Ein Selbstmordattentäter fühlt sich stets als Märtyrer 

Ob aus nationalistischen oder religiösen Motiven - ein
Selbstmordattentäter fühlt sich stets als Märtyrer, der entweder
einen Platz in der Heldengeschichte des Volkes erhält oder sofort ins
Paradies Gottes gelangt. Ein palästinensischer "Schahid" stirbt den
Märtyrertod im heiligen Krieg, so trichtern es ihm die Gehirnwäscher
von Hamas und Islamischer Dschihad ein. 

"Eine solche Tat erfolgt niemals spontan, nicht aus hoffnungsloser
Verzweiflung. Sie erscheint im Gegenteil wie ein kalter letzter Schritt
eines Berauschten", schrieb Petra Steinberger in der "Süddeutschen
Zeitung". Den letzten Kick mag den stets jungen Attentätern der
Gedanke geben, dass sie angeblich im Paradies die schönsten
Jungfrauen erwarten. 

Der Chef der schiitischen Hisbollah-Miliz im Südlibanon erklärte einmal
gegenüber einem englischen Journalisten, was einem
Selbtsmordattentäter kurz vor seiner Tat durch den Kopf geht.
"Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Sauna. Es ist sehr heiß, aber
Sie wissen, dass es nebenan ein Zimmer gibt, mit Klimaanlage, einem
bequemen Sessel, klassischer Musik und einem Drink. Also gehen Sie
ganz einfach dorthin. So würde ich einem Menschen aus dem Westen
erklären, was in der Seele eines Märtyrers vorgeht." 

Seit der israelische Premier Ariel Scharon an der Macht ist, können
sich palästinensische Suizidkandidaten sicher sein, dass die Mehrheit
ihres Volkes hinter ihnen steht, wenn sie sich die Bombe um den
Bauch schnallen und sich auf ihren letzten Weg in eine Pizzeria in
Jerusalem oder eine Disko in Tel Aviv machen. 

Die Anschläge auf New York und Washington hingegen lehnen die
meisten Palästinenser ab. Zwar feierten einige Hundert in den
Straßen Ost-Jerusalems und Jenins und verteilten aus Freude
Bonbons, die USA sehen jedoch die wenigsten als Feind. "Obwohl wir
täglich von den Israelis mit amerikanischen Apache Helikoptern
beschossen werden", sagte die 42-jährige Hausfrau Amal Qassem,
"sprechen wir den Familien der Opfer unser Beileid aus."

Quelle: Spiegel online