohnung ca. 90 qm."

Zur Realisierung dieses Raumprogramms ist es erforderlich, daß die evangelische Kirche in Nauheim mitspielt und Gelände an die Gemeinde abgibt. Die Kosten für den Neubau werden mit 1.000.000 DM veranschlagt und vom RP-DA in Höhe von 861.000 DM als zuschußfähig anerkannt. Die Finanzierung gestaltet sich wie folgt: Gemeindeanteil 380.000 DM, Kreiszuschuß 56.000 DM, Staatsbeihilfe 425.000 DM. Die Gemeindevertretung stimmt am 04.03.1961 dem Finanzierungsplan zu. Im Schuljahr 1960/61 besuchen 456 Schüler in 15 Klassen bei 14 Lehrkräften den Unterricht.


8     Das Schulhaus der jetzigen Grundschule

Mit dem Bau wird am 15.05.1961 begonnen. Schon am, 11.01.1962 wird Richtfest gefeiert und am 24.08.1963 die Schule in Betrieb genommen. Die Gesamtbaumaßnahme, einschließlich der Turnhalle, zu deren Kosten von 495.200 DM eine Landesbeihilfe in Höhe von 245.000 DM geleistet wird, wird mit einem Gesamtaufwand von 1.838.000 DM durchgezogen, wobei die Gemeinde auf einer Finanzierungslücke von 200.163 DM sitzen geblieben wäre, hätte das Land nicht noch einmal 50.000 DM an Beihilfe locker gemacht. Für die Beschaffung von Einrichtungsgegenständen für diese Baumaßnahme sollen 164.000 DM für die Volksschule und 20.000 DM für die Turnhalle ausgegeben werden. Die Gemeinde erhält, da sie als finanziell. leistungsschwach im Sinne des § 27 SchVG gilt, zu den anerkannten beihilfefähigen Gesamtkosten in Höhe von 150.000 DM eine Landesbeihilfe von 75.000 DM. Der 24.08.1963 wird den Nauheimern noch lange Zeit in Erinnerung bleiben, war es doch der Tag der Schuleinweihung der neuen, für 1.200.000 DM errichteten Schule. Dieser Tag sollte auch der krönen de Abschluß der Dienstzeit von Bürgermeister Georg Schad sein. "Wenn ihr nun in den nächsten Tagen in eure neuen Klassenräume einzieht, dann bedenkt, daß all das, was ihr neu und der heutigen Zeit entsprechend vorfindet, für euer Wohl und zur besseren Erhaltung eurer Gesundheil getan wurde. Seid dankbar, indem ihr alle Einrichtungsgegenstände so behandelt, als sei es euer Eigentum. ... Möge diese neue Schule eine Bildungsstätte werden, in der unsere Jugend zu guten und freien Staatsbürgern herangebildet wird; das sei mein Wunsch zu meiner letzten öffentlichen Amtshandlung" (HZ, 26.08.1963). Vierzehn Normalklassensäle, die alle zweiseitig belichtet und belüftet sind, sowie die Räume der Verwaltung sind in dem neuen Haus untergebracht. Die Turnhalle ist mit einem Pausengang mit dem Schulbaus verbunden. Gut 700.000 DM hat das Land gegeben. "Das Ziel ist erreicht", mit diesen Worten übernahm Rektor Machenheinter den Schlüssel von den Offenbacher Architekten Nowotny und Mähner. Dem unvergeßlichen Festakt, der im neuen Ortsfunk übertragen wurde, folgt ein Imbiß im Saalbau Ruhland.

Am 05.07.1967 stimmt der RP-DA der zweckentfremdeten Verwendung eines Schulsaals als Gemeindekrankenstation im Schulhaus, Schulstraße 6, zu.

Wieder einmal herrscht Schulraummangel. Also wird der Kreis als neuer Schulträger tätig und stellt 2 Normalklassen und 1 Gruppenraum in Leichtbauweise auf. Als beihilfefähige Kosten anerkennt der RP-DA am 19.07.1973 138.000 DM, darauf bewilligt der HKM 50.000 DM als Landesbeihilfe und 100.000 DM als zins- und kostenfreies Darlehen aus dem HIF am 03.08.1973. Zu den für die Anschaffung der Einrichtung veranschlagten Kosten in Höhe von 17.500 DM gibt es eine Beihilfe von 12.000 DM. Die Baumaßnahme gilt am 01.03.1974 als fertiggestellt.

    Ansichtsseite der heutigen Grundschule von WestenGrundschule heute

"Mit Beschluß vom 30.08.1974 hat der KA-GG im Einvernehmen mit dem zuständigen Schulrat und dem Elternbeirat der Grund- und Hauptschule Nauheim das 9. Schuljahr Nauheim dem Schulbezirk der Grund- und Hauptschule Schillerschule (in Groß-Gerau) zugeteilt. Die Grund- und Hauptschule Nauheim hatte im vergangenen Jahr innerhalb der einzelnen Grundschulklassen den größten Zuwachs aller kreiseigenen Schulen. Diese Entwicklung, die durch das starke Wachstum der Gemeinde Nauheim gegenwärtig noch anhält, hätte die Erweiterung der Schule zum Schuljahresbeginn 1972/73 um 4 Klassenräume erforderlich gemacht, wenn nicht durch die Einbeziehung der Gemeinde Nauheim in den Schulaufsichtsbereich 1 Groß-Gerau und die dort erfolgte Einführung der Förderstufe eine Entlastung eingetreten wäre. Darüber hinaus war es jedoch auch noch erforderlich, das 9. Hauptschuljahr nach Groß-Gerau zu übernehmen. Nach dem Vorschlag des zuständigen Schulrates soll es der Schillerschule Groß-Gerau zugeteilt werden. Gemäß § 41 (2) SchVG bitten wir, der Änderung des Schulbezirks zuzustimmen", so berichtet der KA-GG am 01.09.1972 dem RP-DA. Mit Datum vom 29.09.1972 stimmt der RP-DA dem Antrag zu. Mit der Errichtung der Gesamtschule in Groß-Gerau zum 01.08.1974 tritt auch für die Grund- und Hauptschule in Nauheim insoweit eine Änderung ein, als sie jahrgangsweise ab Schuljahr 1974/75 beginnend mit der Schließung der Klassen 7, ab Schuljahr 1976/77 als Grundschule weitergeführt wird (vgl. Verf. RP-DA vom 18.04.1974).


9     Die Volksschule wird zur Grundschule
       Schulentwicklungsplan 1973 (SEP 73)

Zunächst sieht der SEP 73 bei der Einführung der Gesamtschule in Groß-Gerau auch die Nauheimer Förderstufenschüler vor (SEP73, S. 31 ff.), was aber bedeutet, daß bei einer Gesamtschülerzahl von 4.300 in den Klassenstufen 5 - 10 im Schuljahr 1982/83 am Schulstandort Groß-Gerau insgesamt 3 Gesamtschulen zur Verfügung stehen müßten. Schon 1974 ist festzustellen, daß diese Zahlen der Schülerprognose der tatsächlichen Entwicklung nicht standhalten, vielmehr mit einer gravierenden Abnahme der Schülerjahrgänge zu rechnen ist. Anschließende Gespräche zwischen Vertretern des HKM, RP-DA, des Kreises GG und der Stadt Rüsselsheirn führen für die Forderstufenschüler aus der Gemeinde Nauheim zu folgendem Konzept: Der Einzugsbereich der Gerhart-Hauptmann-Schule in Rüsselsheim-Königstädten, die zu einer 8zügigen IGS erweitert werden soll, umfaßt den Stadtteil Königstadten und die Gemeinde Nauheim. Damit sollen alle Grundschulabgänger aus Nauheim ab dem Schuljahr 1975/76 in die Förderstufe der Gerhard-Hauptmann-Schule gehen, die zum 01.08.1975 eingeführt wird. Das Nähere hierzu bleibt einer öffentlich?rechtlichen Vereinbarung zwischen beiden Schulträgern vorbehalten. Sie kommt gemäß § 16 SchVG und § 24 des Gesetzes über kommunale Gemeinschaftsarbeit (KGG) im 28.02.1976 zustande. Folgende Bestimmungen sind wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung: Die Stadt nimmt die Nauheimer Schüler ab Schuljahresbeginn 1975/76 in die Förderstufe der Gerhart-Hauptmann-Schule auf. Sie verpflichtet sich ebenfalls, diesen Schülern über die Förderstufe hinaus den Zugang zu allen Schulangeboten im Stadtgebiet zu eröffnen. Für jeden Nauheimer Schüler entrichtet der Kreis einen jeweils für zwei Jahre festzulegenden Kostenbeitrag. Er beträgt für die beiden ersten Schuljahre 750 DM für den einzelnen Schüler abzüglich des vom Lande gewährten Schullastenausgleichs je Schüler. Die entsprechenden Fahrtkosten trägt der Kreis Groß?Gerau. Für den geplanten Ausbau der Gerhart-Hauptmann-Schule zu einer Gesamtschule werden die Investitionskosten sowie die Kosten der Außenanlagen und Erstausstattung angemessen geteilt. Obwohl die Stadt die Organisationsänderung zu einer Gesamtschule mit Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 24. 06. 1976 zurücknimmt, muß wegen des "Schülerberges" die Gerhart-Hauptmann-Schule bis zum Schuljahresbeginn 1977/78 um 5 Gruppenräume, zu denen mit Verf. vom 16.09.1976 noch 4 Gruppenräume und 4 Lehrerstützpunkte genehmigt werden, zusammen also um 880 qm HNF, die mit 1.900.000 DM veranschlagt werden, erweitert werden. Da dieser notwendige Ausbau allein durch die Nauheimer Schüler verursacht wird, soll der Kreis diejenigen Kosten voll übernehmen, die nicht durch Landeszuweisung gedeckt sind. Diese für den Kreis "gesalzene" Rechnung schmeckt ihm verständlicherweise nicht sonderlich gut. Schließlich vereinbaren die beiden Schulträger am 06.04.1977, daß die Kosten des 1. BA mit 9 Gruppenräumen, 1 Großgruppenraum und 2 Lehrerstützpunkten vorn Kreis und der zweite Großgruppenraum sowie 2 Lehrerstützpunkte von der Stadt finanziert werden. Gleichzeitig kommt man überein, daß die Kosten des folgenden II. BA je zur Hälfte von den beiden Schulträgern getragen werden. Für den 1. BA hat der Kreis 1.512.000 DM und die Stadt 378.000 DM zu berappen. Der HKM bewilligt dafür ein Darlehen aus dem HIF in Höhe von DM 1.600.000. Schließlich kommt man auch überein, daß für die Forderstufenschüler, die nach der Forderstufe ein Gymnasium der Stadt besuchen, lediglich der Gastschulbeitrag zu entrichten ist. Kommen wir aber noch einmal auf die mit der Fortschreibung des Rüsselsheimer SEP vom 24.06.1976 angestrebten Zwischenlösung mit einer additiven Gesamtschule für Königstädten zurück, die zu errichten weiterhin Ziel der Stadt ist. Dafür sollen zunächst als Vorabmaßnahme auf den 11. BA, 1. Baustufe, 4 naturwissenschaftliche Räume mit einem Aufwand von rund 1.200.000 DM erstellt werden. Der Kreisanteil von 600.000 DM wird mit einer Zuweisung aus dem Kreisausgleichsstock geleistet. Und an der Errichtung einer 2. Sporthalle für die Schule beteiligt sich der Kreis mit einem Drittel der Baukosten, die beim Bau einer Sporthalle mit 2 Übungsfeldern entstehen. Es dreht sich um einen Kreisanteil von 750.000 DM. Dafür kommt die Stadt dem Kreis bei der Finanzierung des Lehrschwimmbeckens an der Helen-Keller-Schule entgegen. In den letzten 9 Schuljahren (1975/76 bis 1984/85) hat der Kreis an die Stadt für durchschnittlich 376 Schüler im Jahr 290.000 DM in den letzten 6 Schuljahren für durchschnittlich 450 Schüler im Schuljahr 358.000 DM im Durchschnitt pro Jahr gezahlt. Die Zusammenarbeit der Schulträger verläuft reibungslos, das Unterrichtsangebot für die Nauheimer Schüler aus einer Gemeinde mit 10.000 Einwohnern "vor ihrer Haustür" ist gut, sieht man einmal vom nicht erfüllten Anspruch auf Gesamtschulunterricht ab.

Nach den aufgefundenen Schulakten wird der seit vielen Jahren an der Schule tätige Lehrer Johannes Merle erster kommissarischer Schulleiter nach 1945. Ihm folgt bis 1951 Frau Korndörfer im Amt des Schulleiters. Nach Ausschreibung der Stelle im Amtsblatt Nr. 8/1950 sprechen sich Gemeindevertretung, Ortsschulkonferenz und Schulrat für Lehrer Fritz Machenheimer aus, der schon seit 1931, also 18 Jahre lang, an der Nauheimer Schule unterrichtet. Er wird 1952 zum Rektor ernannt. Nach seiner Pensionierung zum 01.08.1967 und entsprechendem Verfahren ernennt die Hess. Landesregierung Lehrer Gerhard Thurn am 01.04.1968 zum Nachfolger Machenheimers.

Auf die Ausschreibung der Konrektorstelle im Amtsblatt Nr. 11 / 1962 ernennt der RP-DA am 01.06.1963 den Lehrer Lutz Reichert zum Konrektor. Im November 1979 wird Lehrerin Ilse Abel vom RP-DA mit der Wahrnehmung der Dienstobliegenheiten einer zweiten Konrektorin beauftragt. Frau Abel verläßt die Schule am 01.08.1981, um Leiterin der Grundschule Wallerstädten zu werden. Wegen Ruhestandsversetzung von Konrektor Reichert zum 31.07.1984 bestellt der RP-DA den seitherigen zweiten Konrektor der Mangold-Schule in Bischofsheim, Hans-Georg Weiner, am 01.02.1985 zum Nachfolger Reicherts, Weiner wird im Februar 1989 an die Albert-Schweitzer-Schule in Ginsheim versetzt.


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