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Der Stamm
Der Stamm Häuptling Seattle wurde 1981 gegründet, und
zählt heute etwa 50 aktive Mitglieder. Unsere Räume haben wir in der
Lukasgemeinde, Schollstraße 39 in der weinheimer Weststadt, in der Nähe
der Dietrich-Bonhoeffer-Schule.
Die Gemeinde unterstützt uns in vielerlei Hinsicht: wie
bereits erwähnt, dürfen wir dort die Räume nutzen, aber auch finanziell hilft uns die Lukasgemeinde aus.
Unser Namensgeber
Häuptling Seattle ist
einer der bis heute berühmtesten Häuptlinge der Indianer. Er gehörte dem
Stamm der Duwamish an, die im heutigen Bundesstaat
Washington lebten. Seattle wurde 1786 geboren und starb 1866. Als junger Häuptling
war er für seinen Mut bekannt.
Berühmt wurde der Häuptling durch eine Rede, die
er in den 50er Jahren des vorletzten Jahrhunderts vor dem Präsidenten der
Vereinigten Staaten hielt. In der Rede antwortet er auf ein Gesuch der
Regierung, das Land der Duwamish an weiße Siedler zu verkaufen, und mit
seinem Stamm in ein Indianerreservat umzusiedeln.
Die Indianer verstanden das nicht. Wie kann man Land kaufen
und verkaufen? Nach Ihrer Vorstellung kann der Mensch die Erde nicht
besitzen, so wenig, wie er den Himmel, die Frische der Luft oder das
Glitzern des Wassers besitzen kann.
In Anlehnung an diesen Gedanken versuchen wir im Stamm
Häuptling Seattle diese Vorstellung aufrecht zu erhalten: dass die
Schönheit der Natur ein Wert für sich ist, der nicht Mittel zum Zweck ist,
dass es sich dabei nicht um Brachland handelt, welches willkürlich
verfügbar ist.
Hier die vollständige Rede des Häuptling Seattle:
"Der
große Häuptling in Washington sendet Nachricht, dass er unser Land zu
kaufen wünscht. Der große Häuptling sendet uns auch Worte der
Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir
wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden sein Angebot
bedenken, denn wir wissen, wenn wir nicht verkaufen, kommt vielleicht der
weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land. Wie kann man den Himmel
kaufen oder verkaufen oder die Wärme der Erde? Diese Vorstellung ist uns
fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht
besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen? Wir werden unsere Entscheidung
treffen.
Was
Häuptling Seattle sagt, darauf kann sich der große Häuptling in
Washington verlassen, so sicher, wie sich unser weißer Bruder auf die
Wiederkehr der Jahreszeiten verlassen kann. Meine Worte sind wie die Sterne,
sie gehen nicht unter.
Jeder
Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder
sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes
summende Insekt ist heilig, in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes.
Der Saft, der in den Bäumen steigt, trägt die Erinnerung des roten Mannes.
Die
Toten der Weißen vergessen das Land ihrer Geburt, wenn sie fortgehen, um
unter den Sternen zu wandeln. Unsere Toten vergessen diese wunderbare Erde
nie, denn sie ist des roten Mannes Mutter. Wir sind ein Teil der Erde, und
sie ist ein Teil von uns.
Die
duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große
Adler sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen, die saftigen Wiesen, die Körperwärme
des Ponys und die Menschen, sie alle gehören zur gleichen Familie.
Wenn
also der große Häuptling in Washington uns Nachricht sendet, dass er unser
Land zu kaufen gedenkt, so verlangt er viel von uns. Der große Häuptling
teilt uns mit, dass er uns einen Platz gibt, wo wir angenehm und für uns
leben können. Er wird unser Vater und wir werden seine Kinder sein. Aber
kann das jemals sein? Gott liebt Euer Volk und hat seine roten Kinder
verlassen. Er schickt Maschinen, um dem weißen Mann bei seiner Arbeit zu
helfen, und baut große Dörfer für ihn. Er macht Euer Volk stärker, Tag für
Tag. Bald werdet Ihr das Land überfluten wie Flüsse, die die Schluchten
hinabstürzen nach einem unerwarteten Regen.
Mein
Volk ist wie eine ablaufende Flut - aber ohne Wiederkehr. Nein, wir sind
verschiedene Rassen. Unsere Kinder spielen nicht zusammen, und unsere Alten
erzählen nicht die gleichen Geschichten. Gott ist Euch gut gesinnt, und wir
sind Waisen. Wir werden Euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Das
wird nicht leicht sein, denn dieses Land ist uns heilig. Wir erfreuen uns an
diesen Wäldern. Ich weiß nicht - unsere Art ist anders als die Eure.
Glänzendes
Wasser, das sich in Bächen und Flüssen bewegt, ist nicht nur Wasser,
sondern das Blut unserer Vorfahren. Wenn wir Euch das Land verkaufen, müsst
Ihr wissen, dass es heilig ist, und Eure Kinder lehren, dass es heilig ist
und dass jede flüchtige Spiegelung im klaren Wasser der Seen von
Ereignissen und Überlieferungen aus dem Leben meines Volkes erzählt. Das
Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter. Die Flüsse sind unsere
Brüder - sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren
unsere Kinder. Wenn wir unser Land verkaufen, so müsst Ihr Euch daran
erinnern und Eure Kinder lehren: die Flüsse sind unsere Brüder - und Eure
-, und Ihr müsst von nun an den Flüssen Eure Güte geben, so wie jedem
anderen Bruder auch. Der rote Mann zog sich immer zurück vor dem
eindringenden weißen Mann - so wie der Frühnebel in den Bergen vor der
Morgensonne weicht. Aber die Asche unserer Väter ist heilig, ihre Gräber
sind geweihter Boden, und so sind diese Hügel, diese Bäume, dieser Teil
der Erde uns geweiht. Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Art nicht
versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein
Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er
braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern sein Feind, und wenn er sie
erobert hat, schreitet er weiter. Er läßt die Gräber seiner Väter zurück
- und kümmert sich nicht. Er stiehlt die Erde von seinen Kindern - und kümmert
sich nicht. Seiner Väter Gräber und seiner Kinder Geburtsrecht sind
vergessen. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den
Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum Verkaufen wie Schafe oder glänzende
Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als
eine Wüste.
Ich
weiß nicht - unsere Art ist anders als die Eure. Der Anblick Eurer Städte
schmerzt die Augen des roten Mannes. Vielleicht, weil der rote Mann ein
Wilder ist und nicht versteht. Es gibt keine Stille in den Städten der Weißen.
Keinen Ort, um das Entfalten der Blätter im Frühling zu hören oder das
Summen der Insekten.
Aber
vielleicht nur deshalb, weil ich ein Wilder bin und nicht verstehe. Das
Geklapper scheint unsere Ohren zu beleidigen. Was gibt es schon im Leben,
wenn man nicht den einsamen Schrei des Ziegenmelkervogels hören kann, oder
das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht? Ich bin ein roter Mann und
verstehe das nicht. Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über
eine Teichfläche streicht - und den Geruch des Windes, gereinigt vom
Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern. Die Luft ist kostbar für den
roten Mann - denn alle Dinge teilen denselben Atem - das Tier, der Baum, der
Mensch - sie alle teilen denselben Atem. Der weiße Mann scheint die Luft,
die er atmet, nicht zu bemerken; wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt,
ist er abgestumpft gegen den Gestank. Aber wenn wir Euch unser Land
verkaufen, dürft Ihr nicht vergessen, dass die Luft ihren Geist teilt mit
all dem Leben, das sie enthält. Der Wind gab unseren Vätern den ersten
Atem und empfängt ihren letzten. Und der Wind muss auch unseren Kindern den
Lebensgeist geben. Und wenn wir Euch unser Land verkaufen, so müsst Ihr es
als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort, wo auch der weiße
Mann spürt, dass der Wind süß duftet von den Wiesenblumen.
Das
Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns
entschließen anzunehmen, so nur unter einer Bedingung. Der weiße Mann muss
die Tiere des Landes behandeln wie seine Brüder.
Ich
bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausend verrottete Büffel
gesehen, vom weißen Mann zurückgelassen - erschossen aus einem vorüberfahrenden
Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen, wie das qualmende
Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur töten, um am
Leben zu bleiben. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle Tiere fort,
so stürbe der Mensch an großer Einsamkeit des Geistes. Was immer den
Tieren geschieht, geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge sind
miteinander verbunden.
Was
die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Ihr müsst Eure Kinder
lehren, dass der Boden unter ihren Füßen die Asche unserer Großväter
ist. Damit sie das Land achten, erzählt ihnen, dass die Erde erfüllt ist
von den Seelen unserer Vorfahren. Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kinder
lehren: die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die
Söhne der Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich
selbst. Denn das wissen wir, die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch
gehört zur Erde - das wissen wir. Alles ist miteinander verbunden, wie das
Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden. Was die Erde befällt,
befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des
Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut
Ihr Euch selber an. Nein, Tag und Nacht können nicht zusammenleben. Unsere
Toten leben fort in den süßen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings
leisem Schritt, und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der
Teiche kräuselt.
Das
Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken. Aber
mein Volk fragt, was denn will der weiße Mann? Wie kann man den Himmel oder
die Wärme der Erde kaufen, oder die Schnelligkeit der Antilope? Könnt Ihr
denn mit der Erde tun, was Ihr wollt, nur weil der rote Mann ein Stück
Papier unterzeichnet und es dem weißen Manne gibt? Wenn wir nicht die
Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen, wie könnt Ihr sie
von uns kaufen? Könnt Ihr die Büffel zurückkaufen, wenn der letzte getötet
ist?
Wir
werden Euer Angebot bedenken. Wir wissen, wenn wir nicht verkaufen, kommt
wahrscheinlich der weiße Mann mit Waffen und nimmt sich unser Land. Aber
wir sind Wilde. Der weiße Mann, vorübergehend im Besitz der Macht, glaubt,
er sei schon Gott, dem die Erde gehört. Wie kann ein Mensch seine Mutter
besitzen?
Wir
werden Euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken. Tag und Nacht können
nicht zusammenleben. Wir werden Euer Angebot bedenken, in das Reservat zu
gehen. Wir werden abseits und in Frieden leben. Es ist unwichtig, wo wir den
Rest unserer Tage verbringen. Unsere Kinder sahen ihre Väter gedemütigt
und besiegt. Unsere Krieger wurden beschämt. Nach Niederlagen verbringen
sie ihre Tage müßig, vergiften ihren Körper mit süßer Speise und
starkem Trunk.
Es
ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Es sind nicht mehr
viele. Noch wenige Stunden, ein paar Winter, und kein Kind der großen Stämme,
die einst in diesem Land lebten oder jetzt in kleinen Gruppen durch die Wälder
streifen, wird mehr übrig sein, um an den Gräbern eines Volkes zu trauern,
das einst so stark und voller Hoffnung war wie das Eure. Aber warum soll ich
trauern über den Untergang meines Volkes. Völker bestehen aus Menschen,
aus nichts anderem. Menschen kommen und gegen wie die Wellen im Meer. Selbst
der weiße Mann, dessen Gott mit ihm wandelt und redet, wie Freund zu
Freund, kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir
doch Brüder. Wir werden sehen.
Eines
wissen wir, was der weiße Mann vielleicht eines Tages erst entdeckt: unser
Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, dass Ihr ihn besitzt, so wie
Ihr unser Land zu besitzen trachtet. Aber das könnt Ihr nicht. Er ist der
Gott der Menschen, der Roten und der Weißen gleichermaßen. Dieses Land ist
ihm wertvoll und die Erde verletzen heißt ihren Schöpfer verachten.
Auch
die Weißen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme.
Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen, und eines Nachts werdet Ihr im eigenen
Abfall ersticken. Aber in Eurem Untergang werdet Ihr hell strahlen,
angefeuert von der Stärke des Gottes, der Euch in dieses Land brachte und
Euch bestimmte, über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese
Bestimmung ist uns ein Rätsel. Wenn die Büffel alle geschlachtet sind, die
wilden Pferde gezähmt, die heimlichen Winkel des Waldes, schwer vom Geruch
vieler Menschen und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden Drähten
- wo ist das Dickicht - fort, wo der Adler - fort. Und was bedeutet es,
Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd: Das Ende des Lebens und
der Beginn des Überlebens.
Gott
gab Euch Herrschaft über die Tiere, die Wälder und den roten Mann, aus
einem besonderen Grund. Doch dieser Grund ist uns ein Rätsel. Vielleicht könnten
wir es verstehen, wenn wir wüssten, wovon der weiße Mann träumt, welche
Hoffnungen er seinen Kindern an langen Winterabenden schildert und welche
Visionen er in ihre Vorstellungen brennt, so dass sie sich nach einem Morgen
sehnen. Aber wir sind Wilde. Die Träume des weißen Mannes sind uns
verborgen. Und weil sie uns verborgen sind, werden wir unsere eigenen Wege
gehen. Denn vor allem schätzen wir das Recht eines jeden Menschen, so zu
leben, wie er selber es wünscht, gleich wie verschieden von seinen Brüdern
er ist. Das ist nicht viel, was uns verbindet.
Wir werden Euer Angebot bedenken. Wenn wir zustimmen, so nur, um das Reservat zu
sichern, das Ihr versprochen habt. Dort vielleicht können wir unsere kurzen
Tage auf unsere Weise verbringen.
Wenn
der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist und sein Gedächtnis nur
noch der Schatten einer Wolke über der Prärie, wird immer noch der Geist
meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Denn sie
liebten diese Erde, wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter.
Wenn
wir Euch unser Land verkaufen, liebt es, so wie wir es liebten, kümmert
Euch, so wie wir uns kümmerten, behaltet die Erinnerung an das Land, so wie
es ist, wenn Ihr es nehmt. Und, mit all Eurer Stärke, Eurem Geist, Eurem
Herzen, erhaltet es für Eure Kinder und liebt es, so wie Gott uns alle
liebt. Denn eines wissen wir, unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist
ihm heilig. Selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht
entgehen. Vielleicht sind wir doch Brüder. Wir werden sehen."
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