Die Mauer
Aufgrund schlechter Erfahrungen mit den Europäern im beginnenden 17. Jahrhundert isolierte sich Korea ebenso wie Japan von der Außenwelt. Obgleich Japan durch seine Insellage eine solche Isoltaion am leichtesten realisieren konnte, war die Isolation Koreas verbis-sener. Eine besondere Rolle spielte dabei auch das Unterbinden jeglicher Bewegungen über die Flüsse und Berge nach China - d.h. zur Mandschurei - hin. Die koreanische Isolation brachte starke Tendenzen gesellschaft-licher Stagnation mit sich, die Korea im 19. Jahrhundert zu einer leichten Beute für das sich rasch entwickelnde Japan werden ließen.
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Unmittelbar bevor die Manchu- (Qing-) Dynastie in China errichtet
wurde, kamen die Manchus und der koreanische König überein einen
Streifen Niemands-Land am nordwestlichen Ufer des Yalu zu belas-
sen, der 100 chinesische Li (etwa ein halbes Grad geografischer
Breite, d.h. etwa 55 km) breit und 500 km lang sein sollte. Gemäß
der Berechnung in Petermanns Mitteilungen (1881, S. 72) umfaßte
dieser Streifen 13.882 Quadratkilometer. Um diesen Streifen
neutralen Geländes zu erzeugen, wurden vier Städte und eine große
Zahl Dörfer ausgelöscht. Es war bei Todesstrafe verboten, diesen
Streifen zu passieren. Längs der nordwestlichen Grenze dieses
neutralen Gebietes gab es eine hölzerne Palisade, die in
europäischen Atlanten bis zur Jetztzeit dargestellt ist (vgl.
d'Anville; 126, Blatt XXXI). Richthofen gab 1869 eine lebhafte
Beschreibung dieses neutralen Gebietes. Er fand aber anstelle
einer Palisade nur einen unbedeutenden Graben, als er Gaolimen
besuchte. Das chinesische Zollbüro befand sich aber zu jener Zeit
noch an der nördlichen Grenze der neutralen Zone. Dieses neutrale
Gebiet erfüllte aber nicht seine Bestimmung zum Schutz des Grenz-
gebietes beider Seiten. Stattdessen wurde es zu einer Zuflucht
nicht nur für wilde Tiere, sondern auch für Flüchtlinge und Diebe.
1875 beschwerte sich der koreanische König beim Hof in Beijing
über die Missetaten dieser Räuber. Li Hongzhang (Li Hung chang),
der General-Gouverneur von Zhili (Chihli), schickte als Antwort
Kanonenboote mit Truppen den Yalu hinauf. Sie stellten fest, daß
sich inzwischen eine beträchtliche Zahl friedlicher Bauern in
diesem Gebiet niedergelassen hatte. Daraufhin wurde das Gelände
von China besetzt und die Zollgrenze an den Yalu vorverlegt. Eine
ähnliche neutrale Zone wurde 1715 längs des Tumen geschaffen.
Demzufolge war die Nationalität der Kientao Region (koreanisch:
Kando) zu wiederholten Maßen Streitobjekt bis 1909.
Korea fuhr mit seiner Politik der absoluten Abschließung auch dann
noch fort, als China durch den Vertrag von Beijing (1860)
gezwungen wurde, die Ussuri-Region an Rußland abzutreten. Damit
wurde das zaristische Rußland auf eine Länge von 25 km am unteren
Tumen zu Koreas Nachbarn. Danach war es bei Todesstrafe verboten,
den Fluß zu überqueren. Die Dörfer längs des Tumen wurden ins Land
verlegt, und der Markt von Kyong-won wurde geschlossen.
Ebenso wurden die Siedlungen an der Meeresküste wenn möglich in
Land hinein verlegt. Das geschah teils im 15. und 16. Jahrhundert
wegen der Gefahr japanischer Piraten, teils im 17. und 18.
Jahrhundert im Einklang mit der Isolations-Politik. Das mag zum
Teil den Eindruck einer abstoßenden Einsamkeit erklären, den viele
europäische Forscher von ihren Schiffen aus vom "Land der Morgen-
frische" gewannen.
...
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... Diese Missionen
...
Der Kontakt mit Amerika hatte zunächst ganz friedlich begonnen.
Im Frühjahr <1866> lief das amerikanische Segelschiff Surprise
vor der Nordwestküste Chosons auf Grund. Der Kapitän und seine
Mannschaft ergaben sich den örtlichen Behörden. Zu ihrer
Überraschung wurden die Amerikaner von den Koreanern sehr
zuvorkommend behandelt und schließlich auf dem Landweg nach
China abgeschoben. Das Verbot der Regierung, keinen Kontakt mit
dem westlichen Ausland aufzunehmen, schloß die Rettung Schiff-
brüchiger nicht aus.
Von ganz anderer Art war die Begegnung mit dem Handelsschiff
"General Sherman" im Spätsommer 1866. Der mit zwei Kanonen
bestückte Schoner segelte unter amerikanischer Flagge, hatte aber
einen dänischen Kapitän. Die bunt zusammengewürfelte Besatzung, zu
der auch Engländer und Chinesen gehörten, war schwer bewaffnet und
soll es auf die koreanischen Königsgräber in der Umgebung von
Pyongyang abgesehen haben. Es war mehr ein Piraten- als ein
Handelsschiff. Die "General Sherman" war den Taedong aufwärts fast
bis Pyongyang vorgedrungen, als sie am 21. August bei Ebbe auf
Grund lieg. Die Gezeiten sind an der Westküste Koreas so heftig,
daß selbst der Wasserstand der Flüsse bei Ebbe und Flut erhebliche
Unterschiede aufweist.
Auch diesmal wollten die örtlichen Behörden dem in Not geratenen
Schiff zunächst mit Lebensmitteln und Wasser aushelfen und es dann
zur unverzüglichen Rückkehr auffordern. Doch die fremden
Eindringlinge kenterten das Boot des amtlichen Abgesandten, nahmen
ihn gefangen und eröffneten auf die am Ufer versammelten Menschen
das Feuer. Ohne die Anweisungen der Regierung oder das Eintreffen
regulärer Truppen abzuwarten, griffen die Koreaner daraufhin den
fremden Schoner an. Sie ließen mit brennenden Holzscheiten
beladene Flöße auf das Schiff zutreiben und setzten die General
Sherman in Brand. Der Kapitän und die gesamte Besatzung kamen um.
Die beiden Kanonen sind erhalten und heute im Historischen sowie
im Revolutionsmuseum von Pyongyang ausgestellt.
Daraufhin erhoben sich die empörten Soldaten und Einwohner
Pyongyangs unter Führung von Kim Ung-u, dem Großvater des
Präsidenten Kim Il-sung, und setzten die "General Sherman" in
Brand.
... Den Japanern waren Auslandsreisen seit den dreißiger Jahren
des 17. Jahrhunderts verboten.
Als die Japaner mit westlichen Schiffen und westlich gekleidet
in Choson erschienen, verweigerte die koreanische Regierung die
Annahme der Beglaubigungsschreiben. 1872 kamen die Japaner wieder,
diesmal mit zwei Kriegsschiffen. Ungerührt ließen die Koreaner
Tokios Abgesandte monatelang vor der Südküste warten, bis sie
schließlich unverrichteterdinge wieder abfuhren. In den Augen des
Taewon-gun
Die "chokhwabi" genannten Steine, die zur Vertreibung der
ausländischen Invasoren aufriefen und damals überall im ganzen
Land aufgestellt wurden, enthielten folgende Inschrift:
Verzicht auf den Kampf gegen das Eindringen westlicher Barbaren,
bedeutet friedliches Einvernehmen,
und diese Haltung vertreten heißt das Land preiszugeben.
... Am 23. Mai 1871 warfen fünf amerikanische Kriegsschiffe unter
dem Kommando von Konteradmiral John Rodgers in den Gewässern vor
Kanghwa-do Anker. ... Als die Amerikaner eine Barkasse zur Insel
entsandten, eröffneten die Koreaner aus ihren Festungskanonen das
Feuer. ... Doch ein weiterer Landeversuch wurde von den Koreanern
zurückgeschlagen. Daraufhin zogen sich die Amerikaner mit ihren
gesamten Truppen von der Insel zurück und verließen mit ihrer
Flotte die koreanischen Gewässer.
Für den Taewo-gun war dies der zweite große Sieg im Kampf gegen
die Choson bedrängenden Westmächte. Der Regent fühlte sich in
seiner Haltung bestärkt, alle Kontakte mit Europäern und
Amerikanern zurückzuweisen. Um auch die Bevölkerung bei der Stange
zu halten, ließ er im Zentrum der Hauptstadt und an vielen anderen
Orten Gedenksteine aufstellen, deren chinesische Inschrift sich
sinngemäß etwa folgendermaßen übersetzen läßt: "Wer das Eindringen
der westlichen Barbaren nicht entschlossen bekämpft, sondern sich
mit ihnen einläßt, der verrät sein Land. Möge dies unseren Kindern
und Kindeskindern zur ewigen Warnung gereichen. Verfaßt im Jahre
des Tigers, errichtet im Jahre des Lamms." ( Tiger, Hase, Drache,
Schlange, Pferd, Lamm - 1866 und 1871)
Literatur
(1) Gebhard Hielscher
38 mal Korea
R. Piper Verlag
München 1988
(2) Hermann Lautensach
Korea
Springer - Verlag
Berlin, Heidelberg 1988
(3) Korea im Überblick
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Copyright Jörg Neumann, 2001