Sunshine

Science-Fiction/Thriller, Großbritannien 2007
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Alwin H. Kuchler
Musik: John Murphy
Produzent: Andrew Macdonald
Darsteller: Cillian Murphy, Chris Evans, Hiroyuki Sanada, Rose Byrne, Cliff Curtis, Michelle Yeoh u.a.

50 Jahre in der Zukunft: Die Sonne ist tot, die Erde hat sich verdunkelt. Ein Team von Wissenschaftlern und Astronauten ist unterwegs, um mit einer Explosion die Kraft der Sonne wieder zu beleben. Bereits einige Jahre zuvor, ist eine andere Raumfähre - die Icarus I - an dieser Mission gescheitert. Kurz vor ihrem Ziel erreicht die Crew einen Funkspruch der verschollen geglaubten Icarus I. Nun steht die Crew vor der Wahl: Auf Kurs bleiben und es mit einer Bombe versuchen, oder zur Icarus I fliegen, versuchen die Überlebenden zu retten und die Sprengkraft mit deren Bombe zu verdoppeln...

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen: Hat Danny Boyle doch mit dem grotesken Sozialdrama Trainspotting (1996) einen der intelligentesten Drogenfilme jenseits vom typischen Hollywood-Schmuh geschaffen, Leonardo DiCaprio mit The Beach (1999) zu einem großen Achtungserfolg verholfen und in seinem apokalyptischen Zombiefilm 28 Days Later (2002) die sozialkritischen Ansätze eines George A. Romeros in den Vordergrund gestellt. Trotzdem hatte ich bei seinem Science-Fiction-Film Sunshine nicht mehr als einen effektreichen Weltraumfilm erwartet, der im besten Popcorn-Kino-Fall vielleicht noch eine magere Story hinter Bilderorgien versteckt. Demnach war ich ganz schön überrascht - auch von meiner Einschätzung - über die intelligente Story und die stimmige Atmosphäre, die sich in erster Linie durch die Verbindung der durchaus interessanten Charaktere mit der deutlich gemachten Abgeschiedenheit im All ergibt. Inszenatorisch und in Sachen Ausstattung kann man Vergleiche ziehen mit Stanley Kubriks 2001 - Odysee im Weltraum (1969), jedoch hält sich Boyle weites gehend fern von einer Philosophiestunde wie sie Kubrick erschuf. Boyles Film ist ein Mittelweg zwischen intellektuellem und zugänglicherem Kino. Dieser Weg erweist sich für mich als goldrichtig. Er bietet wenig konventionelle Action, die eingesetzten Actionelemente sind dafür aber umso mitreißender. Manche Szenen sind sehr emotional und bewegend, ließen mich als Zuschauer wirklich über moralische Fragen und die immer präsente Schwelle zur Hoffnungslosigkeit nachdenken.
Bildgewaltig ist der Film aber natürlich auch. Die Filmcrew hat scheinbar einen riesig großen Aufwand betrieben, um die faszinierenden Bilder von All und Sonne perfekt auf Zelluloid zu bringen. Boyle und Drehbuchautor Alex Garland finden das richtige Gleichgewicht zwischen der intelligenten Story und den Bilderfluten, halten sich größtenteils von Klischees und Konventionen fern. Dabei kann auch erwähnt werden, dass der Film interessanter Weise Mitten in der Misson auf dem Raumschiff beginnt und man nichts von den Auswirkungen der Verdunklung der Sonne auf der Erde gezeigt bekommt.
Leider komme ich aber nicht drum herum, auch eine negative Kritik anzubringen. Den ganzen Film über ist selbstverständlich eine gewisse Bedrohung zugegen. Doch Boyle und Garland machen leider einen Fehler: Sie lassen gegen Ende diese subtile Bedrohung explodieren. Ich muss wirklich sagen, dass mich das Horror-Terrain, auf das der Film zum Ende hin gerät, etwas ernüchtert hat. Ohne den Leuten die den Film noch nicht gesehen haben, großartig etwas an Spannung zu nehmen, muss ich die Slasher-Elemente einfach negativ erwähnen - besonders nach den großartigen eineinhalb Stunden zuvor. Hat der Film bis dahin mich durch seine ruhige und trotzdem spannende Stimmung überzeugt, ist Boyle nahe dran alles mit dem Ende zu zerstören. Zum Glück ist er aber ein zu guter Regisseur, um es zu versauen und so bleibt nur ein kleiner schlechter Nachgeschmack.


(Stefan Schuster)