Das „Speicher- und
Verdunstungskonzept“
alternativer Oberflächenabdeckungen: Messung und
Simulation
des Wasser- und Gashaushaltes und sein Einsatz bei der Sanierung der
Wismut-Altlasten
Dipl.-Geogr. Uwe Hoepfner
Dissertation,
2006, Fakultät für Geowissenschaften,
Ruhr-Universität Bochum.
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veröffentlicht: Elektronische
Dissertation Ruhr-Univerität Bochum
Die
Sanierung von Bergbaualtlasten der Wismut in Thüringen und
Sachsen erfolgt durch Oberflächenabdeckungen, welche den
Sickerwassereintrag und den Gasaustausch reduzieren. Dabei wird mit dem
Speicher- und Verdunstungskonzept die hydrologische Wirkung von
Waldstandorten für die Abdeckung genutzt. Mittels Feld- und
Simulationsmethoden wird der Wasser- und
Gashaushalt für Abdeckungen dieses Typs bilanziert, u.a.
für Vegetations- und Klimaszenarien. Es zeigt sich, dass die
Vegetation zu hohen
Feuchteentzügen führt, die sehr niedrige Sickerrate
eines Dichtsystems aber nicht erreicht wird. Die Abdeckungen werden,
neben hohen Verdunstungsraten, durch Interflow und Staunässe
in der Rekultivierungsschicht geprägt. Die Gasdiffusion nimmt
durch den tief in das Profil reichenden Feuchteentzug zu. Die
Rekultivierungsschicht hat wesentlichen Anteil an der hydrologischen
Gesamtwirkung des Abdecksystems. Die potentielle
Funktionalität sollte in der Sanierungs- und Deponiepraxis
berücksichtigt werden.
Kurzfassung
Einleitung
Methodik
Ergebnisse Feldversuche
Ergebnisse Modellierung
Schlussfolgerungen
links zum Thema
Einleitung und Problemstellung
Der Uranerzbergbau durch die Wismut
hat in
Sachsen und Thüringen große Umweltprobleme
hinterlassen. Nach der politischen Wende in der damaligen DDR und
Beendigung des aktiven Bergbaus 1990 begannen an den Standorten der
Uranförderung und Produktion die Sanierungsarbeiten des damals
weltweit drittgrößten Uranproduzenten.
Einer
der Schwerpunkte der Arbeiten ist die Sanierung der Halden,
deren Bergemassen mit Restgehalten an Uran und Radium und der damit
verbundenen Emission von Radionukliden der Uran-Zerfallsreihe zu
erhöhten Werten der Gamma-Strahlung sowie verstärkter
Konzentration von Radon und Radonfolgeprodukten in der bodennahen
Atmosphäre führt. Die Verwehung von Staub der offen
liegenden Halden- bzw. Tagebauflächen sowie austretende
Haldensickerwässer verlagern Radionuklide in die direkte
Umgebung der Bergbaustandorte. Die Sickerwässer sind durch die
Pyritoxidation
im Bergematerial stark sauer, lösen das im Gestein enthaltende
Schadstoffinventar und belasten den Untergrund und die regionalen
Vorfluter mit Radionukliden, Schwermetallen und Salzen (Acid Mine Drainage)
– eine typische Begleiterscheinung an Bergbaustandorten.
Das Sanierungskonzept
sieht für die Bergehalden und die Rückstandsbecken
der Uranaufbereitung im wesentlichen eine in-situ Sanierung vor.
Bestandteil ist dabei jeweils eine standortangepaßte mineralische
Oberflächenabdeckung, welche sowohl den
Sickerwassereintrag in die Bergemassen bzw. Tailings, als auch den
Gasaustausch mit der Atmosphäre reduzieren soll.
Der Wasserhaushalt
der Abdecksysteme ist hierbei die steuernde
Größe des potentiellen Schadstoffaustrags aus dem
abzudeckenden Körper. Dabei ist zum einen die Wassersättigung
der Abdecksubstrate wichtig, durch welche die Sauerstoffdiffusion
aus der Atmosphäre in den Untergrund und damit die Pyritoxidation
gesteuert wird, zum anderen sind die Abflußanteile
entscheidend für den möglichen Transport von
gelösten Schadstoffen.
In der internationalen Praxis bei der Sanierung von Bergbaustandorten
werden vor allem mineralische
Zweischichtabdeckungen auf den abzudeckenden
Körper aufgebracht, um die Bildung von sauren
Sickerwässern durch die Pyritoxidation zu reduzieren.
Überdeckt von einer unverdichteten, oft
geringmächtigen Rekultivierungsschicht, übernimmt
eine hoch verdichtete Abdichtungsschicht die wesentliche
Funktionalität des Abdecksystems durch die Reduzierung der
Sauerstoffdiffusion und der Versickerung.
Im Gegensatz dazu wird für die Oberflächenabdeckung
von Deponien im Regelfall eine Dreischichtabdeckung
errichtet mit einer Rekultivierungsschicht, einer Drän- sowie
einer mineralischen Dichtungsschicht. Nach Berichten über Versagensfällen
von solchen Regelabdeckungen mit mineralischer Dichtungsschicht wurde
zum einen das Systemverhalten dieser Abdecksysteme, zum anderen alternative Abdeckkonzepte in
den letzten Jahren intensiv untersucht.
Eines dieser alternativen Abdeckkonzepte ist das Speicher- und Verdunstungskonzept
(auch ET-Cap
oder Store-and-Release
Cover), bestehend aus einer mineralischen
Einschichtabdeckung mit Gras-/Kraut- oder
Gehölzbestockung. Bei diesem Ansatz wird die
Funktionalität der Oberflächenabdeckung nicht durch
technische Lösungen wie Dichtungs- und Dränelemente,
welche das Sickerwasser seitwärts abfließen lassen,
sondern durch die Optimierung der Verdunstungsleistung der
Vegetationsdecke erreicht. Dieses Konzept versucht damit im Sinne der
Bildung von Natural
Analogs die hydrologische Wirkungsweise von
Vegetationsstandorten nachzubilden, von denen niedrige
Versickerungsraten über lange Zeiträume bekannt sind.
Vor diesem Hintergrund wird
bei der Sanierung der Wismut-Standorte
neben den oben genannten Zweischichtabdeckungen mit mineralischer
Dichtungsschicht auch der Einsatz von alternativen Abdeckungen
geprüft. Insbesondere die Anwendung des Speicher- und
Verdunstungskonzeptes wird als mögliche
Oberflächenabdeckung gesehen, da bei der Sanierung der
Bergbaualtlasten die langfristige Wirkung der Sanierungstrategie
nachzuweisen ist, ohne daß a priori einzelne (konzeptionelle
oder technische) Lösungen definiert werden. Zudem werden bei
der Betrachtung von Sanierungsoptionen lange
Bewertungszeiträume (bis zu 200–1000 a) zu Grunde
gelegt, so daß hierdurch Konzepte, welche auf eine
langfristige, gleichmäßig hohe oder sogar zunehmende
Wirkungsweise angelegt sind, überlegen sein können.
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Methodik
Das Speicher- und Verdunstungskonzept
wurde in der vorliegenden Untersuchung mit Feld- und Modellmethoden
untersucht, um seine wasser- und gashaushaltliche Wirkungsweise im
Vergleich mit Standarddeponieabdeckungen beurteilen zu können.
Auf
einem 6–15 % geneigten Versuchshang wurde eine Zweischichtabdeckung
(1,5 m Rekultivierungsschicht, 0,4 m Dichtungsschicht) sowie 2 Einschichtabdeckungen
(1 und 1,6 m mächtig) über Haldenmaterial
errichtet.
Während des Untersuchungszeitraums (7/00–6/04)
wurden die Abflußanteile
(Lysimeter, Dränagen), die Bodenfeuchte
(TDR) und Tension
(Druckaufnehmer-, Equitensiometer) sowie die meteorologischen
Verhältnisse erfaßt. Die Sauerstoffgehalte
wurden mittels Luftlanzen
gemessen. Auf bewaldeten Haldenbereichen wurde die Interzeption und der
Stammabfluß
bestimmt.
Der Wasserhaushalt wurde mit HELP,
einem
schichtorientierten DARCY-Modell, sowie mit dem
numerischen RICHARDS-Modell HYDRUS_2D
simuliert, die Interzeption mit
dem GASH-Interzeptionsmodell,
die Verdunstung nach PENMAN-MONTEITH
für
Gras- und Kiefernbestände bestimmt. Die Gasdiffusion wurde
unter
Zugrundelegung der instationären Sättigungs- und
Diffusionskoeffizienten berechnet. Neben der Prognose für die
rezenten
Verhältnisse des Einbauzustandes der Abdeckungen wurden
langfristige Szenarien
der
Boden-, Vegetations- und Klimaentwicklung
berücksichtigt.
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Ergebnisse Felduntersuchungen
Die wesentlichen hydrologischen
Ergebnisse der
Felduntersuchungen können wir folgt
zusammengefaßt
werden:
Der Witterungsverlauf
während des
Untersuchungszeitraumes kann insgesamt als wärmer und
trockener gegenüber dem langjährigen mittleren
Verlauf charakterisiert werden, mit einer um 1,4 Grad Celsius
höheren mittleren Lufttemperatur,
gegenüber den mittleren Jahresniederschlägen um
135 mm geringeren Niederschlägen, einer um 119 mm
höheren
potentiellen Verdunstung und damit einer insgesamt stark negativen
klimatischen Wasserbilanz von -172 mm. Mit Beginn des
Jahres 2003 an waren fortdauernd trockene Bedingungen vorherrschend.
Zeiträume mit deutlich positiver
Bilanz waren die ersten zwei Winterhalbjahre und insbesondere das
dritte Winterhalbjahr 2002/2003.
Hydrologisch bedeutsame Einzelereignisse
waren die
Starkniederschläge im August (134 mm) und November 2002
(121 mm), sowie das trockene Sommerhalbjahr 2003 mit einer hoch
negativen klimatischen
Wasserbilanz von -384 mm.
Die Interzeptionsbestimmungen
ergaben
im Fichtenbestand eine Interzeptionshöhe von 44 %, welche im
oberen Bereich der
für Fichtenarten in der Literatur berichteten Werte liegt. Die
Interzeptionsrate nimmt mit zunehmender
Niederschlagshöhe leicht ab, mit Werten von ca. 50 % bei
Niederschlägen < 10 mm/d
und geringeren Raten von ca. 40 % bei Niederschlägen >
10 mmd.
Die Messungen des Stammabflusses
im Kiefernbestand zeigen,
daß dieser < 1 % des Freilandniederschlages ausmacht
und damit vernachlässigbar gering ist.
Wesentliche Aussagen zur Beurteilung der Wirksamkeit der
Abdeckkonfigurationen können auf Grundlage der Feuchtebestimmungen
getroffen werden: Die
Abflußentstehung und Dauer der Sickerung, die Richtung der
Bodenwasserbewegung, die Schöpftiefe und
Verdunstungsleistung der Vegetation und damit die für das
Speicher- und Verdunstungsprinzip wichtige Frage der
Speicherleerung sowie die Wuchs- und Standortbedingungen der Vegetation
lassen sich hieraus ableiten und
quantifizieren. Die wesentlichen Aussagen können dabei auf
Grundlage der Tensionsbestimmungen getroffen
werden, das TDR-Verfahren ist methodisch kritisch
einzuschätzen.
Die Tensionsbestimmungen
zeigen den typischen
jahreszeitlichen Gang der Bodenfeuchte, mit den tiefengestaffelten
sommerlichen Austrocknungsphasen und der
Wiederbefeuchtung in den Herbst- und Wintermonaten. Dabei spiegeln sich
sowohl die unterschiedlichen
Witterungsbedingungen einzelner Sommer- und Winterhalbjahre als auch
die Entwicklung der Abdecksubstrate selbst,
wie z.B. die zunehmende Durchwurzelung und beginnende
Gefügeentwicklung im Oberboden, im Gang der
Wassergehalte und Tensionen wieder.
Die Feuchteverhältnisse
in den
Rekultivierungsschichten sind dabei einerseits
geprägt durch
sehr nasse Phasen in den Wintermonaten mit anhaltender Staunässe,
mit Feuchten zwischen
Feldkapazität und voller Sättigung, bedingt durch die
geringe Dränkapazität der hoch verdichteten
Substrate (Lagerungsdichten 1,7–1,8 g/cm^3,
Gesamtporenvolumina 31–34 %, Ks-Werte zwischen 1 x 10^-6
und 9 x 10^-8 m/s), andererseits sehr tiefgreifender Austrocknung bis an
die Unterkante der Schicht im
Sommer. Im Sommerhalbjahr trocknen die Rekultivierungsschichten schnell
und tiefgreifend aus, mit gemessenen
Tensionen oberhalb des Welkepunktes in 20 cm Tiefe, und
größer 80 kPa an der Unterkante
der Schicht. Die Wechsel zwischen den sehr staunassen
Verhältnissen und trockenen Bedingungen verlaufen dabei
innerhalb weniger Wochen, die herbstliche Wiederbefeuchtung innerhalb
weniger Tage bei den ersten
Starkniederschlägen zu Beginn des hydrologischen
Winterhalbjahres.
Die beiden Rekultivierungsschichten der Einschichtabdeckungen zeigen
einen sehr ähnlichen Feuchteverlauf, wobei im VF 2 aufgrund
der geringeren Mächtigkeit und zugleich
sehr niedriger nutzbaren Feldkapazität der Feuchteentzug im
Sommer
zu hohen Anteilen aus dem Haldenmaterial erfolgt. In beiden Abdeckungen
gibt es starke Indizien für
sehr schnellen präferenziellen
Sickerwassertransport in Makroporen.
Die Messungen der Bodenfeuchte in der Dichtungsschicht der
Zweischichtabdeckung wiesen eine erstaunlich große Dynamik
des jahreszeitlichen Wechsels von
Austrocknung und Wiederbefeuchtung auf, der in dieser Tiefe nicht
erwartet wurde.
In den Sommerhalbjahren 2001 und 2002 wurde ein Feuchteentzug von
3–4 Vol.-% und ein niedriger Anstieg
der Tensionen auf max. 10 kPa, im trockenen
Sommer 2003 ein Feuchteentzug von ca. 9 Vol.-% und hohe Tensionen von
60 kPa an der Oberkante und 20 kPa an der Unterkante
beobachtet.
Die Tension an der Oberkante der Dichtungsschicht kann im Sommer 2003
noch oberhalb dieser Werte gelegen
haben, da hier der Meßbereich der Tensiometer
überschritten
war. Die gemessene
Wassergehaltsschwankung in den drei Sommerhalbjahren sowie die Tension
im Sommer 2003 lag damit in bzw. oberhalb der Bereiche, bei dem in
bindigen
Substraten, mit allerdings höheren Tongehalten als im
Dichtschichtsubstrat der hier untersuchten Schicht, von einer
beginnenden
Rißbildung
berichtet wird.
Die Feuchteverhältnisse im Haldenmaterial
unterscheiden sich stark zwischen der Zweischicht- und den beiden
Einschichtabdeckungen. Im Zweischichtsystem bleibt das
Haldenmaterial durch die hohe Überdeckung und die trennende
Dichtungsschicht dauerhaft naß. In den
beiden Einschichtabdeckungen reicht die sommerliche Austrocknung
dagegen weit in das Haldenmaterial hinein, so
daß die Bodenwasserscheide zeitweise tiefer als die unterste
Meßebene (2,6 m) lag. In den Sommern 2001 und
2002 wurden auf der geringmächtigen Einschichtabdeckung dabei
maximale Tensionen von 20–60 kPa, im Sommer
2003 von > 80 kPa im oberen Meter des Haldenmaterials
aufgezeichnet.
Der gemessene Oberflächenabfluß
ist auf den
Versuchsfeldern insgesamt gering und liegt zwischen 1,2 % (VF 3) und
6,8 % (VF 2). Größere
Abflußereignisse traten vor allem zu Beginn des
Untersuchungszeitraumes auf, in der zweiten Hälfte des
Untersuchungszeitraumes sind selbst bei Starkniederschlägen
nur sehr geringe Abflußraten zu
beobachten
Die Dynamik der Frost-, Austrocknungs- und Wiederbefeuchtungswechsel
führt zum einen zu einer beginnenden Entwicklung eines
Aggregatgefüges in dem beim Einbau hoch
verdichteten, kohärenten Rekultivierungsschichtsubstrat, zum
anderen können sich
zusätzlich punktuell oder linear Makroporen ausbilden.
Resultierend daraus erhöht sich während
des Untersuchungszeitraumes die Infiltrationskapazität, der
Oberflächenabfluß nimmt stark ab; gleichzeitig
verschiebt sich das Verhältnis
von Oberflächenabfluß zu Interflow.
Aus methodischen Gründen problematisch sind die Messungen auf
dem VF 2, da hier der oberflächennahe Interflow am Unterhang
zu diffusen Vernässungen führt und als Return-Flow teilweise
wiederaustritt. Nach einer durchgeführten Korrektur der
Messungen ergibt sich ein
gesamter Oberflächenabfluß von 6,8 %, welcher damit
um den Faktor 4–6 über den niedrigen
Abflüssen
der Felder 1 und 3 liegt.
Die Messungen des Interflow
(hypodermischen
Schichtabflusses), beginnend in der zweiten Hälfte des
Untersuchungszeitraumes, liefern wesentliche Ergebnisse zum
Verständnis der Hydraulik der Ein- und Zweischichtabdeckungen.
Entgegen der Arbeitshypothese – der Annahme
eines nur in der Abdeckung mit Dichtungsschicht bedeutsamen Interflow
– wurde aus den Ergebnissen der
Tensionsmessungen frühzeitig deutlich, daß auch in
den Einschichtsystemen über lange Zeiträume
Stauwasserspiegel
auftreten, welche auf den geneigten Versuchshängen zu
entsprechenden Abflüssen
führen können. Dieses konnte mit Beginn der
Abflußmessungen im Winterhalbjahr 2002/2003 für die
Abdeckungen ohne eigentliche
Dichtungsschicht bestätigt werden.
Im Einzelnen sind folgende wichtige
Ergebnisse der Messungen des
hypodermischen Schichtabflusses zu nennen:
- In der Zweischichtabdeckung
wurde in der
Rekultivierungsschicht bzw. auf der Dichtungsschicht ein mittlerer
hypodermischer Abfluß von 11 %, in der Schicht der
Zwischenabdeckung unter der Dichtungsschicht
ein hypodermischer Abfluß von 7 % registriert.
Angesichts der niedrigen Ks-Werte des Dichtungsschichtsubstrates
(8,3 x 10^-10 m/s bei Einbau) wurde auf der Dichtungsschicht ein
größerer
Abfluß erwartet. In einer Abdeckung des Typs Deponieklasse I
wurde für diesen Standort ein mittlerer
Dränabfluß von 32 % prognostiziert. Die
Abflußmessungen der zweiten, tieferen Meßstelle
sowie die
Ergebnisse der Tensions- und
Wassergehaltsbestimmungen zeigen, daß es zu
größeren
Sickerwasserbewegungen durch die
Dichtungsschicht kommt, bevor eine zweite stauende Schicht, das
Haldenmaterial, einen zweiten tiefen hypodermischen
Schichtabfluß hervorruft. Dieser tiefe hypodermischer
Abfluß macht etwa 2/3 der Abflußmenge des oberen
Schichtabflusses aus.
Wie die HYDRUS_2D-Simulation zeigt, ist diese Durchsickerung durch
die geringe
Dränkapazität der Rekultivierungsschicht
bedingt, und somit durch den Schichtaufbau der Zweischichtabdeckung
erzwungen, eine Zunahme der hydraulischen Durchlässigkeit der
Dichtungsschicht
gegenüber dem Einbauzustand ist zur Simulation der
Abflußverhältnisse vor dem Sommer 2003 nicht
notwendig.
Für eine zusätzlich mögliche Zunahme der
Durchlässigkeit der
Dichtungsschicht in der zweiten Hälfte des
Untersuchungszeitraums spricht die Verschiebung des
Verhältnisses von oberem und tiefen hypodermischen
Abfluß nach dem Sommerhalbjahr 2003; so überwog im
Winterhalbjahr
2002/2003 der Dichtungschichtabfluß, im Winterhalbjahr
2003/2004 dagegen der tiefe hypodermische
Abfluß.
- Auf der geringmächtigen Einschichtabdeckung
VF 2 wurde ein überraschend
hoher hypodermischer Abfluß in dem
Rekultivierungsschichtsubstrat bzw. auf der Haldenoberkante
registriert. Mit 175 mm bzw. 21
% ist
dieser Interflow fast doppelt so hoch wie der im gleichen
Zeitraum auf der Dichtschicht der Zweischichtabdeckung
gemessene.
Dieser Abfluß wird zum einen durch die tiefe untere Lage der
Rekultivierungsschicht, welche höher verdichtet wurde, zum
anderen durch das Haldenmaterial selbst verursacht. Vergleichende
Versuche zur Ks-Bestimmung des Haldenmaterials zeigen, daß
für dieses Substrat von sehr niedrigeren
Durchlässigkeiten auszugehen ist, mit einer stark dichtenden
Wirkung; zudem besitzt dieses Substrat
ein wesentlich niedrigeres Gesamtporenvolumen. An der
Bodenoberfläche nimmt der hypodermische Abfluß durch
die
oben genannte Bodenauflockerung zu.
Die hydraulischen Fließverhältnisse des
hypodermische Abflusses der
höhermächtigen Einschichtabdeckung VF 3 sind denen
der geringmächtigen vergleichbar, nur daß hier der
Abfluß in einer größeren Profiltiefe
stattfindet, und aufgrund des sehr intensiven und tiefreichenden
Feuchteentzuges geringer ist.
Eine tiefe,
vertikale Sickerung
in die im
Haldenmaterial eingebauten Lysimeter
wurde im VF 1 in den ersten drei Winterhalbjahren, im VF 2 in allen
vier Winterhalbjahren
und im VF 3 nur im zweiten und dritten Winterhalbjahr des
Untersuchungszeitraumes gemessen. Die
Abflüsse waren vor allem auf den Versuchsfeldern 2 und 3 sehr
dynamisch, mit nur kurzer Verzögerung zum
hypodermischen Abfluß, da beide Sickerströme in
enger räumlicher Nähe im Grenzbereich
Abdeckung-Haldenmaterial auftreten bzw. gemessen wurden.
Bezieht man die Abflußmengen des gesamten oder
längerer Teilzeiträume des Untersuchungszeitraumes
auf eine Einzugsgebietsgröße entsprechend der
Lysimeterfläche, so wird deutlich, daß die
erfaßten Abflüsse nicht alleine aus dem
Einzugsgebiet der Lysimeter stammen können, da
sie sowohl plausible Größenordnungen einer
Tiefensickerung als auch die kumulativen Niederschlagsmengen
übersteigen. Die Lysimetermessungen zeigen damit, zumindest im
VF 2 und 3, keine plausiblen Werte der vertikalen
Sickerung in das Haldenmaterial an, und auch für das VF 1
können unplausible Werte nicht
ausgeschlossen werden.
Zwei Erklärungen sind für dieses Ergebnis
anzuführen:
I. Variabilität der
Sickerrate
auf dem Versuchshang. Die Stauwasserspiegel in der
Abdeckung bauen sich vor
allem am Mittel- und Unterhang auf, so daß hier von
höheren Sickerraten in das
Haldenmaterial auszugehen ist.
II. Divergierende hydraulische
Eigenschaften des Haldenmaterials von Versuchsfeld und
Lysimeter. Im Bereich der Lysimeter ist die
Stauwasserspiegeloberfläche abgesenkt, bedingt durch eine
höhere Sickerung in das Haldenmaterial im Lysimeter.
Auch wenn damit ein Teil
der ursprünglichen
Versuchskonzeption, die Bestimmung der Sickerung in
das Haldenmaterial, damit nicht befriedigend gelöst
ist, so liegen
doch eine Vielzahl von Meßergebnissen zum Wasserhaushalt der
Abdeckungen vor, so daß mit Hilfe von Simulationsmethoden
eine
vollständige validierte
Bilanzierung des Wasserhaushaltes der Abdeckungen vorgenommen
werden kann.
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Ergebnisse
Modellierung
GASH-Interzeptionsmodell
HELP-Modell
HYDRUS_2D
Gasdiffusion
Das
GASH-Interzeptionsmodell wurde
für die Fichtenschonung erfolgreich für eine jeweils
zehn Monate dauernde Periode kalibriert und validiert
(Gesamtfehler des modellierten Kronendurchlasses von -5 % bzw. +12 % im
Kalibrierungs- und
Validierungszeitraum, mittlere Abweichung < 0,1 mm/d,
Korrelationskoeffizient > 0,85).
Das
validierte
Interzeptionsmodell
wurde zur Prognose der Interzeption eines
Kiefernbestandes angewendet. Es wurden Interzeptionsraten von 31 %
für den Untersuchungszeitraum,
25 % für den langjährigen Modellzeitraum von 1970
bis 1999 und 22 % für den Modellzeitraum der Klimaprognose
zwischen 2016 und 2055 prognostiziert. Die Interzeptionsrate liegt
damit unter den für die
Fichtenschonung ermittelten Werten, aufgrund der abweichenden
Bestandsparameter. Die Interzeptionsraten weisen dabei einen deutlichen
Jahresgang sowie Unterschiede zwischen Naß- und Trockenjahren
auf, bedingt durch die
sinkenden relativen Verluste mit steigender Niederschlagshöhe.
Das
HELP-Modell wurde
erfolgreich an den Daten
der geringmächtigen Einschichtabdeckung kalibriert und
validiert. Der hypodermische Abfluß konnte mit hoher
Übereinstimmung zu den Meßwerten nachgebildet
werden, mit einer absoluten
Abweichung des Abflusses von insgesamt -12 mm und mittleren
Tagesabweichung von 0,90 mm/d bzw. 0,14 mm/d und einem
Korrelationskoeffizienten zwischen simulierten und gemessenen
Tagesabfluß von 0,47 bzw. 0,87 (Kalibrierung bzw.
Validierung).
Für
das Help-Modell wurden umfangreiche Sensitivitätsuntersuchungen
durchgeführt, um wichtige Steuer- und Regelparameter des
Wasserhaushaltes der Abdeckungen zu quantifizieren.
Auch für die
Einschichtabdeckungen wurde das HELP-Modell mit einer
Dichtungs- sowie Dränschicht parametrisiert.
Sensitivitätsuntersuchungen zeigten,
daß diese Modellannahme zu unveränderten
Gesamtabflüssen, aber zu einer deutlichen Verschiebung der
Abflußanteile führt. Vor dem Hintergrund der
Ergebnisse der Feldversuche ist das Ergebnis der Anpassung des
Dreischichtansatzes an die Felddaten der Einschichtabdeckung plausibel.
Die Validierung des HELP-Modells
wurde für alle drei Versuchsfelder getestet; es zeigte sich
jedoch, daß eine befriedigende
Simulation nur für das relativ einfach aufgebaute
Einschichtsystem VF 2 möglich ist.
Für das
validierte
HELP-Modell einer
geringmächtigen
Einschichtabdeckung des Typs Speicher- und Verdunstungsprinzip
wurde der Wasserhaushalt unter
den rezenten Einbaubedingungen prognostiziert. Im langjährigen
Mittel wird für diese
Abdeckung eine aktuelle Verdunstung von 405 mm bzw. 55 %
prognostiziert, bei einem mittleren Jahresniederschlag von
739 mm und einer mittleren potentiellen Verdunstung von 658
mm. Der mittlere
Oberflächenabfluß beträgt 46 mm
bzw.
6 %, der hypodermische Abfluß 180 mm bzw. 24 % und
die Sickerung in das Haldenmaterial 108
mm
bzw. 15 %.
Der Wasserhaushalt der
simulierten Einschichtabdeckung wird durch die stauende
Wirkung des Haldenmaterials bestimmt. Mit einem
kalibrierten
Ks-Wert von 5,4 x 10^-9 m/s, also einer Substrateigenschaft
einer Dichtungsschicht, wird der im Feld beobachtete hypodermischer
Abfluß im HELP-Modell
erzwungen. Dieser Ks-Wert liegt um den Faktor 125 unter dem Median
der in-situ Ks-Werte, die mittels Guelph-Permeameter bestimmt wurden,
jedoch genau im Bereich der Ergebnisse der laborativen Messungen an
Stechzylinderproben mit Haldenmaterial, welche auf
Verhältnisse verdichtet wurden, wie sie durch die
großtechnische Tagebauverfüllung erreicht werden.
Eine Standarddeponieabdeckung des Typs
mineralische
Dreischichtabdeckung (Deponieklasse I) würde in
das Haldenmaterial eine Sickerung von 33 mm
oder
5 % (Untersuchungszeitraum) bzw. von 44 mm oder 6 %
(langjähriges Mittel) zulassen und damit die
Sickerung gegenüber der HELP-Prognose der Einschichtabdeckung
um den Faktor 2,5 reduzieren. Nahezu
vollständig ausgeschlossen mit mittleren und maximalen
Sickerraten < 0,1 mm wird die Zusickerung in
das
Haldenmaterial durch die
Kombinationsdichtung
aus einer Kunststoffdichtungsbahn
über einer mineralischen Dichtungsschicht
(
Deponieklasse II).
Der
methodische Ansatz
des HELP-Modelles schränkt seine
Anwendung bei der Prognose des Wasserhaushaltes des Speicher- und
Verdunstungsansatzes stark ein. Weder sind die
Interzeptions- und Verdunstungsverhältnisse höherer
Vegetationsbestände simulierbar, noch der im
Feld beobachtete Wechsel von Phasen tiefgreifender Austrocknung bis in
das Haldenmaterial und Phasen großer
Staunässe mit hypodermischen Sickerwasserbewegungen in der
Rekultivierungsschicht. Kritisch ist vor allem die erzwungene
Trennung in verdunstungswirksame und dränende Schichttypen
bzw. Lagen der Rekultivierungsschicht.
Eine vertiefende Diskussion des Speicher- und Verdunstungsansatzes
muß deshalb mit dem kombinierten Ansatz
des HYDRUS_2D-Modells erfolgen.
Das
HYDRUS_2D-Modell konnte
erfolgreich an die
Daten aller drei Versuchsabdeckungen kalibriert und validiert werden.
Für die jeweils dreimonatige
Kalibrierungs- bzw. Validierungsperiode konnte so der Abfluß
mit hoher Übereinstimmung zur
gemessenen Abflußganglinie nachgebildet werden, mit absoluten
Abweichungen des Gesamtabflusses von -3,2 mm im VF 1, +12,6
mm
im VF 2 und -0,2 mm im VF 3 in der Kalibrierungsperiode, und
von -3,4 mm im VF 1, -12,5
mm im VF 2
und +0,5 mm im VF 3 in der Validierungsperiode. Die absoluten
Fehler für das
Versuchsfeld 2 liegen damit in einer Größenordnung,
wie sie auch durch die Kalibrierung des HELP-Modells erreicht wurden,
jedoch
sind die mittleren Abweichungen der HYDRUS_2D-Simulation der
Tagesabflüsse wesentlich geringer,
mit einem mittleren absoluten Fehler von 0,44 mm/d
(Kalibrierung) bzw. 0,16 mm/d (Validierung). Für
das Versuchsfeld 1 und 3 ist die Statistik der Kalibrierung und
Validierung etwas günstiger, hier liegt die
mittlere Abweichung bei 0,20 mm/d (VF 1) und 0,48 mm/d (VF 3) in der
Kalibrierungs- und bei 0,13 mm/d (VF 1) und
0,03 mm/d (VF 3) in der Validierungsphase. Die
Korrelationskoeffizienten sind mit 0,72–0,89
(Kalibrierung) bzw. 0,84–0,97 (Validierung) für alle
drei Abdeckungen hoch.
Die in der Kalibrierung ermittelte
hydraulische
Durchlässigkeit des Haldenmaterials liegt auf
allen drei Versuchsfeldern im stark undurchlässigen Bereich
bei 1,4–3,5 x 10^-9 m/s. Die getroffenen Aussagen zur
hydraulischen Wirkung des Haldenmaterials als
stauende
Grenzschicht unter der Abdeckung werden durch die
HYDRUS_2D-Kalibrierung damit bestätigt und
gestützt. Für die
Dichtungsschicht
des Versuchsfeldes 1 wurde ein Ks-Wert von 1,0 x 10^-9 m/s kalibriert.
Die in der Kalibrierung bestimmten Ks-Werte der
Rekultivierungsschichten
weichen in hohem
Maße von den Feld- und Laborbestimmungen ab. Insbesondere
für die
obersten
Dezimeter der
Rekultivierungsschicht mußten um den Faktor 2–200
höhere
Durchlässigkeiten angenommen werden, als die
Laborbestimmungen
aus dem Jahr 2000 zeigten. Die bereits oben getroffenen Aussagen zur
Auflockerung des Oberbodens
werden damit durch
die HYDRUS_2D-Kalibrierung bestätigt. Zudem mußte
auf allen drei
Versuchsfeldern eine
anisotrope
Verteilung der Ks-Werte in der Rekultivierungsschicht
angesetzt werden, mit um den Faktor 1,5–100
höheren horizontalen, parallel zum Hang geneigten
hydraulischen Durchlässigkeiten gegenüber
den vertikalen, senkrecht zur Hangneigung gerichteten. Für das
Rekultivierungsschichtsubstrat wurden zudem etwas
steilere pF-Funktionen ermittelt.
Mittels der
validierten
HYDRUS_2D-Modellansätze der Ein- und
Zweischichtabdeckungen des Typs
Speicher-
und Verdunstungsprinzip der
Versuchsanlage Lichtenberg wurde die
vollständige Wasserbilanz
im Untersuchungszeitraum
sowie für die langjährige meteorologische Reihe
(1970–1999) berechnet.
Im langjährigen Mittel beträgt für alle drei
Abdeckungen die
aktuelle
Verdunstung
532–539 mm bzw. 72,0–72,9 %,
bei einem
mittleren
Jahresniederschlag von 739 mm und einer
mittleren potentiellen Verdunstung von 658
mm (PET nach PENMAN-MONTEITH, Grasvegetation).
Die
Gesamtabflüsse
sind folglich auf allen drei
Versuchsfeldern ähnlich hoch, und liegen bei
196–250 mm.
Deutlich differenziert sind jedoch die
Fließverhältnisse in den Abdeckungen aufgrund der
unterschiedlichen Substrateigenschaften und der Schichtabfolge
,
resultierend in differenzierten Abflußanteilen
des Oberflächenabflusses sowie vor
allem des
Verhältnisses
von hypodermischen Abfluß zur vertikalen Tiefensickerung.
Der
Oberflächenabfluß
erreicht in der
langjährigen Prognose nur in der geringmächtigen
Abdeckung des Versuchsfeldes 2 höhere Werte von 69
mm bzw. 9
%;
für die Abdeckungen im VF 1 und 3 werden um den Faktor
2–3 geringere Abflüsse von 25 mm bzw. 3 %
und
18 mm bzw. 2 % prognostiziert. Maximal wird auf dem VF 2 ein
Abfluß von 276 mm bzw. 23 % im Jahr
1981
ausgewiesen; in diesem Jahr tritt auch der maximale
Tagesabfluß von 109 mm bei einem Tagesniederschlag
von
127 mm auf.
Der
hypodermische
Abfluß in der
Rekultivierungsschicht beträgt in den Abdeckungen
der Versuchsfelder 1 und 3 jeweils ca. 43–53 %
(95–103 mm) des
Gesamtabflusses im langjährigen Mittel. In dem Trockenjahr
1991 werden hier nur < 20 mm Interflow prognostiziert,
im Naßjahr 1981 steigt der Interflow dagegen auf Werte
> 300 mm an. Die
Sickerung durch die
Dichtungsschicht bzw. in das Haldenmaterial liegt etwa in
der gleichen Größenordnung, mit 102
mm
für das VF 1 und 76 mm für das VF 3. Ein
höherer hypodermischer Abfluß wurde für die
Abdeckung des
Versuchsfeldes 2 ausgewiesen, mit 155 mm im
langjährigen Mittel bzw. 21 %, minimalen Abflüssen im
Trockenjahr von
41 mm und maximalen Abflüssen im Naßjahr
1981 von 433 mm. Entsprechend niedrig ist hier die vertikale
Tiefensickerung in
das Haldenmaterial; mit 26 mm liegt sie bei nur 3,5 % des
jährlichen mittleren Niederschlages und
damit um den Faktor 3–4 niedriger als die Sickerung der
Abdeckungen der Versuchsfelder 1 und 3. Auch die maximale
Sickerung im Jahr 1981 mit 37 mm liegt unter den mittleren und
minimalen \au-Raten im VF 1 und 3.
Steuernder Regelparameter
des tiefen Abflusses in den Ein-und Zweischichtabdeckungen
ist das
Verhältnis
der Ks-Werte von
dränender und dichtender Schicht bzw.
entsprechender Schichtlagen. Prüft man die
Sensitivität beider Durchlässigkeiten im
Bereich der kalibrierten Ks-Werte, so zeigt sich, daß die
Dränkapazität
der Rekultivierungsschichten der Abdeckungen im VF 1 und 3 so gering
ist, daß selbst bei niedrigen
Durchlässigkeiten der dichtenden Schicht von
1,0 x 10^-9 (VF 1) bzw. 3,5 x 10^-9 m/s (VF 3)
die Sickerung hoch bleibt
– um den
Faktor 2 höher als eine Dreischichtabdeckung mit einer
Dränschicht mit ausreichender
Dränkapazität. Erst mit höheren
Durchlässigkeiten im Bereich von
1,2 x 10^-6 m/s des Rekultivierungsschichtsubstrates der Abdeckung im
Versuchsfeld 2 steigt der hypodermische Abfluß
deutlich an, so daß die unteren Lagen der
Rekultivierungsschicht schneller entwässern, der auf der
dichtenden Schicht lastende Gradient sinkt und die Sickerung in das
Haldenmaterial spürbar abnimmt.
Dieses Ergebnis der Prognose ist von großer
Bedeutung hinsichtlich der
Bewertung
der Ergebnisse des Versuchsfeldes 1. Die Feldmessungen
zeigten Anzeichen
größerer Sickerwasserbewegungen unterhalb der
Dichtungsschicht, mit die Frage einer möglichen
Schädigung der Dichtungsschicht durch eine Erhöhung
der hydraulischen Durchlässigkeit. Aus den
Ergebnissen der Simulationen und
Sensitivitätsprüfungen wird deutlich, daß
es dieser (möglicherweise
zusätzlich vorhandenen) Schädigung nicht bedarf,
sondern daß die beobachteten und simulierten
Fließverhältnisse durch den Schichtaufbau des
Zweischichtsystems, den Substratparametern der Rekultivierungsschicht
sowie durch die geringe
Neigung des Versuchshanges immanent bedingt sind.
Auch eine dauerhaft den
Einbaukriterien entsprechende
Zweischichtabdeckung des Typs VF 1 wird eine mittlere Sickerung an der Unterkante der
Abdeckung von ca. 100 mm und
damit
> 10 % aufweisen. Nur bei einer höheren Dränkapazität
der Rekultivierungsschicht sind
Sickerraten < 100 mm im Zweischichtsystem zu erwarten.
Zur Prognose des Wasserhaushaltes höherer
Vegetationsbestände wurde das HYDRUS_2D-Modell mit einem
kombinierten
Interzeptions-Transpirationsmodell
erweitert, bei dem die Verdunstung in Zeiträumen nasser
Blattoberflächen mit dem GASH-Interzeptionsmodell, bei
trockenen Zeiträumen mit dem für Kiefern
parametrisierten PENMAN-MONTEITH-Ansatz berechnet wird.
Die in den Szenarienrechnungen berücksichtigen
Prozesse der Alterung der Abdecksysteme,
der Vegetationsentwicklung eines Nadelwaldes sowie der
zukünftigen Klimaentwicklung, führen
einerseits zu veränderten Verdunstungsverhältnissen,
andererseits zu veränderten Gesamtabflüssen und
Abflußanteilen, mit einer Verschiebung der
Oberflächenabfluß–Interflow- und
Interflow–Sickerung-Verhältnisse.
Die
Vegetationsentwicklung
eines Kiefernwaldes führt zu
insgesamt geringfügig niedrigeren Gesamtraten der aktuellen
Verdunstung von 508–522 mm bzw. 69–71 %
gegenüber dem langjährigen Mittel der mit einer
Grasvegetation bewachsenen Abdeckung. Die mittlere Transpiration des
Kiefernbestandes liegt zwischen 325 und 340 mm und macht ca.
65 % der Gesamtverdunstung aus; 35 % bzw. 183 mm der AET werden durch
die Interzeption des Bestandes gebildet. Die potentielle Transpiration
des
Nadelwaldbestandes beträgt 359 mm im Zeitraum
1970–1999; sie liegt damit um fast 300 mm unter der
potentiellen Grasverdunstung aufgrund der höheren
Stomatawiderstände.
Der durch die Interzeption erniedrigte Bestandsniederschlag sowie die
im Szenario um den Faktor 10 erhöhte hydraulische
Durchlässigkeit der
Bodenoberfläche führt auf allen drei Abdeckungen zu
einem starken Rückgang des Oberflächenabflusses auf
Werte von
< 2 %. Der Oberflächenabfluß ist auf
den bewaldeten Abdeckungen mit zunehmender
Gefügebildung im Oberboden, welche zur Verschiebung des
Oberflächenabfluß–Interflow-Verhältnisses
führt, für den
mittleren Wasserhaushalt unbedeutend.
In den Szenarien der Bodenentwicklung mit konstanter Dichtwirkung der
Dichtungsschicht der Zweischichtabdeckung bzw. des Haldenmaterials der
Einschichtabdeckungen
wird eine Zunahme des hypodermischen Abflusses prognostiziert, welcher
ungefähr der
Größenordnung der Abnahme des
Oberflächenabflusses entspricht. Der Interflow steigt damit
auf Werte zwischen 127 und 198 mm bzw.
17–27 %; maximal wird im VF 2 ein Abfluß von 507
mm und damit 42 % im Naßjahr 1981
prognostiziert.
Ein wichtiges (und unerwartetes) Ergebnis der Prognose der
Szenarien der Vegetationsentwicklung eines Kiefernwaldes auf der
Abdeckung ist die nahezu
unveränderte
Sickerrate an der Unterkante aller dreier Abdeckungen, trotz in hohem
Maße abweichenden
Annahmen zur Verdunstung und Durchwurzelung. Auf dem
Zweischichtsystem werden im Mittel 97 mm und damit 5
mm weniger
Sickerung als im Einbauzustand berechnet, auf dem
geringmächtigen Einschichtsystem 26
mm
und damit eine unverändert niedrige Sickerrate, und auf dem
höhermächtigen Einschichtsystem 73
mm
und damit eine ebenfalls nur geringfügig, um 3 mm niedrigere
Sickerung ausgewiesen. Auch die Minima und Maxima weichen
nur unwesentlich von den Werten des Einbauzustandes ab. Ursache
für die an der Unterkante der
Abdecksysteme unveränderten
Fließverhältnisse ist, daß die
Gesamtentzüge aus der Abdeckung nahezu
gleich sind, auch wenn sich die Verdunstung im Fall des Kiefernwaldes
in einen Transpirations- und Interzeptionsanteil
aufspaltet. Der Anteil der tiefen Sickerung wird offensichtlich von der
Größe der potentiellen
Verdunstung und dem PET–AET-Verhältnis, sowie der
Abflußanteile untereinander gesteuert.
Die ähnlich hohen Summen der aktuellen Verdunstung zeigen,
daß die Gesamthöhe der aktuellen Verdunstung, neben
den limitierenden Bodenfaktoren, vor allem eine Funktion der PET, also
des Energiedargebots und der Ventilationsbedingungen ist, und nicht
durch einen
grundsätzlich verschiedenen Energieumsatz von Gras- oder
Kiefernvegetation am Standort geprägt ist.
Diese Modellergebnisse
stehen im Widerspruch zu den in der Literatur
aufgeführten vergleichenden Messungen des Wasserhaushaltes
unterschiedlicher Vegetationsdecken, mit einer
Vielzahl von Belegen unterschiedlicher Sickerraten. Dieser Widerspruch
kann hier nicht abschließend
geklärt werden, eine Reihe von methodischen Differenzen zu den
Messungen sowie große Standortunterschiede
hinsichtlich der meteorologischen Randbedingungen und der
Substratparameter sind Anhaltspunkte
für mögliche Ursachen dieser Differenzen. So sind
alle aufgeführten Messungen der Waldlysimeter
typischerweise in sandigen und unverdichteten Böden
durchgeführt worden, jedoch liegen keine Messungen vor aus
hochverdichteten, zu Staunässe neigenden Böden, wie
sie die Abdecksysteme darstellen. Stark nivellierend auf die
Verdunstungsraten in Lichtenberg wirkt sich die hohe Verdunstung der
Grasvegetation des Einbauzustandes aus, die
mit AET-Raten von > 70 % im langjährigen Mittel und
fast 90 % im Untersuchungszeitraum
wesentlich höher als berichtete Verdunstungswerte z.B. des
Großlysimeters St. Arnold ist. Dementsprechend
niedrig ist die Sickerwasserbildung des Grasszenarios, so daß
in den Szenarien mit höheren
Vegetationsbeständen kaum Unterschiede ausgewiesen werden
können.
In dem zweiten Szenario
der Boden- und
Vegetationsentwicklung, mit der Erhöhung der
hydraulischen Durchlässigkeit der dichtenden Schicht um den
Faktor 10,
verschiebt sich das Interflow–Sickerung-Verhältnis
deutlich, die Sickerung erhöht sich in der
Zweischichtabdeckung um den
Faktor 2 auf 192 mm bzw. 26 %, in den Einschichtabdeckungen
um den Faktor 3–6 auf 154–197 mm bzw.
21–27 %. Die oben genannte Größenordnung
der aktuellen Verdunstung bleibt in etwa erhalten, so daß
auch die Gesamtabflüsse nahezu unverändert zu den
Szenarien mit dichtender Wirkung der liegenden Schichten verbleiben.
Die Prognose des Wasserhaushaltes der drei Abdeckungen unter
Zugrundelegung des GLOWA-Klimaszenarios
für Ostthüringen
bis zum Jahr 2055 zeigt für den ersten Teilzeitraum (I) von
2016–2035 kaum veränderte mittlere
Verdunstungsverhältnisse der Grasvegetation, mit einem
allerdings deutlich niedrigeren Minimum von ca. 360 mm im
Trockenjahr
2018, bei
Niederschlägen von weniger als 400 mm. Im zweiten Teilzeitraum
(II) von 2036–2055 sinkt auch die
mittlere AET deutlich um ca. 50 mm gegenüber den
rezenten Verhältnissen auf Werte von
480–485 mm aufgrund der zunehmend negativ
verlaufenden
klimatischen Wasserbilanz. Die Gesamtabflüsse sinken im
Zeitraum 2016–2035 gegenüber den mittleren
Verhältnissen des Zeitraums 1970–1999 um den Faktor
2 auf
Werte von 102–125 mm, im Zeitraum 2036–2055 um den
Faktor 3 auf Werte von 73–84 mm. Die einzelnen
Abflußanteile verschieben sich gegenüber den
rezenten Verhältnissen, da der
Abflußrückgang des Interflow
überproportional hoch ist.
Die Sickerung an der Unterkante der Dichtungsschicht bzw. in das
Haldenmaterial sinkt im GLOWA-Betrachtungszeitraum auf Werte von 63
bzw. 52 mm im VF 1, 18
bzw. 14 mm im VF 2 und 45 bzw. 35 mm im VF 3 (jeweils
Szenario I und II). {\slshape{Diese Werte stellen
zugleich die untere Grenze der prognostizierten Sickerraten
für das Speicher- und
Verdunstungskonzept dar
Aus der Kombination
der Szenarien der Boden- und
Vegetationsentwicklung sowie der Prognose der
zukünftigen Klimaentwicklung (hier unter
Zugrundelegung des Zeitraumes 2036–2055)
läßt sich
das wahrscheinliche langfristige Systemverhalten der Ein- und
Zweischichtabdeckungen prognostizieren. Hierbei überlagern
sich die Effekte der Verschiebung der
Oberflächenabfluß–Interflow- und
Interflow–Tiefensickerung-Verhältnisse, resultierend
aus der Bodenentwicklung, und die Wirkung der zunehmend trockenen
klimatischen
Bedingungen, resultierend insgesamt in sinkenden
Gesamtabflüssen.
In den Szenarien mit Erhalt der dichtenden Funktion der
Dichtungsschicht bzw. des Haldenmaterials wird deshalb eine Abnahme des
hypodermischen Abflusses prognostiziert,
welche jedoch geringer ausfällt als im Klimaszenario II
aufgrund der Zunahme der
Dränkapazität der Rekultivierungsschichten. Die
Sickerraten an der Unterkante der jeweiligen Abdeckung liegen zwischen
den Werten der
beiden Einzelszenarien der Kombination, mit Werten von 78 mm
im VF 1, 20 mm im VF 2 und 54
mm im VF 3,
und damit jeweils ca. 6–22 mm unterhalb der Sickerraten
für den Einbauzustand unter rezenten
klimatischen Bedingungen unter einer Grasvegetation. In Perioden mit
positiver klimatischer Wasserbilanz
steigt die Sickerung in der Zweischichtabdeckung auf > 100 mm.
Erhöht sich die Durchlässigkeit der Dichtungsschicht
bzw. des Haldenmaterials um den Faktor 10, so erhöhen sich,
wie oben beschrieben, die Sickerraten, jedoch in
geringerem Ausmaß als im Szenario ohne die hydraulische
Wirkung des Klimawandels. Für das VF 1 wird eine
Sickerung von 124 mm bzw. 19 %, für das VF 2 von 114
mm bzw. 18 % und für das VF 3 von 131
mm bzw.
21 % berechnet. Die maximalen Sickermengen liegen zwischen 164 und 233
mm.
Für
die drei Versuchsabdeckungen wurde auf Basis
der gemessenen Tensionsprofile im Untersuchungszeitraum sowie der
berechneten
Feuchteverhältnisse in den HYDRUS_2D-Szenarien die
Sauerstoffdiffusion in das
Haldenmaterial prognostiziert.
Unter den rezenten klimatischen Verhältnissen und den
bodenphysikalischen Eigenschaften des Einbauzustandes werden
für die drei Abdeckungen nahezu gleich
niedrige Sauerstoffeinträge von ca. 0,9–1,0 g/m^2 a
im dreißigjährigen Mittel
ausgewiesen.
Der kumulative
Sauerstoffeintrag
in der Zweischichtabdeckung
verläuft aufgrund der dauerhaft feuchten Dichtungsschicht sehr
gleichmäßig, mit nur gering höheren Raten
im Sommer, und vergleichsweise
hohen Einträgen in den Wintermonaten aufgrund der schneller
abtrocknenden sandigeren Rekultivierungsschicht.
Die bindigen Substrate der Rekultivierungsschicht der
Einschichtabdeckungen trocken im Sommer zwar sehr stark aus, die
Sättigungen der flacher verlaufenden pF-Funktion
liegen jedoch höher als in der
Zweischichtabdeckung. Im Winter, mit langen Phasen
ausgeprägter Staunässe,
ist die Sättigung im gesamten Profil der Einschichtabdeckungen
nahe 1, resultierend in sehr niedrigen Diffusionskoeffizienten. Sehr
großen Einfluß auf die Gasdiffusion in den beiden
Einschichtabdeckungen hat die tiefgreifende Austrocknung in das
Haldenmaterial hinein. Hieraus resultieren wesentlich stärker
jahreszeitlich
schwankende Diffusionskoeffizienten, der kumulative
Sauerstoffeintrag nimmt in den
Einschichtabdeckungen in
den trockenen Zeiträumen stark zu.
Die Mächtigkeit der
Abdeckung hat damit großen Einfluß auf die
Gasdiffusion,
da die höhermächtige Überdeckung die
Oberkante des Haldenmaterials stärker vor der Austrocknung
schützt.
Im Gegensatz zu den gleichwertigen mittleren
Sauerstoffeinträgen unter rezenten Bedingungen werden
für die
Szenarien
der Boden- und Vegetationsentwicklung sowie des
Klimawandels zwischen den Abdeckungen deutlich
differenzierte Verhältnisse prognostiziert, mit
grundsätzlich höheren Sauerstoffeinträgen
–
wobei das Ausmaß der Erhöhung wiederum von der
prognostizierten Feuchteänderung im Abdeckprofil und im
Haldenmaterial abhängig ist.
Die
prognostizierte Klimaänderung
erhöht die Sauerstoffdiffusion um den Faktor 2–4.
Höher sensitiv auf die klimatisch trockenen Bedingungen sind
die Einschichtabdeckungen; der nach wie vor ausgeglichene
Feuchtehaushalt der Dichtungsschicht in der Zweischichtabdeckung
führt dagegen nur zu einer geringen
Erhöhung der Diffusionskoeffizienten.
Noch stärker als die Effekte der klimatischen
Änderung wirken sich die
Boden- und Vegetationsentwicklungsszenarien
auf die Sauerstoffdiffusion aus.
Sowohl die Abnahme der Infiltration durch den verminderten
Bestandsniederschlag, als auch die Abnahme der Zeiten
mit ausgeprägten Stauwasserspiegel in
den Abdeckungen
wirken
stark diffusionserhöhend, wobei diese
Effekte wiederum vor allem in den Einschichtabdeckungen
ausgeprägt sind. Steigt die hydraulische
Durchlässigkeit des Haldenmaterials in den Einschichtsystemen
bzw. in der Dichtungsschicht im Zweischichtsystem,
so steigen die Sauerstoffeinträge um den Faktor
1,3–30 über die Werte des Einbauzustandes, und
erreichen im Zweischichtsystem mittlere Werte von 1,3 g/m^2 a,
und 9–29 g/m^2 a auf den Einschichtabdeckungen.
Der wahrscheinliche Fall der
kombinierten Klima-
und Boden- sowie Vegetationsentwicklung zeigt die große
Zunahme des
Sauerstoffflusses in allen Szenarien. Eine vergleichsweise
geringe Zunahme weist dabei die Zweischichtabdeckung
auf. Die Zunahme für die Einschichtabdeckungen ist hoch, mit
einer Erhöhung um den
Faktor 1,7–2,6 bei Erhalt der dichtenden Funktion des
Haldenmaterials, und um den Faktor 23–70 bei Zunahme der
Ks-Werte im Haldenmaterial. In den Trockenjahren steigen die effektiven
Diffusionskonstanten in den Einschichtabdeckungen auch in 3 m Tiefe
stark an,
so daß der Sauerstoffeintrag in diesen Zeiträumen
sehr hoch ist (Maxima VF 2: 77, VF 3: 325 g/m^2 a).
Die Ergebnisse der Sauerstoffdiffusion sind hoch sensitiv
hinsichtlich des verwendeten Ansatzes zur Beschreibung der
Diffusionskoeffizienten.
Eine
Verifizierung der Ansätze für die besonderen
bodenphysikalischen Eigenschaften der Abdecksysteme steht aus, so
daß die Prognose des Gashaushaltes mit einer höheren
Unsicherheit belastet ist. Davon unbenommen sind
jedoch die qualitativen Aussagen und die
Größenordnung der Zunahme des Sauerstoffeintrages in
den Szenarienrechnungen der Boden-, Vegetations- und Klimaentwicklung.
Auch die beiden alternativ geprüften
Ansätze zur Berechnung der Diffusionskoeffizienten
führen in der Modellierung zu einer vergleichbarer
Größenordnung der Zunahme des Sauerstoffstromes
–
wobei wiederum die Einschichtabdeckungen von der großen
Zunahme
betroffen sind, die Zweischichtabdeckung eine nur moderate Zunahme
erfährt.
Seitenanfang
Schlußfolgerungen
Das sogenannte Speicher- und Verdunstungskonzept
alternativer Abdeckungen wurde in der vorliegenden
Untersuchung mittels Feld- und Simulationsmethoden auf seine
Wirksamkeit hinsichtlich der Reduzierung
der Tiefensickerung sowie der Sauerstoffdiffusion
in den abzudeckenden Körper geprüft.
Zusätzlich zu den
bereits oben getroffenen Bewertungen soll hier eine Diskussion der
Wirksamkeit zum einen an den (standortbezogenen)
Anforderungen zur Sanierung der Halden des Ronneburger Reviers
erfolgen, zum anderen (standortübergreifend)
im Vergleich mit Standardabdeckungen, wie sie in der Bergbausanierung
und Deponietechnik angewendet werden.
Dieses
Konzept,
welches vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen zum unsicheren
Langzeitverhalten von Dichtelementen als eine Alternative zu
herkömmlichen Abdeckungen gesehen wird, beruht auf der
Wechselwirkung der hydrometeorologischen Verhältnisse mit den
Bodeneigenschaften (vgl. ausführliche Diskussion in
Langfassung).
Es wird damit im wesentlichen von den Steuerungsgrößen
aktuelle und potentielle Evapotranspiration sowie den hydraulischen
Durchlässigkeiten und den Porenverhältnissen
der Abdecksubstrate bzw. des abzudeckenden Körpers
bestimmt.
Eine
ideale Abdeckung
dieses Typs würde zu Zeiten mit positiver klimatischer
Wasserbilanz den Infiltrationsüberschuß im Porenraum
der
Abdeckung aufnehmen, sowie in Phasen negativer klimatischer
Wasserbilanz den Porenraum durch die Verdunstungsleistung der
Vegetation wieder leeren. Reicht der verfügbare Porenraum zum
Zeitpunkt des auftretenden Niederschlages zur Aufnahme des
Infiltrationsüberschusses nicht aus, oder ist der
gefüllte
Porenraum für die Verdunstung nicht verfügbar, so ist
mit
einer Abflußbildung bzw. einer Sickerwasserbildung an der
Unterkante der Abdeckung zu rechnen.
Dieser
charakteristische jahreszeitliche
Wechsel von Speicherleerung und Wiederauffüllung sowie die
Sickerwasserbildung ist
für die drei untersuchten mineralischen Abdeckungen des
Versuchshanges
in den nebenstehenden 2 Abbildungen gezeigt. Die Schwankung des
Bodenwasservorrates der obersten 200 cm der Systeme zeigt anschaulich
dieses Prinzip der Speicher- und Verdunstungsleistung. Die absolute
Höhe des Bodenwasservorrates ist dabei eine Funktion des
Gesamtporenvolumens und der nutzbaren Feldkapazität der
Substrate, der
minimale Bodenwasservorrat zeigt die maximale Speicherleerung durch die
Evapotranspiration im Sommer an.
In den beiden Winterhalbjahren 2001/2002 und 2002/2003 erreichte der
Bodenwasservorrat über längere Zeiträume konstant diese maximalen Werte
der Speicherauffüllung, so daß es in
allen drei Abdeckungen zur langanhaltender
Sickerwasserbildung an der Unterkante der Abdeckungen
kam. Diese Zeiträume ausgeprägter Staunässe
und Abflußbildung wurden
mit den Felduntersuchungen umfassend und anschaulich dokumentiert.
Insbesondere auf den Einschichtabdeckungen zeigten die Messungen in
diesen Zeiträumen dauerhaft Tensionen kleiner
Feldkapazität. Hier
erfolgte die Speicherauffüllung der Rekultivierungsschicht
schon früh
in den Herbstmonaten, so daß schon die ersten
größeren
Winterniederschläge zur unmittelbaren Abflußbildung
führten. In den
Sommermonaten war dagegen die Speicherwirkung ausreichend, um auch sehr
große Infiltrationsmengen (wie im August 2002) aufzunehmen,
ohne daß es
bei solchen Starkniederschlägen zur tiefen Sickerwasserbildung
kam.
|


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Daß
die
Abflußbildung in den Wintermonaten an der Unterkante der
Abdeckung nur teilweise in das abzudeckende Substrat einsickert, wie
auf dem Versuchshang beobachtet, beruht auf dem zusätzlichen
Dichtungseffekt hoch verdichteter Lagen der Rekultivierungsschicht, des
Haldenmaterials bzw. auf der Funktionsfähigkeit der
Dichtungsschicht in der Zweischichtabdeckung. Eine nur auf
der
Wirkung des Speicher- und Verdunstungskonzeptes basierende Abdeckung
würde zu wesentlich höheren Sickerraten in das
Haldenmaterial
führen, wie die Simulationsergebnisse zeigen. Für die
drei
untersuchten Abdeckungen liegen deshalb die Sickerraten des Speicher-
und Verdunstungskonzeptes bei ca. 150–190 mm/a bzw. bei
21–26 % des Niederschlages – und damit
deutlich
oberhalb der Modellergebnisse für den Versuchshang. Auch unter
den
trockenen Bedingungen des prognostizierten Klimawandels bleiben die
Sickerraten des reinen Speicher- und Verdunstungskonzeptes mit >
100
mm/a hoch.
Als Fazit muß deshalb
konstatiert werden, daß weder unter den derzeitigen, noch
unter den prognostizierten hydrometeorologischen Bedingungen
für Ostthüringen dieser Ansatz Sickerraten erwarten
läßt, die in der Größenordnung
einer Standarddeponieabdeckung (Dreischichtsystem) liegen.
Wird auf dichtende Elemente verzichtet, so liegt die Sickerung in das
Haldenmaterial um den Faktor 3–4 oberhalb der Werte einer
Standarddichtung des Typs Deponieklasse I. Nur eine gealterte mineralische
Deponiedichtung zeigt eine Sickerung in vergleichbarer
Größenordnung.
Die standortbezogene
hydraulische Anforderung,
mit einer zulässigen Sickerung in das Haldenmaterial von
10–20 % des Niederschlages, wird durch alle drei im Feld
untersuchten Abdeckungen unter rezenten Verhältnissen des
Einbauzustandes erreicht. In dem wahrscheinlichsten Szenario der
langfristigen Entwicklung der Abdeckung, mit einer Kombination der
Einflüsse der Abflußzunahme durch die
Erhöhung der
hydraulischen Durchlässigkeiten, sowie der
abflußmindernden
Wirkung durch den prognostizierten Klimawandel, werden Sickerraten
vorhergesagt, welche mit 18–21 % im oberen Bereich dieser
zulässigen Sickerung liegen.
Wie
für die
Beobachtungen zu den Einschichtabdeckungen, gilt für die als
Standardkonzept zur Abdeckung von säuregenerierenden
Bergemassen
geltende Zweischichtabdeckung,
daß die hydraulische Wirkung in hohem Maße von der
seitlichen Wegführung des Sickerwassers an der Unterkante der
Rekultivierungsschicht abhängt. Hier zeigte sich,
daß die
Verhältnisse auf dem Versuchshang – mit
einer geringen
Dränkapazität der Rekultivierungsschicht – trotz
niedriger hydraulischer Durchlässigkeit der Dichtungsschicht
zu
einer hohen Durchsickerung dieser Schicht führen. Nur eine
höhere Dränkapazität würde die
Sickerung
reduzieren, so daß dann Sickerraten < 100 mm/a
erreicht werden
können.
Daß
der verbreitete Einsatz
der Zweischichtabdeckung in der Praxis der Sanierung von Bergbaualtlasten
ursprünglich aus der Fragestellung der Verringerung der Gasdiffusion
abgeleitet ist, ist aus den Feldergebnissen und den Simulationen des
Sauerstoffeintrages in das Haldenmaterial ersichtlich. Diese zeigen,
daß durch die mächtigere, mit einer bindigen, kompakten und dauerhaft
feuchten Dichtungsschicht versehenen Zweischichtabdeckung die Diffusion in das
Haldenmaterial effektiv verringert werden kann.
In den Einschichtabdeckungen, mit der in den Feldversuchen
dokumentierten tiefgründigen Austrocknung bis weit in das
Haldenmaterial hinein, treten
dagegen einzelne Schübe mit hoher Diffusion auf,
die – insbesondere bei der Annahme der trockeneren
Bodenverhältnisse der Szenarien der Boden-, Vegetations- und
Klimaentwicklung – zu wesentlich höheren
Prognosen des
Sauerstoffeintrages führen.
Damit
zeigt sich insgesamt, daß eine Reihe von Faktoren der zwei wesentlichen Aspekte des
Speicher- und Verdunstungskonzeptes,
nämlich
- der Funktion der Rekultivierungsschicht und der
- Funktion der Vegetationsdecke, in der praktischen Umsetzung
des Konzeptes
stark
limitierend auf das Ziel der Verdunstungsmaximierung bzw. der
Minimierung der Sickerung wirken können.
So
läßt sich eine niedrige
nutzbare Feldkapazität des Substrates
nur in Grenzen durch eine Erhöhung der Profiltiefe
ausgleichen.
Zwar ist aus Untersuchungen zu Schöpftiefen von Waldstandorten
bekannt, daß sowohl Laub- als auch Nadelbaumarten aus
Profiltiefen von bis zu 1,5–2 m ihren Feuchtebedarf decken,
also
unter diesen Vegetationsstandorten das Bodenprofil sehr tiefreichend im
Sommer austrocknen kann. Auch von tiefwurzelnden Agrarpflanzen und der
Krautschicht sind Schöpftiefen bis 2 m in
tiefgründigen
Lößböden dokumentiert bei klimatischem
Trockenstreß. Auch die hier vorgestellten Felduntersuchungen
zeigen diese hohe Schöpftiefe der Vegetation. Da aber
der
nutzbare Porenraum der Rekultivierungssubstrate mit typischen Werten
der nFK von < 10 bis 15 % recht gering ist, kommt es
vergleichsweise
schnell zu einer Sickerwasserbildung, wie hier gezeigt wurde.
Den hohen
Anforderungen an eine wasserhaushaltlich wirksame
Rekultivierungsschicht steht damit eine gegenteilige Praxis
gegenüber, in der technologische Randbedingungen
und die
Verfügbarkeit von Substrat zum Bau der Rekultivierungsschicht
die
Eigenschaften dieser Schicht bestimmen. Aus vielen Untersuchungen zu "Rekultivierungsböden",
sowohl aus der bergbaulichen Rekultivierung als auch aus dem
Deponiebau, ist bekannt, das diese oft wesentlich schlechtere
Eigenschaften aufweisen als oben zur Umsetzung des Speicher- und
Verdunstungskonzeptes gefordert. Hohe Verdichtungsgrade, hohe
Steingehalte und geringe Gehalte an organischer Substanz lassen zwar
eine Begrünung zu, reduzieren jedoch die im Anforderungsprofil
genannte wasserhaushaltliche Speicherwirkung ganz wesentlich. So weisen
z.B. die typischen Rekultivierungsböden in den rheinischen und
mitteldeutschen Braunkohlerevieren zwar hohe Schluffanteile auf, sind
jedoch oft hoch verdichtet mit geringem Grobporenvolumen und haben
damit (vor allem aufgrund der
geringen Anteile an engen Grobporen im Bereich von pF 1,8 bis 2,5)
relativ niedrige nutzbare Feldkapazitäten gegenüber
vergleichbaren Lößboden der Region.
Eine zweiter
limitierender Faktor ist der Makroporenfluß in
der Rekultivierungsschicht, der zum schnellen und tiefen Transport von
Sickerwasser führen kann. Die Sickerwasserbewegung und
-speicherung in der Rekultivierungsschicht geht im konzeptionellen
Ansatz des Speicher- und Verdunstungskonzeptes von einem unimodalen Porensystem
aus. Als möglicher Versagensfall wird die
Überschreitung des
auffüllbaren Porenraumes im hydrologischen Winterhalbjahr oder
bei
Starkniederschlagsereignissen gesehen. Dieses Konzept geht damit
insgesamt von einem homogenen
Matrixfluß des Sickerwassers in der speichernden
Rekultivierungsschicht
aus. Porensysteme in natürlichen oder in anthropogenen
Böden
sind jedoch häufig bimodal mit einen Anteil von Makroporen, in
dem
eine schnelle Sickerwasserbewegung erfolgen kann, ohne den Porenraum
der Bodenmatrix vollständig auffüllen zu
müssen
(preferential flow). So kann eine Sickerwasserbildung an der Unterkante
der Rekultivierungsschicht nicht nur bei Überschreiten der
Speicherkapazität des Porenraumes, sondern auch bei
Sickerereignissen mit tiefreichendem präferenziellen
Fluß
auftreten. Die Ergebnisse der Felduntersuchungen haben die Relevanz der
schnellen Fließereignisse auch in großen
Profiltiefen
gezeigt.
Die
Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen weiterhin, daß
für die Wirkung der Vegetationsdecke die wesentliche Limitation das Energiedargebot ist,
ausgedrückt als potentielle Evapotranspiration. Die
klimatische
Wasserbilanz einer Nadelwaldvegetation in Ostthüringen wurde
mit
+198 mm/a bestimmt, die klimatische Wasserbilanz einer Grasvegetation
ist mit +81 mm/a etwas günstiger – beide
Werte lassen
jedoch eine deutliche Sickerwasserbildung erwarten. Die klimatische
Wasserbilanz ist damit am Standort weit ungünstiger, als in
viele
vorliegende Untersuchungen zum Speicher- und Verdunstungskonzept,
welche vor allem in Gebieten mit deutlich negativ verlaufender
klimatischer Wasserbilanz durchgeführt wurden.
Auch
wenn sich die
mittlere Sickerwassermenge durch die Maximierung der
Verdunstungsleistung einer Abdeckung reduzieren
läßt, so
wird zumindest kurzzeitig bei ungünstigen hydrologischen
Verhältnissen mit höheren Versickerungsraten zu
rechnen sein,
wenn die Sickerwasserrate alleine durch die hydraulischen
Durchlässigkeiten des Substrates, z.B. bei
Starkniederschlagsereignissen mit präferenziellen
Fluß in
Makroporen bestimmt wird.
Selbst unter semiariden oder ariden Verhältnissen kann eine
signifikante Sickerung durch eine Oberflächenabdeckung
auftreten,
wenn die oben genannten Prozesse bedeutsam sind, wie Ergebnisse
anderer Versuchsanlagen zeigen (z.B. Hanford, Los Alamos). Bei
schlecht entwickelter Vegetation mit nur flacher Durchwurzelung sowie
hohen hydraulischen Durchlässigkeiten im Oberboden oder
Ausprägung eines Makroporensystems führen einzelne
Starkregenereignisse zu schnellem, tiefen Sickerwassertransport.
Für einen natürlichen, ariden Standort mit
Grasvegetation bei
Hanford, USA (Niederschlag 160 mm/a) wurden so, bedingt durch
vereinzelt auftretende Winterniederschläge, Versickerungsraten
von
bis zu > 30 % in einer dreijährigen Versuchsdauer
gemessen. Als
Fazit dieser Untersuchungen nennen GEE etal 2005 die Annahme, daß
semiaride oder aride Verhältnisse per se eine Sickerung
ausschließen, einen Mythos.
Eine
Oberflächenabdeckung, nur basierend auf dem Speicher- und
Verdunstungskonzept, kann also auch unter sehr günstigen
Bedingungen einzelne Sickerwasserschübe nicht verhindern, auch
wenn die mittleren Sickerraten sehr gering sein können. Sollen
diese Einzelereignisse für einen Standort vermieden werden, so
sind zusätzliche funktionale Elemente eines Abdecksystems zu
integrieren. Die in den USA am Standort Hanford als Vorzugsvariante
vorgesehene Endabdeckung mit (sehr hohen) Anforderungen an die
Lebensdauer von 1000 Jahren und einer Sickerwasserrate nahe Null ist
deshalb redundant als Verdunstungs- und Dichtschichtsystem ausgelegt,
so daß auch bei Ausfall der hydraulischen
Funktionalität
eines der zwei Systeme eine Versickerung in den Untergrund vermieden
werden kann. Auch in der Deponiepraxis kann die Rekultivierungsschicht
als zweites Element, z.B. neben einem Dicht- oder
Kapillarsperrenelement, einen wesentlichen Anteil an der
Gesamtfunktionalität des Abdecksystems einnehmen, wenn die
dargestellten Aspekte des Speicher- und Verdunstungskonzeptes umgesetzt
werden.
Unabdingbar
ist jedoch hierfür eine entsprechende
Wahrnehmung der potentiellen Funktionalität dieser Schicht in
der Sanierungs- und Deponiepraxis, sowie der Aufnahme
wichtiger, hier diskutierter Substrateigenschaften der
Rekultivierungsschicht in die entsprechenden Regelwerke.
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Links zum Thema
Wismut GmbH
DeponieOnline
Site von K. Stief, viele Infos/Dokumente zu
Oberflächenabdeckungen
HYDRUS-Modell
HELP-Modell
Alternative
Covers Assessment Program Untersuchungsprogramm in
USA, Abdeckungen Typ Speicher- und Verdunstungskonzept
Ruhr
Uni Bochum, Physische Geographie Lehrstuhl Prof. Zepp
