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Pressestimmen zur Demo am 6.12. in Backnang

Backnang Mehrere hundert Demonstranten vorwiegend aus der linken Szene demonstrierten am Samstag in der Innenstadt gegen die rechten Umtriebe im Rems-Murr-Kreis. Unter dem Motto "Die Nazis von der Straße fegen" hatte ein Aktionsbündnis zum wiederholten Male zur Teilnahme an den "Antifaschistischen Kehrwochen aufgerufen.

VON PETER WARK
Während die Veranstalter von über 400 Teilnehmern sprachen, ging die Polizei von 300 Demonstranten aus, die aus dem gesamten Großraum Stuttgart bis hin zum Rhein-Neckar-Gebiet kamen. Vereinzelt hatten sich Mitglieder örtlicher Gruppierungen dem Zug angeschlossen. Die Polizei erwartete die Demonstranten bereits in großer Zahl an Einsatzkräften am Bahnhof. Wieviele Beamte eingesetzt waren, wollte Rainer Weigl, der Leiter des Backnanger Polizeireviers, nicht sagen.
Kurz nach 12 Uhr am Backnanger Bahnhof: Die Demonstranten sammeln sich. Viele von ihnen haben Antifa-Fahnen dabei, einer schwenkt eine einsame DKPFahne. Aus großen Lautsprechern in einem VW-Bus hämmert Punkmusik. Vertreter des städtischen Ordnungsamtes und die Polizei besprechen sich; die Organisatoren der Demo stimmen sich mit Polizeichef Weigel über den geplanten Verlauf des Zuges ab. Die Polizei filmt und fotografiert.
Auf ihrem Zug durch die Innenstadt skandieren die Demonstranten Parolen wie "Aufruhr, Widerstand; es gibt kein ruhiges Hinterland", oder "Ein Baum, ein Strick ein Nazigedeck". Auch nach den erfolgreichen Ermittlungen gegen die rechte Szene blieben Backnang und der Rems-Murr-Kreis Hochburgen rechter Aktivitäten, wird beklagt. Starke Kreisverbände von NPD und JN, sowie so genannte Freie Kameradschaften und Nazi-Cliquen hätten großen Zulauf. Die Redner Alexandra Kollontai und Thomas Ketler weisen auf die Rolle des Staates hin, der es nicht geschafft habe, einen "eindeutig antifaschistischen Kontext zu verwirklichen". In diesem Land gebe es keinen nachhaltigen Kampf gegen Rassismus und Faschismus. Vielmehr sei der Faschismus in der Gesellschaft verankert und eine klare Tendenz nach rechts zu erkennen. Neonazis würden bei den Politikern der Mitte und in Teilen der Bevölkerung genügend Anknüpfungspunkte finden. Ein Beweis für diese These wenige Minuten später?: Ein Kinderwagen schiebender Vater fühlt sich in der Fußgängerzone von den Demonstranten beim samstäglichen Einkauf gestört und wünscht sich, "dass die Nazis kommen und das linke Gesindel ausrotten". Er ist nicht der einzige, der der Demo ganz offensichtlich ablehnend gegenüber steht. Allerdings ist ganz vereinzelt auch Zustimmung der Passanten in der Innenstadt zur Demonstration zu beobachten.
Kritik übt ein Redner an der Koordinierungsstelle des Landkreises gegen Rechtsextremismus. Was dort gemacht werde, sei wenig erfolgreich. Vielmehr werde hier Rechtsradikalismus bagatellisiert. Der Zug führt zurück zum Bahnhof. Dort kommt es zu vereinzelten Rangeleien mit der Polizei, nachdem einzelne Gruppen spontan erneut in die Innenstadt und vor ein einschlägig bekanntes Lokal ziehen wollen.