Titel: Linux: Programme aus den Sourcen installieren
Autor: Hans-Michael Gerhards (HM-Gerhards@gmx.de)
URL: http://home.arcor.de/hm-gerhards/linux/linux_source.html


Linux: Programme aus den Sourcen installieren

Wer schon einmal versucht hat, sich neue Linux-Programme aus dem Internet (oder auch von vielen CDs) herunterzuladen, der wird schon über diese Dateien gestolpert sein. Sie besitzen die Endungen .tgz, .tar.gz oder .tar.bz2, und Programme wie Yast können offenbar nichts mit ihnen anfangen.

Worum es sich dabei handelt? Ganz einfach, um den gepackten Quellcode des gesuchten Programms! Um es zu nutzen, muß die Datei "nur" noch entpackt und der Quellcode kompiliert werden. Meist ist dies aber ziemlich einfach, man kann einem "Rezept" folgen:

Zuerst kopiert man die entsprechende Datei (nennen wir sie programm-xyz.tgz) in ein Verzeichnis, in dem das Hauptverzeichnis der neuen Software entstehen soll. Dazu hat sich das Verzeichnis /usr/local/src eingebürgert.

Die meisten Schritte der Installation kann man als gewöhnlicher User vornehmen, aus Sicherheitsgründen sollte man dies auch tun!
Für die Installation benötigt man eine Text-Eingabeaufforderung. Dazu sind z.B. die Virtuellen Terminals (STRG+ALT+F1 drücken, um auf das erste zu gelangen, oder unter den graphischen Oberflächen Konsole und Co. geeignet.

Man wechselt nun in das Verzeichnis, in dem man die Sourcen entpacken und kompilieren möchte, und kopiert das Quellpaket (das sich in diesem Beispiel im Verzeichnis /tmp befindet) dorthin:
  cd /usr/local/src/
  cp /tmp/programm-xyz.tgz .
Nun gilt es, diese Datei zu entpacken. Welchen Befehl man dazu verwendet, hängt von der Art der Komprimierung (erkennbar an der Dateiendung) ab. Am verbreitetsten sind zwei Komprimierungsprogramme: gzip und bzip2.
1.) Mit gzip gepackt:
Die Dateiendung lautet .tgz (.TGZ) oder .tar.gz (.TAR.GZ). Man entpackt das Archiv mit
  tar -xvzf programm-xyz.tgz
2.) Mit bzip2 gepackt:
Die Dateiendung lautet .tar.bz2 (.TAR.BZ2). Man entpackt das Archiv mit
  tar -xvjf programm-xyz.tar.bz2

Das nun neu entstandene Unterverzeichnis trägt meist den Namen programm-xyz (manchmal heißt es auch nur programm).

Man wechselt in dieses Verzeichnis (cd programm-xyz). In aller Regel finden sich dort zwei Dateien namens INSTALL und README, in denen das wichtigste zur Installation bzw. zum Programm kurz zusammengefaßt wird. Besonders die README-Datei sollte man immer lesen!

Im nächsten Schritt startet man die Konfiguration, die alle wesentlichen Informationen zum Installationssystem zusammenträgt. Dazu gibt man ein:
  ./configure
Wichtig ist der Punkt vor dem Schrägstrich! Denn er bezeichnet das aktuelle Verzeichnis und macht so erst die Datei configure ausführbar. Da in vielen Linux-Installationen das jeweils aktuelle Verzeichnis aus Sicherheitsgründen nicht im Suchpfad für ausführbare Dateien auftaucht, muß es jeweils explizit angegeben werden!
An dieser Stelle sind Fehlermeldungen durchaus möglich. Meist fehlen Software-Pakete (z.B. Bibliotheken), die für ein einwandfreies Funktionieren dieses Programms benötigt wird. Dann heißt es, sich das entsprechende Paket aus dem Internet oder von der Distributions-CD zu besorgen...

Liefert ./configure keine Fehler, so kann man mit der Kompilierung des Programms beginnen. Diese erfolgt nach Eingabe von
  make
Je nach Umfang des Programms und in Abhängigkeit von der verwendeten Hardware kann die Umsetzung von einigen Minuten bis zu mehreren Stunden (z.B. Wine) dauern und temporäre Dateien anlegen.

Nach abgeschlossener Kompilierung muß man sich entscheiden, ob in Zukunft alle Benutzer das Programm nutzen können sollen, oder nur der, der es auch installiert hat. Will man es allgemein zugänglich machen, so verfährt man wie folgt:
Man wird durch
  su
und anschließende Eingabe des Root-Paßwortes kurzzeitig zum SuperUser und startet ein
  make install
Das Programm ist nun installiert, man kann mit
  exit
wieder "normaler" User werden.

Will man nun noch die "Überreste" der Installation (temporäre Dateien, Konfigurationsdateien etc.) beseitigen, so gibt man noch ein
  make clean
ein. Die ursprüngliche Archivdatei kann ebenfalls gelöscht werden, falls der Speicherplatz benötigt wird.
Anschließend ist die Installation abgeschlossen, man kann die neue Software genießen... ;-)