Feind im Dunkel (The Dark Corner)
Krimi/Thriller, USA 1946
Regie: Henry Hathaway Drehbuch: Jay Dratler, Bernard C. Schoenfeld Kamera: Joseph MacDonald Musik: Cyril J. Mockridge Produzent: Fred Kohlmar Darsteller: Mark Stevens, Lucille Ball, Clifton Webb, William Bendix, Kurt Kreuger u.a.
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Privatdetektiv Bradford Galt (Mark Stevens), der kurz zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden ist, ist gerade dabei sich eine neue Existenz aufzubauen als er fest stellen muss, dass er verfolgt wird. Zusammen mit seiner Assistentin Kathleen (Lucille Ball) macht er sich auf die Suche nach dem Grund und findet heraus, dass ihn seine Vergangenheit einzuholen versucht. Und nicht nur sein ehemaliger Partner Jardine (Kurt Kreuger), der ihn damals ins Gefängnis brachte ist daran beteiligt, sondern auch ein "Feind im Dunkel"...
 Der Film Noir als ein rein amerikanisches Subgenre spiegelte stets die realen Situationen wieder, in denen sich das Land befand. Krieg und die Kriegsheimkehr der Soldaten, Emanzipation der Frauen, Angst der Gesellschaft vor atomaren Waffen und andere wirtschaftliche und politische Dinge, reflektierten die meisten Filme dieses Subgenres. Der Autor Paul Werner geht darauf in seinem Buch über den Film Noir intensiv ein: "Der Film Noir folgt bis in die feinsten Verästelungen hinein den gesellschaftlichen Veränderungen im Amerika der vierziger und frühen fünfziger Jahre, wenn sich in ihm - im Gegensatz zum Gangsterfilm der Dreißiger etwa - auch keine direkte Sozialkritik festmacht. Ihn interessiert alles explizit Gesellschaftliche nur am Rande. Er zeigt stattdessen die moralischen und psychischen Verirrungen von Individuen, die sich von ihrem sozialen Umfeld längst gelöst haben oder zu diesem in einem höchst vagen, negativen Verhältnis stehen." Werner beschreibt in seinem Buch drei Entwicklungsphasen des Film Noir. Die Romantik von 1940 bis 1945, die Entfremdung von 1945 bis 1949 und die Obsession von 1949 bis 1954.
Der Film Feind im Dunkel gehört sowohl der Entstehungszeit aber vor allem den Themen dieser Phase nach zur Entfremdung. Das Hauptthema dieser Phase war das der Nachkriegszeit in den USA, als die Soldaten, die einst als Helden gefeiert wurden, feststellen mussten, dass nichts heroisches auf sie wartete. Depressionen waren nicht selten die Folge, auch weil sie ihren Angehörigen fremd geworden waren und umgekehrt. Die Frauen sind unabhängiger geworden und die Kinder älter. Die Veteranen stellten bald fest, dass ihnen mehrere Jahre verloren gegangen sind und die Welt eine andere geworden war.
Feind im Dunkel handelt von einem entlassenen Sträfling, dessen Wiedereingliederung in die Gesellschaft für ihn ähnlich schwer ist wie die eines Veteranen. Paul Werner beschreibt es in seinem Buch über den Film Noir so: "Der entlassene Sträfling kämpft hier mit den gleichen Problemen wie der Kriegsheimkehrer. Auch er versucht wieder in der Gesellschaft Fuß zu fassen, wird von anonymen Mächten bedroht, gegen die er kaum etwas unternehmen kann, und findet sich in einer "dunklen Ecke" wieder", aus der es kein Entrinnen gibt." Der Originaltitel des Films lautet The Dark Corner.
Regisseur Henry Hathaway, der später mit Niagara (1953) und Marilyn Manroe in der Hauptrolle einen Klassiker der Filmgeschichte schuf, wird gern bezeichnet als ein Filmemacher, der seine Schauspieler zu höchstleistungen gebracht hat. Tatsächlich ist die Darstellerregie in Feind im Dunkel ausnahmslos perfekt überzeugend. Mark Stevens als nicht gerade zimperlicher Detektiv und alles andere als ein typischer Held, der gegen sein Schicksal kämpft ist fesselnd anzuschauen. Dann haben wir Clifton Webb als geheimnisvollen und zwilichtigen Kunstgalerie-Besitzer, der die ganze mysteriöse Aura der Rolle super rüber bringt. Und natürlich die schöne Lucille Ball. Wie ein Jahr später in Angelockt (1947) spielt sie eine toughe Frau mit eigenem Willen. Gerade in der Zeit, als der Film entstand, ist dies etwas besonders und ganz speziell in einem Film Noir, der in dieser Entwicklungsphase die Frauen normalerweise entweder als schwach und Opfer der männlichen Aggressionen darstellte, oder als Femme Fatale, die die Männer in den Abgrund stürzen. Die Rolle von Lucille Ball ist dagegen als modern zu bezeichnen, sogar noch aus heutiger Sicht. Beispielsweise geht sie auf allzu oberflächlich-charmante Sprüche von Bradford Galt nicht nur nicht ein, sondern hat dem auch meist noch einen schlagfertigen Spruch entgegen zu setzten. Im nachhinein betrachtet passen die Rollen die Lucille Ball sowohl in Feind im Dunkel als auch in Angelockt spielt zu ihrer weiteren Karriere. Sie war wohl auch im privaten Bereich stets eine starke Frau, denn sie leitete von 1962 bis 1967 eine Produktionsfirma (die "Desilu-Productions") und war damit zu dieser Zeit die einzige Frau in Hollywood, die an der Spitze einer großen Produktionsfirma stand.
(Stefan Schuster)
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