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Humanistisches Selbstverständnis 2001 [wurde am 10.11.2001 durch die HVD-Bundesdelegiertenversammlung in Hannover beschlossen]
Vorbemerkung Das ‘Humanistische Selbstverständnis 2001’ dient der Selbstverständigung des 'Humanistischen Verbandes Deutschlands' (HVD) als Organisation in seiner jetzigen Phase der Entwicklung. Es soll dazu einladen, sich über Voraussetzungen, Grenzen und Perspektiven des organisierten Humanismus neue Gedanken zu machen. Das ‘Humanistische Selbstverständnis 2001' wurde in einem neu vereinigten Deutschland erarbeitet, das inmitten einer sich globalisierenden Weltgesellschaft in eine Perspektive der europäischen Einigung eingebettet ist. Der HVD möchte mit der Formulierung dieses 'Selbstverständnisses' in die öffentliche Debatte darüber, was in dieser historischen Situation als human und humanistisch gelten kann, mit eigenen Positionen eingreifen. Der HVD aktualisiert mit diesem Text sein Selbstverständnis für den Anfang des 21. Jahrhunderts. Diese Neufassung tritt an die Stelle des Textes zum 'Humanistischen Selbstverständnis', der vor über zehn Jahren dem Aufbau des HVD zugrundegelegt wurde. Das 'Selbstverständnis' des HVD ist keine ‘Doktrin’, keine ‘Theorie’, keine ‘geschlossene Weltanschauung’, kein ‘Bekenntnis’. Dieser Text formuliert einen gemeinsamen Rahmen, in dem sehr unterschiedliche Philosophien, politische Programme und Lebensauffassungen agieren, miteinander wetteifern und sich verbinden können, die gemeinsam für einen modernen praktischen Humanismus eintreten. Das 'Humanistische Selbstverständnis 2001' lädt zu Anfang des 21. Jahrhunderts alle diejenigen, die sich von seinen Auffassungen angesprochen fühlen, dazu ein, im Rahmen des HVD mitzuarbeiten. Humanistischer Verband Deutschlands Der HVD ist eine Weltanschauungsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes der Bundesrepublik und eine Kultur- und Interessenorganisation von Humanistinnen und Humanisten in Deutschland. In diesem föderalistischen Verband haben sich Menschen zusammengeschlossen, die für einen modernen Humanismus eintreten. Sie sind miteinander durch säkulare ethische Lebensauffassungen verbunden. Der HVD ist eine überparteiliche, demokratische Organisation, die Kultur- und Bildungsangebote sowie soziale Unterstützung und Beratung anbietet. Zweck des Verbandes ist die Förderung von Humanismus und Humanität auf weltlicher Grundlage. Der Verband ist der Überzeugung, dass ein moderner praktischer Humanismus im Kern darin besteht, dass Menschen ein selbstbestimmtes und verantwortliches Leben führen und einfordern, ohne sich dabei religiösen Glaubensvorstellungen zu unterwerfen. Mit seinem Bekenntnis zu einem modernen praktischen Humanismus knüpft der HVD über den Einschnitt von II. Weltkrieg und Kaltem Krieg hinweg an ältere Traditionen des weltlichen Humanismus an. Gleichzeitig sieht er sich als Verband herausgefordert, diese Weltauffassung als eine lebendige gesellschaftliche Kraft in Deutschland neu zu etablieren. Die Säkularisierung Deutschlands hat zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen neuen Grad erreicht. Die im HVD zusammengeschlossenen weltlichen Humanistinnen und Humanisten wollen die Interessen und Bedürfnisse derjenigen Menschen aufnehmen und vertreten, die sich zu einer selbstbestimmten, nichtreligiösen, ethisch begründeten Lebensauffassung bekennen. Der HVD engagiert sich in allen Bereichen des gesellschaftlichen und politischen Lebens, in denen weltanschauliche Fragen berührt sind, und mischt sich in die politischen Diskussionen ein. Dabei tritt der HVD dafür ein, gesellschaftliche Problemlagen umfassend politisch zu erörtern und sich nicht mit ‘Gesundbeten’ oder technologischen Scheinlösungen zu begnügen - etwa die Zukunftsversprechen der Stammzellenforschung sind kein vernünftiger Ersatz für eine wirksame Gesundheitspolitik. Das gilt für alle gesellschaftlichen Problemlagen - von der Massenerwerbslosigkeit über die Probleme der globalen ökologischen Krise und der Nord-Süd-Polarisierung bis hin zu den Herausforderungen einer gesellschaftlichen Kontrolle von Bio- und Nanotechnologien. In dieser Haltung unterstützt der HVD zugleich Menschen in allen individuellen Lebensphasen - von der Schwangerschaft, über die Kindererziehung, Jugend- und Bildungsarbeit, bis hin zur Sozialarbeit, Altenpflege und Sterbebegleitung. Die Mitglieder des HVD treten dafür ein, die Dominanz der christlichen Kirchen zu überwinden, die vielfach noch immer einem Alleinvertretungsanspruch gleichkommt. Dabei achten und respektieren sie alle religiösen und weltanschaulichen Orientierungen, alle anderen Welt- und Lebensauffassungen. Ihre Toleranz hat jedoch dort Grenzen, wo Menschenrechte verletzt oder missachtet und Positionen der Intoleranz vertreten werden. Der moderne praktische Humanismus, wie ihn die Mitglieder des HVD sehen, steht in den freigeistigen Traditionen der Aufklärung sowie der atheistischen, freireligiösen, freidenkerischen und humanistischen Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf vernunft- und naturorientierte Ausgangspunkte folgten agnostische, existentialistische, marxistische, liberale, pragmatische, psychologisch bzw. psychoanalytisch begründete und skeptische Standpunkte. Humanismus baut auf verschiedene Zugänge und Quellen und hält die Verbindung zu den Wissenschaften. Er sucht den Dialog mit allen, die ebenfalls Humanität begründen möchten, sei es christlich, islamisch, jüdisch, buddhistisch, konfuzianisch oder anders. Der HVD und die ihm angeschlossenen Organisationen haben eine lange Geschichte. Im heutigen Bundesverband haben sich seit dem 14. Januar 1993 traditionsreiche Verbände, neue Vereine und Initiativen sowie Einzelpersonen zusammen geschlossen, die sich dem Humanismus verpflichtet fühlen. Die kritische Aufarbeitung des gemeinsamen historischen Erbes in seinen Widersprüchen wird von ihnen als notwendiger Bestandteil ihrer Selbstverständigung begriffen. Der HVD ist Mitglied der 'Internationalen Humanistischen und Ethischen Union' (IHEU), des weltweiten Zusammenschlusses von über hundert humanistischen Organisationen aus vierzig Ländern. Die IHEU wurde 1952 in Amsterdam gegründet und vertritt mehr als vier Millionen Humanistinnen und Humanisten. Sie wurde durch die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UNO) inspiriert und stellte sich die Aufgabe, nach Faschismus und Stalinismus an einer demokratischen, humanen Gesellschaft mitzuarbeiten. Am Beginn des 21. Jahrhunderts drängen junge humanistische Initiativen und Organisationen aus den Ländern Osteuropas auf demokratische Reformen, soziale Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte. Humanistinnen und Humanisten unterstützen diese Bestrebungen, weil sie Hoffnung und kreativer Impuls für ein neues, friedliches Europa sind. Im Rahmen der 'Europäischen Humanistischen Föderation' (EHF) arbeitet der HVD an der europäischen Verständigung mit. Der HVD beruft sich auf die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen und die sich daran anschließenden internationalen und europäischen Menschenrechtskonventionen. Diese greifen auf einen langen, weltweiten Prozess einer Politik der Menschenrechte zurück, der mit der Proklamation der Virginia Bill of Rights seinen ersten Durchbruch erlebte. Über die Menschenrechtserklärungen etwa der Amerikanischen und der Französischen Revolution oder der weltweiten demokratischen Revolutionen des 19. und 20. Jahrhunderts, sowie etwa den Grundrechtsteil des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, die Menschenrechtskonventionen der UNO und des Europarates oder die Grundrechtscharta der Europäischen Union reicht dieser politische Emanzipationsprozess bis in die Gegenwart. Auf dieser Grundlage das spannungsvolle Zusammenspiel von Solidarität und Selbstverantwortung der Menschen produktiv zu gestalten, um die Menschenrechte immer umfassender zu verwirklichen, ist eine immer wieder neu zu bestimmende Hauptaufgabe humanistischer Praxis. Der HVD ruft alle Konfessionsfreien, Atheistinnen und Atheisten, Agnostikerinnen und Agnostiker, Freidenkerinnen und Freidenker sowie freigeistigen Menschen auf, im HVD ihre Interessen zu vertreten und gemeinsam für ein menschliches und solidarisches Miteinander in dieser Gesellschaft und im europäischen und weltweiten Maßstab zu arbeiten. Der weitere Text (insgesamt 14 Seiten) kann im Internet aufgerufen werden unter der Internetadresse des Bundesverbandes: www.humanismus.de Zur nächsten Seite DACHVERBAND Zurück zur STARTSEITE |