Shock

Thriller, USA 1946
Regie: Alfred L. Werker
Drehbuch: Eugene Ling
Kamera: Joseph MacDonald, Glen MacWilliams
Musik: David Buttolph
Produzent: Aubrey Schenck
Darsteller: Vincent Price, Lynn Bari, Frank Latimore, Anabel Shaw u.a.




Die junge Janet Stewart (Anabel Shaw) wartet in einem Hotel in San Francisco auf die Rückkehr ihres Mannes. Durch das Fenster wird sie Zeugin, wie ein Mann seine Frau mit einem Kerzenleuchter erschlägt. Ihr Gatte findet sie in einem komaartigen Schock-Zustand. Er bittet den Psychiater Richard Cross (Vincent Price) um Hilfe. Doch Cross war der Mörder. Er lässt sie in sein privates Sanatorium einweisen. Während Cross und eine Geliebte (Lynn Bari) überlegen, wie sie die junge Frau zum Schweigen bringen können, erwacht sie und muss nun um ihr Leben kämpfen...

Dieser Film bedeutete für Vincent Price, der mit Das Lied von Bernadette (1943), Laura (1944) und Todsünde (1945) bis dato den Rang eines sehr gerne eingesetzten Nebendarstellers inne hatte, die erste Hauptrolle. Price selbst sagte später einmal, wie es zu diesem Film kam: "Shock war eigentlich ein Experiment. Das Studio [20th Century Fox, Anm. d. Kritik] gab für seine Filme zu viel Geld aus und brauchte lange, um sie zu drehen. Es musste also etwas getan werden, um die Produktion zu erhöhen und die Kosten zu senken. Also hatte man mich und Lynn Bari gefragt, ob wir einen Film in zwanzig Tagen drehen könnten, der immer noch nach einer erstklassigen Produktion aussehen würde." Man war damit einverstanden. Bedenkt man diese Bedingungen - das kleine Budget und sonstige Beschränkungen - ist Shock ein bemerkenswerter Film den man sich gut anschauen kann, ohne dass er langweilig wird. Ganz objektiv betrachet bietet er aber für das was er sein soll, nämlich ein Thriller im Subgenre des damals in den USA sher beliebten Film Noirs, dem Zuschauer zu wenig Futter. Er ist wenig spannend, was selbstverständlich daher herrührt, dass für das Publikum von vorneherein bekannt ist ob der Mord tatsächlich passiert ist und auch wer der Mörder ist. Eine Einbildung oder ein Traum von Seiten Janet kann es nicht gewesen sein, denn dies wurde bereits ausgeschlossen durch die Traumsequenz kurz zuvor, welche vom realen Geschehen sehr deutlich abgegrenzt wurde. Hier beispielsweise hätte man den Zuschauer auf eine Fährte führen können, die Spannung erzeugt hätte.
Ein wesentlicher Aspekt ist, dass Dr. Cross eigentlich eine sehr bedauernswerte Figur ist und die treibende Kraft hinter ihm seine Geliebte ist. Ein Paradebeispiel einer Femme Fatale im Film Noir. Dies kommt gut rüber und vermag auch zeitweise zu fesseln. Jedoch kommt es auch etwas zu unausgereift daher. Subtilität in Ehren, aber etwas mehr Ausschmückung hätte nicht geschadet. Zumahl der Film mit einer Länge von nur 70 Minuten dies rein von der Spielzeit her vertragen hätte. Der Film lebt von der Präsens des im wörtlichen wie im übertragenen Sinne großen Vincent Price. Er schafft es, dass dieser Aspekt trotzdem gut raus kommt. Sein Zusammenspiel mit Lynn Bari ist toll, doch ihr Charakter ist leider zu blass beschrieben, als dass sie ein wirklich überragendes Paar mit Price abgeben könnte. Das schwächelnde Drehbuch stützt sich komplett auf seinen Hauptdarsteller und er stemmt es wahrlich meisterhaft. Unbeachtet wäre der Film geblieben, wäre er nicht interessant für Leute die Price in seiner ersten Hauptrolle sehen wollen. Er ist ein Film Noir, der hinter den Klassikern des Subgenres steht, sich aber trotz der negativen Kritikpunkte aufgrund der schauspielerischen Leistung von Price durchaus sehen lassen kann.
Der Film erfuhr erst 2008 eine Veröffentlichung in Deutschland und wurde mit einer leider recht undifferenzierten Synchronistation versehen, welche den Film noch zusätzlich abwertet. Die wenigsten Rollen sind stimmlich passend besetzt. Selbstverständlich ist es sehr schwer den Zeitgeist von damals heute neu einzufangen. Jedoch ist die billige und stiefmütterlich behandelte Umsetzung von der Synchro bis hin zum Cover der DVD spürbar. Und genau das verbindet diese deutsche Erstveröffentlichung mit der damaligen Produktion des Films.


(Stefan Schuster)