Tanz der Teufel 2
(Evil Dead 2)

Horror/Splatter/Komödie, USA 1987
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Sam Raimi, Scott Spiegel
Kamera: Peter Deming
Musik: Joseph LoDuca
Produzenten: Robert G. Tapert, Bruce Campbell
Darsteller: Bruce Campbell, Sarah Berrym, Dan Hicks, Denise Bixler, Kassie DePaiva u.a.




Die Story dürfte hinlänglich bekannt sein. Deshalb steige ich sofort ein in den Vorspann dieser Kritik, mit dem ich mir sicher nicht viele Freunde machen werde. Also, "Swallow this!": Mich verwundert wenig, warum Sam Raimi mit Evil Dead 2 weniger ein Sequel als ein Remake seines ersten Filmes von 1982 drehte. Zwar ist Evil Dead als ein wichtiger Film für die Entwicklung des modernen Horrorfilms zu bezeichnen, bei Licht betrachtet ist es allerdings ein Film dem man sein Mini-Budget an allen Ecken und Enden ansieht. Die Special Effects sehen teilweise fast schon lächerlich aus und die Stop-Motion-Animationen enttäuschen technisch ebenfalls und erzielten zumindest bei mir nicht ihre beabsichtigte Wirkung. Von vielen Gorehunts und anderen Horror-Fans wird der Film in den Himmel gelobt, was ich schlicht für überbewertet halte. Sicherlich hat der Film seine Qualitäten, weshalb auch ich ihn als Meilenstein des Genres bezeichnen kann. Kameratechnisch ist er erste Sahne. Die halsbrecherischen und bis dato nie gekannten "Point-of-View"-Kamerafahrten sind atemberaubend. Genial auch die Szene im Wald, als eine der weiblichen Charaktere von POV-Aufnahmen "beobachtet" wird und die Bäume plötzlich zum Leben erwachen und die Frau vergewaltigen. Die Szene ging zu recht in die Geschichte der schaurigsten Horrorfilm-Szenen überhaupt ein.

Mit der grandiosen Kameraarbeit möchte ich das Review zu Evil Dead 2 auch beginnen, die die aus dem Vorgänger noch übertrifft. Bewerkstelligt wurden die schnellen Kamerafahrten, (in Evil Dead 2 beispielweise wenn Ash von der bösen Macht durchs Haus gejagt wird) übrigens mit einer Kamera die vorn auf ein Motorrad geschnallt wurde und von einem Stuntman gefahren wird. Überhaupt ist Evil Dead 2 ein Paradebeispiel an handwerklichem Geschick, dass ein Low-Budget nicht erkennen lässt. Sam Raimi und sein Effekt-Team haben anscheinend einiges aus den Fehlern des Vorgängers gelernt. Die Kameratricks und Dekorationen sind auch heute noch erstaunlich. Ein schönes Beispiel dafür ist die Szene mit Ash's eigener "evil hand", die über den Boden krabbelnd. Dafür wurde ein langes Loch in den Boden gemacht, und ein Crew-Mitglied steckte seine Hand aus der Öffnung. Der vom Körper abgetrennte Stumpf wurde seitlich an die Hand angeklebt. Durch die Kamera-Einstellung kann man das Loch im Boden nicht sehen. Sam Raimi war am Set sehr spontan mit seinen Ideen zu Effekten und überraschende sein Team mit Einfällen, die nicht im Drehbuch standen. Aber so ziemlich alles wurde mit viel Enthusiasmus und Freude umgesetzt.
Beinahe die gesamte Produktion (bis auf die Szenen im Wald natürlich) vollzog sich in einer alten Schule. Die Latex-Masken und Körper aus Fiberglas der Monster wurden in einem Unterrichtsraum hergestellt, die Sets in einer Turnhalle aufgebaut. Dabei lieferten die Crew (zum diesem Zeitpunkt alles noch Amateure) richtig gute Arbeit ab. Die Latex-Monster sind sicherlich keine ultra-erschreckend aussehenden Dinger, aber zehnmal besser als im Vorgänger und für einen Low-Budget-Film sehr überzeugend. Teilweise ist dies aber auch bewusst comic-artig gehalten, wie der gesamte Film. Er ist nicht unfreiwillig komisch wie Evil Dead, sondern ohne Übertreibung eine der besten Horror-/Splatterkomödien aller Zeiten. Man merkt ständig Sam Raimis Liebe zum Slapstick. Der Fan der US-Comedy-Serie The Three Stooges der 30er und 40er Jahre baute sogar ein paar Gags dieser Serie in seinen Film mit ein. Ein Beispiel: Die Szene in der auf die Falltüre getreten wird und das Auge des Monsters raus und direkt in den Mund von Bobbie Joe fliegt. Dies ist ein Three Stooges-Gag, nur dass man sich hier gegenseitig mit Trauben beschossen hat und eine eben im Mund landete. Den Comic-Stil unterstreicht auch das immer abwechselnd mal schwarze, mal violette oder grüne Blut. Es ist nie rot, wie man sich echtes Blut vorstellt. Ein zweiter Gedanke für diese Idee zu der Farbe von Blut war aber selbstverständlich, dass man so die FSK milde stimmen wollte.

Sam Raimi muss man wirklich als einen Meister der Vereinigung von Splatter-Horror und Humor bezeichnen. Denn beide Aspekte sind voll ausgeprägt und perfekt ausbalanciert. Was Raimi in seinem ersten Film nur ansatzweise gelang, nämlich eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen, schaffte er hier ganz konsequent bis zum Ende. Das Spiel von Hauptdarsteller Bruce Campbell ist eine Lehrstunde wie man Angst, Schrecken und Verzweiflung gepaart mit Entschlossenheit überzeugend darstellt. Doch auch er vereint in seiner Darstellung Horror mit humorvollen Einlagen wunderbar. Übrigens spielte er die geniale Szene, in der er völlig ausrastet, sich selbst Teller auf den Kopf schlägt und durch die Gegend schleudert höchstpersönlich. Diese Stunts wirken selbst in Zeitlupe abgespielt noch schnell.

Das Ende des Films ist dann gleichzeitig auch schon der Beginn des dritten Teils der Evil Dead-Reihe, Die Armee der Finsternis (1992). Mit noch mehr Humor und etwas weniger Horror schlägt sich Bruce Campbell hier als Zeitreisender mit Schotflinte durchs Mittelalter. Ebenfalls ein phantasievoll ideenreicher und sehr unterhaltsamer Spaß.


(Stefan Schuster)