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Keine Panik!

2004-11-17

Kündigung vs. Abfindung


mm: Millionenabfindung für Ex-T-Online-Chef Holtrop
Ähnliches Prinzip wie in der Strafverfolgung: Die kleinen hängt man, die großen lässt man laufen (inkl. dem üppigen Zubrot)

Damit der arme Kerl nicht darben muss, erhält er [heise:] 7 Mio. Euro als Abfindung (inkl. der Rentenansprüche). Er war bei dem Gerangel um einen Führungsposten der neuen T-Online/T-Com-Sparte unter die Räder gekommen bzw. er ging leer aus. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe musste er gehen (aus persönlichen Gründen) weil er offenbar mit der Re-Integration der Internettochter der Deutschen Telekom nicht einverstanden war. Offiziell hieß es "unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Strategie".

Manch einer spricht auch von Schweigegeld, dass beim Erreichen bestimmter Statuspositionen fällig wird. Trotzdem bemerkenswert, dass Holtrop trotz Selbstkündigung derartige Summen herausschlagen kann. Andererseits lassen die Differenzen hinsichtlich der künftigen Strategie auch vermuten, dass er selbst gekündigt wurde, so wie Politiker nicht zurücktreten sondern zurückgetreten werden. Wenn man dass dann optimistisch betrachtet, hat Holtrop mit seinem Rücktritt auch den Weg frei gemacht für noch größere, bessere, glitzerndere Visionen: Die 7 Mio. stellten dann also ein Amtsniederlegungsgeschenk dar.

Als Notwendigkeit für die Reintegration wurden Synergieeffekte angeführt, tatsächlich war es aber wohl eher so, dass sich T-Com und T-Online auf manchen Feldern gegenseitig Konkurrenz machten und überhaupt: Bei einer Zusammenlegung der beiden Einheiten wird das künftige Unternehmen schlagkräftiger - in vielerlei Hinsicht.
Bislang wurden zwar noch keine Kündigungen in Folge der anstehenden Verschmelzung ausgesprochen, es ist aber davon auszugehen, das keiner der übrigen Angestellten ähnlich die Rosette gepudert bekommt, wie es bei dem charismatischen Holtrop der Fall ist.

Noch ein paar Worte:
Die Verschmelzung ist unter Dach und Fach. Die Deutsche Telekom kauft die verbleibenden Anteile an ihrer Tochter T-Online für ein Drittel des Preises zurück, zu dem sie die Internet-Sparte vor 4 Jahren an die Börse gebracht hatte. Aus Sicht des Konzerns sicherlich ein genialer Schachzug. In den vergangenen Jahren wuchs die verzogene Göre zu einer stattlichen jungen Frau heran, hat so viele Kunden wie nie zuvor, verzeichnet Rekordumsätze und Rekordgewinne und ist dennoch nur ein Drittel so teuer wie damals.

Wenn sich das Emissionsvolumen 2000 auf 2,7 Mrd. Euro (rund 25% der Aktien) belief - bei einem Kurs von 27 Euro je Aktie - und die selbe Firma nun für knapp 9 Euro zurückgekauft werden soll, dann beläuft sich der Schnapp für die Deutsche Telekom auf 1,8 Mrd. Euro.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz beschreibt dies folgendermaßen:
"Jetzt will der Telekom-Konzern seine Tochtergesellschaft wieder zurückhaben. 8,99 Euro je Aktie sollen die T-Online-Anteilseigner bekommen. Diese Offerte ist absolut inakzeptabel. Erst machen die Aktionäre den kompletten Abstieg mit und sobald die Geschäfte wieder besser laufen und es endlich was zu verdienen gibt, sollen sie ihre Papier billig abgeben."

Das stinkt, aber es ist "Willkommen im real-existierenden Kapitalismus!"