Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (L' Uccello dalle piume di cristallo)
Thriller (Giallo), Italien/Deutschland 1969
Regie: Dario Argento Drehbuch: Dario Argento Kamera: Vittorio Storaro Musik: Ennio Morricone Produzenten: Salvatore Argento, Artur Brauner Darsteller: Tony Musante, Suzy Kendall, Enrico Maria Salerno, Umberto Raho, Eva Renzi, Mario Adorf u.a.
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Sam Dalmas (Tony Musante), ein amerikanischer Schriftsteller wird in Rom Zeuge eines Mordversuchs an der Frau des Galleristen Ranieri (Umberto Raho). Kommissar Morosini (Enrico Maria Salerno) findet am Tatort nur noch blut-befleckte schwarze Handschuhe. Zunächst widerwillig arbeitet Sam mit der Polizei zusammen, da er als einziger Zeuge auch der einzige zu sein scheint, der die Tat aufklären kann.
Soviel zum eher simplen Plot, was allerdings nicht weiter verwundert. Haben wir es hier doch mit einem Dario Argento-Film zu tun und dann auch noch mit seinem Debüt. Die typische Krimi-Story wird aber durch die typischen Giallo-Elemente eines italienischen Thrillers (die durch Argento eigentlich erst typisch für das Subgenre wurden) angereichert. Genau diese Elemente waren es dann auch, welche dem deutschen Verleiher wohl ziemlich auf die Nerven gingen. Hierzulande wollte man die italienisch-deutsche Co-Produktion nämlich als Edgar Wallace-Krimi vermarkten und schrieb sogar in den Vorspann "nach einer Story von Bryan Edgar Wallace". Was tatsächlich völliger Quatsch ist. Der Film basiert (aber auch nur sehr lose) auf den Roman The Screaming Mimi von Frederic Brown. Argento konnte sich die offiziellen Rechte an der Verfilmung nicht leisten, was auch eine Erklärung ist warum er nur die Grundidee übernahm. Erstaunlicherweise passt zumindest der deutsche Titel sehr gut. Die für einen Giallo obligatorischen schwarzen Lederschuhe bekommen wir des Öfteren in Großaufnahmen zusehen. Übrigens sind es wie in all seinen Filmen Argentos Hände höchstpersönlich.
Überhaupt lassen sich schon viele Elemente ausmachen, die Dario Argento in seinen weiteren Filmen immer wieder einsetzte und perfektionierte. Eindrucksvolle Farbgebungen und Locations (die weiße Gallerie mit den großen Schausfenstern) und gewisse ungewöhnliche Kameraeinstellungen. Die handwerkliche Kompetenz ist für den ersten Film eines jungen Regisseurs, der zuvor noch keine Erfahrung im Regieführen hatte, sehr beeindruckend. In den Spannungsszenen überzeugt Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe voll.
Aber ehrlicher Weise muss ich sagen, dass sich auch einige Längen eingeschlichen haben (was ich auch gerne als typisches Argento-Element bezeichne :-D ). Dies festigt meine Meinung, dass Argento ein Regisseur für gewisse Momente ist. Mal inszeniert er eine der spannungsgeladensten Szene der Filmgeschichte, im nächsten Moment aber langweilt ein Dialog bis aufs Blut. Einzig Suspiria (1976) würde ich als rundum exzellenten Film aus Argentos Œuvre bezeichnen.
Ein weiterer negativer Punkt ist das Schauspiel des US-stämmigen Tony Musante, der ab Ende der 60er Jahre Italien als seine Arbeits-Hauptstadt entdeckte. Musante wirkt in seiner Darstellung ein wenig hölzern und somit auch unglaubwürdig. Interessant in diesem Zusammenhang zu erwähnen ist, dass Musante von den Produzenten Argento aufgezwungen wurde. Er selber wollte ihn gar nicht für den Film. Die beiden sollen sich auch während der Dreharbeiten immer mal wieder in die Wolle bekommen haben. Ein Grund für das manchmal unmotiviert scheinende Spiel? Gut möglich, was man dann allerdings Argento als Regisseur negativ anrechnen muss. Als Filmemacher sollte man schon alle Fäden in der Hand halten und sich auch mit eigentlich nicht gewollten Schauspielern so arrangieren, dass diese ihren Job gut machen können. Apropos Schauspieler: Erwähnenswert ist ein Kurzauftritt des Großen Mario Adorf als schrulliger Maler. Eine für Argento ungewöhnlich humorvolle Szene.
Eigentlich hasse ich es, Filmkritiken mit einem Fazit zu beenden. Jedoch bleibt mir diesmal aufgrund des Aufbaus der Kritik keine andere Wahl. Also denn: Leute die sich für Gialli interessieren, sollten den Film auf jeden Fall gesehen haben und Liebhaber von Argentos Werken sowieso - immerhin ist dies seine erste Regiearbeit. An einigen Stellen holpert es zwar, jedoch überwiegen die starken und spannenden Szenen. Und somit bleibt für mich ein positiver Gesamteindruck.
(Stefan Schuster)
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