Rosemary's Baby
Horror/Thriller, USA 1968
Regie: Roman Polanski Drehbuch: Roman Polanski Kamera: William A. Fraker Musik: Krzysztof Komeda Produzent: William Castle Darsteller: Mia Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon, Sidney Blackmer, Maurice Evans, Ralph Bellamy, Patsy Kelly u.a.
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Das jung verheiratete Paar Rosemary und Guy Woodhouse (Mia Farrow, John Cassavetes) zieht in ein altes Mietshaus. Schon bald lernen sie ihre Nachbarn Minnie und Roman Castevet (Ruth Gordon, Sidney Blackmer) kennen. Ein altes Ehepaar - zwar etwas aufdringlich, aber liebenswürdig. Nachdem der Schauspieler Guy durch die unerklärliche Erblindung eines Konkurrenten überraschend die Hauptrolle in einem Broadway-Stück erhält, schlägt er Rosemary vor, ein Kind zu haben. In der geplanten Liebesnacht ist Rosemary benommen. Scheinbar vom Alkohol... In einem furchtbaren Alptraum sieht sie sich von Guy, den Castevets und deren Freunden umringt, während sie selbst von einem teufelähnlichen Wesen vergewaltigt wird. Tatsächlich findet sie am nächsten Morgen zahlreiche Kratzspuren auf ihrem Körper und die Castevet sind sehr interessiert an dem gedeihen des Kindes...
Mit seinem ersten in den USA gedrehten Film greift Roman Polanski erneut sein Leitmotiv "Individuum gegen Umwelt" auf. Ein Mensch befindet sich in einer Situation, in der er von einer scheinbar oder tatsächlich feindlichen Umwelt in die Enge getrieben wird. Dieses Leitmotiv ist neben Rosemary's Baby u. a. in Ekel (1965), Tanz der Vampire (1967), Der Mieter (1976) und Tess (1979) zu sehen. Auch in seinem ersten (vollendeten) Kurzfilm Zwei Männer und ein Schrank aus dem Jahre 1958 ist dieses Motiv schon zu erkennen.
Die Vorlage der Story von Rosemary's Baby entstammt dem gleichnamigen Roman des Broadway-Autors Ira Levin. Damit war dieser Film nicht nur Polanskis erster in Hollywood gedrehter Spielfilm, sondern auch der erste bei dem er aus einer anderen Quelle schöpfte. Interessant auch die Tatsache, dass Polanski mit dieser Arbeit der erste Regisseur aus einem Ostblockland war, der einen Auftrag in Hollywood erhielt. Produzent und Studiodirektor von Paramount, Robert Evans, lud Polanski Mitte 1967 in die Filmhauptstadt ein und gab ihm das Buch Levin's zu lesen. Produzent William Castle, erfolgreicher B-Movie-Regisseur der 50er und 60er Jahre, hatte sich kurz zuvor die Rechte an einer Verfilmung gesichert und hielt Polanski für den geeigneten Regisseur. Polanski erzählte mehrfach in Interviews, dass er von dem Roman so gefesselt war und ihn deshalb in nur einer Nacht durchlas - "...bis die Augen brannten." Gleich am nächsten morgen erklärte er sich bereit, ihn zu verfilmen. Evans und Produzent Castle erklärten sich wiederum bereit, Polanskis Bedingung den Roman nicht allzusehr verändern zu müssen, obwohl dies damals in Hollywood gängige Praxis war. Auch waren sie damit einverstanden, Polanski das Drehbuch im Alleingang schreiben zu lassen. Ein großer Vertrauensbeweis für den kleinen polnischen Regisseur. Der Grund warum Polanski derart erpicht darauf war, sich bei der Adaption sehr eng an die Vorlage halten zu können, mag wohl die Erkenntnis gewesen sein, wie viele Ähnlichkeiten sie vom Thema her mit seinen bisherigen Filmen hatte und seinem Leitmotiv "Individuum gegen Umwelt" entspricht. Später erklärte Ira Levin sogar, beim schreiben seines Romans an Polanskis Filme gedacht zu haben und von ihnen inspiriert gewesen zu sein.
Rosemary's Baby wurde Polanskis bis dato größter "Box Office"-Erfolg und der Roman von Ira Levin erst darauf hin ein Bestseller. Es ist eine Horror-Geschichte, die ihren Horror vor allem daraus gewinnt, dass alles so real und als könne es jeden treffen wirkt. Man kann den Film noch so oft sehen, die Beklemmung die Rosemary empfindet überträgt sich immer wieder auf den Zuschauer. Es ist schon eine grauenhafte Vorstellung, dass man von jemanden den man liebt und dem man vertraut, verraten wird und Opfer eines so scheußlichen Komplottes wird. Ganz davon abgesehen, dass man den Film auf keinen Fall werdende Mütter sehen lassen sollte. Levin und Polanski griffen ganz bewusst die Ängste von Schwangeren auf, die in einer instabilen Umwelt zu Neurosen führen können. Dabei wird "oft eine ambivalent-gestörte Beziehung zum Kind gefunden, die die Mutter eben nur in der Psychose (interesselos, aggressiv oder zwanghaft besorgt) offen zu äußern sich traut", wie Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus Dörner in seinem Buch Irren ist menschlich schreibt. In Rosemary's Baby geht es aber noch weit über eine Psychose hinaus, denn eine Verschwörung gegen die dramatische Hauptfigur gibt es wirklich. Polanski tat alles dafür, die Erklärungsmöglichkeiten es sei alles nur eine Halluzination Rosemary's zu vernichten. Dies ist genau die Variation seines Lieblingsthemas des "Individuums gegen die Umwelt". Sowohl in Ekel als auch in Der Mieter wird der Hauptcharakter mit seinen Neurosen mit einer einfach gesagt "normalen" Welt konfrontiert, während die psychisch intakte Rosemary auf eine "verrückte" Welt stößt. Und da man sich so mit Rosemary identifiziert (was natürlich auch ein riesengroßer Erfolg des Spiels der sympathischen Mia Farrow ist), leidet man als Zuschauer spätestens wenn sie dem Pakt auf die Schliche kommt, fast selbst unter Angstzuständen.
Das Unbehagen welches einen beim schauen des Films aufgrund der ohnehin schon schrecklichen Ereignisse erfasst, wird bis ins unermessliche gesteigert durch den geschickten Spannungsaufbau und die grandiosen schauspielerischen Leistungen. Alle Akteure agieren so überzeugend, dass man ihnen jede winzig kleine Regung abnimmt. Abgesehen davon, dass Sidney Blackmer als Roman Castevet allein durch seine spitzen Augenbrauen schon wie der Teufel höchstpersönlich und damit zum gruseln aussieht. Apropos Teufel: Natürlich wurde der Film aufgrund seiner Thematik und einiger Kirchenkritischer Anspielungen von Seiten der Kirche arg kritisiert. Von der "National Catholic Office for Motion Pictures" (NCOMP) wurde er wegen "Perversion fundamentaler christlicher Glaubensvorstellungen" und "Verhöhnung religiöser Persönlichkeiten und Gebräuche" mit dem Prädikat "C" für "Condemned" (dt.: "Verflucht") belegt. Die Jury fügte hinzu, dass "die äußerst exzellente technische Gestaltung des Films dazu dient, seine diffamatorische Wirkung zu verstärken." Damit schoss sich die NCOMP aber letztlich ins eigene Bein, da sich zum erste Mal eine Major Company wie Paramount nicht scheute, einen Film mit dieser Note unter ihrem Namen zu veröffentlichen. Damit wurde ein Tabu gebrochen und der Einfluss der Kommission ging in der Folgezeit rapide zurück.
(Stefan Schuster)
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