Ein Haufen verwegener Hunde - Inglorious Bastards
(Quel maledetto treno blindato)


Action/Krieg, Italien 1977
Regie: Enzo G. Castellari
Drehbuch: Sandro Continenza, Sergio Grieco, Laura Toscano,
Franco Marotta, Romano Migliorini
Kamera: Giovanni Bergamini
Musik: Francesco De Masi
Produzent: Roberto Sbarigia
Darsteller: Bo Svenson, Peter Hooten, Fred Williamson, Michael Pergolani,
Raimund Harmstorf, Donald O'Brien u.a.

Dieser Klassiker des italienischen Genrekinos hat ein Problem: Er will sich einfach nicht völlig zu seiner B-Produktion bekennen. Und dabei beginnt er eigentlich sehr viel versprechend schön trashig und sympathisch. Eine Gruppe amerikanischer Deserteure, Befehlsverweigerer und Diebe im zweiten Weltkrieg sollen in ein Straflager im von den deutschen besetzten Frankreich überführt werden. Doch der Gefangenen-Transport wird von deutschen Schlachtfliegern aufgehalten. Diese Chance nutzen die Gefangenen und fliehen. Die Männer wollen in die neutrale Schweiz flüchten, müssen sich aber durch allerlei Gefahren kämpfen.

Die Schauplätze sind gut ausgewählt und die Charaktere noch besser. Die Mimen Fred Williamson und Bo Svenson (die beide Jahre später von Quentin Tarantino in From Dusk Till Dawn bzw. Kill Bill wieder ausgegraben wurden) sind wahre Bastarde und immer für einen beinharten Spruch gut. Des weiteren gibt es da den Hippie-Verschnitt Nick, gespielt von dem leider unbekannten Michael Pergolani, der in seinem Helm nicht nur einen Katalog mit Playboy-Bunnys hat, sondern auch sonst fürs Survival-Abenteuer bestens ausgestattet ist. Die teilweise humorvollen Dialoge zwischen den unrühmlichen Bastarden sind in den ersten dreiviertelstunde exzellent und pointiert. Und dann taucht auch noch Raimund Harmstorf als deutscher Flüchtling auf. Herrlich!


Doch dann wendet sich das ganze leider etwas. Denn was als Action-Kriegsfilm, der die Kulisse des Zweiten Weltkrieges nur als Hintergrund für einen sympathischen B-Actioner genommen hat begann, wird ein zu sehr vom mit einer ähnlichen Story inszenierten US-Kriegsdrama Das dreckige Dutzend von Robert Aldrich aus dem Jahre 1967 inspirierter Film. Die sehr guten Ansätze werden mit einer zu sehr gewollten Dramaturgie, die sich je mehr es aufs Finale zugeht einschleicht, verspielt. Alles läuft etwas aus dem Ruder. Vermutlich ein typischer Fall von "zuviele Köche verderben den Brei", denn am Drehbuch arbeiteten mehrere Autoren, die sich zumeist gar nicht kannten und die Versionen der anderen Writer immer nur geschickt bekamen um ihre Vorschläge mit einzubringen. Man hätte den trashigen Stil beibehalten und nicht versuchen sollen, eine italienische Variante von Das dreckige Dutzend zu machen. Erwähnt werden muss dabei aber natürlich auch, dass sich Robert Aldrich bei der Zeichnung der Charaktere seines Films der Mode extreme, vergessene und ungewöhnliche Figuren zu zeigen angeschlossen hat, die in erster Linie wiederum aus Italien mit ihren Spagetthi-Western kam. Damit war es also Castellaris gutes Recht, solche Charaktere zu präsentieren. Der ursprüngliche italienische Originaltitel lautete übersetzt im übrigen auch "Unrühmliche Bastarde", bevor er aus Produktions- und Vertriebsgründen geändert wurde.
Und bei aller Kritik an der Inszenierung kann man Regisseur Enzo G. Castellari (Keoma, 1976) ein gutes Gespür für Actionszenen nicht absprechen. Das durcheinander gewürfelte Drehbuch machte ihm ganz einfach einen Strich durch die Rechnung. Denn tatsächlich sind es die gut eingesetzten Effekte, die den Film in der letzten Hälfte retten.


(Stefan Schuster)