Wenn du krepierst, lebe ich
(Autostop rosso sangue)


Thriller, Italien 1977
Regie: Pasquale Festa Campanile
Drehbuch: Aldo Crudo, Pasquale Festa Campanile, Ottavio Jemma
Kamera: Giovanni Bergamini
Musik: Ennio Morricone
Produzenten: Mario Montanari, Bruno Turchetto
Darsteller: Franco Nero, Corinne Clery, David Hess, Joshua Sinclair, Carlo Puri u.a.

Auf der Heimfahrt aus ihrem Urlaub in den USA, nimmt ein zerstrittenes Paar (Franco Nero, Corinne Clery) einen Anhalter (David Hess) mit. Dieser entpuppt sich schon bald als Bankräuber und Mörder auf der Flucht. Er will die beiden dazu benutzen, heil über die Grenze zu kommen. Es entbrennt einer Psychokampf um leben und tot...

In den ersten ca. 15 Minuten wurde versucht, eine tragikomische Stimmung zu erzeugen. Die Beziehung des Paares wird gezeigt und Nero's Charakter stellt sich als ziehmliches Arschloch heraus. Dieser Auftakt ist so sau blöd und amateurhaft gemacht, dass er schon wieder unterhaltsam ist. Man findet Franco Nero unweigerlich noch um einges sympathischer, als er eh schon ist und denkt sich: Klasse, das ein solcher Star nie Vorurteile gegenüber dem Exploitation-Kino hegte. Erst nach der ersten viertelstunde bekommt man eine Ahnung, was Nero immer wieder dazu bewegt haben könnte, im Genrefilm zu Hause zu bleiben. Wie es meist nur in einem Exploiter der Marke Italien vorkommt, bietet der Film für den großen Rest seiner Spieldauer rasante, derbe Action das es nur so eine Freude ist. Klar, trashig ist das ganze natürlich. Aber für Exploitation-Liebhaber macht ja gerade das den Reiz aus.
Schauspielerisch können zumindest die drei Hauptpersonen überzeugen. David Hess glänzt als sadistischer Bösewicht, der aber in Franco "Django" Nero einen ebenbürtigen Gegenpart findet. Das Nervenspiel zwischen den beiden ist ein Highlight des Films. Zwar spielt Corinne Clery auch gut, aber ein weiteres Highlight ist ihre äußere Erscheinung. Ich möchte sie darauf zwar nicht reduzieren, aber der Regisseur wird sich schon dabei was gedacht haben, dass sie gleich mehrmals ihre Brüste und auch ihren herrlich haarigen Bären :-D zeigen darf. Auch dieser Punkt in Sachen Exploitation ist also erfüllt.
Also unterm Strich ist der Film schon sehr gut (aber bitte nicht als Schulnote werten, sonst würde man ihn doch etwas überschätzen), wenn man eben auf diese Art von Filmen steht. Ob er storytechnisch ähnliche Filme wie Hitcher - Der Highway Killer (1985) oder Breakdown (1997) beeinflusst hat, kann man mutmaßen. Vergleiche drängten sich in meinem Kopf aber durchaus auf. Spannend und mitreißend sind sie alle drei, Wenn du krepierst, lebe ich unterscheidet sich von den anderen aber vor allem durch seinen extrem ausgeprägten Zynismus und schwarzen Humor.


(Stefan Schuster)