Das dritte Auge (Il Terzo occhio)
Thriller (Giallo), Italien 1966
Regie: Mino Guerrini (als James Warren) Drehbuch: Gilles De Reys, Mino Guerrini (James Warren), Piero Regnoli (Dean Craig) Kamera: Alessandro D'Eva (Sandy Deaves) Musik: Francesco De Masi (Frank Mason) Produzenten: Luigi Carpentieri, Ermanno Donati (Louis Mann) Darsteller: Franco Nero, Erika Blanc, Gioia Pascal, Olga Solbelli, Richard Hillock u.a.
Der an einem Ödipuskomplex leidente Mino (Franco Nero) lebt mit seiner Mutter und der Haushälterin in einem Schloss an der italienischen Küste. Ein paar Tage vor seiner Hochzeit mit der attraktiven Laura (Erika Blanc), verunglückt diese. Die eifersüchtige Haushälterin hat auf ihr eigenes Verlangen und Drängen der Mutter hin die Bremsen des Autos manipuliert. Kurz darauf wird seine Mutter ermordet. Der labile Mino verliert mehr und mehr den Verstand und beginnt, wahllos junge Mädchen zu töten. Eines Tages erhält er Besuch von einer Frau, die seiner toten Geliebten Laura ungewöhnlich ähnlich sieht...
Der Film ist ein sehr ambitionierter Psycho-Thriller. Bewusst künstlich inszenierte Regisseur Mino Guerrini (unter dem Pseudonym James Warren) eine trügerische Idylle. Die Bildkompositionen in Schwarz-Weiss wissen zu gefallen und auch Kameratechnisch bietet er einige nette Kniffe. Schauspielerisch haben wir mit Franco Nero (kurz vor seinem internationalen Durchbruch mit Django) und Erika Blanc zwei Größen des italienischen Films vor uns, die ihre Sache auch sehr gut machen. Gerade Neros sehr theatralisches und an anderer Stelle vielleicht als zu affektiert zu bezeichnendes Spiel fügt sich in die morbide Atmosphäre gut ein. Leider hat der Film aber dann doch mehr Schwächen als Stärken. Er schöpft sein Potential nicht aus, verschenkt einiges an Spannung und schafft es nicht sich vollends zu entfalten. Man ließ sich wenig Zeit mit dem Erzählen der Handlung, alles geschieht sehr schnell und leider damit auch manchmal unglaubwürdig. Inspiriert von Alfred Hitchock's Psycho (1960) wirkt der Film dann auch wie ein etwas missratenes Kind des Meisterwerks vom Hitch. Bedenkt man aber, dass das Das dritte Auge wiederum als Vorlage für Joe D'Amato's gorehaltigen und oft überbewerteten Horrorfilm Sado - Stoss das Tor zur Hölle auf (1979) diente, könnte man Guerrini's Film als kleinen Klassiker bezeichnen. Auffällig ist, dass die gesamte Film-Crew vom Regisseur, über Editor bis hin zu den Produzenten unter amerikanisch klingenden Pseudonymen arbeiteten und diese folglich auch im Vorspann so aufgeführt werden. Damit wollte man wohl die Verwandschaft mit Hitchcock's Psycho zusätzlich verdeutlichen. Davon abgesehen das er nie an die Klasse der Vorlage heran kommt, ist dies auch in sofern grotesk als dass er die italienische Machart in keinster Weise verbergen kann.
(Stefan Schuster)
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