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Zahlen, Fakten, Daten Astronomie in der NeuzeitDas wichtigste Ereignis zu Beginn der Neuzeit ist der Übergang vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild. Er wird bereits im ausgehenden Mittelalter vorbereitet. Antikes Wissen und geistige Methodik werden in die mittelalterliche Philosophie übernommen, die mit ihrer Systematik und geistigen Diziplin ein nicht zu unterschätzender Faktor für den kritischen Geist modernen wissenschaftlichen Denkens ist.
Das neue Weltbild und die endgültige Erklärung
der Bewegungen von Sonne, Mond und Planeten sind untrennbar verbunden mit
den Namen Nikolaus Kopernikus (1473-1545), Galileo Galilei (1564-1642), Johannes
Kepler (1571 - 1630) und Isaac Newton (1643-1727).
Kopernikus bringt das geozentrische Weltbild zu
Fall, und zwar nicht durch Fakten astronomischer Beobachtungen, sondern auf
dem Weg des Überdenkens des nicht gerade einfachen Ptolemäischen Systems.
Erst die Astronomen Tycho Brahe (1546-1601) und Kepler sowie der Paduaer
Universitätsprofessor Galilei schaffen durch neue und genauere Beobachtungen
die empirische Grundlage für die neue Lehre. Der Kosmos des Ptolemäus
war nicht nur für runde eineinhalb Jahrtausende die Lehrmeinung der Wissenschaft
- er war zugleich das feste weltanschauliche Fundament für die europäische
Gesellschaft des Mittelalters. Diese Sozialwelt wird beherrscht von der "ordinatio
ad finem", dem religiös untermauerten Ordnungsdenken in allen Lebensbereichen,
einschließlich Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. In dieses scheinbar
so unerschütterliche Gefüge stößt Kopernikus mit seiner
Idee von der Sonne als dem Mittelpunkt der Welt. Die Erde wird zum Trabanten
degradiert. Es sind Behauptungen, deren ungeheuer revolutionärer Inhalt
uns heute gar nicht mehr so gefährlich erscheint. Die Idee des Kopernikus
reift in einer Zeit, da die Erde selbst größer wird und die Seewege
nach Indien und Amerika entdeckt werden. Doch bleibt Kopernikus mit seinem
Weltbild zu Lebzeiten sozusagen unter den Intellektuellen. Es ist ein anregender
Gesprächsstoff im Kreis gelehrter Humanisten.
Der dramatische Augenblick für die neue Lehrmeinung, ihr Zeitpunkt der Bewährung, aber auch der Publicity, wie wir heute sagen würden, kommen erst fast hundert Jahre später. Das Fernrohr wird erfunden. So wird es möglich, die Gestirne genauer in Augenschein zu nehmen. Dabei werden gleich zu Beginn erstaunliche Entdeckungen gemacht. Es ist Galilei, der als erster Naturwissenschaftler im Teleskop die rauhe Oberfläche des Mondes sieht, 1610 die vier hellen Jupitermonde entdeckt und mit der Beobachtung der Phasen der Venus einen praktischen Beitrag für die Bestätigung des heliozentrischen Weltbildes liefert. Im Jahr 1609 veröffentlicht Kepler die ersten zwei seiner Planetengesetze, die auf Beobachtungen des Planeten Mars von Tycho Brahe - noch ohne Fernrohr gemacht - fußen. 1619 folgt das dritte Gesetz. Kepler hat den persönlichen Vorteil, dass im konfessionell zerstrittenen Deutschland keine obrigkeitliche Instanz gegen ihn vorgeht. Denn welche Erschütterung die astronomischen Erkentnisse für die Sozialwelt bedeuten, beweist allein die Tatsache, dass erst im Jahre 1616, 73 Jahre nach dem Erscheinen, das Buch von Kopernikus, das die neue Lehre beschreibt ("De Revolutionibus Orbium Coelestium"), auf den Index der römischen Kirche gesetzt wird, wo es bis zum Jahre 1757 verzeichnet bleibt. Und Galilei gar wird der Prozess gemacht und er wird für den Rest seines Lebens an seinem Wohnsitz in Haft gehalten.
Der Durchbruch des heliozentrischen Weltbildes ist
von nun an jedoch nur eine Frage der Zeit. Das Fernrohr eröffnet den
Astronomen die Möglichkeit der physischen Erforschung der einzelnen Himmelskörper,
nachdem die Arbeit bislang auf die Bewegungslehre beschränkt war. Noch
einmal ein Höhepunkt im Bemühen, die Bewegungen der Gestirne zu
erklären, ist die Formulierung des Gravitationsgesetzes durch Isaac Newton.
Er gibt die Lösung des Zweikörperproblems (Bewegung eines Planeten
um die Sonne) und damit den Anstoß für die weitere Verfeinerung
der Himmelsmechanik. Immer genauere Vorausberechnungen der Bahnen der Himmelskörper
des Sonnensystems kennzeichnen die Astronomie an der Wende vom 18. zum 19.
Jahrhundert. Daneben schreitet die Bestandsaufnahme des Weltraums fort. Die Erforschung der Fixsternwelt bekommt mit der Konstruktion leistungsfähiger Spiegelfernrohre in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts neuen Auftrieb. Die Katalogisierung und Vermessung der Fixsterne ist mit dem Namen William Herschel (1738-1822) eng verknüpft. Der gelernte Militärmusiker und Entdecker des Planeten Uranus kommt in England als Astronom zu höchsten Ehren. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein sieht es so aus, als ob der Zweck der Astronomie allein darin bestehe, "Regeln für die Bewegung jedes Gestirns zu finden, aus welchen sein Ort für jede beliebige Zeit folgt". Diese Meinung vertritt F. W. Bessel (1784-1846), der einer der namhaftesten Astronomen seiner Zeit ist. Aber die Weichen in eine neue Richtung sind bereits gestellt. Schon 1814 zerlegt Joseph von Frauenhofer das Sonnenlicht im Prisma und gewinnt so das Spektrum der Sonne. Und 1859 erklären Kirchhoff und Bunsen die Grundlagen der Spektralanalyse. Fortan ist die Erforschung des physikalichen Zustands und der stofflichen Zusammensetzung der Gestirne genauso wichtig wie die Kenntnis von den Bewegungen der Himmelkörper und ihrer räumlichen Anordnung. Es ist der Beginn der Astrophysik. Das 19. Jahrhundert bringt auch entscheidene Fortschritte für die Beobachtungstechnik. Die Qualität der astronomischen Fernrohe und Hilfsgeräte (Spektroskop, Photometer) wird ständig verbessert. Von ganz umwälzender Bedeutung ist aber die Einführung der Photographie in die astronomische Beobachtung. Die photographische Platte macht es möglich, Lichteindrücke zu summieren und so mit Hilfe langer Belichtungszeiten Himmelskörper sichtbar zu machen, die der visuellen Beobachtung für immer unzugänglich sind. Auch ist die photographische Platte ein verhältnismäßig dauerhaftes Dokument, das immer wieder zur Kontrolle herangezogen werden kann. Die Photographie födert besonders die Erforschung der Milchstrasse mit ihren Sternhaufen und Gasnebeln und der Spiralnebel. In Verbindung damit kommt die Zeit der großen Spiegelteleskope, die in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts vor allem in den USA aufgestellt werden und der amerikanischen Astronomie internationale Geltung verschaffen. Zusammenfassung:Das 16. und 17. Jahrhundert bringt die vielleicht wichtigste Standortverschiebung der Erde. An die Stelle des geozentrischen tritt das heliozentrische Weltbild. Die nächsten beiden Jahrhunderte bringen auf der einen Seite die mathematische Verfeinerung der Bewegungslehre von den Gestirnen, auf der anderen die theoretischen und technischen Grundlagen für die astrophysikalische Erforschung des Weltraums.
Letzte Änderung: 01.01.2003
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