Über Eliten in Korea - Literatur-Zitate
Hwarang
(1) S.56
Noch in die Zeit König Chinhungs (540-575) fällt die Entstehung
einer Einrichtung, die anderswo in Korea oder überhaupt im Fernen
Osten nicht ihresgleichen hatte, und in der weiteren Entwicklung
von Silla eine große Rolle spielen sollte: des adligen Jugendkorps
der "Blumenritter" oder "Blumenjugend" (Hwarang). Training von
Körper und Geist, Unterweisung in den Kriegskünsten und in der
Gruppendisziplin, aber auch Teilnahme an den überlieferten
religiösen Riten gehörten zum Erziehungsprogramm der jungen
Aristokraten. Die Hwarang war ein elitärer Jugendorden, in dem der
Führungsnachwuchs des Shilla-Staates herangebildet wurde. Viele
bedeutende Heerführer und Herrscher sind daraus hervorgegangen,
darunter zwei Schlüsselfiguren der Einigung Koreas im 7.
Jahrhundert, General Kim Yu-shin und Prinz Chunchu, der spätere
König Muryol.
Als Richtschnur für die Erziehung der Hwarang setzten sich die
berühmten Fünf Gebote (Sesok Ogye) des buddhistischen Mönches
Wongwang durch. Wongwang, der den Ehrentitel Popsa (Lehrer des
Rechts) trug und zur Regierungszeit von König Chinpyong (579-631)
lebte, hatte während eines langen Aufenthalts in China neben den
buddhistischen Schriften auch die Lehren des Konfutsius studiert.
Wongwangs Fünf Gebote sind überwiegend konfutsianisch geprägt: die
Hwarang-Mitglieder sollen
ihrem König treu dienen, die Eltern ehren, ihren Freunden die Treue bewahren, vor dem Feind nicht zurückweichen.Nur ein Gebot - nicht willkürlich zu töten, weder Mensch noch Tier - verrät buddhistisches Gedankengut.
(2) S. 69..
(2), S. 105
Während der Herrschaft des Königs Hyoso (692-702) wurde diese Flöte
im Zusammenhang mit der wunderbaren sicheren Heimkehr des Hwarang
Sillyerang (sein richtiger Name war Puryerang) erwähnt. Die voll-
ständige Geschichte findet sich in seiner Biografie (in den Chro-
niken des Paengnyul-Tempels).
Hielscher
(1) S.73
(1), S.98 ff.
(1), S. 133
Von 1575 an gibt es eine neue Erscheinung im politischen Leben
Koreas: "Parteien".
213
(1) S. 146
[Schule der nördlichen - mandschu-chinesischen - Wissenschaft,
Pukhak-pa]
(1) Hielscher S.151
(1) S. 167
(1) S. 93
(3) S. 39
Ein Faltblatt über Käsong berichtet kurz <(5)>:
(6) S. 165
...Als König Chinpyong, der Nachfolger von Chinji, (579-632) diese
Geschichte hörte, ließ er Tohwarang und ihr Baby zum Leben in den
Palast bringen. Und als der Junge [Pihyongnang] fünfzehn war, machte
er ihn zum Ritter. (Das bedeutet wahrscheinlich, daß er unter die
Hwarang aufgenommen wurde, eine teils militärische teils religiöse
Organisation der aristokratischen Jugend des Königreiches Silla.)
...
33. Kim Yu-sin
...
Von Kindheit an wurde er von allen wegen seiner wundervollen Taten
bewundert. Und man nannte ihn den Sieben-Sterne-General. Im Alter
von 18 beherrschte er die Kunst des Schwertes und wurde ein Hwarang
(die früher erwähnte patriotische Jugend-Organisation).
[Fußnote: Hwarang heißt wörtlich Blumen-Jugend und stellt Sillas
Ritterschaft und Knappen dar. Unter den Söhnen der Aristokratie
wurde körperlich schöne ausgewählt und in zivilen und militärischen
Künsten trainiert. Sie wurden bevorzugt in offizielle Positionen
gebracht. .. in den Tagen des Königs Chinhung als die Blume von
Sillas nationaler Armee, die ihren moralischen Höhepunkt während
der Vereinigung der drei Königreiche durch Silla erlebte. Damals
setzte Silla militärischen Glanz über literarische Fertigkeiten:
Alle Jugendlichen wünschten Ritter des Königs zu werden und zu
leben und zu sterben für das Vaterland. Der Campus der Militär-
akademie bei Seoul wird jetzt Hwarang-dae genannte, d.i. Hügel der
Hwarang.]
37. Die Flöte zum Beruhigen von zehntausend Winden
Der einundvierzigste Herrscher war König Sinmun (681-692). Sein
eigentlicher Name war Chongmyong. ...
S. 123/124 Hwarang
48. König Kyongmun (861-875)
Der achtundvierzigste Herrscher war König Kyongmun, dessen Kinder-
Name Ungnyom war. Er wurde im Alter von achtzehn Jahren zu den
Hwarang gegeben, und als er zwanzig war, lud ihn der regierende
König Honan zu einem Bankett ein.
"Du junger Mann hast viele lehrreiche Orte in Silla besucht" sagte
der König...
Staatsprüfungen, Beamte
(1) S.58
Die Zivilverwaltung war nicht weniger straff organisiert. Aus der
ursprünglich wohl personengebundenen, später erblichen Zuweisung
bestimmter Ämter an einzelne Adelsfamilien entwickelte sich
allmählich ein Beamtensystem. Der Zugang zu diesen Ämtern und
Rängen spiegelte die Machtverhältnisse in Silla, einem vom Adel
beherrschten, aristokretisch ausgerichteten Ständestaat, wider.
Die höchsten Ämter und Ränge waren den Mitgliedern des
Königshauses, den Familien Kim und Pak vorbehalten. Eine bestimmte
Herkunft war auch Voraussetzung für die Ernennung zu einem der
Regierungsämter. Damit sicherte sich das Beamtensystem der
Aristokratie die Macht im Staate.
Das Element des vererbbaren Standes wurde im Laufe der Zeit durch
die Einführung einer Art Verdienstadel zurückgedrängt.
Gegen Ende des 8. Jahrhunderts kam nach chinesischem Vorbild ein
Prüfungssystem für die Staatsbeamten in Anwendung. Die Kandidaten
wurden je nach ihrem Kenntnisstand in den chinesischen Klassikern
bewertet. Das Prüfungssystem hat jedoch anders als in China bei
der Ämterbesetzung in Silla nie eine große Rolle gespielt. Eine
Durchlässigkeit der ständischen Ordnung durch den Erwerb von
staatlichen Bildungszertifikaten wurde nicht zugelassen.
Bemerkenswert ist hingegen die Flexibilität, mit der die eroberten
Gebiete in das Beamtensystem Sillas integriert wurden:Der
ansässige Adel konnte in den Provinzen zumindest in die unteren
Ränge der Zivil- und Militärverwaltung aufsteigen. Angehörige der
ehemaligen Herrscherhäuser wurden mit dem Status von Prinzen in
der Hauptstadt Kumsong angesiedelt.
Nachdem unter Kwangjong (958) das Prüfungssystem für höhere
Staatsbeamte eingeführt worden war, baute König Songjong 992 die
zentrale Lehranstalt in der Hauptstadt zu einer nationalen
Universität aus, die der Kukchagam nannte.
"Der Begriff 'Yangban' tauchte erstmals in der Koryo-Zeit auf und
ist eine Zusammenfassung von Tongban (Ostgruppe) und Soban
(Westgruppe), womit die zivile und militärische Führungsschicht
der damaligen Regierung, also die höheren Beamten und Ofiziere
umschrieben wurden. ... Außer dem Begriffspaar Tongban/Soban gab
es später auch die inhaltlich direktere Aufteilung der
koreanischen Führungsämter in Munban (Zivilgruppe) und Muban
(Militärgruppe). Yangban bedeutet nichts weiter als 'beide
Gruppen' und umfaßt somit die gesamte staatliche Führungsschicht."
und weiter
"Das nach chinesisch-konfutsianischem Muster gestaltete Bildungs-
system wurde durch eine koreanisch-aristokratische Komponente
wesentlich verändert. Nach der Lehre des Konfutsius und seiner
Interpreten waren die Staatsprüfungen grundsätzlich allen freien
und rechtschaffenen Bürgern zugänglich, was für eine gewisse
gesellschaftliche Durchlässigkeit sorgte. Die koreanische Variante
schloß die Mobilität zwischen den Ständen seit der Yi-Dynastie
bewußt und konsequent aus. Choson war ein feudalistischer
Ständestaat in Reinkultur. Seine starre Gesellschaftsstruktur
blieb in ihren Grundzügen bis ins 19. Jahrhundert erhalten und
wirkt noch heute in vielfältiger Weise nach."
"Die Invasionskriege der Japaner und Mandschus hatten nicht nur
die Grundlagen des alten Steuersystems von Choson zerstört. Auch
die Fundamente der Yangban-Gesellschaft wurden ernsthaft
erschüttert, mit nachhaltigen Folgen für das Gesamtgefüge des
neokonfutsianischen Staates. Die Regierung selber wirkte dabei
fleißig mit. Ihrer Steuereinnahmen weitestgehend beraubt,
andererseits wegen der Folgelasten des Krieges mit erheblichen
zusätzlichen Kosten belastet, verfiel sie auf den Gedanken,
staatliche Amtstitel zu verkaufen. Diese verhängnisvolle Praxis
begann schon 1593, ein Jahr nach der ersten Hideyoshi-Invasion,
und nahm lawinenartig zu. Die Titel brachten den Erwerbern zwar
keine Ämter, doch konnte man sich mit ihnen zumeist den bisher so
exklusiven Yangban-Status kaufen.
Die Yangban haben sich von der Vermarktung ihres Standes niemals
vollständig erholt."
<(1), S. 135> "Der Anfang einer Herausbildung dauerhafte
'Parteien' wird gemeinhin auf das Jahr 1575 datiert, als sich im
Zuge eines hartnäckigen Machtkampfes um Stellenbesetzungen die
Unterscheidung der rivalisierenden Gruppen in 'So-in' und 'Tong-
in' einbürgerte. Wörtlich übersetzt bedeuten diese Bezeichnungen
Westleute und Ostleute, was auf den Wohnsitz des jeweiligen
Anführers im Westteil und Ostteil der Hauptstadt zurückgeht.
...[Natürlich] waren diese Parteien reine Yangban-Parteien."
Aus einer Oberschicht wurde eine doppelte: die dem König
nahestehende, mitregierende, und die Opposition, mit der ein
ehemaliger Würdenträger bei einem Wechsel der königlichen Gunst
leicht bodenlos - auch sozial und wirtschaftlich - abstürzen
konnte.
Yangban
(1) S. 137: zitiert Historiker Han Wu-kyun:
"Man ging davon aus, daß es immer nur eine richtige Politik
gab und alles andere falsch war. Es gab daher keine Möglichkeit,
in einem Meinungsstreit zu vermittel."
Diese wurden von den traditionsbewußten Yangban, die sich als
Wächter der altchinesischen Tradition verstanden, verachtet. So
kleideten sich die Yangban von Choson weiterhin in der - in China
von den Mandschus abgeschafften - Tracht des Ming-Adels und trugen
ihr Haar in einem Kopfknoten, während die Mandschus den Chinesen
befohlen hatten, sich nach Mandschu-Art einen Zopf wachsen zu
lassen und das Haupt zu rasieren.
Yangban und Hangul-Schrift
Ein Großteil der Silhak-Schriften war in Chinesisch verfaßt, der
klassischen Bildungssprache der koreanischen Oberschicht. Auf
ihrer Suche nach der eigenen, koreanischen Identität stießen die
Silhak-Gelehrten fast zwangsläufig auf Hangul, das Mitte des 15.
Jahrhunderts unter König Sejong entwickelte Alphabet. Shin Kyong-
jun (1712-1781) verhalf mit seiner Arbeit über die Phonetik der
wissenschaftlichen Beschäftigung mit Hangul zu akademischem
Ansehen, Yu Hui (1773-1837) setzte diese Tradition mit seiner
Abhandlung über di Volksschrift und einer "Untersuchung über den
Wortschatz" (Mulmyong-go) der koreanischen Sprache fort.
Allmählich begannen auch die Yangban, sich der Hangul-Schrift zu
bedienen, zum Beispiel für formlose Notizen oder Briefe unter
Freunden und besonders beim Verfassen von Shijo, einer aus dem
Chinesischen hervorgegangenen Form von Kurzgedichten...
Das 19. Jahrhundert hatte Choson eine neue "Regierungsform"
beschert: die Herrschaft der Anverwandten des Königs. Die
Kontrolle der Macht durch eine einzige Familie, ob sie nun Kim
oder Cho, Yi oder Min hieß, hatte zur Folge, daß andere
Yangban-Familien von den Regierungsämtern ausgeschlossen blieben.
Das System der Staatsprüfungen verlor seine letzte
Existenzberechtigung. Wer nicht zur jeweils regierenden Sippe
gehörte, konnte sich den Zugang zu Amt und Würden nur erkaufen
oder erschleichen. Korruption, Günstlingswirtschaft oder
Resignation kennzeichneten den endgültigen Niedergang des
Yangban-Standes.
Der Fisch verfault vom Kopfe her, sagt ein asiatisches Sprichwort.
Wenn die Führungsschicht ihre Aufgaben nicht mehr erfüllt,
zerfällt bald auch der sie tragende gesellschaftliche und
wirtschaftliche Unterbau. Die systematische Ausbeutung der Bauern
durch korrupte Beamte erreichte ein solches Ausmaß, daß viele
Familien ihre Höfe verließen, Dörfer verwaisten, ganze Landstriche
verödeten.
184
[König Sejong: regierte 1418-1450]
... Auch hatte Sejong die Akademie überhaupt erst in die Lage
versetzt, solche Arbeiten [d.h. die Entwicklung der Hangul-
Schrift] durchzuführen, indem er die aus der Koryo-Zeit
überlieferte Einrichtung namens 'Chip-hyon-jon' (Halle der
versammelten Weisen) reaktivierte und zu einer Mischung aus
Forschungsinstitut und Verwaltungsakademie aufwertete. Die
Akademie hielt Seminare für den Königshof ab und veranstaltet
Fortbildungskurse für höhere Staatsbeamte; sie veröffentlichte
Kommentare zu den chinesischen Klassikern, machte Vorschläge für
Gesetze und Verwaltungsreformen und war für die Aufzeichnung und
Herausgabe der amtlichen Staatschronik zuständig. Die zuerst zehn,
später zwanzig auf Zeit berufenen Mitarbeiter der Akademie -
gewissermaßen die intellektuelle Elite unter den höheren
Staatsbeamten - verfaßte auch Sachbücher, etwa über chinesische
und koreanische Medizin oder Anbaumethoden in der Landwirtschaft,
gaben Landkarten von Korea heraus und führten im Auftrag des
Königs wissenschaftliche Untersuchungen durch, zum Beispiel die
Messung der Höhe des Nordpols, oder bewältigten konkrete Aufgaben,
wie die Erarbeitung eines neuen Kalenders oder die Entwicklung
einer eigenen Schrift.
Daraufhin erhoben sich die empörten Soldaten und Einwohner
Pyongyangs unter Führung von Kim Ung-u, dem Großvater des
Präsidenten Kim Il-sung, und setzten die "General Sherman" in
Brand.
"... Hier ist auch die Songgyun-Akademie erhalten, die damalige
höchste konfutsianische Lehranstalt. Sie umfaßt 10,000
Quadratmeter und hat rund 200 Räume, die nun etwa 1000 Stücke aus
der Geschichte von Koryo enthalten. In der Nachbarschaft gibt es
viele Steinpagoden und Stelen, die von anderen Stellen im Gebiet von
Käsong hierher gebracht wurden, und 900-jährige Gingko- und
Zelkova-Bäume, die von der langen Geschichte der Akademie
erzählen. Hier ist jetzt das 'Koryo-Museum'."
Und in einem koreanischen Reiseführer wird berichtet: <(4), S. 123>
"Das Koryo-Museum ist in dem ehemaligen Gebäudekomplex eines
kunfutsianischen Kollegiums untergebracht. Die Gebäude stammen aus
dem frühen 11. Jahrhundert und waren ein Nebenschloß des
Koryo-Staates.
Dieses Gebäude wurde Dä-myonggung genannt. Es wurde als Unterkunft
für ausländische Gäste genutzt und hieß Sunchongwan. Danach
verwendete man es für konfutsianische Angelegenheiten, es hieß
dann Sungmungwan. 1089 wurde die höchste Bildungsbehörde Kukjagam
hierher verlegt. 1310 wurde das Gebäude in Songgyungwan (höchstes
konfutsianisches Bildungsorgan) umbenannt. Heute ist ein
Geschichtsmuseum, in dem viele wertvolle historische Altertümer zu
bewundern sind."
... Während der Schamanismus die breiten Massen beherrscht, war
Konfutses Moral-Philosophie ein Angelegenheit des Königs, des
Staates, der Offiziellen und der anderen Yangban. Jedoch hatte er
auch große Anziehungskraft auf das einfache Volk aufgrund seiner
Begräbnis-Riten und der Ahnen-Verehrung, worin er sich auch mit
der Geomantik verbindet.
Literaturnachweis
(1) Gebhard Hielscher
38 mal Korea
R. Piper Verlag
München 1988
(2)
Ilyon
Samguk yusa
(Übersetzt von Ha Tae-Hung, Grafton K. Mintz)
Yonsei University Press
Seoul 1972
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