Ernährung der Igel
Erste Hilfsmaßnahme:
Wenn im Falle eines sehr schwachen Tieres eine Sofortmaßnahme nötig erscheint, versuchen Sie 10%ige Traubenzucker-Lösung (auf keinen Fall normalen Rohrzucker verwenden, dann eher nur Leitungswasser) seitlich ins Mäulchen zu träufeln, am besten mit einer Pipette (Teil einer Spritze, die Nadel entfernt, teuer in der Apotheke, sicherlich kostenlos beim Arzt oder Tierarzt zu bekommen).
Kann das Tier selbst fressen und hat man kein Katzenfutter zur Verfügung, bietet man einen Teelöffel voll ungesalzenem Rührei mit wenig Fett in der Pfanne hergestellt und mit einer Messerspitze Traubenzucker bestreut in einem Schälchen an.
An manche Nahrung müssen sich die Igel erst gewöhnen, die ersten Male werden sie abgelehnt.
Das Spektrum, aus dem man die Mahlzeit für den Pflegling zusammenstellen kann, ist recht groß:
Verschiedene Sorten von Katzenfutter können ergänzt werden durch
Rosinen, kleingeschnittene Wal- und Haselnüsse, Maulbeeren, Weintrauben, Apfelstückchen, Bananenscheibchen, Haferflocken, gekochten Reis, ungewürztes Fleisch von z.B. Hühnerflügel, Hühnerherzen, getrocknete Insekten (Fett-Alleinfutter für Nachtigallen), getrockneten Gammarus (Schildkrötenfutter), Messerspitze Frischkäse, Rührei, Vitaminpaste.
Hieraus lassen sich viele verschiedene “Gerichte“ herstellen z.B.
1 Teelöffel Katzenfutter
1/3 gekochter Hühnerflügel (mit Knochen), damit das Kerlchen was zu tun hat
1 Messerspitze Frischkäse, denn Hühnerfleisch stopft etwas
1 Prise getrocknete Insekten
1 Bananenscheibchen
1 Esslöffel Leitungswasser
Kein gesalzenes oder gewürztes Fleisch!
Keine Spaghetti oder sonstige Essensreste!
Keine Süßigkeiten!
Aber ein Schälchen Wasser muss immer zur Verfügung stehen!
Fütterung von Igelbabys
Wie auch bei anderen Tieren hängt das Gewicht der Jungtiere nicht nur vom Alter ab, sondern auch von der Wurfgröße und dem Versorgungszustand des Muttertieres. Igelbabys brauchen unbedingt eine Bezugsperson. Auch ein häufiger Wechsel der Umgebung kann sich nachteilig auf das Wohlbefinden auswirken.
Für mich sind alle Igel unter 100 g Igelbabys, obwohl sie schon längst Zähnchen haben.
Sie werden mit lauwarmer Ersatzmuttermilch für Katzen mit Hilfe einer Pipette gefüttert, z.B. mit KMR, das auch für die Aufzucht des Eisbären Knut verwendet wurde (wahrscheinlich aber in der Version für Hunde). Aber auch eine sehr gute Ersatzmuttermilch ist nicht immer die richtige für das Tier, das man füttert, und man muss sich dann nach einer Alternative umsehen. In Frage kommt z.B. auch Babynahrung zum Anrühren für die ersten Monate, ohne Mohrrüben- oder Obstzusätze. Auf keinen Fall Kuhmilch, auch nicht verdünnt.
Fertige Katzenmilch, lactatreduziert, habe ich nie ausprobiert.
Sehr bald ist es nötig, die angerührte Ersatzmuttermilch stärker einzudicken mit festerem Material (z.B. “Hühnchen“ aus dem Glas für kleine Menschenkinder, Katzenfutter (Mousse, Pastete) - alles durch ein Haarsieb gerührt, damit es mit der Pipette verfüttert werden kann. Nach meiner Erfahrung reicht die Pipettenfütterung wegen des hohen Wasseranteils allein nicht aus, eine Gewichtszunahme des Tieres auf über 200 g zu erreichen. Deshalb sollte man dem Pflegling zusätzlich Futter anbieten, das er aus einem Schälchen selbst fressen kann, wenn er Hunger hat. Auch die Igelmutter stellt das Säugen ihrer Jungen nicht von einem Tag auf den anderen ein. Manche Tiere, die über das Säuglingsalter hinaus mit Pipette gefüttert werden, gewöhnen sich so sehr an diese Art der Nahrungsaufnahme (nur Saugen und Schlucken, kein Abbeißen und Kauen, kein Mühen), dass sie die selbständige Nahrungsaufnahme verweigern. Allmählich wird das Futterangebot variiert, denn die meisten Nahrungsbestandteile können nicht so fein zerrieben werden, dass sie durch die Pipette hindurch gedrückt werden können.

Um ein Verschlucken zu verhindern, nimmt man das Igelchen, bis zum Hals in ein Gästehandtuch gewickelt, senkrecht in eine Hand und drückt den Inhalt der Pipette mit der anderen vorsichtig zwischen die Lippen. In dieser Haltung läuft viel aus dem Mäulchen heraus, wenn das Schlucken nicht richtig klappt. Deshalb klemmt man noch ein Wattepad oder ein dünnes Papiertuch unter das Kinn des Tierchens. Ganz wichtig ist das Toiletting nach jeder Mahlzeit, d.h. mit lauwarmem Wasser und Wattepad werden die Reste der Nahrung von Mäulchen und Hals entfernt und Bäuchlein und Aftergegend durch kreisende Bewegung sanft massiert. (Der Verbrauch von Wattepads ist enorm.)
Das Tier wehrt sich etwas, denn kein kleines Kind mag gewaschen werden, hat es aber gern, wenn es sanft wieder trockengerieben wird.
Die Fütterung erfolgt anfangs, wenn die Tiere nur wenige Milliliter aufnehmen und noch nicht selbst fressen, alle 3 – 4 Stunden, auch nachts.
Die Futtermenge sollte möglichst nicht für mehr als 2 Mahlzeiten geplant werden, die Reste werden sofort in den Kühlschrank gestellt, da in den Sommermonaten die angerührte Ersatzmuttermilch sehr schnell schlecht wird, Katzenfutter nicht gut riecht und auch noch die Fliegen anlockt. Zur nächsten Fütterung wird die Nahrung im Wasserbad wieder angewärmt - wie für alle Babys.
Igel mit mehr als 180 g Körpergewicht brauchen keine Muttermilch mehr. Mir werden immer wieder erwachsene Igel als “Igelbabys“ gebracht. Auch ohne Waage kann man das Gewicht einschätzen, denn das Gefühl für die Schwere von einem Päckchen Butter (250 g) kann von den meisten als Vergleich genutzt werden, und ein Igel von der Größe eines Hamburger Brötchens ist erwachsen und müsste um die 400 g wiegen. Alttiere (mindestens 1 Jahr alt), die in unseren Hausgärten ohne zusätzliche Versorgung durch den Menschen leben, wiegen selten mehr als 900 g.
Bei Tieren jeder Größe kommt die Verdauung der fremden Kost erst langsam in Gang. Daher dürfen die ersten Mahlzeiten nicht groß sein, auch wenn oder gerade weil die Tiere ausgehungert sind.
Ein Teelöffel voll reicht am Anfang. Bis zur nächsten Mahlzeit sollten wenigstens 2 Stunden vergehen, besser ist es, länger zu warten und 4 - 5 kleine Mahlzeiten über den ganzen Tag (24 Stunden) zu verteilen, damit die Tiere nicht noch durch Durchfall zusätzlich geschwächt werden.
Das Nahrungsangebot wird nach und nach ergänzt und vergrößert und schließlich auf eine Mahlzeit morgens und 1 oder 2 dem Körpergewicht angepasste Rationen abends beschränkt.
Um Überdosierung der Nahrung zu vermeiden, verwende ich mittelgroße Deckel von z. B. Mayonnaisegläsern. Untertassen sehen immer so leer aus.
Die meisten Tiere fressen auch bei großem Hunger erst los, wenn sie zur Ruhe gekommen sind. Es ist aber verblüffend, wie viele Igel zu fressen anfangen, wenn man ihnen Schmatzgeräusche vormacht (als sei ein Rivale schon am Kauen und so wie auch Menschenbabys von den Eltern häufig zum Essen animiert werden).
Unterernährt sind Igel, bei denen Hals und „Taille“ als Einbuchtungen zu erkennen sind. Normal ernährte Igel sind von oben gesehen oval.
Schwache Tiere sollten erst vom Tierarzt eine Aufbauspritze bekommen, durch die dem Körper Wasser, Glucose und Vitamine zugeführt werden, ohne dass der Verdauungstrakt tätig werden muss. Im Handel wird Igelfutter als Grundlage angeboten, es ist Katzenfutter sehr ähnlich. Hundefutter mögen Igel oft nicht, vielleicht weil zu viele große, schwer zu kauende Teile enthalten sind. Ob Igelfutter oder Katzenfutter – man sollte nicht nur eine Futtersorte und nur von einer Firma verwenden, Igel spezialisieren sich sehr schnell und verweigern dann jedes andere Futter, was zu Mangelerscheinungen führen kann.
Muss nur ein Tier versorgt werden, sind kleine Dosen sinnvoll, denn ihr Inhalt sollte nicht länger als 2 Tage reichen. Reste werden, möglichst nicht in der Metalldose, bis zur nächsten Mahlzeit im Kühlschrank aufgehoben. Bei größeren Tieren kann die Katzenfuttermenge auf einen Esslöffel voll pro Mahlzeit erhöht werden.
Hat man die Möglichkeit, das Tier noch vor der Winterzeit in Freiheit zu setzen, wird man etwas mehr Futter anbieten. Ein Zuviel an Futter passiert den Darmtrakt ungenutzt, der Kot riecht genauso wie das Katzenfutter, das am anderen Ende aufgenommen wurde.
Mehr als 80 g pro Woche sollten die Igel nicht zunehmen.
Müssen sie bei uns überwintern, dürfen sie nicht zu schnell zunehmen, die Haut würde die Volumenvergrößerung nicht mitmachen, die Stacheln stehen zu weit auseinander.
Mehr als ca. 680 g sollten die Tiere im April beim Aussetzen nicht wiegen, denn bei diesem Gewicht sind die Tiere gut beweglich, haben aber ausreichend Reserven bis sie genügend Nahrung finden.