Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling (Bom yeoreum gaeul gyeoul geurigo bom)
Drama, Südkorea/Deutschland 2003
Regie: Kim Ki-Duk Drehbuch: Ki-duk Kim Kamera: Dong-hyeon Baek Musik: Ji-woong Park Produzent: Seung-jae Lee, Karl Baumgartner Darsteller: Oh Young-Su, Kim Jong-Ho, Seo Jae-Kyung, Kim Ki-Duk, Kim Young-Min u.a.
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Der Film zeigt zunächst einen kleinen Mönch und seinen Meister, die in einem kleinen Tempel mitten im See leben. Im Laufe der Zeit wird der Junge immer älter und verliebt sich in eine kranke Frau, die in den Tempel kommt um sich heilen zu lassen. Als dem Meister die Zuneigung der Beiden zu stark wird, schickt er die junge Frau fort. Der junge Mönch folgt ihr und erst Jahre später kommt er wieder zurück. Er hat ein schreckliches Verbrechen begangen und will an dem Ort, an dem er aufgewachsen ist, seine Seele wieder reinigen...
Soweit die (simple) Geschichte, die Regisseur Kim Ki-Duk in dem in Deutschland co-produzierten Film erzählt. Alles ist wunderschön verpackt und visuell prachtvoll inszeniert. Jedes Bild ist ein Genuss. Der Film strahlt eine ausgesprochene Stille aus. Es wird nicht viel gesprochen, die Bilder sprechen hier eine deutliche Sprache.
Jedoch in gewisser Hinsicht für meinen Geschmack ein wenig zu deutlich. Ich halte Kim Ki-Duk für einen sehr guten Regisseur (sein drei Jahre zuvor entstandener Film Seom ist ein Meisterwerk), aber bei diesem Film hier lässt er seine religiöse Seite ein bisschen zu weit raushängen. Vielleicht ist als Hintergrundwissen interessant, dass Ki-Duk kein Buddhist sondern Katholik ist. Er wollte bevor er Regisseur wurde allerdings sogar mal Mönch werden (er sebst spielt den Mönch in den Episoden "Winter" und "... und Frühling"). Sein Hang zum Buddhismus und dem positiven Grundgedanke der achtsamen Lebensweise ist zwar zu spüren, jedoch verliert er sich oft in vielen Dingen, die ich persönlich nicht für gut heißen kann. Da inszeniert er eine wunderschöne Liebesgeschichte zwischen dem jungen Mönch und der jungen Frau und nur wenig später stellt es Ki-Duk als Sünde da, um die der Junge um Vergebung beten muss. Klar, in das Leben eines Mönchs passt die Liebe wohl nicht. Aber wenn dies wirklich das Mönchsleben ist, dann kann ich damit nun absolut überhaupt nichts anfangen. Der Satz "Begierde führt zu Abhängigkeit, Abhängigkeit führt zu Mordgedanken" des alten Mönchs ist ziehmlich oberflächlich und bringt die simple Philosophie des Films auf den Punkt. Auch als der jungen Mönch ins weltliche Leben geht und erst viele Jahre später wieder zurückkommt, zeigt sich eine bedenkliche Message. Der Junge hat einen Mord begangen. Heißt das also, wenn man zu sehr an weltlichen Dingen hängt, wird man irgendwann zum Mörder? Ist die einzige Alternative nur Beten und Glauben? Dies zeigt eine traurige Seite des Buddhismus - meiner Meinung nach.
Wenn man mal von der Religion absieht und den Film mit Verstand sieht, ist es ein moralisch sehr fragwürdiger Film. Mit Verstand kommt man hier nicht weit, denn ein weiterer Negativpunkt ist die Überladung von religiösen Symboliken. Ständig geißelt sich jemand, weil er eine "Sünde" begangen hat.
Kim Ki-Duk hat hier einen Filmen geschaffen, der den Buddhismus nicht nur einseitig beleuchtet, sondern auch nur unzulänglich. Wer sich über die Religion wirklich informieren möchte, sollte lieber zu einem Buch greifen oder sich den Film Warum Bodhi-Dharma in den Orient aufbrach? (1989) ansehen. Der beleuchtet den Buddhismus meiner Meinung nach um einiges besser. Auch hier ist es nur schwer, den Verstand zu gebrauchen. Aber nicht wie in Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling, wo einige seltsamen Philosophien und beängtigende Einfachheiten zu Tage kommen. Sondern im Sinne von: 'Weisheit ist nicht zu vermitteln.' Der Film zeigt den Buddhismus in seiner ganzen Hülle und Fülle.
Im Gegensatz zu Kim Ki-Duks Film versucht Warum Bodhi-Dharma in den Orient aufbrach? auch nicht auf biegen und brechen KUNST zu sein. Denn eines der größten Probleme von Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling ist seine Anbiederung ans internationale Arthaus-Publikum.
(Stefan Schuster)
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