Physiologie-Praktikum und -Seminar
Vorbemerkungen zur Veranstaltung
Da die einzelnen Veranstaltungen
(Einführungsvorlesung, Praktikum
und Seminar) eine Einheit bilden und oft nur unscharf voneinander zu
trennen
sind, habe ich darauf verzichtet, mehrere Seiten zu den verschiedenen
Veranstaltungsteilen zu erstellen. Stattdessen findet sich auf dieser
Seite zusammengefaßt der Ablauf eines typischen
"Physiologie-Nachmittages".
Die Anmeldung zum Physiologie-Praktikum und -Seminar findet gegen Ende
des
vorhergehenden Semesters bei Dr. Zimmer statt, beachtet entsprechende
Aushänge am Schwarzen Brett in der Physiologie (1. Etage) und in der
Neuen
Anatomie! Für die Anmeldung benötigt man die Scheine in Biologie,
Physik, Chemie und Makroskopischer Anatomie, außerdem zwei(!)
Paßbilder sowie eine ausgefüllte Anmeldekarte. Die Karten liegen ca.
2 Tage vor dem Anmeldetermin aus. Vorsicht: Es gibt unterschiedliche
Karten
für Mediziner und Zahnmediziner!
Da es in Bonn zwei physiologische Institute gibt, ist das Praktikum
auch in
zwei Teile gegliedert: Der Abschnitt "Animalische Physiologie" findet
in der
Wilhelmstraße ( Wegbeschreibung unter
http://www.physiologie.uni-bonn.de/physio/physio2/anreise/index.html)
statt, die "Vegetative
Physiologie" im bekannten Gebäude in der Nußallee.
Das Praktikum besteht aus jeweils 8 Praktikumstagen an beiden
Instituten,
danach wird in einem Testat der Praktikumsstoff abgeprüft und man
wechselt zum anderen Institut.
Bei der Anmeldung kann man angeben, ob man in der Wilhelmstraße oder in
der Nußallee anfangen möchte, und ob man lieber Montags und
Donnerstags oder Dienstags und Freitags als Praktikumstermine haben
möchte. Nach Möglichkeit berücksichtigt Dr. Zimmer die
Wünsche bei der Zusammenstellung der Gruppen.
In welchem Institut man beginnen möchte, ist eine Gewissensfrage. In
der
Wilhelmstraße werden viele Grundlagen für den Stoff der
Nußallee gelegt, wer dort beginnt, hat es später leichter.
Andererseits ist der Lernaufwand für die Nußallee deutlich
höher - und gegen Semesterende wäre ein bißchen
Freizeit zum Lernen für's Physikum sicher auch nicht schlecht...
Diese Entscheidung muß sicher jeder selbst treffen. Nur soviel:
Ich habe in der Wilhelmstraße begonnen und diese Entscheidung nicht
bereut.
Einführungsvorlesung zum Praktikum
Jeder Praktikumstag beginnt mit einer
(unterschiedlich langen) Vorlesung.
Sie faßt noch einmal (mehr oder weniger) knapp den Stoff zusammen, um
den
es am jeweiligen Praktikumstag gehen wird. Je nach Dozent liegt der
Schwerpunkt
dabei manchmal mehr auf dem theoretischen Hintergrund (vor allem in der
Wilhelmstraße), manchmal mehr auf den durchzuführenden Versuchen
(oft in der Nußallee).
Im Idealfall dauert diese Vorlesung ca. eine Stunde, je nach
Praktikumsstoff
können es aber bis zu zwei Stunden werden.
Da man ja gut vorbereitet zum Praktikum erscheinen sollte (denkt an die
Antestate!), ist die Einführungsvorlesung oft eine gute Wiederholung
und hilft dabei, sich auf den Praktikumsnachmittag einzustimmen.
Außerdem bitte nicht vergessen: Die Einführungsvorlesung
beginnt um 13.30st, und es herrscht Anwesenheitspflicht!
Da
in der Wilhelmstraße die Antestate vor der Einführungsvorlesung
geschrieben werden (in 2 Staffeln, 1. Staffel ab ca. 13.20h, 2. Staffel
um 13.30h) sollte man pünktlich sein!
Physiologie-Praktikum
Das Physiologie-Praktikum ist die
"Krönung der Vorklinik". Im Laufe
dieses Praktikums werden immer wieder Rückgriffe auf bereits erworbenes
Wissen aus den anderen vorklinischen Fächern gemacht, insbesondere
gute Kenntnisse in Biochemie, Physik und (Neuro-)Anatomie sind mitunter
hilfreich. Außerdem ist der Praktikumsstoff (zumindest in Bonn) sehr
klinikorientiert. So lernt man z.B. in der Nußallee Blut abzunehmen,
EKGs zu schreiben und auszuwerten uvm. Im Gegensatz zu vielen anderen
Praktika macht das Physiologie-Praktikum wirklich Spaß!
Nach der Einführungsvorlesung begibt man sich mit seiner
Praktikumsgruppe
(ca. 15 Studenten) in die Praktikumsräume. Dazu muß man in der
Wilhelmstraße vom Physiologischen Institut einen kleinen Spaziergang
machen, dort findet das Praktikum nämlich in Containern auf dem
Gelände der Zahnklinik statt.
Dann beginnt das eigentliche Praktikum, dessen Ablauf in den
Praktikumsskripten
(je eins pro Institut, bekommt man für 3 Euro bei der Anmeldung) genau
beschrieben ist. Wieder einmal gilt: Wer vorbereitet ist, hat es
leichter!
Das Nußallee-Skript erinnert an vielen Stellen sogar an eine
Kurzzusammenfassung des Schmidt/Thews, so daß
hier
die Vorbereitung nicht allzu schwer fallen sollte.
Der Praktikumstag endet in der Wilhelmstraße meist gegen 18h-18.30h,
in der Nußallee etwas später, meist gegen 18.30h-19h (mit dem
Seminar).
Da in der Physiologie sehr viel zu lernen ist, empfiehlt es sich,
kontinuierlich gut zu lernen. Denn vor den Testaten fehlt meist die
Zeit, um nicht gelerntes zu vertiefen - meist ist man froh,
wenn
noch genügend Zeit zur Wiederholung bleibt. Wer in den Semesterferien
zuvor genügend Zeit hat, sollte auch schonmal einen Blick ins
Physiologie-Buch werfen, Vorarbeiten schadet nicht und ist angesichts
der
Fülle des Stoffes durchaus anzuraten.
Insgesamt gilt aber: Keine Panik, wer den Präparierkurs geschafft hat,
sollte an Physiologie eigentlich nicht scheitern!
Physiologie-Seminar
Das Seminar besteht in erster Linie aus
einem Referat, das jeder Medizinstudent
halten muß. Die Termine für die Themenvergabe werden meist in der
letzten Woche des vorigen Semesters/ersten Woche der Semesterferien
ausgehängt, ebenso die zu vergebenden Themen. Jeder muß nur ein
Referat halten, ob dies in der Wilhelmstraße oder in der Nußallee
ist, kann man sich aussuchen, ebenso das Thema (wenn man früh genug
ist!).
Die Anforderungen an dieses Referat sind nicht zu hoch, trotzdem sollte
man
sich Mühe geben, um dabei etwas zu lernen und auch das Seminar
interessant
zu gestalten! Den Seminarschein zu erhalten, sollte nicht allzu
schwierig sein.
Mir ist nur ein Referat bekannt, das so schlecht war, daß es
wiederholt werden mußte.
In der Wilhelmstraße werden die Referate meist während des Praktikums
gehalten, in der Nußallee nach dem Praktikum. In der Nußallee
schließt sich dann noch ein Kreuzen von Fragen aus dem letzten
Physikum zum Thema des jeweiligen Praktikumstages an.
Hinweise zu den Testaten und der Klausur
Im Physiologie-Praktikum gibt es
insgesamt maximal 55 Punkte zu erreichen.
Diese setzen sich wie folgt zusammen:
- Maximal 5 Punkte aus 5 Antestaten. Die Antestate
finden vor
(Wilhelmstraße) bzw. nach (Nußallee) der Einführungsvorlesung
statt und bestehen aus jeweils 5 Multiple Choice-Fragen. Hat man
mindestens
3 Antworten richtig, bekommt man einen Punkt für die Gesamtwertung.
Im allgemeinen sind dabei die Fragen in der Nußallee deutlich schwerer
als in der Wilhelmstraße.
Gut zur Vorbereitung auf die Antestate sind die Fragensammlungen, die
man
bei der Anmeldung für 3 Euro bekommen kann. Auch das Kreuzen der
entsprechenden Kapitel in der Schwarzen
Reihe ist durchaus empfehlenswert, da man auf diese Weise seine
Vorbereitung gut überprüfen kann. Und die eine oder andere
Antestat-Frage hat durchaus Ähnlichkeit mit der Schwarzen Reihe...
Hinweis: Wie ich erfahren habe, sind diese
Antestate zum WS 2003/2004
ersatzlos entfallen. Damit fehlt dieser "Schrecken" eines jeden
Praktikumstages
- aber leider fehlt somit auch die Möglichkeit, relativ einfach einige
wertvolle Punkte zu bekommen. Außerdem waren die Antestate doch ein
sehr wirkungsvolles Mittel, um für eine gute Kurstags-Vorbereitung zu
sorgen.
- Maximal 2x10 Punkte aus 2 Testaten. Jeweils nach 8
Praktikumstagen in
Wilhelmstraße und Nußallee findet ein (mündliches) Testat
statt, in dem der Praktikumsstoff dieser 8 Praktikumstage abgeprüft
wird.
In der Wilhelmstraße erfährt man den Namen des Prüfers per
Aushang ab ca. 8h am Prüfungstag, in der Nußallee kennt man nur
Ort und Zeit der Prüfung. Den Prüfer erfährt man erst zu
Beginn der Prüfung.
Zur Vorbereitung auf die Testate empfiehlt es sich, die Löffel der
einzelnen Prüfer (in der Fachschaft erhältlich) durchzuarbeiten.
Insbesondere in der Wilhelmstraße bringt das (je nach Prüfer)
sehr viel, da man sich gezielt auf einen Prüfer vorbereiten kann. Und
einige der Prüfer fragen tatsächlich sehr löffeltreu...
Die Prüfungen in der Nußallee finden entweder in der Nußallee
oder in der Argelanderstraße statt, also genau den Aushang beachten!
Früher konnte man anhand des Prüfungsortes zumindest ungefähr
auf den Prüfer rückschließen, aber seit dem Sommersemester
2003 wechseln die Prüfer auch durchaus zwischen Nußallee und
Argelanderstraße. Also besser alle Löffel lesen!
Noch ein kleiner Tip: So mancher Prüfer fragt auch gerne Details aus
seiner Vorlesung. Wer die Zeit erübrigen kann, sollte also durchaus
(auch im 3. Semester!) die meist guten Physiologie-Vorlesungen
besuchen,
es lohnt sich!
- Maximal 30 Punkten aus der Klausur. In der
Abschlußklausur wird
der gesamte Stoff des Physiologiepraktikums abgefragt. Zur Beantwortung
der 30 Multiple Choice-Fragen hat man 60 Minuten Zeit, also deutlich
mehr
als im Physikum. Das Ausfüllen des Antwortschemas geschieht ähnlich
wie im Physikum, also unbedingt Bleistift und Radiergummi mitbringen!
Wie schon für die Antestate, eignen sich die blaue und die gelbe
Fragensammlung sowie die "Schwarze Reihe"
auch sehr gut zur Klausurvorbereitung. Die Physiologie-Klausur ist zwar
meist nicht einfach, die meisten scheitern aber nicht an der Klausur,
sondern haben in den mündlichen Testaten zu viele Punkte abgegeben.
Also keine Angst vor der Klausur, so schlimm wird es nicht!
Ein Hinweis noch zum Ort der Klausur: Meist werden die Studenten auf
mehrere Hörsäle aufgeteilt. Wer dabei auf den Klausurort
"Physikalisches Institut am Kreuzbergweg" stößt und damit
nichts anfangen kann - der Wolfgang Paul-Hörsaal hinter
der Alten Anatomie ist gemeint!
Von den insgesamt 55 Punkten, die erreichbar sind, müssen für
den Schein mindestens 33 Punkte erzielt werden. Wer weniger schafft,
hat eine zweite Chance in der Nachklausur, die meist ca. eine Woche
nach
der Klausur stattfindet. Näheres dazu findet sich auch auf den
zahlreichen Aushängen am Schwarzen Brett in der Physiologie (1. Stock).
Fast jedes Semester findet auch ein von Studenten höherer Semester
geleitetes Physiologie-Tutorium statt, in dem die wesentlichen Fakten
des Praktikums noch einmal verständlich aufbereitet und in Hinblick
auf Testate und Klausur präsentiert werden. Auch offen gebliebene
Fragen
können dort jederzeit gestellt werden. Ankündigungen zum Tutorium
finden sich ebenfalls am Schwarzen Brett und werden meist in der
Physiologie-Hauptvorlesung gemacht.
Lernhilfen
Übersicht
über spannungsabhängige Ca2+-Kanaltypen
In der Wilhelmstraße fragen einige Prüfer gerne nach den
verschiedenen Ca 2+-Kanaltypen, insbesondere Dr. von Wegerer
ist
berüchtigt dafür. Da man die einzelnen Typen in den gängigen
Lehrbüchern meist nicht findet, hier eine kleine Übersicht der
spannungsgesteuerten Ca 2+-Kanäle.
Bei den Fragensammlungen aus der Physiologie ist es oft nicht so
einfach, den
jeweiligen Lösungsweg nachzuvollziehen. Deshalb habe ich hier meine
Lösungswege zu Rechenaufgaben online gestellt. Ich beziehe mich dabei
jeweils auf die Aufgaben in den Fragensammlungen der Auflage 2002. Bei
anderen
Auflagen muß man vielleicht ein wenig suchen, bis Aufgabe und Lösung
zusammenpassen bzw. findet in meinen Lösungswegen nur Denkanstöße
für andere Aufgaben.
Animalische_Physiologie.pdf
Vegetative_Physiologie.pdf
Ähnlich wie in Anatomie, so gibt es auch im Bereich der Physiologie
eine Vielzahl verschiedener Lehrbücher. Daher kann ich wieder nur
eine kleine Auswahl an Werken vorstellen, die mir persönlich gut
gefallen haben.
Klinke,
Silbernagl: "Lehrbuch der Physiologie"
Der "Silbernagl" ist eines der "großen" Physiologie-Lehrbücher,
wie man unschwer an Umfang und Preis erkennen kann. So wird in diesem
Werk sehr viel Wert darauf gelegt, dem Leser ein Verständnis für
die Physiologie des Menschen zu vermitteln und ihn auch über die
Grundlagen hinaus mit den Details vertraut zu machen.
Dabei haben es die
Autoren geschickt vermieden, sich in Kleinigkeiten und Formeln zu
verlieren.
Stattdessen sorgen kurze zusammenfassende Texte zu Beginn jeden
Abschnittes
für einen kurzen Überblick, Zwischenüberschriften in Form
von kurzen Thesen erleichtern die Orientierung im Lerntext. Dies
ist insbesondere bei der Wiederholung z.B. vor einer Prüfung hilfreich.
Wichtige Fakten werden
auch nach ihrer ausführlichen Darstellung häufig noch an weiteren
Stellen kurz erwähnt, was zum besseren Behalten beiträgt und
lästiges Zurückblättern unnötig macht. Durch eine Vielzahl
sinnvoller
klinischer Bezüge wird die Relevanz des vermittelten Stoffes für
die spätere ärztliche Tätigkeit betont und so das Lernen
interessanter gestaltet.
Viele farbige Abbildungen lockern den Textfluß auf und tragen meist
gut zum Verständnis der im Text vermittelten Inhalte bei. So manche
Detailinformation findet sich auch nur in der Abbildungslegende und
nicht im
eigentlichen Text - die Abbildungen also nicht zu schnell
überblättern!
Der "Klinke/Silbernagl" wird insbesondere für die Wilhelmstraße
immer wieder gerne empfohlen, zu Recht, wie ich finde. Denn
insbesondere
die Abschnitte zur Neuro- und Sinnesphysiologie sind sehr verständlich
und ausführlich geschrieben und gehen auf fast alles ein, was im
Praktikum gefordert wird. Lediglich die eine oder andere Kleinigkeit
sucht
man vergebens, allerdings handelt es sich dabei meist um Dinge, die
eher in
ein Pharmakologie-Lehrbuch gehören.
Auch für die Inhalte der Nußallee ist der "Klinke/Silbernagl"
gut geeignet, allerdings wird im Bereich der Vegetativen Physiologie so
manches deutlich knapper beschrieben als im "Schmidt/Thews". Trotzdem
würde ich jedem, der sich mit einem "großen" Lehrbuch für
die Physiologie begnügen möchte, eher den "Klinke/Silbernagl"
als den "Schmidt/Thews" empfehlen. Denn anders als letzterer verliert
sich
der "Klinke/Silbernagl" nicht in Details und Formeln sondern versucht
in
erster Linie, das grundlegende Verständnis zu erleichtern.
Dadurch bleibt das Buch gut lesbar und es macht Spaß, damit zu
arbeiten.
Die mir vorliegende 3. Auflage ist inzwischen wohl vergriffen. Die neue
4.
Auflage unterscheidet sich meines Wissens nach von der 3. Auflage nur
dadurch,
daß zwei Abbildungsfehler berichtigt wurden. Da der 3. Auflage aber
auch
Korrekturaufkleber beigelegt waren, würde ich jedem zum Kauf raten,
der irgendwo günstig eine 3. Auflage bekommen kann!
Erschienen im Thieme-Verlag, Stuttgart, 3. Auflage, 2001
Weitere Informationen sind auf der
Verlagshomepage
zu finden.
ISBN: 3-13-796003-7
837 Seiten, gebunden, EUR 79,95
Schmidt, Thews,
Vaupel: "Physiologie des Menschen"
Der "Schmidt/Thews" ist ein weiteres der "großen" Lehrbücher
der Physiologie. Mittlerweile in der 28. Auflage erschienen, zählt er
sicher zu den "Klassikern" unter den Lehrbüchern.
Der Aufbau des "Schmidt/Thews" ist Springer-typisch und so auch in
anderen aktuellen Springer-Lehrbüchern zu finden. Zu Beginn
jeden Kapitels findet sich ein kurzer Einleitungstext, der sich meist
auf die Forschungsgeschichte oder die Bedeutung des jeweiligen Themas
für unser tägliches Leben bezieht. Auf diese Weise behutsam
an das Thema herangeführt, findet man im weiteren Lerntext eigentlich
alles Wichtige, was jemals im Physiologie-Testat gefragt werden könnte.
Die große Stärke des "Schmidt/Thews" ist eindeutig seine
Ausführlichkeit, insbesondere bei den Themen der Vegetativen
Physiologie. Hier liegt auch der Hauptvorteil des
"Schmidt/Thews" im Vergleich zum "Klinke/Silbernagl". Trotzdem kommen
Neuro- und Sinnesphysiologie im "Schmidt/Thews" nicht zu kurz, wenn
sie teilweise auch im "Klinke/Silbernagl" verständlicher beschrieben
sind.
Gelbe Kästen mit Kurzzusammenfassungen am Ende jeden Abschnitts (also
mehrere pro Kapitel!) sorgen dafür, daß man trotz aller
Detailfülle den Überblick nicht verliert. Sie sind gut
geeignet, um sich noch einmal einen kurzen Überblick zu verschaffen
und die großen Zusammenhänge nachzuvollziehen.
Um den Leser nicht mit einem zu großen Detailwissen zu überfordern,
sind Themen, die die Autoren als "Spezialwissen" betrachteten,
kleiner gedruckt und so von den grundlegenden Inhalten deutlich
abgetrennt.
Prinzipiell ist dies eine gute Idee, da sich der Leser so auf das
Wesentliche
konzentrieren könnte - jedoch gehen die Autoren meiner
Meinung
nach an vielen Stellen zu weit und verbannen Wissen, das im Praktikum
unentbehrlich ist, ins "Kleingedruckte". Wer sich gut auf das Praktikum
vorbereiten will, wird also nicht darum herumkommen, den gesamten
Lerntext
samt Kleingedrucktem zu lesen - was angesichts der geringen
Schriftgröße durchaus anstrengend sein kann.
Wie der "Klinke/Silbernagl" verfügt auch der "Schmidt/Thews" über
eine Vielzahl farbiger Abbildungen, die die Seiten auflockern und zum
Verständnis beitragen. Und auch hier gilt: Unbedingt die
Abbildungslegenden lesen, da sich auch hier die eine oder andere
Information versteckt!
Insgesamt ist der "Schmidt/Thews" deutlich komprimierter geschrieben
als
der "Klinke/Silbernagl", auch wird mehr mit Formeln und physikalischen
Herleitungen gearbeitet. Dadurch läuft der Leser Gefahr, sich in
Kleinigkeiten zu verlieren anstatt sich einen großen
Überblick zu verschaffen. Trotzdem halte ich auch den "Schmidt/Thews"
für ein durchaus gelungenes Lehrbuch, das gut zu lesen ist und
alle für das Physiologie-Praktikum nötigen Fakten enthält.
Lediglich die Ausführungen zur Blutgerinnung fand ich im
"Schmidt/Thews"
völlig unverständlich; dieses Thema sollte man besser aus
einem anderen Lehrbuch (z.B. "Klinke/Silbernagl" oder
"Löffler/Petrides")
lernen.
Die Frage "Klinke/Silbernagl" oder "Schmidt/Thews" muß jeder für
sich selbst beantworten. Ich habe mich für die Wilhelmstraße
für den "Klinke/Silbernagl" und für die Nußallee für
den "Schmidt/Thews" entschieden, sicher eine Luxuslösung. Man kann
das Physiologie-Praktikum auch ohne Probleme mit nur einem der beiden
Lehrbücher gut bestehen!
Erschienen im Springer-Verlag, Berlin, 28. Auflage, 2000
Weitere Informationen sind auf der
Verlagshomepage
zu finden.
ISBN: 3-540-66733-4
890 Seiten, gebunden, EUR 69,95
Schmidt,
Schaible: "Neuro- und Sinnesphysiologie"
Der Name deutet es bereits an, und tatsächlich ist es
so - an diesem Taschenbuch hat einer der Autoren des "großen
Schmidt/Thews" mitgeschrieben.
Herausgekommen ist dabei eine sehr gut zu lesende kompakte Darstellung
der
Neuro- und Sinnesphysiologie, die sich im Gegensatz zu den großen
Lehrbüchern auch bequem in der Bahn oder an der Uni lesen läßt.
Thesenartige Kurzüberschriften fassen zu Beginn jeden Abschnitts die
wesentlichen Aussagen zusammen und helfen so beim Kurzüberblick
über die behandelte Thematik. Spezialwissen ist im "Kleingedruckten"
verborgen und so direkt auch als solches erkennbar.
Ähnlichkeiten zu Abbildungen oder Passagen aus dem "großen Bruder"
sind natürlich nicht zufällig, tauchen aber eher selten auf.
Vielmehr ist "Neuro- und Sinnesphysiologie" ein eigenständiges kleines
Lehrbuch, das trotz seines vergleichsweise geringen Umfangs nicht die
Bezeichnung Kurzlehrbuch verdient - denn dafür ist es viel
zu ausführlich. Zu fast allen Stichworten des Physiologie-Praktikums
in der Wilhelmstraße findet sich hier etwas, als Vorbereitung auf
das Praktikum ist dieses Buch meist völlig ausreichend. Und das
eine oder andere Kapitel geht sogar über den im Praktikum besprochenen
Stoff hinaus.
Wer unterwegs oder auf die Schnelle das Praktikum für die
Wilhelmstraße vorbereiten möchte, ist mit diesem Werk
sicher gut bedient. Bedingt durch die Kürze dieses (dennoch
vollwertigen) Lehrbuches ist aber die eine oder andere Erklärung
vielleicht etwas kurz geraten, so manches Detail mußte entfallen.
Spätestens zur Vorbereitung auf das Testat oder die Klausur
würde ich also zusätzlich zu diesem Buch noch einen Blick in den
"großen Bruder" "Schmidt/Thews" oder den "Klinke/Silbernagl"
empfehlen.
Erschienen im Springer-Verlag, Berlin, 4. Auflage, 2001
Weitere Informationen sind auf der
Verlagshomepage
zu finden.
ISBN: 3-540-41347-2
568 Seiten, Paperback, EUR 22,95
Thews, Vaupel:
"Vegetative Physiologie"
Was der "Schmidt/Schaible" für die Neuro- und Sinnesphysiologie ist,
das ist der "Thews/Vaupel" für die Vegetative Physiologie. So gilt
das meiste des dort bereits geschriebenen auch für dieses Werk.
Mit diesem Lehrbuch ist den Autoren eine kompakte und dennoch gut
verständliche und vollständige Darstellung der Vegetativen
Physiologie gelungen, die für die Anforderungen des
Nußallee-Praktikums meist völlig ausreichend ist. Auch hier ist
eine Bezeichnung als Kurzlehrbuch nicht angemessen, zu umfangreich
ist dafür dieses Taschenlehrbuch.
Im Vergleich mit anderen Springer-Lehrbüchern fällt allerdings
unangenehm auf, daß in diesem Buch die "gelben Kästen" eine
andere Bedeutung haben als sonst: Es handelt sich dabei diesmal
nicht um Kurzzusammenfassungen, sondern um eine
Hervorhebung
besonders wichtiger Fakten. Man darf die Kästen also beim
Durcharbeiten auf keinen Fall überspringen!
"Schmidt/Schaible" und "Thews/Vaupel" stellen zusammen einen kompakten
und vollständigen
Überblick über die gesamte Physiologie dar, mit dem man das
Praktikum gut bewältigen kann. Da in Testaten aber von manchen
Prüfern gerne auch "Randwissen" gefragt wird, empfehle ich
zusätzlich zu diesen beiden Taschenlehrbüchern zumindest einen
Blick in "Schmidt/Thews" oder "Klinke/Silbernagl" zu werfen.
Erschienen im Springer-Verlag, Berlin, 4. Auflage, 2001
Weitere Informationen sind auf der
Verlagshomepage
zu finden.
ISBN: 3-540-67791-7
590 Seiten, Paperback, EUR 24,95
Schmidt:
"Physiologie kompakt"
Bei diesem Buch ist der Name Programm: Der Autor (der auch an
"Schmidt/Thews"
und "Schmidt/Schaible" mitgeschrieben hat), hat eine maximal
komprimierte
Zusammenfassung des "Schmidt/Thews" erstellt, wie schon aus der
Kapitelgliederung ersichtlich ist.
Ein großer Teil des
Buches besteht aus Tabellen, in denen in der einen Spalte ein Stichwort
und
in der anderen Spalte die dazugehörige Erläuterung zu finden sind.
Dabei werden die wichtigsten Stichworte der gesamten Physiologie
abgedeckt.
Ein zusammenhängender Lerntext existiert nicht.
Wer die Physiologie kennt und sich nur schnell über die genaue
Bedeutung eines Begriffes informieren möchte, wird in diesem Buch
sicher fündig werden - sofern er keine zu speziellen Details
erwartet. Zur Vorbereitung und Wiederholung kurz vor Praktikum oder
Prüfung ist es zwar prinzipiell geeignet, jedoch würde ich den
Thieme-Taschenatlas aufgrund seiner Lerntexte vorziehen. Denn
"Physiologie
kompakt" reiht an vielen Stellen nur Erläuterung an Erläuterung,
ohne einen wirklichen Bezug zwischen den verschiedenen Teilaspekten
eines
Themenkomplexes herzustellen. Gerade in einer mündlichen Prüfung
ist das Verständnis des Gesamtzusammenhanges aber oft viel wichtiger,
als
einen bestimmten Begriff exakt definieren zu können.
Erschienen im Springer-Verlag, Berlin, 4. Auflage, 2001
Weitere Informationen sind auf der
Verlagshomepage
zu finden.
ISBN: 3-540-41346-4
346 Seiten, Paperback, EUR 22,95
Silbernagl,
Despopoulos: "Taschenatlas der Physiologie"
Dieser Taschenatlas bietet einen kompakten Überblick über die gesamte
Physiologie. Typisch ist der "Thieme-Taschenatlas-Aufbau": Auf
jeder linken Seite ist ein Lerntext zu finden, der das jeweilige Thema
kompakt aber vollständig und verständlich darstellt.
Sehr farbenfrohe und meist gut gelungene Abbildungen auf jeder rechten
Seite
illustrieren diese Erläuterungen und tragen zum Verständnis bei.
Wer mit dem "Klinke/Silbernagl" gearbeitet hat, wird sicher die eine
oder andere Abbildung wiedererkennen. Aufgrund der geringeren
Seitengröße und der anderen Anforderungen sind aber auch viele
Abbildungen neu erstellt worden und speziell auf die Bedürfnisse eines
Taschenatlanten zugeschnitten.
Im Vergleich zum Konkurrenzprodukt "Physiologie kompakt" fällt
besonders auf, daß der Taschenatlas optisch ansprechender gestaltet
ist und über eine viel größere Zahl an Abbildungen
verfügt. Außerdem werden Stichworte nicht isoliert erklärt,
sondern in einen Gesamtzusammenhang eingebunden. So wird verhindert,
daß
man bloße Begriffsdefinitionen auswendig lernt, anstatt sich einen
Überblick über das Ganze zu verschaffen. Aber auch wer nur kurz
nach der Erläuterung eines Stichwortes sucht, wird Dank eines großen
Sachwortverzeichnisses und eines Anhangs mit wichtigen Formeln und
Normwerten
schnell fündig.
Insgesamt ist der "Taschenatlas der Physiologie" meiner Meinung nach
sehr gut geeignet, um bereits gelerntes Wissen kurz vor Praktikum oder
Testat
noch einmal aufzufrischen.
Inzwischen (2003) ist schon eine korrigierte 6. Auflage erschienen. Wie
groß die Abweichungen zur mir vorliegenden 5. Auflage sind, ist mir
nicht bekannt.
Erschienen im Thieme-Verlag, Stuttgart, 5. Auflage, 2001
Weitere Informationen sind auf der
Verlagshomepage
zu finden.
ISBN: 3-13-567704-4
436 Seiten, Paperback, EUR 23,50
Alle Angaben ohne Gewähr auf Richtigkeit!
Extras zur Physiologie-Vorlesung von C. Zaugg
(http://www.unibas.ch/df/cardio/py/physio_extras.html)
Insbesondere zum Thema Herz/Kreislaufsystem finden sich auf dieser
Seite
sehr viele gelungene Animationen, die trockenes Lehrbuchwissen
anschaulich
darstellen. Vieles läßt sich ohne Herunterladen direkt online
betrachten, manches muß heruntergeladen werden.
Achtung: Viele der Animationen benötigen installierte Plugins,
z.B. Macromedia Flash Player, Apple Quicktime oder Real Player.
Unbedingt mal vorbeischauen, es lohnt sich!
Download Page for Dr. Davis' Computer Labs
(http://mphywww.tamu.edu/davis/Models/Davis-models.html)
Wer beim Lernen für Physiologie manchmal Vorstellungsschwierigkeiten
hat, wird für einige Dinge auf dieser Seite Modelle finden, mit denen
so manches direkt viel anschaulicher wird. Die entsprechenden Modelle
müssen heruntergeladen werden und liegen als Programme für
Windows und Mac vor.
| Veranstaltungs-Nr. |
2242 (Einführung in die
Aufgaben des Physiologischen Praktikums)
2243 (Physiologisches Praktikum)
2244 (Seminar Physiologie)
|
| Veranstaltungsort |
Hörsaal und
Praktikumsräume Wilhelmstraße und Nußallee |
| Veranstaltungstag |
Montag und Donnerstag
oder Dienstag und Freitag |
| Veranstaltungszeit |
13.30st-19.30h |
|