Brother

Thriller, Japan/USA 2000
Regie: Takeshi Kitano
Drehbuch: Takeshi Kitano
Kamera: Katsumi Yanagishima
Musik: Joe Hisaishi
Produzent: Masayuki Mori, Jeremy Thomas
Darsteller: Takeshi Kitano, Omar Epps, Masaya Kato, Ren Osugi, Kuroudo Maki u.a.




Wegen eines Bandenkrieges muss Akiria (Takeshi Kitano) Tokio verlassen. Er flieht nach Los Angeles zu seinem jüngeren Bruder. Der verdient sich seinen Lebensunterhalt als kleiner Drogendealer und gerät prompt in Konflikt mit der mexikanisch-stämmigen Mafia. Akiria hilft seinem Bruder und geht mit gewohnter Härte gegen die Bande vor. Damit beginnt ein neuer Bandenkrieg...

Bevor ich mein Review beginne, zunächst vorweg: Takeshi Kitano zu kritisieren ist Majestätsbeleidigung. Daher fange ich mit einem Lob an. Seine Filme Sonatine (1993), Hana-Bi (1997) und Kikujiros Sommer (1999) gehören zu dem besten was das japanische Filmuniversum zu bieten hat. Die beiden letzteren würde ich sogar zu meinen absoluten Lieblingsfilmen (nicht nur auf den asiatischen Raum begrenzt) bezeichnen. Es sind brilliante Metaphern über das Leben, sehr poetisch aber auch realistisch und vor allem bewegend.
Brother allerdings hat mich ehrlich gesagt enttäuscht. Als unterhaltsamer Film funktioniert er zwar gut - die Story hat eigentlich keine Hänger und die Action ist gut in Szene gesetzt. Jedoch hätte ich mir von Kitanos erstem nicht in Japan (sondern in den USA) gedrehten Film etwas mehr versprochen. Klar, dass das Aufeinandertreffen der beiden Kulturen Kitano sehr ungewöhnlich inszeniert hat und eigentlich auch keine Klischees bedient. Jedoch hätte ich von ihm etwas mehr Gefühl und unterschwelligem Humor dabei erwartet. Dass er gefühlvoll und mit augenzwinkerndem Humor spielen kann, hat er schon in so vielen Filmen bewiesen.
Stilistisch gesehen ein schwieriger Vergleich, aber zum Thema 'Kulturen treffen aufeinander' sei die Tragikomödie Stranger than Paradise (1984) des amerikanischen Regisseurs Jim Jarmusch erwähnt. Auch hier werden keine Klischees bedient, eher satirisch betrachtet. Im Gegensatz zu Kitano hat Jarmusch's Treffen der Kulturen (in seinem Fall Ungarn und Amerika) jedoch eine ironische und sehr viel gefühlvollere Note.

Ein weiterer Punkt der mir negativ bei Brother aufgefallen ist, ist die Gewalt. Diente diese in seinen anderen Filmen noch als Darstellung des Gefühlszustandes oder vielmehr der Seele des Hauptcharakters, gebraucht Kitano sie in Brother eigentlich nur als Stilmittel und dient nur der Action. Die blutigen Gewaltszenen sind zwar nicht reißerisch dargestellt, aber ziehmlich oberflächlich.
Natürlich hat der gute Kitano seinen Witz nicht verloren. Jedoch würde ich die witzigen Szenen in Brother eher als Gags und nicht, wie in seinen anderen Filmen, als Humor bezeichnen. Auch dies wirkt ehrlich gesagt fast etwas oberflächlich.

Da ich dies alles von Kitano als Regisseur nicht gewohnt bin und ehrlich gesagt auch nicht sehen will, war ich schon etwas enttäuscht. Man kann sich den Film zwar gut ansehen, jedoch ist er weit entfernt von seinen oben genannten Meisterwerken.


(Stefan Schuster)