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Nur Sekundenbruchteile später traf der gewaltige Körper auf der Landoberfläche auf, durchschlug die Sedimentgesteine und drang etwa 700 - 1000 m in den kristallinen Untergrund ein. Meteorit und unmittelbar benachbartes Gestein wurden auf 40% des ursprünglichen Volumens zusammengepreßt. In wenigen Sekunden entstand ein tiefer, schüsselförmiger Primärkrater. Die Druckentfaltung setzte sich in Form von Druckwellen mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit in das umgebende Gestein kugelschalig nach allen Seiten fort. Solche Druckwellen mit Überschallgeschwindigkeit und Drücken von bis zu 50 Mbar bezeichnet man als Stoßwellen. Eine Stoßwellenfront verlief natürlich auch im Meteoriten entgegen seiner Bewegungsrichtung. Mit zunehmender Eindringtiefe verloren die Stoßwellen schnell an Energie und veränderten das umliegende Gestein sehr unterschiedlich.
Nach weniger als 2 Sekunden begann die Hauptauswurfphase, wobei zunächst jüngeres, dann älteres Gestein ausgeschleudert wurde und in inverser Abfolge, also entgegengesetzt zur ursprünglichen Schichtung, zur Ablagerung kam. Durch übereinandergeschobene Gesteinspakete bildeten sich die Schliff-Flächen. Die im Winkel von 45° ballistisch ausgeworfenen Trümmermassen schürften beim Auftreffen auf der Landoberfläche noch beträchtliche Mengen von Lokalmaterial auf (bis zu 90%) und erfuhren nochmals eine intensive Durchmengung. Hierdurch ist die Entstehung der Bunten Trümmermassen geklärt, die das ganze Vorland des Rieses überdeckten und teilweise heute noch überdecken. Tonnenschwere Gesteinsblöcke aus dem Weißen Jura flogen dabei bis zu 60 km weit. Nach etwa 2 Minuten war der Auswurf der Bunten Trümmermassen beendet. Inzwischen war auch der eindringende Meteorit zur Ruhe gekommen. Ein Teil der ungeheuren Bewegungsenergie wandelte sich in Wärme um, deren Größenordnung wohl bei einigen Zehntausend Grad vermutet werden darf. In Milli-, höchstens Zehntelsekunden verdampften der Meteorit und das unmittelbar benachbarte Gestein und verließen explosionsartig als glühende Dampfwolke den Krater. Man schätzt, daß etwa 2 - 3 km³ Gestein verdampft sind. Weitere 5 km ³ vorwiegend granitischen Materials aus dem Riesuntergrund schmolzen und vermischten sich mit der sich ausdehnenden Gas- und Glutwolke (DAVID 1969). Aus aufgeschmolzenem Material aus dem Grundgebirge, vermischt mit Staub und geringen Anteilen von Sedimentgesteinen, entstand der über den Bunten Tr&umml;mmermassen abgelagerte Suevit (Auswurfsuevit). Dabei wurden dieser Suevit-Brekzie aerodynamisch verformte Glasbomben unterschiedlicher Größe (bis 50 cm) und einem Anteil bis zu 20% (v. ENGELHARDT 1972) eingelagert. In einer Mächtigkeit von mehreren hundert Metern, fast völlig ohne Anteile des Deckgebirges und mit erheblich geringeren glasigen Bestandteilen lagerte sich der Rückfallsuevit in der Kraterhohlform ab. Dieser wurde vermutlich nie hoch ausgeschleudert, sondern verblieb im Krater. Gleichzeitig federte das zusammengepreßte Gestein aus dem Riesuntergrund ähnlich einem zusammengedrückten Gummiball zurück (Stoßwellenrückkehr). Im zentralen Bereich des Kraters "flossen" kristalline Gesteine unter intensiver Durchmengung nach oben und füllten den Primärkrater innerhalb einer Minute größtenteils wieder auf, wobei auch eine Durchmengung mit suevitischem Material durchaus möglich war. Zur selben Zeit kam es in der Randzone des primären Kraters zu umfangreichen Absenkungen, die die Kraterstruktur auf den heute erkennbaren Umfang erweiterten. Hierdurch ist auch die Entstehung des Inneren Ringwalles (Durchmesser 9 - 11km) geklärt, dem einzelne Erhebungen in der Riesebene, wie den Wennenberg, der Spitzberg, der Hahnenberg oder der Stoffelsberg angehören.
Schließlich vermutet man, daß es bei instabiler Lage noch zu Abrutschungen einzelner Gesteinspakete kam. Die Form des Kraters wurde dadurch jedoch nicht mehr wesentlich verändert. Nach etwa fünf Minuten waren alle schnellen Bewegungen im Kraterbereich abgeschlossen. Insgesamt wurden 100 - 150 km³ Gesteinsmaterial ballistisch ausgeworfen und 800 - 1000 km³ bewegt.
Zusammenfassend können die Impaktgesteine des Rieses und ihre unterschiedliche
Stoßwellenbeanspruchung wie folgt eingeteilt werden (HÜTTNER 1977).
| Ausgangsmaterial | überwiegend Deckgebirge | überwiegend Grundgebirge | ||
|---|---|---|---|---|
| Stoßwellen- beanspruchung |
i. a. niedrig | niedrig bis mittel | niedrig bis hoch | |
| Impaktgesteinstyp | Bunte Trümmermassen | Polymikte Kristallin- bereccien |
Suevit | |
| allochthone Schollen; Gries |
Bunte Breccie |
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