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Special
Roger Corman wurde am 5. April 1926 in Detroit, Michigan geboren. Als Jugendlicher interessierte er sich sehr für Naturwissenschaft, Physik und Mathematik, belegte in der High School alle entsprechenden Kurse. Außerdem aber las er viel Romane und Erzählungen, unter anderem die Werke von Edgar Allan Poe. So schwankte sein Interesse zwischen allem was mit Wissenschaft zu tun hatte - nicht zuletzt aufgrund des Einflusses seines Vaters der als Ingenieur arbeitete - und der Literatur hin und her. So schrieb er auch für die Schülerzeitung. Er wollte zwar in die Fußstapfen seines Vaters steigen, jedoch betrachtete er eine Karriere als Schreiber als eine Alternative falls es als Ingenieur nichts werden sollte. Er machte seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur, merkte aber schnell dass er mit dieser Arbeit nicht glücklich werden würde. Corman bewarb sich für den Job als Drehbuchredakteur bei 20th Century-Fox, den er wohl aufgrund seines absolvierten Graduiertenkurs in Literatur an der Oxforder Universität auch bekam.
Ein Regisseur, der mit einem sehr kleinen Budget auskommt, aber dessen Filme Gewinne einspielen war natürlich für Independent-Firmen sehr rentabel und so hatte er stets künstlerische Freiheit sowohl bei der Auswahl der Stoffe als auch bei den Dreharbeiten selbst. Cormans Filme aus dieser Zeit, die das meiste Aufsehen erregten waren die B-Movies im Genre des Science-Fiction und Beiträge zu den damals beim geneigten Publikum sehr populären Monster-Filmen Die Letzten Sieben (1955) und Die Wespen-Frau (1959). ![]() Blick aus dem Inneren der hungrigen Pflanze in Little Shop of Horrors Kurz nach Little Shop of Horrors begann Cormans erfolgreichste Zeit als Regisseur. Unter Vertrag stehend bei AIP, für die er zuvor u.a. She Gods of Chark Reef (1958) und Machine-Gun Kelly (1958) gemacht hatte, nahm er sich seinem Lieblingsschriftsteller Edgar Allan Poe an und wollte einen Zyklus mit Adaptionen von Erzählungen des Gruselmeisters machen - ein lange gehegter Wunsch. AIP war eine Independent-Firma, die sich mit ihren Filmen an ein junges Publikum orientierte, für ihre reißerische Auswahl an Filmstoffen und ihre Low-Budget-Produktionen bekannt war. Motorrad-Action und Angriffe von Riesenmonstern aller Art - dies waren ihre Themen. Die Filme liefen in Autokinos, die damals gerade bei Jugendlichen voll im Trend standen. Mit den Adaptionen der Poe-Stoffe zeigte sich AIP von ihrer qualitativ hochwertigen Seite. Natürlich ist dies Corman zu verdanken, der für AIP stets die Haupteinnahmequelle bedeutete und deswegen bei AIP machen konnte was er wollte. Gerade diesen Vorzug bei Independent-Labels genoss Corman immer: "Ich bevorzuge viel eher finanzielle Beschränkungen als die kreativen Beschränkungen der großen Studios." Etwas Überzeugungsarbeit kostete es dann aber doch, die AIP-Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff dazu zu bringen, neue Wege zu gehen. Corman meinte damals, dass Poes Geschichte "The Fall of the House of Usher" im Grunde auch eine Monsterstory sei, nur dass diesmal das Haus das Monster ist. Diese Erzählung wurde dann 1960 auch der erste Film der Reihe, welcher zu einem Erfolg bei Publikum und Kritik wurde.
Für die Hauptrollen in jedem seiner Poe-Filme holte Corman den zu dieser Zeit vor allem aufgrund André De Toth's House of Wax (1956) bereits als Horrorfilm-Star gefeierten Vincent Price vor die Kamera. Und durch die Arbeit dieser beiden Männer entstand etwas magisches, was jeder bestätigen wird der damals dabei war. Und die Filme spiegeln dies wieder. Es sind subtile, anspruchsvolle Gruselfilme um Macht, Verderben und menschliche Abgründe. Sie sind inszeniert mit einem Perfektionismus, der sich in der Auswahl des Dekors, der Farben, der Musik und auch sonst eigentlich in allem zeigt. Einige Kritiker sagen zwar, dass Cormans Filme nicht viel mit Poe zu tun haben und sie einfach Klassiker des Horrorfilms sind. Tatsächlich konstruierten die Drehbuchautoren manches Mal nur um Poe-Motive Rahmenhandlungen herum. Doch Corman wollte gar keine werkgetreue Wiedergabe der Geschichten, sondern seine freie Interpretation der Stoffe zeigen. Der Filmkritiker David Pirie drückte es so aus: "Kein Medium wäre für ihre Darstellung des träumerischen Aspektes von Poes Welt mehr geeignet als der Film, und das ist effektiv das, was Corman erkannt und geleistet hat." Auch Cormans Muse Vincent Price erkannte die Intentionen und seelischen Zustände der Poe-Charaktere genau, interpretierte sie und die Filme liegen damit wohl näher an Poes Gedankenwelt als jede exakte Verfilmung der Stoffe es je erreichen würde.
Den Filmen dieses Zykluses wird von ganz aufmerksamen Kritiker manchmal auch ein zeitgemäßer gesellschaftlicher Aspekt attestiert. In ihrer Studie über Edgar Allan Poe und Cormans Film The Haunted Palace (1963) beschreibt Eva-Maria Warth sehr gut die Absichten Cormans in den Poe-Adaptionen: "In der Revolte gegen tradierte Systeme und verhärtete gesellschaftliche Ordnungen erweisen sich die Protagonisten der Poe-Filme Cormans als Identifikationsfiguren für das zeitgenössische Publikum der Beat-Generation. Die Sozialkritik, die der Regisseur auf dem Hintergrund der Poe-Folie entwickelt, greift so den Grundtenor der mit der Jugendkultur verbundenen Protesthaltung auf, wobei das Thema der Zerstörung einer überalterten und dekadenten Welt sowie die Geburt einer neuen Ära im Mittelpunkt stehen." So kann man beispielsweise im Aufeinandertreffen des gealterten Roderick Usher mit dem jungen Philip Winthrop in House of Usher (1960) einen Generationenkonflikt sehen. Und Corman selbst meinte mal: "In den Sechzigern ging es um sexuelle Befreiung, bei Poe um unterdrückte Triebe. Letztlich passte das doch zusammen." Unter diesem Gesichtspunkt deutete sich hier schon an, was Corman Ende der 60er Jahre stark mitprägte: Die Modernisierung Hollywoods durch zeitgenössische Themen und auch das Ablehnen der traditionellen Heldenfiguren sowie allen Stereotypen im amerikanischen Kino. Das so genannte 'New Hollywood' war geboren. Hier zeigte sich Cormans Einfluss vor allem darin, dass er viele der Regisseure dieser Zeit des Umbruches wie beispielsweise Dennis Hopper, Martin Scorsese, George Lucas, Francis-Ford Coppola und Peter Bogdanovich entdeckte, förderte und ihnen Selbstvertrauen gab. Nach der verpassten Chance mit Easy Rider führte Roger Corman weiterhin ein Schattenleben in Hollywood, was ihn jedoch nie wirklich zu stören schien. Er verlagerte sich ab den 70er Jahren stärker auf den Job als Produzent, gründete die Produktionsfirma "New World" in Los Angeles mit Niederlassung in Europa, gab jungen Regisseuren die Chance sich zu verwirklichen und blieb seinem Konzept treu: Das Auswählen von Stoffen, die im Trend lagen um so möglichst viel Geld heraus zu schlagen. Ein Film wie Planet des Schreckens (1981) entstand vor allem um auf der Sciencefiction-Horror- Welle mitzureiten, die Ridley Scott's Alien zwei Jahre zuvor auslöste. Und einige Sets wurden im ebenfalls von Roger Corman produzierten Mutant - das Grauen im All (1982) einfach wieder verwendet.
Bei allem Erwähnen von Cormans Sparpolitik darf man aber auch nicht vergessen, dass er diese Beschränkungen auch oft mit einem künsterlischen Hintergedanken angenommen hatte. Die Außenaufnahmen bei Das Grab der Lygeia beispielsweise widersprachen seinem bis dato konsequent beibehaltenem Konzept der gewollten Künstlichkeit: "Freud mag wissenschaftlich genau dasselbe Thema erforscht haben, das Poe oder Baudelaire zuvor auf eine künstlerische Art verarbeitet hatten. Ich glaube, daß Poe die Macht und den Einfluss des Unterbewusstseins erkannt hatte. Für mich war die beste Art, das Unbewusste darzustellen, immer ein artifizieller, an die Grenzen des Studios gebundener Stil. Ich entschied mich also, niemals natürliche Außenaufnahmen zu machen. Wenn ich gezwungen war, das Studio zu verlassen, machte ich normalerweise immer Aufnahmen vom Ozean, denn ich glaube, dass das Meer eine komplexe Symbolik für die Menschen besitzt. ... Bis zu Tomb Of Lygeia hielt ich mich in den Poe-Filmen sehr strikt an diese Theorie."
Roger Corman, der stets Filme machte - egal ob als Regisseur oder Produzent - "die unter dem lagen, was vom Hollywood-Radar erfasst wurde" (Zitat Wes Craven), wurde 2009 dann aber doch große Ehre zuteil. Er erhielt in diesem Jahr den Ehrenoscar für ein herausragendes Lebenswerk. | ||||||||||||||||