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Gelbe Bäume

von -> Gordon Goldwurst

Mitte Oktober war ich in Barcelona. 25 Grad im Schatten, eine leichte Brise vom Mittelmeer – herrlich. Doch während ich so in einem Lokal saß und überteuerte Tapas (selbstverständlich war ich in einer Touristenfalle gelandet, erkennbar schon daran, dass die Bedienung Englisch sprach) in mich reinfutterte fragte ich mich: wann werden denn eigentlich hier die Bäume gelb? Werden die überhaupt mal gelb? Weiß ein durchschnittlicher Spanier überhaupt, dass Bäume auch gelb werden können? Ich stelle mir das Gespräch vor: „Senor, wann werden denn hier die Bäume gelb?“ „Willst du mich verarsche äh? Gelbe Bäume, diese Quatsche kannst du deine Mama erzähle! Hau bloß ab nach Allemania!“

Ja, sie werden gelb – und verlieren ihr Laub und zaubern einen herrlichen rotbraunen raschelnden Teppich in den Wald. Der Herbst ist nicht nur nass und kalt und dunkel, bisweilen hat er auch seine ganz besonderen Momente. Diesen Herbst zu erleben scheint uns ganz selbstverständlich – aber das ist es nicht. Mein spanischer Freund hat keine Ahnung wie es ist, wenn der Nebel an den Bäumen kondensiert und es um einen herum auf den Waldboden tropft. Und plötzlich ganz unvermittelt die Sonne durchbricht. Was allerdings nichts an der Tatsache ändert, dass es auch die anderen Momente gibt, in denen der Herbst kein Freund ist. Zum Beispiel, wenn mir mal wieder beim Radfahren der etwa zwei Grad kalte Regen ins Gesicht schlägt. Wäre der Herbst eine Person: in solchen Momenten würde ich gerne zurückschlagen.

Wer ist Gordon Goldwurst? Erfahren Sie -> hier mehr über den Autor.