Faster, Pussycat! Kill! Kill!
Thriller, USA 1965
Regie: Russ Meyer Drehbuch: Jack Moran, nach einer Story von Russ Meyer Kamera: Walter Schenk Musik: Igo Kantor Produzent: Russ Meyer Darsteller: Tura Satana, Haji, Lori Williams, Stuart Lancaster, Paul Trinka, Susan Bernard u.a.
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Die drei Go-Go-Tänzerinnen Varla (Tura Satana), Rosie (Haji) und Billie (Lori Williams) haben genug von ihrem Job und den lüsternen Männern. Sie hauen mit ihrem Auto in unbestimmte Richtung ab. An einer Tankstelle erfahren sie von einer Ranch und einem dort lebenden alten Sack mit viel Geld. Die drei beschließen dort unter einem Vorwand hinzufahren und den Alten auszunehmen. Dieser lebt auf seinem "Anwesen" zusammen mit seinen zwei Söhnen. Die Männer sind zunächst erfreut über den Damenbesuch, doch bald merken sie worauf es die Frauen wirklich abgesehen haben und um an ihr Ziel zu kommen auch vor Mord nicht zurück schrecken...
Ausnahmsweise habe ich mal nicht den deutschen Video-, bzw.- DVD-Titel angegeben, denn der hört sich wirklich selten dämlich an, obwohl sich deutsche Titelgeber in der Filmgeschichte oft skurrile Sachen einfallen haben lassen. Aber wer sich Die Satansweiber von Tittfield ausgedacht hat, muss entweder viel oder gar keine Phantasie besitzen.
Der Film jedenfalls gilt zu recht als Wegbereit für viele ähnlich gelagerte Exploitation-Filme wie Switchblade Sisters (1975) von Jack Hill, in denen Frauen die Hauptfiguren spielen und Männern in Sachen Gewaltbereitschaft in nichts nachstehen. Der Film entstand noch bevor die Emanzipationsbewegung Ende der 60er Jahre richtig los ging und hat zu dieser Bewegung auch viel beigetragen, sagt man sich zumindest. In den 90er Jahren erlebte er in der lesbischen Szene eine große Renaissance. Es ist schwer heute zu beurteilen wie viel der Film wirklich für die Frauenbewegung getan hat und auch weiß ich nicht, was er in lesbischen Kreisen wirklich bedeutet. Jedoch würde ich nicht sagen, dass der Film feministisch ist. Genauso wenig wie Kult-Regisseur Russ Meyer Feminist war. Bekannt wurde der ungekrönte Busen-König durch seine billig produzierten Sexfilme, die er meist mit Frauen mit großen Brüsten besetzte. Filme wie Vixen (1968), Supervixens (1975) und Megavixens (1969; im Original Cherry, Harry and Raquel, also keine Vixen-Triolige) sind Filme mit viel Sex, aber auch Gewaltszenen. Seine Werke, die damals als Pornographie galten heute aber höchstens noch als Softcore bezeichnet werden können, werden auch Sex & Crime-Movies genannt oder mit dem Fachausdruck Sexploitation betitelt. Er revolutionierte den Sexfilm und sein Einfluss auf die Darstellung von Nacktheit und Sex im Medium Film war ohne Zweifel enorm. Vixen hat eine Szene, in der eine Frau eine andere verführt. Zwar wird der Sex zwischen den beiden nur angedeutet, aber wie sich die beiden Frauen berühren ist sehr erotisch und lesbische Liebe so offen gezeigt war damals neu. Es sollte nicht Meyers einzige Lesbenszene in seinen Filmen bleiben, was seinen Bekanntheitsgrad in der gleichgeschlechtigen Frauenbewegung festigte. Mit Der unmoralische Mr. Teas (1959), sein erster Spielfilm, drehte er einen Nudistenfilm, der sich von anderen zu dieser Zeit aber abhebte aufgrund seines Humors. Es geht um einen Mann, der gerne Frauenbrüste betrachtet - wie Meyer zu Lebzeiten (er starb am 18. September 2004 als sicher glücklicher Mann) selbst. "Wenn ich mich nicht so sehr für Busen interessiert hätte, hätte aus mir vielleicht ein großer Filmemacher werden können.", sagte Meyer einmal.
Und genau diese Vorliebe für Frauenbrüste und die Tatsache, dass er diese auch gerne und oft in seinen Filme zeigte, hat zur Folge das seine Filme vor allem von Männern gesehen werden - und eben nicht von Frauen. Der Verdienst von Meyer besteht eher darin, dass er wie in Faster Pussycat! Kill! Kill! konsequent typisches Männerverhalten den Frauen zuordnet. Hier nimmt nicht der Mann die Frau an der Hand, sondern die Frau den Mann. Was natürlich auch auffällt ist, dass die Männer in vielen seiner Filme und ganz besonders auffallend in Faster Pussycat! Kill! Kill! als armseelige Würstchen oder geile Böcke dar gestellt werden und die Frauen sind ihnen in vielerlei Hinsicht überlegen. Gerade der Muskelprotz unter den Söhnen des Alten ist der hirnloseste von allen. Dass Varla und die anderen Pussycats am Ende für ihr Verhalten bezahlen, liegt nicht daran dass sie Frauen sind die sich gegen das Frauenbild der damaligen Zeit aufgelehnt haben, sondern schlicht und ergreifend weil sie Verbrecher sind. Genau wie Männer in Gangsterfilmen für ihre Taten bezahlen.
Der Film ist ein Höchstgenuss auf B-Movie- Niveau. Ein großes Vergnügen mit allen Zutaten, die ein guter Exploitation-Film braucht: Gewalt, Action, coole Musik, Witz und Sex. Letzteres fällt in Faster, Pussycat! Kill! Kill! zwar im Vergleich zu den meisten anderen Filmen von Meyer eher weniger durch nackte Tatsachen auf, aber wie sich die Damen benehmen ist schon sehr reizvoll. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass das auch Frauen so empfinden. Die drei Mädels geben sich einfach unglaublich selbstbewusst und wissen genau was sie wollen. Ihr toughes Verhalten macht sie sehr sexy. "I never try anything. I just do it." sagt die Anführerin Varla und bricht ohne Probleme einem ihr von der Statur eigentlich nicht unterlegenen Mann das Genick. Dargestellt wird Varla von Tura Satana, die japanischer, halb cherokee-indianischer Herkunft ist und durch ihre äußere Erscheinung die Idealbesetzung für die dunkle Anführerin ist. Satana hat durch diesen Film auch einen gewissen Kultstatus unter Fans erreicht. Zu Beginn ihrer leider eher mageren Karriere war sie zu sehen als mehr oder weniger Statistin in den Hollywood-Produktionen Das Mädchen Irma la Douce (1963) mit Jack Lemmon sowie Shirley MacLaine und Wer hat in meinem Bett geschlafen? (1963) mit Dean Martin. Die einzigen Filme in denen sie noch größere Rollen spielte waren 1968 in der Trash-Granate Astro-Zombies und der B-Actioner The Doll Squad (1973).
Faster Pussycat! Kill! Kill! ist handwerklich sehr gut gemacht, was man von den meisten Meyer-Filmen behaupten kann (jedenfalls ich von denen, die ich bisher gesehen habe). Man merkt dem Film in seinen ausgefallenen Kamerawinkeln, Detailgenauigkeit in der Inszenierung und Kameraarbeit allgemein einen gewissen Perfektionismus an. Meyer setzte auf Kamerastellungen oft aus einem sehr tiefen Blickwinkel, um die Darstellerinnen noch voluminöser, größer oder bedrohlicher wirken zu lassen. Rasante Schnittfolgen geben dem Film ein hohes Tempo. Er befindet sich sogar im Archiv des New Yorker Museum of Modern Art*. Russ Meyer hatte recht mit seiner weiter oben bereits zitierten Aussage, dass aus ihm ein großer Filmemacher hätte werden können. Aber ich bin nicht traurig, dass er es nicht geworden ist.
*Das Museum of Modern Art in New York ist eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst der Welt. In der Abteilung Film befinden sich neben Faster, Pussycat! Kill! Kill! und einigen Filmen von Alfred Hitchcock u. a. auch George A. Romero's Die Nacht der lebenden Toten und Tobe Hooper's The Texas Chainsaw Massacre.
(Stefan Schuster)
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