Das Gesicht (Ansiktet)
Drama, Schweden 1958
Regie: Ingmar Bergman Drehbuch: Ingmar Bergman Kamera: Gunnar Fischer Musik: Erik Nordgren Produzent: Allan Ekelund Darsteller: Max von Sydow, Ingrid Thulin, Gunnar Björnstrand, Naima Wifstrand, Bengt Ekerot u.a.
Dieser sehr eindringliche und unheimliche Film von Ingmar Bergman spielt Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Jahrmarktsmagier Dr. Vogler (Max von Sydow) wird dazu genötigt, mit seiner Truppe vor den Honoratioren einer Kleinstadt aufzutreten, die die Darbietungen als Schwindel entlarven wollen. Als Gegenleistung für den empfangenen Spott versetzt er sein aufgeklärtes Publikum durch ausgeklügelte Tricks in Angst und Schrecken...
In fast allen seinen Filmen beschäftigte sich Ingmar Bergman (Die Jungfrauenquelle, 1960; Die Stunde des Wolfs, 1968) mit Mythologie, Religion und Glaube. Dabei blieb er jedoch immer objektiv, kritisch und ließ den Zuschauer immer selbst interpretieren. In dem teilweise als Kammerspiel inszenierten Film Das Gesicht beschäftigt er sich insbesondere mit dem Glaube an übernatürliche Kräfte und der Frage nach der Beschaffenheit der Realität. Die Leute, vor denen die Magiertruppe auftreten soll, besteht unter anderem aus dem Konsul Egerman und einem Naturwissenschaftler namens Dr. Vergèrus, die zuvor gewettet haben, ob es die Kräfte der Magie wirklich gibt. In gewisser Weise führt Bergman in seinem Film (auf teils amüsante, teils gruselige Art) auch die geistige Beschränktheit von zu engstirnig denkenden Kleinbürgern vor. Dies jedoch nicht oberflächlich, sondern in einer sehr ästhetischen und eindringlichen Bildsprache verpackt. Es bleibt auch genug Platz für eigene Interpretationen, die zwar im Kopf entstehen, für mich jedoch schwer in Worte zu fassen sind.
Da sich der Magier im Film ebenso wie der Filmemacher mit dem Erzeugen von Illusionen beschäftigt, kann man den Film auch als Reflexion über das Filmemachen und die Reaktion des Publikums zu deuten.
Die Atmosphäre ist wie bei Bergman's Filmen gewohnt fesselnd. Die minimalistische Musik mit den leisen Gitarrenklängen trägt ihren Teil dazu bei, genau wie die darstellerischen Leistungen. Bergman's Stammschauspieler Max von Sydow agiert als wortkarger Magier genial einfach und einfach genial. Ich weiß nicht ob Bergman daran dachte, aber die Figur des verachteten Illusionist wurde zu der Zeit als der Film ins Kino kam mit der gemarterten Künstlergestalt des Jesus Christus verglichen. Dieser Vergleich löste damals heftige Diskussionen aus. Ich selbst empfand die Ähnlichkeit als nicht so stark, doch bei Bergman weiß man nie. Der Regisseur war in seinen filmischen Aussagen immer sehr vage und offenbarte dem Zuschauer so gut wie nie seine wirkliche Absicht.
(Stefan Schuster)
|