Camorra - Ein Bulle räumt auf
(Napoli Violenta)


Action/Thriller (Poliziotto), Italien 1976
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Vincenzo Mannino
Kamera: Sebastiano Celeste, Fausto Zuccoli
Musik: Franco Micalizzi
Produzent: Fabrizio De Angelis
Darsteller: Maurizio Merli, John Saxon, Barry Sullivan, Elio Zamuto, Maria Grazia Spina u.a.




Das Verbrechen herrscht in Neapel. Schutzgelderpressung, Raub oder Vergewaltigung - die Stadt befindet sich im Angstzustand. Der Kommissar Betti (Maurizio Merli) hat es sich zum Ziel gemacht, die Stadt von allen Verbrechern zu säubern und schreckt dabei vor keiner noch so grausamen Methode zurück. "Solange ich atme, entkommt mir keiner"!

Der Film beginnt wie ein typischer Poliziotto, wie sie im Italien der 70er Jahre in fließbandähnlicher Schnelle produziert wurden. Doch Regisseur Umberto Lenzi (Der Berserker, 1974; Die Viper, 1976) wäre nicht Lenzi, wenn er nicht einen Weg gefunden hätte den Film über den Durchschnitt zu heben. Die episodenhafte Struktur, die ganz bewusst die Übermacht des Verbrechens in Neapel zeigen soll, ist sehr reizvoll. Die Aneinandereihung von Gewalttaten erlebt in der heftigen Reaktion des Kommissars eine ebenso brutale Antwort. Wie so oft in italienischen Polizei- und Gansterfilmen der 70er hat es der Bulle nicht so mit Paragraphen und erledigt alles lieber wesentlich unkomplizierter im Alleingang. Politisch natürlich extrem unkorrekt, aber Liebhaber des Genres wissen ja was auf sie zukommt und wollen sowas ja auch sehen. Actioneiche Unterhaltung, die ohne viel drumherum gleich auf den Punkt kommt.
Maurizio "Mannaja" Merli gibt den Kommissar erneut sehr überzeugend. Inszinatorisch ist der Film auch sehr gut und er hält den Zuschauer auf Draht. Kameratechnisch ließ man sich auch nicht lumpen. Die Kameraführung ist sehr bemerkenswert und eine Motoradverfolgungsjag durch die Gassen Neapels, die teilweise aus der Sicht des Fahrers gefilmt ist, hat mich schon beeindruckt.

Mit einem beinahe depremierenden Ende spricht Lenzi dann noch eine deutliche Sprache: Ein kleiner Junge, der zu Beginn Autofahrer verarscht hat, in dem er hinkend über den Zebrastreifen lief und sie so warten lange ließ, läuft am Ende wirklich an Krücken. Das hat das Verbrechen aus ihm gemacht. Und es gibt auch durch einen Polizisten wie Betti keinen Ausweg aus der Misere.


(Stefan Schuster)