|
Das Weltall Zahlen, Fakten, Daten
Doppelsterne
Ein aufmerksamer Beobachter stellt bei der Durchmusterung einer Himmelsgegend mit dem Feldstecher oder einem kleinen Fernrohr recht bald Stellen fest, wo zwei Sterne gleicher oder verschiedener Helligkeit auffällig nahe beieinander stehen. Auch schon mit freiem Auge lassen sich Sterne ausmachen, die sich verhältnismäßig nahe sind. Ein schönes Beispiel dafür ist der Stern Alkor neben dem Stern Mizar im Sternbild Großer Bär. Die Astronomen messen den scheinbaren Abstand von Einzelstenen zueinander im Winkelmaß. Es gibt eine Faustregel, die besagt: Wir haben es mit einem visuellen Doppelstern zu tun, wenn der Winkelabstand nicht größer ist als
Nun gibt es Doppelsterne, die so eng beieinander stehen, dass kein Fernrohr sie aufzulösen vermag. Aber man kann sie mit Hilfe der Spektroskopie als Doppelstern identifizieren. Derartige Sterne nennt man "spektroskopische Doppelsterne" (siehe Abb. unten).
Schließlich kann man einen Doppelstern noch photomerisch nachweisen: dann nämlich, wenn sich zwei Sterne gegenseitig bedecken und so Helligkeitsveränderungen hervorgerufen werden. Das ist der Fall bei den sogenannten Bedeckungsveränderlichen, deren berühmtester Vertreter der Stern Algol im Sternbild Perseus ist und dessen Lichtwechsel mühelos erkannt werden kann.
Doppelsterne sind nicht selten. Ihre Umkreisung (Periode) dauert von wenigen Stunden bis zu vielen Jahrtausenden. In der Regel ist die Bahn der Doppelsterne mit kurzem Perioden kreisförmig. Langperiodische Doppelsterne dagegen haben oft recht exzentrische Bahnen. Für die Wissenschaftler sind Doppelsterne sehr wichtig. Ist die Bewegung eines Sternpaares nicht allzu langsam, lässt sich seine Bahn bestimmen. Ist außerdem noch die Entfernung berechenbar, steht der Bestimmung der Massen nichts mehr im Weg. Sternmassen verraten sich nur, wenn zwei oder mehr Sterne ihre Bahn nach den Gesetzen der Gravitation ziehen. Deshalb ist die Beobachtung der Doppelsterne so überaus bedeutsam für die Astrophysik. Geradezu spektakulär wird die Doppelsternbeobachtung obendrein bei solchen Paaren, die einen sogenannten "dunklen Begleiter" haben. Das ist zum Beispiel bei dem unserem Sonnensystem zweitnächsten Stern, Barnards Stern, der Fall. Oder bei dem Stern 61 im Sternbild Schwan. Wegen seiner verhältnismäßigen Nähe konnte an diesem Fixstern zum erstenmal in der Geschichte der Himmelskunde eine trigonometrische Parallaxe genau gemessen werden. Außerdem ist der Stern ein visueller Doppelstern: Der hellere Partner hat 5,4m, der schwächere die scheinbare Helligkeit 6,2m. Der Winkelabstand von 28 Bogensekunden macht die Beobachtung mit dem kleinen Fernrohr möglich. Der Astronom K.A. Strand konnte nachweisen, dass noch ein weitere unsichtbarer Himmelskörper vorhanden ist, der einen Stern des Doppelsterns umkreist. Spannend wird diese Entdeckung aber erst durch folgende Feststellung: "Insbesondere hat unsere zweitnächster Nachbar, Barnards Stern mit dem Spektraltyp M5V und genähert 0,15 Sonnenmassen, einen Begleiter von nur 0,0015 Sonnenmassen oder genähert 1,6 Jupitermassen. Wir beobachten hier ein zweites Planetensystem in 1,84 pc Entfernung" - so Professor Unsöld in seinem Buch "Der neue Kosmos". 1,84 pc heißt 1,84 parsec, die Einheit für die Entfernung von Fixsternen und Sternsystemen. Ein pc entspricht 3,26 Lichtjahre. Das Licht von Barnards Stern ist also 6 Jahre zu uns unterwegs. Für kosmische Dimensionen eine erstaunlich kurze Zeit. Man darf tatsächlich von einem Fixstern-Nachbarn sprechen. Zweites Planetensystem?! Die Doppelsternbeobachtung eröffnet neue Perspektiven. Denn die Erwartung ist gerechtfertigt, dass es noch eine größere Anzahl von Doppelsternen mit planetenartigen Begleitern gibt. Es gibt recht unterschiedliche Paare unter den
Doppelsternen, dabei sind 5% aller Doppelsterne Mehrfachsysteme. Die Sterne
unterscheiden sich nach Farbe, Helligkeit und Größe. Dieses macht
sich bereits bei der visuellen Beobachtung deutlich bemerkbar. Ist der Unterschied
an scheibarer Helligkeit groß wird die Trennung durch den hellen Stern
schwierig. Jedes Fernrohr mit einem bestimmten Objektivdurchmesser hat
eine gewisse Trennfähigkeit für Doppelsterne. Es gibt dafür
eine Formel: Danach trennt ein Fernrohr mit 100mm Öffnung noch Doppelsterne mit einem Winkelabstand von 1,17", vorausgesetzt, dass beide Komponenten gleich hell sind. Bereits eine Größenklasse Unterschied in der scheinbaren Helligkeit der Komponenten erschwert die Trennbarkeit. Zur Überprüfung der optischen Qualitäten eines Fernrohres eignen sich Doppelsterne recht gut. Die Position des Begleiters zum Hauptstern ist gekennzeichnet durch die Distanz in Bogensekunden, zum anderen durch den Positionswinkel, der in Grad von Nord über Ost, Süd, West von 0 bis 360 gezählt wird. Listen mit Doppelsternen, die für Feldstecher und kleine Astro-Fernrohre geeignet sind, veröffentlichen häufig die astronomischen Jahrbücher. Eine Zusammenstellung von 313 doppelten und mehrfachen Systemen und Komponenten bis zur Größe 8,5m und Distanz zwischen 1" und 30" enthält das "Handbuch für Sternfreunde"; das auch genaue Beobachtungsanleitungen einschließlich Mikrometermessungen gibt. Ein sehr schönes Beispiel für die unterschiedliche Färbung von Einzelsterne eines Doppelsterns ist der Stern Beta im Sternbild Schwan mit Namen Albireo. Der hellere Stern leuchtet gelb, der schwächere blau. Bei 15facher Vergrößerung im Feldstecher ein schöner Anblick! Der unserem Sonnensystem nächste Fixstern, Alpha im Sternbild Centaurus, mit nur 4 Lichtjahren Entfernung, ist ebenfalls ein Doppelstern mit Komponenten von 0,3m und 1,7m. Er lässt sich mit einem Fernrohr von 50 mm Öffnung auflösen.
Heute sind in Doppelsternkatalogen ca. 65000 visuelle Doppelsterne verzeichnet. Der erste visuelle Doppelstern wurde 1650 von G.B.
Riccioli entdeckt, als er den mittlern Deichselstern im Großen Wagen
(Mizar) beobachtete. Dabei bemerkte er, dass der Stern in Wirklichkeit
doppelt ist, wobei die Komponenten einen Abstand von 14" aufweisen. Sie
lassen sich leicht in jedem kleinen Amateurfernrohr mit 50mm Öffnung
trennen. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Doppelsterne entdeckt. Beispiel: Der Mehrfachstern Castor im Sternbild ZwillingeCastor liegt in einer Entfernung von 45 Lichtjahren und hat eine gesamte Leuchtkraft von über 36 Sonnenleuchtkräften. Er ist einer der schönsten Doppelsterne (für mittlere Sterne). Im Amateurfernrohr erkennt man zwei Sterne (Castor A und B) im Abstand von 3". Ihre Helligkeit beträgt 2.0 bzw. 2.8 Größenklassen. In Wirklichkeit sind beide Komponenten nochmals Doppelt:
Röntgen-Doppelsterne
Röntgendoppelsterne bestehen in der Regel aus einem engen Doppelsternesystem, bei dem die eine Komponente ein massereicher Stern mit ausgedehnter Atmosphäre und die andere ein kompaktes Objekt (z.B. Neutronenstern oder Schwarzes Loch) ist. Die zweite Komponente besitzt ein sehr starkes Gravitationsfeld und "saugt" daher Materie vom Hauptstern ab. Es kommt zur Bildung einer Akkretionsscheibe um den Begleiter. Die Gasmassen fallen auf spiralförmigen Bahnen auf den Begleiter ein. Dabei werden sie durch Reibung auf mehrere 100 Millionen K aufgeheitzt und fangen an, Röntgenstrahlung zu emittieren. Ein Beispiel für einen Röntgendoppelstern ist das 15000 Lichtjahre entfernte System Hercules X-1. Es besteht aus einem blauen veränderlichen Stern, auch als HZ Her bekannt, dessen Spektraltyp zwischen B0Ve und F5e schwankt, sowie einem Neutronenstern von etwa 0,7 Sonnenmassen, der den sichtbaren Stern mit einer Periode von 1,7 Tagen umkreist. Der Neutronenstern zieht Materie von HZ zu sich herüber. Man schätzt, dass pro Sekunde etwa 1011 Tonnen auf den Neutronenstern einfallen. Die Rotations- und Pulsationsperiode des Neutronensterns beträgt 1,2378 Sekunden. Sie nimmt pro Jahr um das Verhältnis von 1:105 zu. Diese Zunahme wird damit erklärt, dass bei der Akkretion auch Drehimpuls auf den Neutronenstern übertragen wird.
Letzte Änderung: 01.01.2003
|