Faschismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen!
Deutschland im 21. Jahrhundert: Manche Städte und Regionen
gelten als „National befreite Zonen“, Nazi-Schläger
greifen dort alles an was nicht in ihr Weltbild passt, bis hin
zu Geburtstags-Partys nicht rechter Jugendlicher +++ Knapp 215
000 Menschen wählen bei Bundestagswahlen (02) die faschistische
NPD, andere rechtsextreme Parteien werden von zusammen nochmals
mehreren hunderttausend Menschen gewählt +++ Fast wöchentlich
finden Nazi-Demonstrationen statt, im August 03 z.B. marschieren
ca. 3000 Nazis durch Wunsiedel, in Schwäbisch Hall fanden
dieses Jahr innerhalb weniger Wochen gar drei Nazi-Aufmärsche
statt +++ Ihre Zeitungen (National-Zeitung, Deutsche Stimme, etc.)
sind an den meisten Kiosken erhältlich, CDs von Nazi Bands
werden in rechten Läden und Versänden zu tausenden verkauft
+++ Seit 1990 wurden mehr als 120 Menschen von Nazis ermordet
(manche Statistiken gehen sogar von mehr als 200 Menschen aus)
und unzählige brutal verletzt +++ Nazis führen Brand-
und Bombenanschläge durch, bei Razzien werden regelmässig
Sprengstoff und Schusswaffen gefunden…
Ohne die Gefahr der faschistischen Bewegung überschätzen
zu wollen, die Nazis stellen de facto ein immer grösser werdendes
Problem in immer mehr Regionen in der BRD dar.
Von Seiten des Staates erhalten sie unter dem Strich mehr Unterstützung
als Widerstand gegen ihre menschenverachtende Politik. Sogenannte
akzeptierende Jugendarbeit, die ihnen Jugendhäuser zur Verfügung
stellt; hunderttausende Euro für „Spitzeldienste“
vom Verfassungsschutz die in die Parteikassen der NPD flossen;
den Schutz ihrer Aufmärschen durch teilweise mehrere tausend
Polizisten, um nur einige Beispiele zu nennen.
Der 2000 von Politikern gross angekündigte „Aufstand
der Anständigen“ gegen die Nazis hat sich als Farce
ohne Wirkung erwiesen.
Doch die Gefahr wird nach wie vor von den meisten Menschen nicht
wahrgenommen. Teilweise werden die faschistischen Parteien sogar
aus „Protest“ gegen die Politik der anderen Parteien
gewählt.
Ihre rechten, nationalistischen, rassistischen und antisemitischen
Positionen stellen gar, wenn auch in abgeschwächter Form
keine gesellschaftliche Randerscheinung dar. Dementsprechend erfahren
Nazis und ihre Ideologie sogar nicht selten Zuspruch in weiten
Teilen der Gesellschaft.
Doch was wollen die eigentlich genau?
Die faschistische Ideologie ist für viele eine angebliche
Antwort auf gesellschaftliche Probleme, wie Arbeitslosigkeit,
Sozialabbau, o.ä. Allerdings ist sie eine rückschrittliche
und falsche Antwort, die nicht die tatsächlichen Ursachen
der Probleme bekämpft sondern absurde, unwissenschaftliche
Gründe wie „Überfremdung“, „Asylantenflut“
etc. als Ursachen benennt. Sie lenkt die Wut auf Sündenböcke,
meistens auf Menschen die in irgendeiner Art aus dem Bild des
„normalen Deutschen“ herausfallen.
Da die Ursachen der Probleme von den Faschisten nicht erklärt
werden können, werden sie einfach als etwas wahrgenommen,
das nicht Teil der Verhältnisse hier ist, sondern von aussen
kommt. Dem wird die reine, deutsche Volksgemeinschaft als anstrebenswerter
Zustand bzw. die Lösung der Probleme entgegengesetzt. So
bestehen die Haupt-Stützen ihrer Ideologie aus Rassismus,
Nationalismus und Antisemitismus. Eine kurze Erklärung:
Rassismus behauptet, dass Menschen nicht nur
optisch (Hautfarbe, etc.) verschieden sind, sondern ein grundsätzlicher
Unterschied zwischen Menschen verschiedener „Rassen“
bestünde. Der Rassismus der Nazis hat zum Ziel, dass alle
Menschen die nicht zur „arischen Rasse“ gehören,
vertrieben werden weil ein Zusammenleben verschiedener „Rassen“
angeblich nicht möglich ist. Diese Behauptungen sind wissenschaftlich
längst widerlegt und eigentlich braucht auf sie nicht weiter
eingegangen zu werden. Die Hautfarbe oder andere äusserlichen
Merkmale haben nichts mit den Denkweisen, dem Sozialverhalten
o.ä. zu tun. Unterschiede zwischen Menschen, hängen
immer mit der Sozialisation, den äusseren Einflüssen
zusammen und nicht mit der Zugehörigkeit zu irgendeiner „Rasse“.
Jedoch stehen die Nazis selbst mit ihrem Rassismus keineswegs
alleine da, Edmund Stoiber (CSU) z.B. sprach auch schon von einer
„durchrassten Gesellschaft“.
Diese menschenverachtende Ideologie macht Menschen wegen ihrer
Hautfarbe zu Sündenböcken. Menschen die am allerwenigsten
an den Verhältnissen hier schuld, sondern im Gegenteil, vielfach
ohnehin schon Opfer dieser Verhältnisse sind indem sie meist
sozial schlechter als der Durchschnitt gestellt und ständiger
Diskriminierung ausgesetzt sind.
Nationalismus ist eine Ideologie, die die eigene
Nation von anderen Ländern abgrenzt und als etwas besseres
darstellt. Er äussert sich in der Position, dass Menschen
die nicht deutsch sind, z.B. kein Recht hätten hier zu leben.
Angeblich existieren Nationen, weil es verschiedene Völker
gibt, die sich durch die nationalstaatlichen Grenzen voneinander
trennen. Tatsächlich ist es aber so, dass sich so etwas wie
ein Volk mit relativ einheitlicher Sprache, Kultur etc. erst in
aufgezwungenen Grenzen bildete, Grenzen also nicht Folge sondern
Ursache einer „Volksgemeinschaft“ o.ä. sind.
Es gibt auch keinen tatsächlichen Unterschied, zwischen einem
deutschen und einem anderen Menschen, die Sprache kann jeder lernen,
die Kultur kann übernommen werden, usw. Andere Argumente
wie z.B. der Geburtsort sind vollkommen beliebig, denn wieso sollte
ein Mensch nur weil er in Moskau geboren ist nicht in Berlin leben
dürfen?
Es gibt viele Unterschiede zwischen Menschen: manche sind reich
und können sich alles leisten, andere müssen jeden Tag
arbeiten und haben trotzdem wenig Geld; manche können korrupt
sein und Schwarzgelder kassieren ohne dafür belangt zu werden,
andere kommen in den Knast weil sie zu oft beim Schwarzfahren
erwischt wurden. Ob ein Mensch aber auf der einen Seite einer
Grenze oder der anderen geboren wurde, ob seine Eltern die meiste
Zeit ihres Lebens hier oder dort verbrachten sollte kein Anlass
für eine Unterscheidung sein.
Es gibt nichts, was dafür sprechen würde, das eigene
Land als etwas besonderes wahrzunehmen und anderen Menschen das
Recht abzusprechen sich auf dieser Welt dort aufzuhalten wo sie
wollen. In Deutschland, dass seit Jahrhunderten von der Ausbeutung
anderer Länder profitiert, zuerst durch die Kolonisation,
später durch die Unterstützung von Diktaturen und der
Ausbeutung der Menschen in anderen Ländern durch deutsche
Firmen, schon gleich zweimal nicht.
Antisemitismus ist wohl die Facette von rechtem
und faschistischem Gedankengut, wo am auffälligsten die Unfähigkeit
zu Tage tritt, die Realität richtig zu analysieren und zu
begreifen. Den Jüdinnen und Juden wird einfach unterstellt,
dass sie die Welt beherrschen, bzw. eine besonders mächtige
und gierige „Rasse“ darstellen würden. So wird
alles mögliche einfach durch eine jüdische Weltverschwörung
erklärt. Der Absurdität sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Das Ziel der Nazis, im Holocaust das Judentum auszulöschen
war Folge dieses Wahns. Und dieser idiotische und barbarische
Wahn existiert auch heute noch, so kommt es seit Jahren regelmässig
zu Angriffen auf Menschen und jüdische Einrichtungen und
Friedhöfe.
Die weitverbreitete Stimmung in der deutschen Bevölkerung,
die anstatt sich mit der deutschen Vergangenheit und darin u.a.
dem Holocaust auseinander zusetzen und daraus die richtigen Konsequenzen
zu ziehen, lieber einen Schlusstrich ziehen will, kommt den Nazis
gerade recht, um ungestört wieder ihren Antisemitismus zu
verbreiten.
Es wäre jedoch falsch den Faschismus nur dadurch zu erklären,
dass Menschen die zu den benachteiligten Schichten der Gesellschaft
gehören, die einfachste Lösung wählen und einfach
andere Menschen als Sündenböcke für ihre Lage verantwortlich
machen. Wenngleich es in den meisten Fällen wohl der Fall
ist, darf die faschistische Ideologie nicht darauf reduziert werden,
dass sie Menschen als falsche Antwort auf gesellschaftliche Probleme
dient. Schliesslich besteht ein beachtlicher Teil der Rechten
aus Menschen die eher zu den Profiteuren der momentanen Verhältnisse
gehören als zu den Opfern. Faschismus ist eben eine irrationale,
aggressive Ideologie die alles andere als Wohlstand und ein angenehmes
Leben für alle Menschen zum Ziel hat. Er ist die extremste
Form von Konkurrenzdenken, von Vorurteilen gegenüber Fremden,
von Militarismus und patriarchalem Denken. Er ist eine Theorie
die unter ihrer Fahne alle möglichen rückschrittlichen
Menschen die kein Interesse an Gleichberechtigung, Solidarität,
Toleranz, etc. haben sammelt.
…und wem nutzt diese Scheisse wirklich?
Es kann nicht nur historisch klar festgemacht werden, wer den
Faschismus stark gemacht hat; damals waren es die Kapitalisten
von Krupp, Siemens, Thyssen und anderen grossen Unternehmen. Heute
ist es ebenfalls die Kapitalistenklasse die Rassismus und Nationalismus
predigt und rechte Organisationen unterstützt. Zwar haben
sie aus verschiedenen Gründen, momentan kein Interesse an
einer zu starken offen faschistischen Bewegung, denn der faschistische
Mob unterscheidet z.B. nicht zwischen „nützlichen Computer-Indern“
und „unnützlichen Asylbewerbern“ und ist auch
nicht gerade gut für das Image des „Standort Deutschland“.
Der Sumpf auf dem Faschismus entsteht, Nationalismus, Rassismus,
Anti-Kommunismus, etc. wird aber von ihnen unterstützt. So
finanziert z.B. unter anderem Daimler Chrysler das Studienzentrum
Weikersheim, eine Vereinigung aus Alt-Nazis und rechts-konservativen
bis rechtsextremen Politikern.
Ideologien, die nicht die Ausbeutung der Menschen, den Kapitalismus
angreifen sondern gegen Menschen hetzen, die selbst Opfer dieser
Verhältnisse sind, sind den Profiteuren dieses Systems natürlich
dienlich. Sie können uns dadurch spalten und ihre Macht aufrechterhalten.
Solange die Menschen gegen MigrantInnen hetzen weil sie „uns“
angeblich auf der Tasche liegen, aber nicht erkennen, dass ein
paar Reiche soviel besitzen wie die Hälfte der Menschheit
(!) ist ihre Macht sicher nicht in Gefahr.
Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?
In den Jahren als die Faschisten an der Macht waren, haben sie
Millionen von Menschen umgebracht und durch Kriege Zerstörung
und Leid in fast alle Teile der Welt getragen. Im heutigen Alltag
haben ihre Aktionen das Ziel, Menschen die nicht in ihr beschränktes
Weltbild passen, zu verletzen, zu vertreiben oder zu ermorden.
Opfer kann letztendlich jedeR werden. Dort wo die Nazis nicht
mehr auf MigrantInnen, Homosexuelle oder Linke stossen, sind es
Menschen die ihnen einfach nicht rechts genug sind, aktuelle Beispiele
dafür gibt es leider mehr als genug.
Sicher gibt es viele Wege über die Menschen zu Faschisten
werden, oft sind sie sich vielleicht nicht im klaren darüber,
was ihr Denken tatsächlich bedeutet, doch darauf zu hoffen,
dass wir sie allein durch Argumente überzeugen können,
ist utopisch und verkennt die Gefahr die von ihnen ausgeht. Mit
Menschen die als Ziel ihres politischen Handelns eine Verbesserung
der Lebenssituation für alle Menschen nennen, kann über
den richtigen Weg dorthin diskutiert und gestritten werden. Mit
Faschisten aber, deren Ideologie eben im genauen Gegenteil besteht,
die Gewalt und Unterdrückung nicht nur als Mittel nutzen
sondern zum Ziel haben, kann nicht einfach nur diskutiert werden.
Dort wo den Nazis nicht organisierter und entschlossener Widerstand
entgegengesetzt wird, zahlreiche Beispiele vor allem in Ostdeutschland
belegen dies, bauen sie ihre Strukturen auf und jegliche antifaschistische
Arbeit ist dort ständigen Angriffen ausgesetzt. Es liegt
an uns ob wir tatenlos zuschauen, bis wir selbst zu ihren Opfern
werden, oder ob wir aktiv werden und sie mit allen Mitteln bekämpfen.
Der „ganz normale Rassismus“
Zum Beispiel die Flüchtlingsunterkunft in Schorndorf
Am 10.09.2003 erschien in der Stuttgarter Zeitung ein Artikel
über das Flüchtlingsheim in Schorndorf. Dort heisst
es, der Kreis wolle auf „souveräne Art der Überwachung“
setzen. „Drogen, Kriminalität und Prostitution“
seien laut Landrat Johannes Fuchs aus dem Rems- Murr Kreis „in
Asylbewerberheimen in erschreckender Weise zur Normalität
geworden“. Im ohnehin eingezäunten Gebäude des
Schorndorfer Flüchtlingsheims sollen zur „Nachbesserung
für innere Sicherheit in der Einrichtung“ nun auch
„ständige Zugangskontrollen“ durchgeführt
werden. Übernommen werden soll dies durch eine Privatfirma.
Mitarbeiter eines Wachdienstes sollen nachts und am Wochenende
Kontrollbesuche abstatten, SozialarbeiterInnen zu unangemeldeten
Besuchen vorbeikommen oder in Polizeibegleitung zu Rundgängen
auftauchen. „Unbefugten“ soll der Zutritt verweigert,
das Mitbringen von „Drogen und Diebesgut“ verhindert
werden. Zudem soll es einen Pfortendienst mit Taschenkontrolle
geben. Der Artikel vermittelt durchgehend das Bild eines Flüchtlingsheimes,
dass Treffpunkt „krimineller“ Umtriebe und Organisationen
sei; lediglich in einem Nebensatz wird erwähnt, dass nicht
alle BewohnerInnen „kriminell“ sind. Hier wird mit
gängigen Vorurteilen gespielt, die größtenteils
fest in den Köpfen verankert sind und es wird eine Pauschalisierung
einer ganzen Personengruppe, nämlich „den Flüchtlingen“
vorgenommen. Wie die meisten Flüchtlingsheime liegt auch
das in Schorndorf weit abgelegen – gemeinsames Zusammenleben
unerwünscht. Im Artikel der Stuttgarter Zeitung wird mit
keinem Wort auf die Absurdität der ganzen Überwachungspläne
und der demütigenden und entwürdigenden Situation der
dort lebenden Menschen eingegangen.
Fluchtursachen
Es muss sich vor Augen geführt werden, dass in Flüchtlingsheimen
Menschen leben, die auf der Flucht und oftmals traumatisiert sind,
die ihre Heimat, ihre Familie und ihre Freunde aus unterschiedlichen
Gründen verlassen mussten. Diese Menschen werden sich in
Schorndorf nun in Zukunft tagtäglich rassistischen Prozeduren
durch uniformiertes Wachpersonal und anderen zusätzlichen
Schikanen unterziehen müssen, die kein „normaler Deutscher“
sich bieten lassen würde. Dabei liegen die Ursachen für
ihre Flucht, Krieg, Diktaturen, Armut, politische Verfolgung etc.
auch bei Unternehmen und Staaten der sogenannten wohlhabenden
Länder, also auch Deutschlands. So wurde z.B. in vielen Ländern
durch den Kolonialismus die Lebensgrundlage der Menschen zerstört
und wahllos von den Kolonialmächten Grenzen gezogen, die
auch heute noch für Kriege verantwortlich sind. Die reichen
Staaten Europas und Nordamerikas haben auch heute noch Interessen
an bestimmten politischen Verhältnissen durch die sie maximal
profitieren können, z.B. durch Waffenexporte, Ausbeutung
in Billig-Lohn Fabriken,
Rohstoffe zu Billigst- Preisen, etc. Finanzielle Unterstützung
und gute Handelsbeziehungen zu Diktaturen, Warlords und Bürgerkriegsparteien
ziehen sich
wie ein roter Faden durch die Aussenpolitik der BRD und anderer
europäischer und
nordamerikanischer Staaten. Eine Parole der Flüchtlinge,
die in den letzten Jahren durch Demonstrationen auf ihre Lage
hier aufmerksam machen wollen ist nicht umsonst „Wir sind
hier weil ihr unsere Länder zerstört!“
Innere Sicherheit
Traurige Tatsache ist, dass die Akzeptanz der oben beschriebenen
staatlichen Kontroll- und Repressionsmaßnahmen immer größer
und kaum hinterfragt wird. Schreckensbilder vom organisierten
Verbrechen, Drogenmafia und einer vermeintlich steigenden Kriminalitätsrate
lassen ein diffuses Gefühl von Bedrohung und Verunsicherung
entstehen. Diese übertriebene, aber medienwirksam propagierte
Bedrohung und gezielte Dramatisierung dient der Legitimierung
einer immer repressiveren Innen- und Rechtspolitik. Dabei werden
die Ursachen von Kriminalität, die v.a. in der Armut von
immer mehr Menschen liegen natürlich verschwiegen. Je weiter
sich das Thema „Sicherheit“ in öffentlichen Reden
und Politik in den Vordergrund schiebt, ist dies ein Anzeichen
dafür, dass eine Gesellschaft sich mehr sozialen Ausschluß
leistet und dem Staat mehr an Gewaltmitteln zur Verfügung
gestellt werden. Nicht nur im Falle von Schorndorf sind die ersten
die es trifft, die sozial am schlechtesten gestellten Schichten.
„Ausländer-Kriminalität“
Kriminell ist ein dehnbarer Begriff – oft zitierte „Kriminalitätsstatistiken“
von Flüchtlingen verschweigen die Tatsache, dass es z.B.
für hier lebende Flüchtlinge eine Residenzpflicht gibt.
D.h. sie dürfen den Landkreis, indem sich das Heim befindet
in dem sie leben, nicht verlassen. Zudem erhalten die meisten
Flüchtlinge keine Arbeitsgenehmigung und ein verschwindend
geringes „Taschengeld“. So entstehen schon ein Großteil
der sogenannten „Straftaten“ durch z.B. Schwarzfahren
und Verletzen der Residenzpflicht. Da rassistische Polizeikontrollen
der bundesdeutsche Normalzustand sind, kann es einem
Flüchtling schnell passieren, beim Verlassen des Landkreises
„erwischt“ zu werden. Die
Bußgelder, die es dann hagelt sind nicht zu knapp und verschlimmern
die (finanzielle) Situation der Flüchtlinge teilweise bis
ins dramatische oder bedeuten gar bereits Gefängnis. Während
Unternehmer und Politiker Schwarzgelder in Millionenhöhe
austauschen, Steuern hinterziehen uvm. und ihnen dass noch von
den meisten verziehen
wird, werden bei Flüchtlingen meist ganz andere Maßstäbe
angelegt. Jedes noch so kleine Vergehen wird als Beispiel für
die zu hohe „Ausländerkriminalität“ herangezogen
ohne auch nur im Geringsten die Umstände zu betrachten, die
manche Menschen zu „Kriminellen“ machen.
Geschichte der Migration
Wenn man die Geschichte von Migration in Deutschland betrachtet,
sieht man, daß Menschen früher nach Deutschland geholt
wurden, weil Arbeitskräfte im Bereich der unqualifizierten
und unsicheren Arbeit fehlten. Nur dort wurden Einwanderer in
großer Zahl beschäftigt. Nutzen hatten in erster Linie
die deutschen Konzerne. Es gab Anwerbeabkommen und erniedrigende
medizinische Untersuchungen, denn es sollten „biologisch
stabile Arbeitsmaschinen“ nach Deutschland kommen. Die Menschen
sollten hier arbeiten und danach möglichst schnell wieder
gehen. So schuftete die erste „Gastarbeitergeneration“
hier für das sogenannte „Wirtschaftswunder“.
Die Firmen, die davon profitierten, schufen die strukturelle Voraussetzungen
der Ausgrenzung; z.B. durch absolut schlechte, isoliert gelegene
Arbeitsunterkünfte, oftmals Baracken die speziell für
die ArbeitsmigrantInnen vorgesehen waren.
Auch heutzutage, wird die Diskussion über Einwanderung nach
wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt; z.B. geht es, seitdem
der Bedarf an billigen Arbeitskräften gedeckt ist, um die
Anwerbung ausländischer SpezialistInnen in bestimmten Berufssparten,
die hier von der Wirtschaft benötigt werden. Für hier
lebende Flüchtlinge, die diesen Anforderungen nicht entsprechen,
hat sich die Situation seither noch mehr verschärft, da es
bei ihnen nicht mal im Ansatz um „Integration“ geht:
die Kids haben erst mal gar kein Recht auf Schulbildung, die Unterkünfte
stehen im Niemandsland oder den Stadträndern, meist erhalten
sie keine Arbeitsgenehmigung....So ist es unter diesen
Umständen einfach, sie als etwas „fremdes“, „etwas
was nicht hier her gehört“
medienwirksam darzustellen. Die Message ist nach wie vor klar:
wer nicht verwertbar ist, ist nicht willkommen.
Die tägliche Diskriminierung
In Deutschland leben derzeit 7,9 Mio. Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft
und schätzungsweise 1,2 Mio. Leute, die sich ohne Papiere
dauerhaft in Deutschland aufhalten. Viele haben sich in die deutsche
Gesellschaft integrieren können und erleben fremdenfeindliche
Vorurteile und Diskriminierungen, wenn überhaupt, nur vereinzelt.
Es kann aber nicht darüber hinweggesehen werden, dass der
Grossteil der hier lebenden MigrantInnen unterschiedlichsten Diskriminierungen
ausgesetzt ist. Dies fängt bei den Wohnverhältnissen
an: die Lebensbedingungen für viele Flüchtlinge z.B.
in Flüchtlingsheimen, entsprechen nicht einmal den Anforderungen
die, was den Wohnraum anbelangt, vom Gesetz als Rechte eines Schäferhundes
vorgeschrieben sind. So müssen ganze Familien in einem einzigen
Zimmer auf wenigen Quadratmetern wohnen, sind die Sanitären
Einrichtungen oft defekt, befinden sich die Heime in Gebieten,
wo kein „normaler Deutscher“ jemals wohnen möchte
(z.B. in ehemaligen Kasernen oder in Industriegebieten) usw. Und
auch für MigrantInnen, die nicht in Heimen untergebracht
sind, sind die Wohnverhältnisse meist unter den Durchschnittsverhältnissen.
Schliesslich
gehören sie in vielen Fällen zu den ärmeren Schichten
der Gesellschaft. Die ärmsten Viertel sind meist die mit
dem höchsten Anteil an MigrantInnen und umgekehrt. Mensch
kann in vielen Fällen durchaus von Ghettos sprechen, in welchen
viele ihr Leben verbringen und keine Perspektive haben jemals
dort herauszukommen. In der Schule geht die Unterscheidung weiter:
Die Anteil von Schülern nichtdeutscher Herkunft liegt in
Hauptschulen bei über 40%, in den Realschulen noch bei um
die 25% und in Gymnasien bei weit unter 10%. Es wird von MigrantInnen
zwar immer gefordert, dass sie die deutsche Sprache lernen, sich
integrieren, etc. es gibt jedoch kaum Ansätze, ihnen die
selben Chancen wie deutschen Jugendlichen zu geben. In Berufen,
ist der Anteil von Menschen nichtdeutscher Herkunft im Niedriglohn-Sektor
am höchsten, in den besser verdienenden Schichten am geringsten,
usw.
Die Aufzählungen lassen sich noch weiter fortsetzen: Menschen
nichtdeutscher Herkunft sind um ein Vielfaches öfter Polizeikontrollen
ausgesetzt, finden schwerer einen Job oder eine Wohnung, werden
durch Gesetze, die nur für sie gelten (Residenzpflicht, Arbeits-Verbot,
etc.) diskriminiert, etc. Abgesehen von alldem, müssen sie
auch noch als Sündenböcke für Arbeitslosigkeit,
Kriminalität uvm. herhalten. Auch „ganz normale“
Vorurteile von KollegInnen, MitschülerInnen und NachbarInnen
müssen sie ertragen. Alle diese Sachen sind keine Einzelfälle,
sondern Teil eines gesellschaftlichen Klimas, dass
das ganze Leben von MigrantInnen beeinflusst.
Wenn es Debatten zum Thema Migration gibt, sei es in der Schule,
der Politik oder der Tagespresse, geht es nicht um Gleichstellung,
nicht um eine Auseinandersetzung mit Fluchtgründen, nicht
um die Lebensbedingungen von Flüchtlingen, nicht um ein Hinterfragen
der Trennung Deutsch / Nicht-Deutsch. Es geht meist darum, welche
Menschen anderer Herkunft sich überhaupt hier aufhalten dürfen,
wie sie sich zu verhalten haben, was sie sich zu Schulden kommen
lassen, usw.
Dabei wäre die Unterscheidung von Menschen, nach ihrer Hautfarbe
oder ihrer Nationalität grundlegend in Frage zu stellen;
Wieso darf ein Deutscher denn teure Autos fahren, während
viele Menschen beim Anblick eines Migranten mit teurem Auto sofort
an „Asylbetrug“ denken? Wieso dürfen Menschen
nicht in Deutschland leben, während sich Deutsche überall
auf der Welt aufhalten dürfen und der Deutsche Staat und
deutsche Unternehmen auf der ganzen Welt für die verschiedensten
Schweinerein verantwortlich sind? Wieso wird überhaupt eine
Trennung zwischen Menschen aufgrund ihrer Herkunft gezogen?….
Deswegen:
leistet aktiven Widerstand, fragt nicht nach dem Pass oder nach
der
Herkunft, sondern wendet Euch gegen die Frage nach dem Pass und
der Herkunft.
»hoch
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