Chungking Express (Chung hing sam lam)
Tragikomödie, Hong Kong 1994
Regie: Wong Kar-Wai Drehbuch: Wong Kar-Wai Kamera: Christopher Doyle Musik: Frankie Chan Produzent: Yi-kan Chan Darsteller: Tony Leung Chiu-Wai, Faye Wong, Brigitte Lin, Takeshi Kaneshiro, Valerie Chow u.a.
Der Film von Regisseur Wong Kar-Wei (In the Mood for Love, 2046) erzählt zwei Geschichten aus dem Neon-Dschungel Hongkongs: Der junge melancholische Polizist 223 (Takeshi Kaneshiro) trauert seiner Liebe May nach. In einer Bar lernt er eine mysteriöse Frau (Brigitte Lin Chin-hsia) mit blonder Perücke kennen. Diese ist in diverse Verbrechen verstrickt und auf der Flucht vor ihren Auftraggebern. Etwa zur gleichen Zeit und ganz in der Nähe lernt ein anderer Polizist (Tony Leung Chiu-wai) die scheinbar unbekümmert in die Tag hinein lebende und als Bedienung in einem Fast-Food-Laden arbeitende Faye (Faye Wong) kennen. Heimlich hinterläßt sie kleine Liebesbeweise in seiner Wohnung. Auch er ist einst von seiner Freundin verlassen worden...

Man kann Chungking Express auf den ersten Blick sicher als Liebesdrama bezeichnen. Doch nicht im herkömmlichen Sinne, à la Hollywood. Wörtlich die Liebe gestanden wird in beiden Geschichten nicht, man spürt es einfach. Voll Poesie gelang Wong Kar-Wai ein schöner, erfrischender und bedächtiger Film über die Macht des Augenblicks, über Liebe, Sehnsucht und Vergänglichkeit.
Einige Experimente in Sachen Kamera (z.B. wackelige Handkamera) sind auch zu sehen, was die Geschichte nur unweit in den Hintergrund rückt. Wobei sowieso die Bilder wichtiger sind als jeder Dialog. Die gefühlvoll, aber nie zu übertrieben romantischen Szenen sprechen meist mehr als tausend Worte. Wobei auch die Dialoge teilweise sehr interessant sind und zum nachdenken anregen. Alle vier Hauptdarsteller kommen auch als Off-Sprecher zu Wort und erzählen über ihre Gefühle.
Beim schauen des Films wird man irgendwie auch ein Stückchen glücklicher (jedenfalls war es bei mir so). Ein Lebensfroher Film mit einer auf den Punkt gebracht eigentlich einfachen Message: Genieße den Augenblick!
Beide Episoden sind ähnlich genial, jedoch hat mir die Zweite (und auch längere) etwas besser gefallen. Die erste wirkt fast ein wenig unabgeschlossen... oder ich habe den Sinn einfach nicht verstanden, was ja bei asiatischen Filmen mit ihren Symboliken und natürlich auch oft aufgrund der fremden Kultur durchaus vorkommen kann.
(Stefan Schuster)
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