Wer schon einmal versucht hat, sich neue Linux-Programme aus dem Internet (oder
auch von vielen CDs) herunterzuladen, der wird schon über diese Dateien
gestolpert sein. Sie besitzen die Endungen .tgz, .tar.gz oder .tar.bz2, und
Programme wie Yast können offenbar nichts mit ihnen anfangen.
Worum es sich dabei handelt? Ganz einfach, um den gepackten Quellcode des
gesuchten Programms! Um es zu nutzen, muß die Datei "nur" noch entpackt
und der Quellcode kompiliert werden. Meist ist dies aber ziemlich einfach, man
kann einem "Rezept" folgen:
Zuerst kopiert man die entsprechende Datei (nennen wir sie programm-xyz.tgz) in
ein Verzeichnis, in dem das Hauptverzeichnis der neuen Software entstehen soll.
Dazu hat sich das Verzeichnis
/usr/local/src eingebürgert.
Die meisten Schritte der Installation kann man als gewöhnlicher User
vornehmen, aus Sicherheitsgründen sollte man dies auch tun!
Für die Installation benötigt man eine Text-Eingabeaufforderung. Dazu
sind z.B. die Virtuellen Terminals (STRG+ALT+F1 drücken, um auf das erste
zu gelangen, oder unter den graphischen Oberflächen
Konsole
und Co. geeignet.
Man wechselt nun in das Verzeichnis, in dem man die Sourcen entpacken und
kompilieren möchte, und kopiert das Quellpaket (das sich in diesem
Beispiel im Verzeichnis
/tmp befindet) dorthin:
cd /usr/local/src/
cp /tmp/programm-xyz.tgz .
Nun gilt es, diese Datei zu entpacken. Welchen Befehl man dazu verwendet,
hängt von der Art der Komprimierung (erkennbar an der Dateiendung) ab. Am
verbreitetsten sind zwei Komprimierungsprogramme: gzip und bzip2.
1.) Mit gzip gepackt:
Die Dateiendung lautet .tgz (.TGZ) oder .tar.gz (.TAR.GZ). Man entpackt das
Archiv mit
tar -xvzf programm-xyz.tgz
2.) Mit bzip2 gepackt:
Die Dateiendung lautet .tar.bz2 (.TAR.BZ2). Man entpackt das Archiv mit
tar -xvjf programm-xyz.tar.bz2
Das nun neu entstandene Unterverzeichnis trägt meist den Namen
programm-xyz (manchmal heißt es auch nur
programm).
Man wechselt in dieses Verzeichnis (
cd programm-xyz). In aller
Regel finden sich dort zwei Dateien namens
INSTALL und
README, in denen das wichtigste zur Installation bzw. zum Programm
kurz zusammengefaßt wird. Besonders die
README-Datei sollte
man immer lesen!
Im nächsten Schritt startet man die Konfiguration, die alle wesentlichen
Informationen zum Installationssystem zusammenträgt. Dazu gibt man
ein:
./configure
Wichtig ist der Punkt vor dem Schrägstrich! Denn er bezeichnet das
aktuelle Verzeichnis und macht so erst die Datei
configure
ausführbar. Da in vielen Linux-Installationen das jeweils aktuelle
Verzeichnis aus Sicherheitsgründen nicht im Suchpfad für
ausführbare Dateien auftaucht, muß es jeweils explizit angegeben
werden!
An dieser Stelle sind Fehlermeldungen durchaus möglich. Meist fehlen
Software-Pakete (z.B. Bibliotheken), die für ein einwandfreies
Funktionieren dieses Programms benötigt wird. Dann heißt es, sich
das entsprechende Paket aus dem Internet oder von der Distributions-CD zu
besorgen...
Liefert
./configure keine Fehler, so kann man mit der Kompilierung
des Programms beginnen. Diese erfolgt nach Eingabe von
make
Je nach Umfang des Programms und in Abhängigkeit von der verwendeten
Hardware kann die Umsetzung von einigen Minuten bis zu mehreren Stunden (z.B.
Wine) dauern und temporäre Dateien anlegen.
Nach abgeschlossener Kompilierung muß man sich entscheiden, ob in Zukunft
alle Benutzer das Programm nutzen können sollen, oder nur der, der es auch
installiert hat. Will man es allgemein zugänglich machen, so verfährt
man wie folgt:
Man wird durch
su
und anschließende Eingabe des Root-Paßwortes kurzzeitig zum
SuperUser und startet ein
make install
Das Programm ist nun installiert, man kann mit
exit
wieder "normaler" User werden.
Will man nun noch die "Überreste" der Installation (temporäre
Dateien, Konfigurationsdateien etc.) beseitigen, so gibt man noch ein
make clean
ein. Die ursprüngliche Archivdatei kann ebenfalls gelöscht werden,
falls der Speicherplatz benötigt wird.
Anschließend ist die Installation abgeschlossen, man kann die neue
Software genießen... ;-)