Laura

Krimi/Drama, USA 1944
Regie: Otto Preminger
Drehbuch: Jay Dratler, Samuel Hoffenstein, Betty Reinhardt
Kamera: Joseph LaShelle
Musik: David Raksin
Produzent: Otto Preminger
Darsteller: Gene Tierney, Dana Andrews, Clifton Webb, Vincent Price, Judith Anderson, Dorothy Adams u.a.




Der Film Laura wird oft als einer der besten Vertretern des 'Film Noir' bezeichnet. Ihn in dieses Subgenre (zu dem auch Filme wie Die Spur des Falken oder Tote schlafen fest mit Humphrey Bogart gehören) einzuordnen fällt auf den ersten Blick leicht. Hat er doch viele Attribute die einen Film aus der 'schwarzen Serie Hollywoods' ausmacht: Ein Privatdetektiv auf der Suche eines Gangsters oder Mörder und ein ausgeprägtes Licht- und Schattenspiel. Doch Laura ist viel mehr und bei genauerer Betrachtung kann man ihn nicht in ein bestimmtes Genre einordnen. Er ist Krimi genau wie Drama und durch einen ungeheueren Wortwitz und genial humorvollen Dialogen hat er schon fast komödiantische Qualitäten. Der Film ist stylisch, elegant aber auch ruppig und zynisch. Nicht zuletzt aufgrund der Charaktere, die allesamt etwas unsympathisches und zwielichtiges an sich haben. Der österreichische Regisseur Otto Preminger sagte mal: "Die Charaktere in Laura sind alles Mistkerle". Zumindest die Männer, doch auch die attraktive Laura verbirgt hinter ihrem Aussehen eine gewisse Undurchsichtigkeit.
Neben der spannenden Inszenierung und Atmosphäre macht den Film vor allen so gut, dass seine Charaktere so mehrdimensional gezeichnet sind. Laura beispielsweise wird im Film immer mehr zu einer fast schon allegorischen Figur, zu einer Reflexikon aus das damalige Frauenbild im Kino sowie die Mythen des 'Film Noir'. Der Film symbolisiert durch Laura das schematisiert-vereinfachte Frauenbild Hollywoods und andere Klischees und perodiert diese dann schon fast. So ist Laura nicht nur ein Film den man zum Subgenre des 'Film Noir' zählen kann, sondern zugleich ein Kommentar zu diesem Genre.
Der Film zeigt eine Frau, Laura, die sich gegen die Männerwelt durchzusetzten versucht und nicht nur - wie es im 'Film Noir' üblich ist - eine Frau als männerverschlinge Femme Fatale die dem Detektiv bei der Lösung des Falls ein Hindernis ist. "Ich lasse mich nicht zwingen und werde nie etwas tun, was nicht mein eigener Wille ist", so Laura in dem Film. "Ein Bekenntnis, das für Hollywood und seine frauenfeindlichen Produktionen geradezu eine Revolution darstellt", wie Hahn/Jansen in ihrem Buch Kultfilme zu Recht anmerken. Der Film war bei vielen Leuten der Filmlandschaft Hollywoods aufgrund dessen nicht gerne gesehen. Doch da er beim Prublikum so gut ankam, musste die Traumfabrik reagieren. Die Zuschauer forderten einen Oscar für 'Bester Film' und/oder 'Beste Regie'. Doch da dies Hollywood verhindern wollte, rettete man die Situation einfach dadurch, dass man Kameramann Joseph La Shelle statt Otto Preminger einen Oscar verlieh.
Ein gutes Beispiel der geplanten und durchkonstruierten Machenschaften der schon damals in Oberflächlichkeit aufgehenden Traumfabrik Hollywood.

Noch ein paar Worte zu den Schauspielern: Die Rolle der Laura wird sehr überzeugend gespielt von Gene Tierney (Weisser Oleander, 1946). Die Leinwandgöttin der 40er Jahre wurde mit Laura endgültig zu einem Topstar des Kinos. Für Dana Andrews, den Darsteller des Detektivs der sich in Laura verliebt, bedeute der Film den Anfang einer erfolgreichen Filmkarriere. Für einen weiteren Akteur bedeutete der Film ebenfalls der Anfang einer Karriere, die später allerdings ganz anders verlaufen sollte: Vincent Price. Ein von mir sehr geschätzter Schauspieler, der den meisten bekannt sein dürfte aus Horror- und Gruselfilmen wie House of Wax (1953) oder Roger Corman's Der Untergang des Hauses Usher (1960). Price ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Darsteller des Horrorgenres, in dem er ab House of Wax - von nur wenigen Ausflügen in andere Genres abgesehen - zu Hause war. Doch in den 30er und 40er Jahren spielte er in vielen Krimis, Dramen und auch Komödien und bekam dort meist die Rolle des Gigolos und Frauenhelden. Doch bestimmte Details in seinem immer schon außergewöhnlichen Spiel deuteten schon darauf hin, in welche Richtung seine lange Karriere später gehen sollte.


(Stefan Schuster)