Heiße Katzen (Deadlier than the Male)
Spionagethriller, Großbritannien 1966
Regie: Ralph Thomas Drehbuch: Jimmy Sangster, David Osborn, Liz Charles-Williams Kamera: Ernest Steward Musik: Malcolm Lockyer Produzent: Betty E. Box Darsteller: Richard Johnson, Elke Sommer, Sylva Koscina, Nigel Green, Suzanna Leigh u.a.
| | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | | |
 |
Dieser Film, der im Original den weitaus gewählteren Titel Deadlier than the Male trägt, ist ein richtig kleiner liebenswerter B-Thriller. Im "swingin' sixties style" präsentiert sich eine an die James Bond- Filme angelehnte Story, bietet aber anders als die Bond-Filme noch mehr Humor und eine ganze Wagenladung von Bondgirls. Trotz der Low-Budget Produktion war der Film damals sehr erfolgreich in England. Immerhin konnten die Produzenten den zu jener Zeit sehr gefragten Richard Johnson (Bis das Blut gefriert, 1963) vor die Kamera holen und hatten mit der deutschen Darstellerin Elke Sommer (sehr lecker im Badezug) und der kroatischen Schauspielerin Sylvia Socina zwei absolute Schönheiten an Bord. Auch die Ausstattung ist - besonders für ein B-Movie - sehr aufwendig. Ich war jedoch ein kleines bisschen enttäuscht. Aufgrund des Titels, der unabhängigen Produktion und dem Konzept, tödliche Frauen auf die (Männer-)Welt los zu lassen, erwartete ich einen Film à la Jack Hill's Coffy (1973) oder Russ Meyer's Faster, Pussycat! Kill! Kill! (1965), in dem High-Budget-Produktionen des Subgenres der Spionage- bzw. Agententhriller vielleicht auch etwas auf die Schippe genommen werden. Die erste halbe bis dreiviertel Stunde ist auch richtig schön trashig und ich war begeistert von der knallbunten Inszenierung. Doch umso mehr die Story auf das Finale zuging, wurde aus dem Trash-Spektakel ein Film, der seine Vorbilder wie James Bond nicht persifliert, sondern versucht nachzuahmen. Richard Johnson, der zu Beginn noch sehr sympathisch wirkt, wird im Laufe des Films immer mehr zu einer schlechten Imitation Sean Connerys degradiert. Und der Arme kann sich gegen das Drehbuch nicht wehren.
Keine Frage, der Film hat einen sehr ausgeprägten Charme und ist unterhaltsam, jedoch schafft es die Low-Budget-Produktion nicht sich festzulegen ob sie nun Persiflage mit einem Augenzwinkern oder ernsthafter Thriller sein möchte. Der Film findet keine Balance. Und dieser Umstand trübte für mich den Filmgenuss ein wenig.
(Stefan Schuster)
|