Das Lied von Bernadette (The Song of Bernadette)
Drama/Historienfilm, USA 1943
Regie: Henry King Drehbuch: George Seaton Kamera: Arthur Miller Musik: Alfred Newman Produzent: William Perlberg Darsteller: Jennifer Jones, Charles Bickford, Vincent Price, Gladys Cooper, William Eythe, Lee J. Cobb u.a.
Frankreich, Lourdes um 1860: dem einfachen Bauernmädchen Bernadette erscheint in einer Grotte eine "wunderschöne Dame". Nur sie kann die göttliche Erscheinung sehen, was viele Zweifler auf den Plan ruft.
Später entspringt an dieser Stelle eine Quelle. Die Botschaft verbreitet sich in Windeseile und der Platz wird zu einem Pilgerort. Menschen aus allen Richtungen strömen herbei, um das "Wunder von Lourdes" zu erleben, denn das Wasser aus der Quelle hat eine heilende Wirkung. Bernadette wird für ihre Visionen von Kirche und Staat terrorisiert, da sie darin eine Gefahr für das öffentliche Leben sehen. Doch unerschütterlich verfolgt Bernadette den Weg weiter, der ihr von der "Dame" vorgegeben wird...

Das "The End"-Bild wird ausgeblendet, die Leinwand bleibt schwarz und im gesamten Kinosaal hört man nur schluchzen. So war es damals, als dieser Film 1948 auch in die deutschen Kinos kam. Zumindest wenn man dem Erinnerungsvermögen meiner Großmutter glauben kann (und ich werde den Teufel tun...). Doch nicht ihr habe ich die Entdeckung des Films zu verdenken, sondern mir selbst bzw. meiner Liebe zu Vincent Price. Die Thematik des Films hätte mich erstmal nicht gereizt. Doch aufgrund des Mitwirkens von Price kam ich dazu den Film zu sehen und ich habe es nicht bereut. Normalerweise mag ich Historien-Epen nicht besonders, weil sie meistens einfach zu religiös überladen oder gar konservativ sind. "Das Lied von Bernadette" ist aber eine Offenbarung im wahrsten Sinne, mit durchaus kritischen Ansätzen gegenüber dem zu starken Glauben an Dogmen und Ritualen wie das auswendig lernen von Bibelstellen. Sicher, es ist ein religiöser Film. Aber einer, der über den weltlichen Dingen steht und selbst von weniger gläubigen Menschen vielseitig interpretiert werden kann. Richtigerweise stellte der "film-dienst" damals fest, dass der Film durch "die schlichte Gläubigkeit und die (fast immer gewahrte) Dezenz der Darstellung" besticht. Oder man liebt den Film einfach aufgrund der wundervollen Inszenierung, Ausstattung, Bilder und von vorne bis hinten perfekten schauspielerischen Leistungen. Jennifer Jones ist hier ein wundervolles Geschöpf. Es war ihr Durchbruch als Schauspielerin. Als sie erfuhr, dass sie die Rolle spielen durfte, glaubte sie zu träumen und kniff sich immer wieder in den Arm um aufzuwchen. Später sagte sie, es sei ihr Glück gewesen, dass die Bernadette im Film ausschließlich Kostüme mit langen Ärmeln trug, ansonsten hätte man wohl die vielen blauen Flecken auf ihrem Arm bemerkt. Für die Rolle, die sie so überzeugend mit Leben füllte, erhielt sie den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Der Film, der ein großer Erfolg bei Publikum und Presse war, gewann weitere drei Oscars für Ausstattung, Kamera und Musik. Als Vorlage für Das Lied von Bernadette diente der Roman des österreichischen Schriftstellers Franz Werfel über das Leben der Bernadette Soubirous aus dem Jahre 1941. Der Film hält sich sehr eng an den Roman und dieser wiederum schildert den Lebens- und Leidensweg der echten Bernadette aus Lourdes (* 7. Januar 1844, † 16. April 1879) sehr genau. Von Pius XI. wurde sie am 14. Juni 1925 selig, am 8. Dezember 1933 heilig gesprochen.
Werfel hörte das erste mal von dem französischen Mädchen, als er 1940 vor der Gastapo flüchtete. Sein Weg führte ihn auch durch den berühmten Wallfahrtsort Lourdes. Hier legte er das Geblübde ab, dass wenn er die rettende Küste Amerikas erreicht, das Lied von Bernadette singen werden so gut er es vermag. Ihm gelang die Flucht nach Amerika und er erfüllte sein Versprechen. Der größte Unterschied zwischen der Umsetzung in den beiden Kunstformen und der Wirklichkeit besteht in der Figur von Bernadettes Vorgesetzter im Kloster, Schwester Marie Therese. Im Roman und Film erkennt sie zuletzt, dass es sich bei Bernadette um eine Auserwählte handelte und bereut ihr bitterböses Verhalten. In Wirklichkeit blieb sie bei ihrer negativen Einschätzung und widersetzte sich zeitlebens Bernadettes Verehrung als Heilige. Ich weiß natürlich, dass das sehr inkonsequent von Regisseur Henry King war, dies so aus der Romanvorlage zu übernehmen. Auch die "Ausrede" dem Gedenken an die echte Bernadette nicht schaden zu wollen kann hier nicht gelten. Jedoch verzeihe ich dies dem Film auf magische Weise. Er ist so wundervoll und rührend, dass ich einfach nicht anders kann.
(Stefan Schuster)
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