The Last Man on Earth
Science-Fiction/Horror, USA/Italien 1964
Regie: Ubaldo Ragona, Sidney Salkow Drehbuch: William Leicester, Richard Matheson (als Logan Swanson) Kamera: Franco Delli Colli Musik: Paul Sawtell, Bert Shefter Produzent: Robert L. Lippert Darsteller: Vincent Price, Franca Bettoia, Emma Danieli, Giacomo Rossi-Stuart, Umberto Raho u.a.
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Eine weltweite Seuche hat die Menschheit dahingerafft. Die Opfer der Epidemi sind von den Toten wieder auferstanden und treiben als Vampire ihr unwesen. Robert Morgan (Vincent Price) ist der letze Überlebende, zumindest scheint es so. Morgan hat sein Haus verbarrikadiert, damit die Vampire bei ihren nächtlichen Angriffen keine Möglichkeit haben ihn zu ihresgleichen zu machen. Auf seinen täglichen Streifzügen durch die Stadt pfählt Morgan die tagsüber schlafenden Mutanten mit einem Pflock durch das Herz. Anschließend wirft er die leblosen Körper in eine Verbrennungsgrube. Als er eines Tages auf einen weiteren Menschen stößt, ist die Freude zunächst groß. Doch kann er diesem Menschen wirklichen trauen? Auf der Suche nach der Antwort erfährt er ein schreckliches Geheimnis...
The Last Man on Earth ist ein billig produzierter Film der amerikanischen Produktionsfirma AIP in Kooperation mit der italienischen Produktionsfirma La Produziono Regina. Die AIP, welche mit den Edgar Allan Poe- Verfilmungen Roger Corman's zu großem Erfolg gelangt ist, wollte Anfang der 60er Jahre zunehmend auch den europäischen Markt erschließen und so kam diese Co-Produktion zustande. Die Handlung des Films basiert auf dem Vampirroman I Am Legend von Richard Matheson aus dem Jahre 1953. Matheson schrieb unter dem Pseudonym Logan Swanson selbst auch am Drehbuch für den Film mit und daher verwundert nicht dass er die meisten Aspekte des Romans wie Kritik an der Wissenschaft und bestimmten menschlichen Verhaltensweisen wiedergibt. Der Stammschaupieler AIP's der 60er Jahre, Vincent Price, ist auch hier der Hauptakteur. Als "letzter Mann auf Erden" zeigt der große Mime wieder mal sein ganzes Können. Er spielt die Figur des Robert Morgan und dessen innere Zerbrochenheit gepaart mit verzweifelter Entschlossenheit ausgesprochen überzeugend. Routiniert spitz Morgan Pfähle um sie wenig später ohne mit der Wimper zu zucken in die Körper der Vampire zu rammen. Dies stumpft ihn in seinem Empfinden weitestgehend ab. Den nächtlichen Lärm den die körperlich schwachen Mutanten verursachen, um in sein Haus einzudringen (jedoch erfolglos), übertönt er mit Musik. Nur selten setzt eine Trauer ein und ihm wird bewusst, wie aussichtslos seine Situation ist. Doch auch dies ist dann sehr ergreifend gespielt und man fühlt mit.
Trotz der meisterhaften schauspielerischen Leistung Price's und der Mitwirkung des Stars überhaupt, gilt der Film als eine vergessene Perle. Grund mag a) sein, dass man Price in Zusammenhang mit AIP bzw. seinen Filmen der 60er Jahre immer zu erst mit den Poe-Verfilmungen Roger Corman's in Verbindung bringt. Der Low-Budget- Film The Last Man on Earth, gedreht in Italien, wurde damals auch nie von AIP sonderlich beworben. Grund b) ist wohl sicherlich, dass der Roman noch in zwei anderen, weitaus bekannteren Filmen verarbeitet wurde. The Omega Man (1971) mit Charlton Heston in der Hauptrolle, die zweite offizielle Verfilmung des Stoffes, ist mehr auf Action ausgelegt und wird der Schärfe des Originals selten gerecht. Die dritte Verfilmung I am Legend (2007) mit Will Smith in der Hauptrolle entfernt sich trotz des vom Roman entlehnten Titels recht weit von der Vorlage, ist aber für einen Hollywood-Blockbuster erfreulich tiefgründig und charakterstark. Bereits The Omega Man hat das kleine Original aus dem Gedächtnis vieler verdrängt. Einen hohen Bekanntheitsgrad genießt The Last Man on Earth in keinem Land. Weder in Deutschland (wer hätte das gedacht), anderen europäischen Ländern als auch in den USA (obwohl sich hier normalerweise für jeden Schrott eine Fangemeinde findet). Völlig zu Unrecht, wie ich finde.
Der Film bietet eine dichte und oftmals auch gruselige Atmosphäre und die apokalyptische Endzeit-Stimmung kommt gut rüber, wenn man die finanziellen Beschränkungen bedenkt. Man hat wirklich alles erdenkliche aus den Möglichkeiten herausgeholt. Was man negativ anmerken könnte, sind die teilweise naiven Klischees, die mit Kruzifixen und Knoblauch und nicht zu vergessen Spiegeln vollends den Vampir-Mythos bedienen.
Dies ist jedoch auch das einzige, was von den allseits bekannten Vampirlegenden in diesem Film geblieben ist. The Last Man on Earth muss man als Markstein für die Entwicklung des Horrorgenres von naiven Gruselfilmen hin zum "realistischen", direkteren, schlicht moderneren Horrorfilm sehen. Die Geschichte des Films bzw. der Romanvorlage ist hundertprozentig Inspiration für viele Horrorfilme gewesen und ist es auch heute noch. Beispielsweise erinnert George A. Romero's Meisterwerk Die Nacht der lebenden Toten (1968) sehr an die Grundstimmung - auch mit Hinblick auf die Inszenierung - und die in The Last Man on Earth herumschleichenden Untoten haben nichts mehr mit herkömmlichen Vampiren aus romantisierenden Gruselfilmen zu tun haben. Sie sind aus heutiger Sicht mehr Zombies als Vampire. Damit kann The Last Man on Earth durchaus als Vorläufer aller modernen Zombiefilme bezeichnet werden. Jüngstes Beispiel ist da wohl Danny Boyle's 28 Days Later (2002). Gerade die Ähnlichkeiten mit Boyle's Zombiefilm sind teilweise frappierend.
The Last Man on Earth ist sicherlich kein Meisterwerk des Horror/Science-Fiction- Genres, jedoch ist er ein überaus gelungener und bemerkenswerter Low-Budget- Film. Das Werk, das zur damaligen Zeit nicht nur ungemein innovativ sondern in der Darstellung des Schreckens auch - der italienischen Co-Produktion sei Dank - ungewohnt drastisch war, hat einen Platz in der Filmgeschichte auf jeden Fall redlich verdient.
(Stefan Schuster)
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