Frauen in Ketten
(Black Mama, White Mama)


Action/Thriller, USA/Philippinen 1972
Regie: Eddie Romero
Drehbuch: H.R. Christian, Story von Joe Viola und Jonathan Demme
Kamera: Justo Paulino
Musik: Harry Betts
Produzenten: John Ashley, David J. Cohen, Eddie Romero
Darsteller: Pam Grier, Margaret Markov, Sid Haig, Lynn Borden, Zaldy Zschornack u.a.

Als die schwarze Prostituierte Lee Daniels (Pam Grier) und die weiße Guerillakämpferin Karen (Margaret Markov) in einem lateinamerikanischen Frauengefängnis in Streit geraten, werden die beiden ungleichen Frauen mit Handschellen aneinander gekettet. Als sie verlegt werden sollen, wird der Transport von Karens Revoluzzer-Genossen überfallen und den Frauen gelingt die Flucht. Gejagt werden sie von nun an sowohl von der Polizei als auch den Schergen von Lee's ehemaligen Zuhälter, da diese ihm eine Menge Geld veruntreut hat.

Frauen in Ketten wird aufgrund des Mitwirkens der schwarzen Leinwandgöttin der 70er Jahre Pam Grier oft zum Subgenre des Blaxploitation gezählt, was aber nicht richtig ist. Der Film bedient die (vor allem bei Männern beliebten) "Women in Prison"- Flicks jener Zeit. Die Idee eines "WiP"- Filmes mit Pam Grier hat Regisseur Eddie Romero selbstverständlich Jack Hill's B-Movie-Klassikern The Big Doll House (1971), The Big Bird Cage (1972) zu verdanken. Und die Story ist natürlich schamlos geklaut aus dem Hollywood-Klassiker Flucht in Ketten (1958) mit Tony Curtis und dem Vorzeigeschwarzen des damaligen Hollywood-Kinos Sidney Portier, nur das diesmal Frauen in die Hauptcharaktere sind. Aber "Exploitation" bedeutet nunmal "Ausbeutung", also wen störts. Der Film ist sehr unterhaltsam und darauf kommt es bei einer solchen Produktion auch an. Regisseur Romero versuchte im Gegensatz zu Jack Hill nicht wirklich sozialkritische Aspekte mit einzubringen. Ihm ging es in erster Linie darum, nackte Frauenkörper zu zeigen und Action zu präsentieren, die nicht nach sonderlich viel Hirn verlangt. Zumindest hat man das Gefühl, denn bedeutungssschwangere Dialoge oder ähnliches was einen Denkanstoss in welche Richtung auch immer geben könnte, sucht man vergebens. Aber wie bereits geschrieben, in diesem Falle entschädigen zumindest für einen Mann die hübsch anzusehenden und recht zeigefreudigen Darstellerinnen sowie die actionreiche Inszenierung. Was fehlt sind ganz klar Überraschungen oder Storywendungen. Aber einige witzige Einlagen wie der Penislängen-Vergleich machen auch das wieder wet. Schauspielerisch bewegen sich alle Darsteller auf solidem Niveau, wobei bis auf Pam Grier, Margaret Markov und dem wie immer genial aufspielenden Sid Haig niemand sonst besonders auffällt.
Ihr merkt schon, man muss wirklich gefallen an solchen Produktionen finden, ansonsten sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Da ich sie aber sehr schätze, fällt meine Kritik nunmal positiv aus. Es gibt aber definitiv Exploitation-Filme, die ich Einsteigern in dieses Liebhaber-Genre eher empfehlen würde.


(Stefan Schuster)