Angelockt (Lured)
Krimi/Thriller, USA 1947
Regie: Douglas Sirk Drehbuch: Leo Rosten Kamera: William H. Daniels Musik: Michel Michelet Produzenten: James Nasser, Hunt Stromberg Darsteller: Lucille Ball, George Sanders, Charles Coburn, Cedric Hardwicke, Boris Karloff u.a.
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Scotland Yard erhielt bereits sieben Gedichte, die einen Mord an einer jungen Frau ankündigten, der dann auch tatsächlich geschah. Als das achte Gedicht eintrifft, enschließt sich der verzweifelte Kommissar Temple (Charles Coburn) zu einem ungewöhnlichen Mittel: Mit der Tänzerin Sandra Carpenter (Lucille Ball) als weiblichen "Köder", versucht er den Serienmörder anzulocken um ihn endlich zu schnappen.

Der deutsche Regisseur Douglas Sirk, der als Hans Detlef Sierck 1938 in die USA emmigrierte, drehte mit diesem Film einen sehr unterhalsamen, ernsthaften Krimi mit Screwball-Elementen wie beispielsweise überaus pointierten Dialogen. Manchmal ironisiert er damit des Genre des Kriminalfilms, ohne aber von dem ernsten Thema abzulassen oder es gar lächerlich zu machen. Genial wandelt Sirk zwischen Spannung, Dramatik und Komik und vereint alles mit ständigen Stilbrüchen zu einem ernst zu nehmenden Ganzen. Die akribische Arbeit von Scotland Yard zwecks Herausfindung woher die Briefe kommen und auf welcher Schreibmaschine sie geschrieben sind, erinnern in ihrer dokumentarischen Strenge an M (1931), während es ungemein unterhaltsam und heiter mit anzuschauen ist, wie die taffe, worgewandte und schlagfertige Sandra sich in jeder Situation behaupten kann. Sirks anscheinende Leidenschaft für Vermischungen von Stilen zeigt sich schon im Cast. Er besetzte sowohl Lucille Ball gegen den Strich als auch Charles Coburn als Kommissar. Beide waren vor allem aus dem komischen Fach bekannt. Jedoch nutzt Sirk die Qualitäten der Beiden für seinen Krimi. Männer, die von einer Frau so eloquent und geistreich in ihre Schranken verwiesen werden, sieht man in Filmen aus den 40ern wahrlich nicht oft. Auch Boris Karloff hat hier nicht, wie ein vorschnelles Publikum sicher vermuten würde, die Rolle des gesuchten Frauenmörders inne. In der kurzen und herrlich skurrilen Episode, in der das ehemalige Frankenstein-Monster seinen Auftritt hat, spielen Sirk und Karloff sogar mit den Erwartungen des Zuschauers und führen ihn an der Nase herum. Durch düstere Blicke meint man Karloffs Figur des exzentrischen Künstlers als Mörder entlarvt zu haben. Doch statt dessen stellt er sich als verletztlicher, tragischer Charakter heraus. Bis er dann plötzlich doch Sandra nach dem Leben trachtet, jedoch aus einem völlig anderen Grund als bei seinem ersten Erscheinen angenommen.
 In der letzten halben Stunde nehmen die komödiantischen Elemente dann rapide ab und machen der finalen Aufklärung des Falles Platz. Sirk wusste eben, wann welche Komponente angemessen ist. Hier muss dann der Zuschauer erneut fest stellen, dass mit ihm Katz und Maus gespielt wurde. Der Charakter des Julian Wilde, den man gegen Ende erst als möglichen Verdächtigen in Erwägung zieht, bleibt in der ersten Stunde des Films recht blass und austauschbar. Dies ist natürlich ganz bewusst so gemacht und man muss schon ein sehr gutes Erinnerungsvermögen haben oder aber sich den Film nochmals anschauen um bereits zu Beginn versteckte Hinweise auf Wildes wirkliche Rolle zu erkennen. Das von Leo Rosten verfasse Drehbuch zu Angelockt basiert übrigens auf einer Geschichte der französischen Drehbuchautoren Jacques Companéez und Simon Gantillon. Der Stoff wurde 1939 von Robert Siodmak schon einmal unter dem Titel Pièges (dt. Falle) verfilmt. Laut Filmwissenschaftler Marek Bringezu hat aber erst Douglas Sirk, der einmal angab er selbst habe Pièges nie gesehen, die Möglichkeiten des Stoffes mit all ihren Stilbrüchen und Stimmungswechsel voll ausbuchstabiert.
(Stefan Schuster)
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